“Aggressive
Investoren dringen in die Gesundheitsbranche ein und übernehmen
Krankenhäuser und Pflegezentren. Sie entziehen dem System viel Geld –
zum Schaden der Belegschaft und der Patienten. (…) Im Sommer 2017 kam
das internationale Kapital nach Glückstadt. Die Investmentgesellschaft
Oaktree hatte die Mehrheit am Pflegeheim-Betreiber mit rund 4600
Beschäftigten gekauft. (…) Am Anfang, erzählt Heike Bremer, klang es
noch gut, was Oaktree in Glückstadt verbreiten ließ. „Sie waren ganz
offen mit ihrer Strategie, haben auf Betriebsversammlungen gesagt, dass
sie das Unternehmen effizient aufstellen, schön machen, um es dann
gewinnbringend zu verkaufen.“ Dass „Schön machen“ auch heißen kann,
alles, was sich nicht lohnt, abzustoßen, „war uns da noch nicht
bewusst“, sagt die Erzieherin. Zum Jahresende 2018 wurde die Einrichtung
kurzerhand an die Diakonie verkauft. Das alte Gebäude mit hohen
Heizkosten und einem großen Investitionsbedarf schmeckte den Investoren
nicht. „Offensichtlich kann man mit uns nicht genug verdienen“, sagt
Bremer, die zugleich Fachbereichsvorsitzende im ver.di-Landesbezirk ist.
(… ) Die Gewerkschaft ver.di fordert Transparenz über die
zweckentsprechende Verwendung der Steuermittel und Versichertenbeiträge.
(…) „Man muss von Trägern, die ihre Einnahmen aus
Sozialversicherungsbeiträgen und öffentlichen Geldern requirieren,
erwarten, dass sie sich an gesellschaftliche Spielregeln halten. Dazu
gehören Mitbestimmung und Tarifverträge“, sagt Gewerkschafterin Bühler.
„Die Politik ist gefragt, sie hat die kommerziellen Geister gerufen.“
Hahne und seine Betriebsratskollegen haben sich in einem offenen Brief
an die Abgeordneten des Bundestages gewandt. Sie fordern unter anderem
die „Rekommunalisierung der Altenpflege“. (…) In Bautzen und Riesa zum
Beispiel arbeitet die Belegschaft auf einen Haustarifvertrag hin. Der
Organisationsgrad liegt in beiden Einrichtungen bei über 50 Prozent. „Es
hindert uns niemand daran, uns zu organisieren, auch nicht der
internationale Kapitalmarkt“, sagt Hahne.” Beitrag von Uta von Schrenk aus dem Magazin Mitbestimmung Ausgabe 01/2019 der Hans-Böckler-Stiftung Montag, 5. August 2019
Finanzmarkt: Monopoly im Pflegeheim
“Aggressive
Investoren dringen in die Gesundheitsbranche ein und übernehmen
Krankenhäuser und Pflegezentren. Sie entziehen dem System viel Geld –
zum Schaden der Belegschaft und der Patienten. (…) Im Sommer 2017 kam
das internationale Kapital nach Glückstadt. Die Investmentgesellschaft
Oaktree hatte die Mehrheit am Pflegeheim-Betreiber mit rund 4600
Beschäftigten gekauft. (…) Am Anfang, erzählt Heike Bremer, klang es
noch gut, was Oaktree in Glückstadt verbreiten ließ. „Sie waren ganz
offen mit ihrer Strategie, haben auf Betriebsversammlungen gesagt, dass
sie das Unternehmen effizient aufstellen, schön machen, um es dann
gewinnbringend zu verkaufen.“ Dass „Schön machen“ auch heißen kann,
alles, was sich nicht lohnt, abzustoßen, „war uns da noch nicht
bewusst“, sagt die Erzieherin. Zum Jahresende 2018 wurde die Einrichtung
kurzerhand an die Diakonie verkauft. Das alte Gebäude mit hohen
Heizkosten und einem großen Investitionsbedarf schmeckte den Investoren
nicht. „Offensichtlich kann man mit uns nicht genug verdienen“, sagt
Bremer, die zugleich Fachbereichsvorsitzende im ver.di-Landesbezirk ist.
(… ) Die Gewerkschaft ver.di fordert Transparenz über die
zweckentsprechende Verwendung der Steuermittel und Versichertenbeiträge.
(…) „Man muss von Trägern, die ihre Einnahmen aus
Sozialversicherungsbeiträgen und öffentlichen Geldern requirieren,
erwarten, dass sie sich an gesellschaftliche Spielregeln halten. Dazu
gehören Mitbestimmung und Tarifverträge“, sagt Gewerkschafterin Bühler.
„Die Politik ist gefragt, sie hat die kommerziellen Geister gerufen.“
Hahne und seine Betriebsratskollegen haben sich in einem offenen Brief
an die Abgeordneten des Bundestages gewandt. Sie fordern unter anderem
die „Rekommunalisierung der Altenpflege“. (…) In Bautzen und Riesa zum
Beispiel arbeitet die Belegschaft auf einen Haustarifvertrag hin. Der
Organisationsgrad liegt in beiden Einrichtungen bei über 50 Prozent. „Es
hindert uns niemand daran, uns zu organisieren, auch nicht der
internationale Kapitalmarkt“, sagt Hahne.” Beitrag von Uta von Schrenk aus dem Magazin Mitbestimmung Ausgabe 01/2019 der Hans-Böckler-Stiftung
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