Mittwoch, 18. Dezember 2019

Ein neues Kohlebergbau-Projekt in Australien wird von großen Teilen der Bevölkerung abgelehnt. Siemens will es dennoch ausrüsten, was Protest hervorruft


Dossier

Seit Jahren wird in Australiengegen die neue Kohlemine protestiert - und jetzt auch gegen Siemens Hilfestellung bei ihrem Bau...Ein neuer Kohle-Tagebau (überwiegend) in Australien, in einer Region, wo bisher noch kein Kohleabbau stattfand, ist ein echtes Großprojekt. Das allerdings in Australien auf massiven Widerstand gestoßen ist: Sowohl sehr viele Menschen, die sich für eine grundlegende Änderung der Klimapolitik einsetzen, lehnen dieses Großprojekt ab, als auch Organisationen der indigenen Bevölkerung Australiens, die es als ein Projekt sehen, das auf ihren Ländereien verwirklicht werden soll – und nicht zuletzt auch in Australien aktive Jugendliche für eine andere Klimapolitik. Die Mine des indischen Adani-Konzerns im Galilee Basin in Queensland würde eine der größten Minen weltweit sein, mache meinen gar, die größte. Für diesen Betrieb wird aber unter anderem auch eine Eisenbahn gebraucht – und diese wiederum braucht eine entsprechende Ausstattung mit Signalen usw. Der öffentliche Widerstand ist so groß, dass zwei der Unternehmen, die für die Ausstattung in Verhandlungen waren, Alstom und Hitachi Rail, sich zurückgezogen haben. Nicht aber – bisher – das dritte beteiligte Unternehmen, namens: Siemens. Weswegen jetzt die Kampagne gegen den Kohleausbau dazu aufruft, bei Siemens gegen diese Haltung zu demonstrieren – um auch dieses Unternehmen dazu zu bringen, „auszusteigen“. Und hofft, für diese Haltung auch Unterstützung in der BRD zu bekommen. Siehe dazu die Webseite der Kampagne, dort auch eine entsprechende Unterschriftenliste, sowie als Beispiel einen (von sehr vielen möglichen) Bericht über eine Demonstration in Brisbane und einen DW-Bericht über Proteste von Ende letzten Jahres (in dem die Rolle von Siemens kein Thema ist…), sowie einen Beitrag, der über die Genehmigung von Regierungsseite berichtet:
  • Anti-Kohlemine-Aktivisten protestieren an der Siemens-Zentrale in Melbourne: Festgenommen New
    Heute Nachmittag hat Daniel an das Fenster in der Lobby der Siemens-Zentrale in Melbourne geklebt, um auf die bevorstehende Unterzeichnung des Vertrags zur Lieferung der Schieneninfrastruktur für die katastrophale Adani-Kohlemine aufmerksam zu machen“ – so der Begleittext zu dem kurzen Video „Dan wurde verhaftet“ von Extinction Rebellion Australia am 10. Dezember 2019 bei You Tube externer Link  eingestellt über eine der fortgesetzten Protestaktion gegen die entscheidende Siemens-Beteiligung am „Projekt Adani-Mine“, das von so vielen Menschen abgelehnt wird…
  • „Join the movement to #StopAdani and move Australia beyond coal!“ externer Link ist die Kampagnenseite gegen dieses Projekt, die von einem Bündnis zahlreicher Organisationen durchgeführt wird.
  • „Siemens: Don’t help Adani fuel the climate crisis“ externer Link ist der Aufruf zur Unterzeichnung eines Protestes, mit dem Siemens aufgefordert wird, sich, wie zahlreiche andere Unternehmen zuvor, aus dem Deal für die Adani-Mine zurückzuziehen. Der ganze Aufruf geht von der Einschätzung aus, dass Siemens das letzte verbliebene Unternehmen ist, das die nötige Ausrüstung liefern kann – und dass dieser Rückzug dementsprechend auch eine Ende des Gesamtprojektes bedeuten würde. Und dies ist eine Entscheidung, die Siemens in diesen Tagen treffen will, weswegen bei der Unterstützung des Protestes Eile geboten ist…
