erst Neckarwestheim, jetzt Lingen. Im vergangenen Herbst entdeckten Inspekteur*innen im nuklearen Bereich des AKW Neckarwestheim Risse in Dampferzeuger-Heizrohren. Dieser Befund ist keine Petitesse, sondern eine ernstzunehmende Störung. Es handelt sich um Spannungsrisskorrosion. Dabei können Risse plötzlich entstehen und unvorhersehbar schnell wachsen. Es besteht die Gefahr, dass Radioaktivität austritt. Bei einem hohen Schadensausmaß ist es sogar möglich, dass der Reaktor außer Kontrolle gerät. AKW-Betreiber und Atomaufsichtsbehörden scheint dieser Umstand jedoch nicht zu beunruhigen. Weder im baden-württembergischen Neckarwestheim noch im niedersächsischen Lingen, wo im Mai bei einer Stichprobenprüfung ebenfalls Befunde an zwei Heizrohren entdeckt wurden. Rohre stopfen, Kraftwerk hochfahren. So war es im vergangenen Jahr im AKW Neckarwestheim und so ist es auch jetzt wieder im baugleichen AKW Lingen/Emsland. Dabei sind dort weder die Ursachen geklärt, noch ob und in welchem Ausmaß weitere Schäden vorliegen. Eine vollumfängliche Prüfung aller rund 16.000 Heizrohre in den vier Dampferzeugern ist nicht erfolgt. Damit setzen sich die Atomaufsicht in Niedersachsen und der Betreiber RWE über eine Empfehlung der Reaktorsicherheitskommission (RSK) hinweg.
Die RSK fordert, dass bei Befunden an Dampferzeugern alle Heizrohre zu 100 Prozent geprüft werden.In der vergangenen Woche hat .ausgestrahlt gemeinsam mit regionalen Anti-Atom-Initiativen und Atomkraftgegner*innen vor dem AKW in Lingen protestiert. RWE hatte das Kraftwerk mit Genehmigung der Landesatomaufsicht kurz zuvor wieder angefahren. Die Forderung an den Kraftwerksbetreiber RWE und die niedersächsische Atomaufsicht lautet weiterhin:
„Ein Riss kommt selten allein – Alle Rohre prüfen!“ .ausgestrahlt bleibt weiter an der Sache dran.
Technische Hintergrundinformationen findest Du in der
fachlichen Stellungnahme, die der renommierte Reaktorsicherheitsexperte Prof. Dr. Manfred Mertins im Auftrag von .ausgestrahlt erstellt hat. Außerdem empfehle ich Dir einen Blick in die
.ausgestrahlt-Pressemitteilungen zwischen dem 18. und 26. Juni, wenn Du den Verlauf der Geschehnisse nachverfolgen möchtest.
Herzliche Grüße
Angela Wolff
und das ganze .ausgestrahlt-Team
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