Ein tiefer Graben
Die beiden Präsidentschaftskandidaten: Der
ultrarechte Iván Duque Márquez (l.) und der linksgerichtete Gustavo
Francisco Petro Urrego während einer Fernsehdebatte am 24. Mai 2018 in
Bogotá
Foto: Henry Romero/REUTERS
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Auf der einen Seite stehen die Unterstützer des Expräsidenten Álvaro Uribe Vélez und dessen Kandidaten Duque. Sie wollen den Friedensvertrag zwischen der Regierung und der ehemaligen Guerilla und heutigen Partei »Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens – Volksarmee« (FARC-EP) überarbeiten und stehen den Gespräche mit der noch aktiven Guerilla »Nationale Befreiungsarmee« (ELN) kritisch gegenüber. Auf der anderen Seite stehen jene, die in dem Friedensprozess eine historische Chan ce sehen, um den seit über 50 Jahren andauernden bewaffneten Konflikt und die Gewalt zu beenden. Ein tiefer Graben trennt die politischen Lager, es ist ein Kampf zwischen Establishment und Antiestablishment, Konservatismus und Progression.
Bereits kurz nach der ersten Wahlrunde hatten sich die traditionellen politischen Kräfte wie die Liberale Partei und die Konservative Partei, die jahrzehntelang die politische Macht unter sich aufgeteilt hatten, an die Seite Duques gestellt. Dabei war der Vorsitzende der Liberalen Partei, Expräsident César Gaviria Trujillo, einst entschiedener Gegner des Expräsidenten Uribe.
Auch international wird Petro von Prominenten unterstützt. Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty, der südafrikanische Literaturnobelpreisträger John Maxwell Coetzee und der australische Philosoph Peter Singer sprachen sich für Petro aus. Vergangene Woche wurde zudem ein von über 200 Intellektuellen unterzeichneter Unterstützerbrief für Petro veröffentlicht, auf dem sich unter anderem die Namen der linken Philosophen Slavoj Zizek, Chantal Mouffe und Antonio Negri finden. Auch die ehemalige Gefangene der inzwischen aufgelösten Guerillaorganisation FARC-EP und kolumbianische Präsidentschaftskandidatin im Jahr 2002, Ingrid Betancourt, schloss sich der Kampagne Petros an.
Bei den letzten, vor einer Woche veröffentlichten Umfragen lag der ultrarechte Kandidat Duque noch mit einem deutlichen Vorsprung von zwischen zwanzig und sechs Prozentpunkten vorne. Diese wurden allerdings veröffentlicht, bevor sich wichtige Persönlichkeiten der Kampagne Petros anschlossen. Die Umfragewerte des linken Kandidaten waren in der Tendenz steigend. Ob seine Aufholjagd erfolgreich war, wird sich an den Urnen zeigen.
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