Dienstag, 30. Oktober 2018

MAKING History #17 - Newsletter des Historischen Zentrums der RLS



MAKING History #17Newsletter des Historischen Zentrums der RLS
Vor 100 Jahren stürzte die Novemberrevolution die Monarchie in Deutschland und setzte dem millionenfachen Morden des Erstes Weltkrieges ein Ende. Kurt Eisner proklamierte den Freistaat Bayern. Die Republik, der Acht-Stunden-Tag und das Frauenwahlrecht wurden eingeführt - und nicht nur die Frauen dachten an mehr. Mehr Rechte, mehr Freiheit, paritätische Mitbestimmung.
In den kommenden Wochen setzt die Rosa-Luxemburg-Stiftung ihren geschichtspolitischen Schwerpunkt fort. Unsere Sonderseite Revolution100 listet weit über 100 Veranstaltungen auf, zu denen bundesweit eingeladen wird, sich mit Ursachen und Folgen der Revolution 1918/19 aueinanderzusetzen.

Besonderes Interesse dürfte am 7. November in Köln ein Podium erzeugen, auf dem sich Anja Kruke (Friedrich-Ebert-Stiftung) und Michael Brie (Rosa-Luxemburg-Stiftung) zusammen mit Anja Weber (DGB) und Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung) über 
100 Jahre «Erkämpfte Demokratie und Gefährdete Demokratie» in Deutschland verständigen. 
In dieser Ausgabe von MAKING History präsentieren wir Ihnen wie gewohnt noch darüber hinausgehende Hinweise auf weitere Veranstaltungen, Publikationen und Dokumentationen aus der historischen Bildungsarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung und schauen dabei selbstverständlich weiterhin auch «über den Tellerrand».





Veranstaltungen
5. November, Podiumsdiskussion, Berlin
Die Zukunft der Vergangenheit
Die Novemberprogrome vor 80 Jahren markierten den Übergang von der Diskriminierung zur systematischen Verfolgung von Juden in Deutschland. Neben der historischen Rekonstruktion der sogenannten «Reichskristallnacht» diskutieren Petra Pau (MdB, Die LINKE), Sandra Wachtel (KZ-Gedenkstätte Neuengamme), Frank Mecklenburg (Leo Baeck Institute, New York) und Albert Scharenberg (RLS) Analogien zur Gegenwart und die Inhalte historischer Veranstwortung. Im Salon der Rosa-Luxemburg-Stiftung.


7. November, Buchvorstellung und Gespräch, Berlin
Die Legende vom «Spartakusaufstand»
Die Veröffentlichung des Berichts des Untersuchungsausschusses der Preußischen Landesversammlung über die Januar-Unruhen 1919 in Berlin sollte ein für allemal Legenden über einen vermeintlichen «Spartakusaufstand» widerlegen. In der Reihe «Linke Literatur im Gespräch» stellt sich der Herausgeber, Jörn Schütrumpf, den Fragen zum Band und zum tatsächlichen historischen Geschehen.


8. November, Buchvorstellung und Gespräch, Berlin
Hans Modrow und der deutsche Umbruch 1989/90
Moderiert durch Ulrich Mählert (Bundesstiftung Aufarbeitung) spricht Hans Modrow über seine Biographie und taucht zusammen mit Prof. Michael Gehler in die deutsch-deutsche Teilungs- und Transformationsgeschichte ein. Zusammen suchen sie Antworten auf die Frage «Was bleibt?». Eine gemeinsame Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung und der Modrow-Stiftung.


13./14. November 2018, Kolloquium, Frankfurt/Oder
Klassenkampf und Judenhass?
Das von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützte Kolloquium diskutiert anhand von Quellen und Dokumenten das Problem Antisemitismus in der Arbeiterbewegung. Einzelheiten zum Programm.


18. November, Lesung und Gespräch, Dortmund
Die Kinder des Sisyfos
Der Schriftsteller und teilnehmende Beobachter Erasmus Schöfer liest aus seiner einzigartigen Tetralogie zur Geschichte der westdeutschen Linken von 1968 bis 1990 - im Literaturkaffeehaus Taranta-Babu und in Kooperation mit dem Rosa-Luxemburg-Club Dortmund.


30. November, Konferenz, Berlin
Austromarxismus an der Macht
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand mit dem später so genannten «Austromarxismus» eine Strömung innerhalb der Sozialdemokratie, die Realpolitik und Revolution nicht als getrennte Wege zum Sozialismus verstand. Ihr Ziel war es, parlamentarisch eine absolute Mehrheit zu erlangen und auf diesem Wege den Sozialismus zu erreichen. Die Konferenz der Hellen Panke prüft die damit verbundenen Ansätze linker, realer, kommunaler und zugleich revolutionärer Politik. Um Anmeldung wird gebeten.