  • „Australische Mega-Kohlemine kann starten“ von Jörg Staude am 14. Juni 2019 beim Klima Reporter externer Link berichtete unter anderem zur endgültigen Genehmigung des Projekts: „… 24 Stunden vor Fristablauf hat der Investor Adani der Regierung des australischen Bundesstaates Queensland einen neuen Grundwasser-Managementplan für sein gigantisches Kohleprojekt Carmichael vorgelegt. Der Vorschlag wurde am gestrigen Donnerstag gebilligt. Damit nimmt Adani – ein Konglomerat im Besitz des indischen Milliardärs Gautam Adani – die letzte Hürde, um nach jahrelanger Lobbyarbeit mit dem Aufschluss der “Carmichael coalmine” im Nordosten des Landes zu beginnen. Das seit 2014 verfolgte Projekt könnte sich künftig zur größten Steinkohleförderung der Welt entwickeln. Der fossile Brennstoff soll sowohl über als auch unter Tage abgebaut werden. (…) Gegen das umwelt- wie klimapolitisch verheerende Projekt gibt es in Australien seit Jahren erheblichen Widerstand. Die Stop Adani Alliance hat vorgerechnet, dass die Kohle aus der Mega-Mine bei vollem Ausbau jedes Jahr viermal so viel CO2-Emissionen verursachen würde wie Australien selbst. Greenpeace Australien kritisiert nun die Regierung von Queensland dafür, dass sie die Wassergenehmigung erteilt hat – trotz einer vernichtenden Einschätzung führender australischer Wasserexperten. Das Adani-Projekt könne dazu führen, dass die vorhandenen Quellen nicht mehr dauerhaft Wasser liefern und die umliegenden Feuchtgebiete zerstört werden, hatten die Wissenschaftler gewarnt...“
  • „Adani protesters pick peak hour in Brisbane to ‘stop the city’“ von  Anna Hartley am 05. Juli 2019 bei der ABC externer Link war einer der vielen Berichte über die zahlreichen Proteste der letzten Monate gegen das Kohleprojekt, von denen viele in der nächsten Großstadt Brisbane stattfanden – und auch verschiedene Überfälle der Polizei überstanden. Hier war es eine Verkehrsblockade während der rush hour…
  • „Australier protestieren gegen geplante Mega-Kohlemine“ am 08. Dezember 2018 bei der Deutschen Welle externer Link berichtete bereits damals über die Proteste: „… In der Metropole Melbourne versammelten sich mehr als 5000 Demonstranten, um gegen den umstrittenen Bau einer Kohlemine im Nordosten des Landes zu protestieren. Dort will der indische Adani-Konzern eine riesige Kohlemine bauen, die bis zu 15 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Auch in Brisbane, Sydney und anderen Städten gingen Australier auf die Straße. (…) Sowohl die Bundesregierung in Canberra als auch das Regionalparlament in Brisbane sehen das milliardenschwere Projekt dagegen als Jobmotor für die Region: der Adani-Konzern hat angeblich bis zu 10.000 neue Arbeitsplätze in Aussicht gestellt. Experten bezweifeln diese Zahlen allerdings und rechnen mit maximal 1400 neuen Jobs. Der Adani-Konzern hatte unlängst betont, trotz der Kritik an der Kohlemine festzuhalten. Allerdings soll die Mine nun deutlich kleiner ausfallen als ursprünglich geplant. Statt eines 16,5 Milliarden australische Dollar (10 Milliarden Euro) teuren offenen Tagebaus mit einer Kapazität von bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr soll nun für zwei Milliarden Dollar (1,2 Milliarden Euro) in der sogenannten Carmichael-Region im Bundesstaat Queensland eine Mine für bis zu 15 Millionen Tonnen pro Jahr erschlossen werden. Die Arbeiten könnten innerhalb der nächsten Wochen beginnen. Angeführt wurden die Demonstrationen erneut von Schülerinnen und Schülern, die schon im vergangenen Monat zu Kundgebungen in den großen Städten Australiens aufgerufen hatten…“
Kurzlink: https://www.labournet.de/?p=158893

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