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Der
Asylkonflikt zwischen der deutschen Kanzlerin Merkel und dem deutschen
Innenminister Seehofer und ebenso die Asylkonfrontation zwischen der
Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union rauben der
Öffentlichkeit die Aufmerksamkeit für Vorgänge und für Bestrebungen von
viel größerer Tragweite. Hierzu gehört neben der antirussischen
Militarisierung auch die weitere Demontage der vormals überwiegend
regionalautonomen und solidarischen Krankenkassen in den Kernländern der
EU. Von der deutschen „Gesundheitslinken“ unbemerkt und andernfalls
wohl heimlich sogar gutgeheißen hat nun die neue konservativ-nationale
Bundesregierung in Österreich ganz auf EU-Linie eine Liquidierung der
österreichischen Regionalkrankenkassen zum Regierungsprogramm erklärt.
Das Ziel ist eine Zentralisierung der österreichischen
Bundesländer-Gebietskrankenkassen zu einer so genannten
„Österreichischen Krankenkasse“ mit Sitz in Wien. (…) Eine Beseitigung
seiner Regionalkrankenkassen war eine der ersten Forderungen der so
genannten „Troika“ zur EU-Kolonisierung Griechenlands. (…) Die
Vorteile kostendeckungsorientierter Bundesländer- oder sonstiger
Gebietskrankenkassen mit pflichtweiser Zugehörigkeit der überwiegenden
Mehrheit aller Erwerbstätigen eines Raumes liegen auf der Hand. Durch
den damit verbundenen Ausschluss von Beitrags- oder Leistungskonkurrenz
um so genannte „Gute Risiken“ zu Lasten „Schlechter Risiken“ und die
nachhaltige Re-Investierung eventueller Überschüsse in die
Gesundheitsinfrastruktur sowie durch die Beitragszahlerselbstverwaltung
verfügt diese Krankenkassenform über eine hohe Widerstandsfähigkeit
gegen den internationalen Finanzmarkt…”
Beitrag von Albrecht Goeschel und Markus Steinmetz vom Juli 2018 
– wir danken! Siehe dazu neu:
- Österreichs Regionen wehren sich gegen Krankenkassenzerschlagung – Wiener Regierung kuscht vor EU-Kommission
“Anfang 2018 hat die EU-Kommission in ihrem Strategiepapier für den
weiteren Sozialabbau in der EU, dem so genannten Länderbericht, auch
Österreich Vorgaben für den Umbau des Sozialstaats in ein
Geschäftsmodell gemacht. Vorauseilend und in diesem Falle auf
Merkel-Linie hat die neue Wiener Kurz-Regierung noch 2017 eine
einschneidende Reform der Gesetzlichen Krankenversicherung angekündigt.
Allerdings hatte der SPÖ-Sozialminister Alois Stöger der Vorregierung
diese Untat schon fleißig vorbereitet. Bei dieser Reform sollen die
beispielhaften 9 autonomen regionalen Gebietskrankenkassen in eine
zentrale, staatsgelenkte “Österreichische Gesundheitskasse” umgewandelt
werden. Nicht nur, dass diese Namensgebung an die 1992 maßgeblich vom
damaligen deutschen Gesundheitsminister Seehofer und der deutschen
Bundestags-Sozialdemokratie betriebene Zerschlagung Hunderter von
autonomen regionalen Ortskrankenkassen in Deutschland erinnert: Die
daraus entstandenen wenigen Kassenkonzerne arbeiten heute unter dem
verlogenen Label “Gesundheitskasse AOK”. Auch die für Österreich
vorgesehene “Reform” soll ebenso wie diejenige in Deutschland dem Staat
und der Wirtschaft wesentlich mehr Zugriff auf die Gesetzliche
Krankenversicherung, einen Lohnfonds der Beschäftigten, ermöglichen, als
dies zuvor möglich war. Im Unterschied zu den deutschen
Krankenversicherten, die in den entscheidenden 1980er Jahren gar nicht
bemerkt hatten, dass die angestrebte Zentralisierung der Regionalkassen
AOK, BKK und IKK eine Enteignung von Volksvermögen eingeleitet hatte,
haben die österreichischen Krankenversicherten das sehr wohl auf dem
Display: “Fusion = Enteignung” wurde laut Tageszeitung “Kurier” bei den
Demonstrationen gegen die Regierungspläne plakatiert. (…) Noch in
anderer Hinsicht ist der Widerstand gegen die beabsichtigte Zerschlagung
der Gebietskrankenkassen in Österreich für Deutschland beispielgebend.
Die Selbstverwaltungen und Verwaltungen der österreichischen
Gebietskrankenkassen haben schon wenige Monate nach Bekanntwerden der
Zentralisierungspläne der Wiener Koalition den in Deutschland meist gar
nicht erkannten raumwirtschaftlichen Nutzeffekt der Gebietskrankenkassen
herausgestellt: Einheitliche autonome Gebietskrankenkassen sorgen
dafür, dass die Beitragabschöpfungen aus dem Bruttolohnvolumen der
abhängig Beschäftigten nicht wie bei den konkurrierenden staatsgelenkten
Zentralkassen in Deutschland aus den Peripherien in die Metropolen
abfließen. Gesamt- und raumwirtschaftlich tragen damit die
Gebietskrankenkassen mit ihrem enormen Volumen zu einem Gleichgewicht
zwischen den Wirtschaftsregionen Österreichs bei. (…) Schon vor der
Kassenzentralisierung hatte es in Westdeutschland und später in
Gesamtdeutschland ein unsolidarisches Neben- und Gegeneinander der
privilegierten zentralen Angestellten-Krankenkassen und der
unterprivilegierten regionalen Arbeiter-Krankenkassen gegeben. Durch die
Kassenreform wurden auch die Arbeiter-Krankenkassen zentralisiert. Nun
sollten Kassen-Konzerne auf beiden Seiten Konkurrenz gegeneinander und
dabei Leistungsabbau gegen die Versicherten machen – Kommerzialisierung
und Austerity schön geredet als “Wettbewerb”. Selbstverständlich wurden
durch diese Pseudolösung die weiter bestehenden Probleme nicht
beseitigt, sondern nur kompliziert. Die unterschiedliche Einkommens- und
Gesundheitslage von Angestellten und von Arbeitern und die
unterschiedliche Finanzlage der Angestellten-Kassen und der
Arbeiter-Kassen konnten durch Wettbewerb eben nicht behoben werden. Auch
ein so genannter “Risikostrukturausgleich” versagte…” Artikel von Albrecht Goeschel und Markus Steinmetz vom 03. November 2018 bei telepolis
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