Dieser Zusammenhang zwischen geringer Wahlbeteiligung und hohen AfD-Anteilen galt für das gesamte Stadtgebiet. Daneben fällt auf: Je höher der Anteil an Hartz-IV-Beziehern in einem Stadtbezirk war, desto mehr Sympathie erhielt die AfD. Deutlich wurde dies vor allem in den alten Arbeitervierteln im Norden und im Osten. Zum Beispiel im Stimmbezirk 1606 um die Ayinger- und Bad Schachener Straße. Sozialwohnungsblocks dominieren das Bild, und eine niedrige Wahlbeteiligung von 46,6 Prozent fiel zusammen mit einem vergleichsweise guten Abschneiden der AfD mit 17,4 Prozent. Das ließe sich beliebig fortführen, zum Beispiel im Stimmbezirk 2210 um die Aubinger- und Borinskistraße im Neubaugebiet Am Westkreuz. Auch hier ging eine unterdurchschnittliche Wahlbeteiligung von 61,6 Prozent mit einer überdurchschnittlichen Präferenz von 15,6 Prozent für die AfD einher.
Man kann sich natürlich auch das andere Ende der Skala ansehen, etwa den Stimmbezirk 0220 in der Innenstadt östlich des Gärtnerplatzes: ein buntes Viertel mit Altbaubestand, vielen Kneipen, jungen Familien und Akademikern. Hier schlug sich die soziale Lage umgekehrt wie am Hasenbergl nieder. Die Wahlbeteiligung war mit 78,3 Prozent hoch, der Stimmanteil für die AfD war mit 1,8 Prozent niedrig. Dafür kamen die Grünen auf stolze 43,5 Prozent. Auch im Stimmbezirk mit der höchsten Wahlbeteiligung in der Landeshauptstadt (87,4 Prozent) an der Alten Alle in Pasing, wo schöne Villen stehen, konnte die AfD mit einem Stimmanteil von 5,7 Prozent vergleichsweise wenige Stimmen abräumen.
Im Grunde wiederholte sich der Zusammenhang zwischen sozialer Lage und Wahlbeteiligung, der schon bei der vorletzten Bundestagswahl gegolten hat: je prekärer die Lebensverhältnisse, desto geringer die Wahlbeteiligung. Bestätigt hat das eine Studie der Bertelsmann-Stiftung mit dem Titel »Prekäre Wahlen: Milieus und soziale Selektivität der Wahlbeteiligung bei der Bundestagswahl 2013«. In den nördlichen Münchner Stadtbezirken Milbertshofen-Am Hart und Feldmoching-Hasenbergl, wo die Arbeitslosigkeit mit rund fünf Prozent am höchsten war, war die Wahlbeteiligung mit 61,5 und 63,6 Prozent gleichzeitig am niedrigsten. Die durchschnittliche Wahlbeteiligung hatte 2013 bei 71,2 Prozent gelegen. In den beiden Stadtteilen überwiegen laut der Bertelsmann-Studie die ökonomisch schwächeren Milieus. Demgegenüber gingen im westlichen Bezirk Pasing-Untermenzing 75,2 Prozent der Wahlberechtigten an die Urne, hier sind die Bildungsabschlüsse höher und die Arbeitslosigkeit ist niedriger.
Bei der Landtagswahl 2018 hat sich dieses Ergebnis in München im Prinzip wiederholt, allerdings mit einem Unterschied: Die ökonomisch schwächeren Milieus haben diesmal eindeutig überdurchschnittlich die AfD gewählt.
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