Montag, 26. November 2018

EU billigt Brexit-Abkommen

Verschärfte Krise


Von Christian Bunke
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Abschied auf Raten: Die britische Premierministerin Theresa May tritt am Sonntag nach dem EU-Sondergipfeltreffen in Brüssel vor die Presse
Es ist ein Vertrag, den keiner will. Und trotzdem soll er mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln durchgeboxt werden. Eigentlich dürfte das am Sonntag von den 27 EU-Mitgliedsstaaten abgesegnete Abkommen für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union die kommenden Wochen und Monate nicht überleben. Doch die EU-Kommission, Angela Merkel und Emmanuel Macron, britische und europäische Unternehmerverbände sowie Theresa May und ihre Getreuen werden alles daransetzen, dass er auch von einer Mehrheit im Londoner Unterhaus beschlossen wird.
Der Austrittsvertrag legt Teile der britischen Verteidigungspolitik in die Hände der EU, ohne dass die Regierung Einfluss darauf nehmen kann. Deshalb lehnen Militärs das Abkommen ab. Spanien hat zukünftig Vetorechte über die Zukunft Gibraltars – britische Nationalisten wollen das nicht hinnehmen. Nordirland rückt näher an die Republik Irland heran. Die Tories haben somit den Unionismus als Grundlage ihrer Politik für den »Brexit« geopfert. Das alles hat schon jetzt zu einer Radikalisierung des probritischen Lagers in Nordirland geführt. Außerdem muss Großbritannien zukünftig mitziehen, wenn die EU einen Handelskrieg gegen die USA eröffnen möchte. Gleichzeitig wird der Europäische Gerichtshof das letzte Wort haben, wenn eine Regierung in London Eisenbahnen verstaatlichen will. Die EU bekommt Souveränitätsrechte im Vereinigten Königreich, damit es vielleicht mal einen Handelsvertrag mit London gibt.
Es ist wahrscheinlich, dass das Unterhaus den Vertrag ablehnen wird. Doch der aufgebaute Druck ist derartig hoch, dass auch eine Mehrheit dafür nicht ausgeschlossen ist. Premierministerin May verteilt derzeit Adelstitel als Bestechungsgeld an schwankende Parlamentarier. Auch die oppositionelle Labour-Fraktion schwankt: Manche Abgeordnete werden für den Deal stimmen. Sie stützen lieber May, als dass sie eine Regierung unter ihrem Parteichef Jeremy Corbyn ermöglichen.
Egal wie die Abstimmung ausgeht, die britische Staatskrise ist damit nicht beendet. Sie geht weiter und den bürgerlichen Lagern gehen zunehmend die Handlungsoptionen aus. Das gilt auch für die EU selbst, die vor einer neuen Wirtschaftskrise und wachsenden Problemen in ihren Mitgliedsstaaten steht. Darüber kann auch der Vorstoß Merkels zur Gründung einer EU-Armee nicht hinwegtäuschen.
Derweil nimmt die Kampagne für ein zweites EU-Referendum in Großbritannien an Fahrt auf. Es ist enttäuschend, dass der Linkspolitiker John McDonnell sich deshalb am Samstag mit Exponenten des blairistischen Flügels getroffen hat, um entsprechende Pläne zu erörtern. Sein Ziel sollte eine sozialistische Regierung sein und nicht die Rettung einer durch und durch neoliberalen EU.

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