Sonntag, 17. Juni 2018

Kolumbien: Stichwahl zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten Duque und Petro am Sonntag

Ein tiefer Graben


Von Georg Sturm, Bogotá
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Die beiden Präsidentschaftskandidaten: Der ultrarechte Iván Duque Márquez (l.) und der linksgerichtete Gustavo Francisco Petro Urrego während einer Fernsehdebatte am 24. Mai 2018 in Bogotá
Selten war Kolumbien bei einer Wahl so gespalten. In der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen am 27. Mai hatten sich der ul­trarechte Iván Duque Márquez von der Partei »Demokratisches Zentrum« und der linksgerichtete Gustavo Francisco Petro Urrego von der Wahlbewegung »Menschliches Kolumbien« durchgesetzt. Mit Petro hat zum ersten Mal seit der Einführung der Stichwahl ein linker Kandidat die Möglichkeit, Präsident zu werden. An diesem Sonntag stehen die Kolumbianer nun vor einer historischen Entscheidung.
Auf der einen Seite stehen die Unterstützer des Expräsidenten Álvaro Uribe Vélez und dessen Kandidaten Duque. Sie wollen den Friedensvertrag zwischen der Regierung und der ehemaligen Guerilla und heutigen Partei »Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee« (FARC-EP) überarbeiten und stehen den Gespräche mit der noch aktiven Gue­rilla »Nationale Befreiungsarmee« (ELN) kritisch gegenüber. Auf der anderen Seite stehen jene, die in dem Friedensprozess eine historische Chan ce sehen, um den seit über 50 Jahren andauernden bewaffneten Konflikt und die Gewalt zu beenden. Ein tiefer Graben trennt die politischen Lager, es ist ein Kampf zwischen Establishment und Antiestablishment, Konservatismus und Progression.
Bereits kurz nach der ersten Wahlrunde hatten sich die traditionellen politischen Kräfte wie die Liberale Partei und die Konservative Partei, die jahrzehntelang die politische Macht unter sich aufgeteilt hatten, an die Seite Duques gestellt. Dabei war der Vorsitzende der Liberalen Partei, Expräsident César Gaviria Trujillo, einst entschiedener Gegner des Expräsidenten Uribe.
Dem Überraschungskandidaten des diesjährigen Wahlkampfs, Petro, ist es in den letzten Wochen gelungen, große Teile der progressiven Kräfte für sich zu gewinnen. Seine jüngst ins Leben gerufene »Große Koalition für den Frieden in Kolumbien« wird unter anderem von weiten Teilen des sozialdemokratischen »Demokratischen Pols« und der Partei »Grüne Allianz« mitgetragen. So haben sich der populäre Senator und Exbürgermeister von Bogotá, Antanas Mockus, und die Kandidatin für die Vizepräsidentschaft, Claudia López, beide von der »Grünen Allianz«, für ihn ausgesprochen. López begründete dies mit der »enormen Gefahr«, die Duque »nicht nur wegen des Machtmissbrauchs und der Korruption in der Vergangenheit« darstelle. Duque verfügt über eine Mehrheit im Kongress und plant eine Justizreform, die die Unabhängigkeit der Gerichte verletzen würde.
Auch international wird Petro von Prominenten unterstützt. Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty, der südafrikanische Literaturnobelpreisträger John Maxwell Coetzee und der australische Philosoph Peter Singer sprachen sich für Petro aus. Vergangene Woche wurde zudem ein von über 200 Intellektuellen unterzeichneter Unterstützerbrief für Petro veröffentlicht, auf dem sich unter anderem die Namen der linken Philosophen Slavoj Zizek, Chantal Mouffe und Antonio Negri finden. Auch die ehemalige Gefangene der inzwischen aufgelösten Guerillaorganisation FARC-EP und kolumbianische Präsidentschaftskandidatin im Jahr 2002, Ingrid Betancourt, schloss sich der Kampagne Petros an.
Bei den letzten, vor einer Woche veröffentlichten Umfragen lag der ultrarechte Kandidat Duque noch mit einem deutlichen Vorsprung von zwischen zwanzig und sechs Prozentpunkten vorne. Diese wurden allerdings veröffentlicht, bevor sich wichtige Persönlichkeiten der Kampagne Petros anschlossen. Die Umfragewerte des linken Kandidaten waren in der Tendenz steigend. Ob seine Aufholjagd erfolgreich war, wird sich an den Urnen zeigen.

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