Dienstag, 16. Juni 2020
Schaffen Brasiliens Fußballfans, was die Linke nicht geschafft hat? Die rote Karte für Bolsonaro und die Rassisten?
Über die gemeinsame Aktion gegen die Bolsonaro-Regierung der
organisierten Fans von Corinthians und Palmeiras in São Paulo
(gerüchteweise sollen auch welche vom FC dabei gewesen sein, aber das
wäre dann in der Regel auch schon ein Klassenunterschied) wurde auch
in bundesdeutschen Medien bereits verschiedentlich berichtet. (Siehe
unseren Beitrag vom 03. Juni 2020). Das hat aber noch ganz andere
Dimensionen: In Belo Horizonte (ja, genau dort, wo die DFB Auswahl
2014 der Europäisierung des brasilianischen Fußballs ein Ende gesetzt
hat) haben sich die Fans von Atletico und Cruzeiro zum Protest gegen
Bolsonaro (und den vielleicht noch rechteren Gouverneur Zema) zusammen
getan (und wer das auch nur ein bisschen kennt, weiß, wie
freundschaftlich sich die Fans von Borussia und Schalke gesinnt sind)
– und selbst in Curitiba (angeblich Millionenstadt, in Wirklichkeit
das brasilianische Bielefeld) die des Furacão und die Grün-Weißen.
Und, im Gegensatz etwa zu den eingangs genannten Corinthians sind das
in der Regel Vereine mit keineswegs demokratischen Traditionen:
Palmeiras und Cruzeiro beispielsweise gehörten zur unsäglichen Familie
der Clubs, die bis in die 40er Jahre hinein „Palestra Italia“ hießen –
„Deck- und Tarnorganisationen“ brasilianischer Mussolini-Fans. Die
Mobilisierung war jeweils massiv und beteiligt waren extrem viele
Menschen, deren bisherige Demonstrationsteilnahmen ausschließlich beim
jeweiligen „Marsch ins Stadion“ stattfanden. Und sie ziehen viele
andere mit sich, die „die Schnauze voll“ haben – nicht zuletzt von der
Mordmaschine Militärpolizei, aber sich von einer Linken, samt ihren
Gewerkschaften, nicht mobilisieren lassen wollen, die zwischen der
penetranten Lula-Vergötterung der Sozialdemokratie und sektiererischen
„sind sowieso alle gleich“ Positionen reichlich unbeweglich
eingemauert ist. Siehe dazu unsere kleine aktuelle Materialsammlung
„Rote Karte für Bolsonaro und die Rassisten?“ vom 10. Juni 2020
https://www.labournet.de/?p=173727
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