Dienstag, 16. Juni 2020

„Der Rassismus im Freund- und Feindbild“ - Zusammenhänge von Rassismus und „Nationalbewusstsein“

„... Dass der Nationalismus im Krieg seine rassistischen Blüten 
treibt, ist aber nur die halbe Wahrheit. Die weltweite 
Kriegsbereitschaft fängt nämlich nicht erst an, wenn auf beiden Seiten 
der Verteidigungsfall ausgerufen wird. Kriege werden bereits im 
Frieden vorbereitet. Die prinzipielle Bereitschaft, die »legitimen« 
Interessen der eigenen Nation gegen die Interessen anderer Nationen zu 
»verteidigen«, ist in allen Nationalstaaten die selbstverständliche 
patriotische Grundhaltung der Mehrheit der Bevölkerung und damit die 
Grundlage für Rüstung und Krieg. Das Nationalbewusstsein – ich bin 
Schweizer, ich bin Franzose, ich bin Russe oder Türke –, die 
Identifikation mit der eigenen Nation, gilt aber gemeinhin als 
unbedenklich. Erst ein übersteigertes Bewusstsein vom Wert und der 
Bedeutung der eigenen Nation, das die eigene Nation glorifiziert und 
andere Nationen herabsetzt, gilt in Friedenszeiten als bedenklicher 
Nationalismus in dem viele dann auch einen Rassismus gegen andere 
Völker erkennen. Diese grundsätzliche Unterscheidung zwischen 
patriotischem Nationalbewusstsein und nationalistisch übersteigertem 
Nationalbewusstsein ist aber unlogisch. Wenn die Steigerung des 
Nationalbewusstseins zu Nationalismus führt, dann muss der Keim für 
Nationalismus und Rassismus bereits in dem für viele 
selbstverständlichen Nationalbewusstsein enthalten sein. Diesen 
Gedanken kann sich jeder durch folgende Überlegung verdeutlichen...“ – 
aus dem Artikel „Der Rassismus im Freund- und Feindbild“ von Hermann 
Lueer am 13. Juni 2020 eingegangen – wir danken dem Autor
https://www.labournet.de/?p=174002

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