Frauenorganisation »Pan y Rosas« kämpft unter anderem in Argentinien gegen Unterdrückung und Kapitalismus. Ein Gespräch mit Celeste Murillo
Interview: Eleonora Roldán Mendívil![]()
Die Legalisierung des Schwangerschaftabbruchs ist eines der zentralen Ziele der Frauenbewegung in Argentinien (Buenos Aires, 8.3.2018)
Foto: Marcos Brindicci/REUTERS
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Celeste Murillo ist als Mitglied von »Pan y Rosas« und der »Sozialistischen Arbeiterpartei« (PTS) in Argentinien aktiv.
Der Name Pan y Rosas wurde nach dem Streik der Textilarbeiterinnen von 1912 in Lawrence, im US-Bundesstaat Massachusetts, gewählt. Dieser Slogan fasste den Kampf für die wirtschaftlichen Rechte, symbolisiert durch Brot, und die politischen Rechte der Frauen, symbolisiert durch Rosen, zusammen. Für uns steckt darin die Idee unseres heutigen Kampfes gegen Unterdrückung aus der Perspektive der Arbeiterklasse.
Was sind die Ziele von »Pan y Rosas«?
Wir kämpfen für die Emanzipation der Frauen. Wir sind Marxistinnen, und der Feminismus, für den wir kämpfen, ist ein sozialistischer und antikapitalistischer. Wir glauben, dass es in der heutigen Welt nicht möglich ist, nationale Ziele zu verfolgen, denn der Kampf gegen die Unterdrückung der Frau ist für uns nur in enger Verbindung mit dem Kampf gegen den Kapitalismus denkbar. Und die einzige mögliche Form dieses Kampfes ist international. Wir sind überzeugt, dass die volle Emanzipation der Frauen nur dann erreicht werden kann, wenn wir alle Überreste dieser Gesellschaft, die auf der Ausbeutung und Unterdrückung von Millionen von Menschen beruht, beseitigen und auf ihren Ruinen eine neue sozialistische Gesellschaft aufbauen.
Bei uns sind unter anderem Mitglieder der »Sozialistischen Arbeiterpartei« (PTS), welche Teil des Wahlbündnisses »Front der Linken und Arbeiter« ist, die heute die wichtigste Größe der radikalen Linken in Argentinien darstellt. In »Pan y Rosas« kommen alle Frauen zusammen, die unserem Programm zustimmen, wie es in unserem internationalen Manifest zusammengefasst ist. Insgesamt sind nicht nur fast 4.000 Frauen in ganz Argentinien organisiert, sondern auch Frauen in Brasilien, Mexiko, Chile, Bolivien, Uruguay, Peru, Costa Rica, in Spanien sowie in Deutschland und Frankreich.
Ihre Frauengruppe bekämpft auch Transphobie. Wie sieht dies genau aus?
In Argentinien ist die Transsexuellen- und Transvestitenbewegung ein Teil der Frauenbewegung. Ihre Ansprüche und Forderungen sind deshalb auch Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Die Sichtbarkeit institutioneller Gewalt, insbesondere von der Polizei verübter, unter der diese Menschen leiden, zeigt uns, dass es von großer Bedeutung ist, gegen Transphobie anzukämpfen.
In unserem Land gibt es das Gesetz der Geschlechteridentität, das ein Produkt des Kampfes und der Mobilisierung der Frauen- und der LGBT-Bewegung ist. Es garantiert jedoch nicht allen Menschen ihre Grundrechte. Deshalb kämpfen wir, wie wir es bei allen gewonnenen Rechten tun, nicht nur für die Rechtsgleichheit, sondern auch für die Gleichheit im Alltag. Und dies beginnt mit dem täglichen Einsatz zum Beispiel für eigene Umkleidekabinen für Transgenossinnen in mehrheitlich männlichen Betrieben.
Welchen aktuellen Kämpfen messen Sie zentrale Bedeutung bei?
Einer der großen derzeit ist die Eroberung des Rechts auf legale, sichere und freie Schwangerschaftsabbrüche in Argentinien. Trotz der Niederlage bei der Abstimmung im Senat vor wenigen Wochen hat sich die Frauenbewegung verstärkt. Unsere Aufgabe besteht nun darin, die Schlussfolgerungen aus dem Kampf, den wir dieses Jahr geführt haben, zu ziehen. Neben den organisierten Massendemonstrationen ist es für uns wichtig, auch zwischen größeren Aktionen organisiert zu bleiben.
So treffen die Sparpläne der Regierung die Arbeiterklasse als Ganzes. Die ärmeren Teile – und davon vor allem Frauen – sind nach wie vor überrepräsentiert unter denjenigen mit unsicheren Arbeitsplätzen, die auch unterhalb der Armutsgrenze leben. Im Rahmen des Engagements gegen diese Regierungspläne kämpft »Pan y Rosas« intensiv für die Rechte der arbeitenden Frauen, die die Last der sozialen und wirtschaftlichen Krisen tragen.

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