„... Dass der Nationalismus im Krieg seine rassistischen Blüten
treibt, ist aber nur die halbe Wahrheit. Die weltweite
Kriegsbereitschaft fängt nämlich nicht erst an, wenn auf beiden Seiten
der Verteidigungsfall ausgerufen wird. Kriege werden bereits im
Frieden vorbereitet. Die prinzipielle Bereitschaft, die »legitimen«
Interessen der eigenen Nation gegen die Interessen anderer Nationen zu
»verteidigen«, ist in allen Nationalstaaten die selbstverständliche
patriotische Grundhaltung der Mehrheit der Bevölkerung und damit die
Grundlage für Rüstung und Krieg. Das Nationalbewusstsein – ich bin
Schweizer, ich bin Franzose, ich bin Russe oder Türke –, die
Identifikation mit der eigenen Nation, gilt aber gemeinhin als
unbedenklich. Erst ein übersteigertes Bewusstsein vom Wert und der
Bedeutung der eigenen Nation, das die eigene Nation glorifiziert und
andere Nationen herabsetzt, gilt in Friedenszeiten als bedenklicher
Nationalismus in dem viele dann auch einen Rassismus gegen andere
Völker erkennen. Diese grundsätzliche Unterscheidung zwischen
patriotischem Nationalbewusstsein und nationalistisch übersteigertem
Nationalbewusstsein ist aber unlogisch. Wenn die Steigerung des
Nationalbewusstseins zu Nationalismus führt, dann muss der Keim für
Nationalismus und Rassismus bereits in dem für viele
selbstverständlichen Nationalbewusstsein enthalten sein. Diesen
Gedanken kann sich jeder durch folgende Überlegung verdeutlichen...“ –
aus dem Artikel „Der Rassismus im Freund- und Feindbild“ von Hermann
Lueer am 13. Juni 2020 eingegangen – wir danken dem Autor
https://www.labournet.de/?p=174002
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