Alle Medien sprechen über Flüchtlingspolitik. Die deutsche Regierung
handelt und stellt die Politik zur erneuten Stabilisierung der durch
auseinanderstrebende Tendenzen gekennzeichneten EU – entsprechend den
Vorstellungen des deutschen Kapitals – in den Mittelpunkt ihres
praktischen Handelns.
Dabei haben die Beziehungen zu den Staaten
Osteuropas einen bedeutenden Stellenwert. Dies nicht nur mit Bezug auf
die EU, sondern auch unter dem Blickwinkel der Schaffung günstiger
Bedingungen für die Politik der Bundesrepublik gegenüber Russland.
Nach
der Warschauer NATO-Ratstagung vom Juli hat die Bundeskanzlerin Ende
August eine Serie von Gesprächen mit den Vertretern osteuropäischer
Staaten geführt. Dazu zählen die innerhalb einer Woche durchgeführten
Besuche in den Visegrad-Staaen Polen und Tschechien, die Teilnahme an
einem Treffen dieser Gruppe (Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn) in
Warschau und ein Treffen mit den Regierungschefs aus Österreich,
Bulgarien, Kroatien und Slowenien. Eine ungewöhnlich umfangreiche
außenpolitische Offensive der BRD in Osteuropa, die durch einen Besuch
im Baltikum eingeleitet wurde!
Das unterstreicht, welche Bedeutung
die Region des Baltikums für die Außenpolitik Deutschlands hat. Sie
erwächst nicht in erster Linie aus dem wirtschaftlichen Potenzial der
baltischen Staaten, sondern ergibt sich vor allem aus der geographischen
Lage dieser Länder als nördliche Glieder der jetzt im NATO-Bereich
Intermarium-Kette genannten Zone (bisher Cordon Sanitaire) zwischen
Ostsee und Schwarzem Meer, die die baltischen Staaten, Polen,
Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Ukraine, Republik Moldova und
auch noch Bulgarien umfasst.
In ihrem Auftreten gegenüber Lettland
hat Bundeskanzlerin Merkel unterstrichen, dass Deutschland nicht nur
außenpolitische Beziehungen zu diesen Staaten unterhält, sondern sie als
wichtiges militärisch-strategisches Gebiet betrachtet und aktiv auch
die innenpolitische Entwicklung dieser Länder im Sinne der Politik
Deutschlands beeinflusst.
In Estland wurde aktiv in den
Präsidentenwahlkampf eingegriffen und die Positionen des bisherigen
Präsidenten, dessen Amtszeit im Herbst ausläuft, unterstützt. Seine
politische Richtung sieht sich im Wahlkampf mit einer Kandidatin
konfrontiert, die für eine beiderseits vorteilhafte Zusammenarbeit mit
Russland eintritt und nicht Anhängerin einer einseitigen Bindung des
politischen Schicksals Estlands an die NATO und Deutschland ist.
Diese
Kandidatin, Mailis Reps (geb. 1975), erklärte, sie wolle „gute
Nachbarschaftsbeziehungen“ zu Russland, und verlangt die Ratifizierung
des Grenzvertrages zwischen Estland und Russland, um die Grenzen des
Landes in Sicherheit zu wissen.
Die politischen Freunde der Frau
Merkel wollen, nachdem im Januar 2016 ein weiterer Rechtsruck in
Lettland durchgesetzt wurde, diese politische Entwicklungsrichtung im
ganzen Baltikum erhalten und verstärken.
Das liegt im Interesse
Deutschlands, weil das das notwendige Umfeld an den Grenzen Russlands
ist, das ihnen für die Verwirklichung der Ziele des deutschen
Imperialismus gegenüber Russland notwendig erscheint.
Denn
Deutschland will eine stärkere globale Rolle spielen und in und durch
Europa stärker führen, wie es neuerdings offen ausgesprochen und
praktiziert wird.
Wer stellt und beantwortet die Frage, was daraus entsteht?
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