Montag, 18. Juni 2018

Saudisches Militärbündnis greift jemenitische Hafenstadt an

Hudeida unter Feuer


Von Knut Mellenthin
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Noch konnte der von Ansarollah kontrollierte Flughafen in Hudeida nicht eingenommen werden (15.6.2018)
Die von Saudi-Arabien geführte Militärallianz hat am Sonntag Luftangriffe auf den Flughafen im jemenitischen Hudeida geflogen, der gegenwärtig immer noch von der schiitischen Organisation Ansarollah kontrolliert wird. Das berichten sowohl saudische Medien als auch jene der Ansarollah. Zudem bestätigten deren offizielle Nachrichtenagentur SABA wie auch der saudische Sender Al-Arabija, dass die Flieger der Militärallianz fünf Angriffe auf den Hafen der Stadt geflogen hätten.
Noch am Sonnabend hatten die Vereinigten Arabischen Emirate behauptet, der Internationale Flughafen am Südrand der Stadt sei eingenommen worden. Die neuesten Berichte scheinen dem zu widersprechen.
Bereits am Mittwoch hatten die Emirate den Beginn einer Großoffensive gegen die jemenitische Hafenstadt bekanntgegeben. Nach eigenen Angaben hat das Königreich 21.000 Mann dazu bereitgestellt. Neben 2.000 eigenen Soldaten gehören der Truppe auch Söldner aus dem Sudan und Kämpfer separatistischer Milizen aus dem Südjemen an. Saudische Kampfflugzeuge leisten Luftunterstützung.
Gleichzeitig hatten die Emirate und Saudi-Arabien zugesichert, dass es nicht ihr Ziel sei, den Seehafen von Hudeida zu erobern, der im Norden der Stadt liegt. Überhaupt sei es nicht ihre Absicht, die für die Hilfslieferungen existentiell wichtigen Infrastrukturen zu beeinträchtigen oder gar zu zerstören.
Beilage Wein, 20.6.
Über Hudeida erreichen mehr als 70 Prozent aller Lebensmittel einschließlich Trinkwasser, Medikamenten und anderer dringend benötigter Güter das Bürgerkriegsland. 22 Millionen Menschen werden im Jemen von der UNO als hilfsbedürftig eingestuft. 8,5 Millionen von ihnen gelten als von Unterernährung gefährdet. In Hudeida selbst sollen sich bis zu 600.000 Menschen aufhalten. Eine zuverlässige Zahl gibt es nicht, weil die Bevölkerungszahl durch Zehntausende von Flüchtlingen aus der Umgebung stark angestiegen ist.
Die Aussagen der beiden Verbündeten scheinen der Rücksicht auf die »Weltmeinung« geschuldet. Zu Beginn ihrer Intervention im März 2015 flog die saudische Luftwaffe auch gezielte Angriffe gegen Hafenanlagen in Hudeida. Gegenwärtig ist indessen zu vermuten, dass die arabischen Kriegsmächte Straßenkämpfe in der Stadt vermeiden wollen, da diese für die Angreifer, vor allem aber für die Zivilbevölkerung, mit hohen Verlusten verbunden wären.
In diesem Zusammenhang führte der UN-Sonderbeauftragte Martin Griffiths am Wochenende Gespräche in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa. Sie liegt rund 280 Straßenkilometer nordöstlich von Hudeida und gehört ebenfalls zum Herrschaftsbereich von Ansarollah. Griffiths schwieg sich über seine Absichten zwar aus, aber diese liegen auch so auf der Hand: Der britische Diplomat will die Schiiten dazu überreden, ihre militärischen Einheiten kampflos – und möglichst auch ohne ihre mittelschweren und schweren Waffen – aus der belagerten Hafenstadt abzuziehen. Das war und ist seine Hauptbeschäftigung, seit er am 11. März das Amt von seinem mauretanischen Kollegen Ismail Ould Cheikh Ahmed übernahm.
Nach dem Abzug von Ansarollah soll, so schlägt Griffiths vor, ein »von der UNO überwachtes« Gremium die Kontrolle in Hudeida übernehmen. Wie damit auch nur die Ordnung in der Stadt und die Sicherung der Hilfslieferungen gewährleistet werden sollen, wurde noch nicht verraten.

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