1./2. Dezember, Konferenz, Berlin
Wiedersehen in TUNIX
Die zweitätige Veranstaltung im HAU widmet sich der 40. Wiederkehr des Berliner TUNIX-Kongresses im Januar 1978. Mit seinen 20.000 TeilnehmerInnen gilt er als ein Wendepunkt in der Entwicklung der westdeutschen Neuen Linken, unter anderem hin zur Alternativbewegung. In verschiedenen Formaten bewegt sich die Konferenz innerhalb der Widersprüchlichkeiten einer «Projektkultur» zwischen Aufbruch und neoliberaler Einhegung.
Zum Vormerken
18. Dezember, Tagung, Berlin
Aufbrüche und Widersprüche eines RevolutionsparlamentsDer Erste Reichskongress der Arbeiter- und Soldatenräte vom 16.-21. Dezember 1918 (Abgeordnetenhaus Berlin) war eines der zentralen Ereignisse des Revolutionsgeschehens 1918/19. Bei der von mehreren Kooperationspartnern getragenen Tagung werden wichtige der damaligen Kongressbeschlüsse historisch kontextualisiert und für die heutige Zeit aktualisiert.









Publikationen
Völkischer Aufbruch, Rassismus, RechtspopulismusDem Erstarken des sogenannten Rechtspopulismus und des völkischen Mobs widmen sich zwei neue Publikationen der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Gerd Wiegel, Horst Kahrs und Mario Candeias stellen in «Rechtspopulismus, Radikale Rechte, Faschisierung» Bestimmungsversuche, Erklärungsmuster und Gegenstrategien zu dieser Entwicklung vor. In überarbeiteter Auflage liegt nun auch wieder der Band «Durchmarsch von Rechts» vor. Er versammelt Beiträge aus der Arbeit des RLS-Referats Neonazismus und Strukturen/Ideologien der Ungleichwertigkeit.

Emanzipation und Enttäuschung Der zusammen mit Mitgliedern des Gesprächskreises Geschichte der Rosa Luxemburg Stiftung erstellte Materialienband bietet verschiedene Perspektiven auf die Novemberrevolution, ihre Themen und Akteure: So werden zum Beispiel über das Agieren der USPD informiert, die eher unrühmliche Rolle der evangelischen Kirche untersucht und über die Einführung des Frauenwahlrechts berichtet. Der Band befasst sich darüber hinaus mit der Bedeutung des Rätegedankens und beschreibt eindrücklich, welche Erinnerungen an die Revolutionsereignisse 1918/19 auch später noch vorlagen. Er kann kostenfrei bestellt werden und ist digital im Open Access einsehbar.








In eigener Sache
Dissertations-Preis für Stipendiatin der RLS
Mareen Heying erhielt für Ihre Promotion über den Kampf für die Rechte von Prostituierten in Deutschland und Italien den Dissertations-Preis des Arbeitskreises für historische Frauen- und Geschlechterforschung (AKHFG). Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert und wird nur alle drei Jahre ausgeschrieben. Die Verleihung fand im September auf dem Historikertag in Münster statt. Wir gratulieren herzlich. Mareen Heying ist Mitglied des Gesprächskreises Geschichte der Rosa-Luxemburg-Stiftung und im Beirat der German Labour History Association (GLHA). Die preisgekrönte Dissertationsschrift wird im Klartext-Verlag unter dem Titel «Huren in Bewegung» erscheinen.



Mediathek

Transnationale Gerechtigkeit damals und heute
20 Jahre nach der Verhaftung des chilenischen Diktators Augusto Pinochet luden die Fraktionen von DIE LINKE und Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus gemeinsam mit dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und dem Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V. (FDCL) zur Diskussion. Wie kann transnationale Gerechtigkeit gelingen und was gilt es, dafür noch zu tun? Die Veranstaltung wurde aufgezeichnet und kann hier nachgesehen werden.















Über den Tellerand  

Zu Unrecht vergessene FrauenIn ihrem neuen Buch versammelt Gisela Notz die Portraits von fast 200 Wegbereiterinnen aus allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens: Berühmte und zu Unrecht vergessene Frauen aus der Geschichte, die für eine bessere und friedliche Welt kämpften.

Geschichte «von unten»Die Idee, Geschichte «von unten» oder «von den Rändern» her zu schreiben, kann nicht als völlig neu bezeichnet werden. Doch in einer «allgemeinen» Geschichtsschreibung etabliert, ist sie bis heute nur bedingt. Wir freuen uns, dass das aktuelle Heft von Aus Politik und Zeitgeschichte sich dem Thema widmet.


Alte und Neue Soziale Bewegungen
Interessiert sich die Arbeiterklasse überhaupt für Feminismus, Recht auf Stadt, Antirassismus etc. pp.? Das fragen sich heute viele in der Debatte um «Neue Klassenpolitik». Ähnliches fragten schon in den 1970er Jahren viele, als es um die «Neuen Sozialen Bewegungen» ging. Das neue Heft von Arbeit-Bewegung-Geschichte wagt die These: die «alte» Arbeiterbewegung stand nie einfach nur daneben, als sich die politische Linke erneuerte, sondern war immer auch Bezugspunkt neuer Bewegungen.















Die historische Bildungsarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung ist auf twitter (https://twitter.com/rls_history) und seit Kurzem auch auf Facebook vertreten. 







Redaktion
Bernd Hüttner und Uwe Sonnenberg, Historisches Zentrum Demokratischer Sozialismus der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Franz-Mehring-Platz 1, 10243 Berlin, 
bernd.huettner@rosalux.org, Telefon 030/44310-425 (Sonnenberg), Web: https://www.rosalux.de/themen/geschichte/

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