Samstag, 6. Juli 2019

.ausgestrahltNews | Ein Riss kommt selten allein!

erst Neckarwestheim, jetzt Lingen. Im vergangenen Herbst entdeckten Inspekteur*innen im nuklearen Bereich des AKW Neckarwestheim Risse in Dampferzeuger-Heizrohren. Dieser Befund ist keine Petitesse, sondern eine ernstzunehmende Störung. Es handelt sich um Spannungsrisskorrosion. Dabei können Risse plötzlich entstehen und unvorhersehbar schnell wachsen. Es besteht die Gefahr, dass Radioaktivität austritt. Bei einem hohen Schadensausmaß ist es sogar möglich, dass der Reaktor außer Kontrolle gerät. AKW-Betreiber und Atomaufsichtsbehörden scheint dieser Umstand jedoch nicht zu beunruhigen. Weder im baden-württembergischen Neckarwestheim noch im niedersächsischen Lingen, wo im Mai bei einer Stichprobenprüfung ebenfalls Befunde an zwei Heizrohren entdeckt wurden. Rohre stopfen, Kraftwerk hochfahren. So war es im vergangenen Jahr im AKW Neckarwestheim und so ist es auch jetzt wieder im baugleichen AKW Lingen/Emsland. Dabei sind dort weder die Ursachen geklärt, noch ob und in welchem Ausmaß weitere Schäden vorliegen. Eine vollumfängliche Prüfung aller rund 16.000 Heizrohre in den vier Dampferzeugern ist nicht erfolgt. Damit setzen sich die Atomaufsicht in Niedersachsen und der Betreiber RWE über eine Empfehlung der Reaktorsicherheitskommission (RSK) hinweg. Die RSK fordert, dass bei Befunden an Dampferzeugern alle Heizrohre zu 100 Prozent geprüft werden.

In der vergangenen Woche hat .ausgestrahlt gemeinsam mit regionalen Anti-Atom-Initiativen und Atomkraftgegner*innen vor  dem AKW in Lingen protestiert. RWE hatte das Kraftwerk mit Genehmigung der Landesatomaufsicht kurz zuvor wieder angefahren. Die Forderung an den Kraftwerksbetreiber RWE und die niedersächsische Atomaufsicht lautet weiterhin: „Ein Riss kommt selten allein – Alle Rohre prüfen!“ .ausgestrahlt bleibt weiter an der Sache dran.

Technische Hintergrundinformationen findest Du in der fachlichen Stellungnahme, die der renommierte Reaktorsicherheitsexperte Prof. Dr. Manfred Mertins im Auftrag von  .ausgestrahlt erstellt hat. Außerdem empfehle ich Dir einen Blick in die .ausgestrahlt-Pressemitteilungen zwischen dem 18. und 26. Juni, wenn Du den Verlauf der Geschehnisse nachverfolgen möchtest.

Herzliche Grüße

Angela Wolff
und das ganze .ausgestrahlt-Team

1. Gut versorgt ins Sommer-Camp

In den kommenden Wochen und Monaten finden vielerorts Klima- und Anti-Atom-Camps oder -Festivals statt. Vielleicht nimmst auch Du eines oder mehrere dieser Angebote wahr, um Dich mit anderen umweltengagierten Menschen auszutauschen. Ich wünsche Dir viele schöne Begegnungen und lege Dir ans Herz, jede Gelegenheit zu nutzen, um andere Menschen darüber zu informieren, dass Atom- und Kohleausstieg zusammen gehören. Das ist dringender denn je! Versorge Dich und andere mit den kostenlosen Flyern „Richtig Abschalten“ und „Atomkraft ist kein Klimaretter“.   Und: Egal, wo Du in diesem Sommer Dein Zelt aufschlägst, bestimmt findest Du einen für andere gut sichtbaren Platz, an dem Du das Banner „Weg mit Kohle und Atom – Erneuerbar ist unser Strom“ aufhängen kannst. Im .ausgestrahlt-Shop sind noch einige Exemplare vorrätig, die Du zu solidarischen Preisen bestellen kannst.
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2. Neue .ausgestrahlt-Podcast-Folge: Standortsuche blickdicht!

Seit fast zwei Jahren läuft die Suche nach einem Atommüll-Lager-Standort für hochradioaktive Abfälle. Die verantwortlichen Politiker*innen und Behörden sprechen von einem transparenten Verfahren, tatsächlich ist das Verfahren jedoch bislang ziemlich blickdicht. In der aktuellen Podcast-Folge erläutert Jochen Stay die Hintergründe. Wie immer auch bei SpotifyiTunes oder libsyn.
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3. Jetzt im Shop: Aktualisierte Atommüllkarte

Der Atommüllreport, zu dessen Trägerkreis .ausgestrahlt gehört, hat die Atommüllkarte überarbeitet und aktualisiert. Mit der Karte im DIN A1-Format siehst Du auf einen Blick, wo überall im Land Atom-Anlagen stehen und wo Atommüll untergebracht ist. Auf der Rückseite findest Du viele interessante Zusatzinformationen. Etwa über die Entstehung von Atommüll, über Mengen und Zerfallszeiten oder über die Wirkung radioaktiver Strahlung. Du kannst die Karte ab sofort zum Selbstkostenpreis von 3 Euro im .ausgestrahlt-Shop bestellen.
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4. Am 20. Juli im Briefkasten: .ausgestrahlt-Magazin Nr. 44

Im nächsten .ausgestrahlt-Magazin kümmern wir uns um das „Gejammer“ derer, die behaupten, im Süden des Landes sei der gleichzeitige Ausstieg aus Kohle und Atom nicht machbar. Von wegen! Wenn Du Dich noch nicht für das kostenlose Magazin-Abo angemeldet hast, solltest Du das unbedingt heute oder morgen nachholen – dann landet die neue Ausgabe am 20. Juli druckfrisch auch in Deinem Briefkasten. 
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