Samstag, 24. August 2019

Jetzt wird auch auf Ibiza und Formentera gestreikt: Reinigungsfrauen in Hotels – „die Kellys“ machen mobil



Jetzt wird auch auf Ibiza und Formentera gestreikt: Reinigungsfrauen in Hotels – „die Kellys“ machen mobilAm Montag, 15. Juli 2019 beschlossen die bei der Vereinigung „Las Kellys“ organisierten Frauen aus Reinigungsunternehmen, die für die Tourismusbranche arbeiten, einen zweitägigen Proteststreik (am 24. und 25. August) zu organisieren. Zwar sind nur wenige der rund 6.000 Frauen, die hier arbeiten organisiert – aber die etwa rund 100 Aktiven erhoffen sich eine Beteiligung von bis zu einem Fünftel aller Arbeitenden. Da die Kellys keine anerkannte Gewerkschaft sind – und die größeren Verbände nichts unternahmen – hat die CGT den Streik offiziell „übernommen“. Vergleichbare Aktionen hatten in den letzten Jahren bereits in Madrid, Barcelona und auf Mallorca stattgefunden – stets in touristischen „Hochsaison“-Zeiten, der bisher erfolgreichste Streik habe in Bilbao stattgefunden, wo eine Lohnerhöhung um 48% erkämpft worden war, wird in dem Bericht „Las kellys llaman a la primera huelga de camareras de piso en Baleares“ von Patricia Reguero am 18. Juli 2019 bei El Salto Diario externer Link hervorgehoben. Darin unterstreicht die Sprecherin der Kellys auf den Balearen, es gehe hier, wie anderswo seit Jahren immer um dieselben beiden Forderungen: Bessere Bezahlung und weniger Arbeitsbelastung – wofür die streikenden Frauen auch die Hotelgäste zur Solidarität aufrufen und ihnen sechs Vorschläge machen, wie sie diese ausdrücken können. Siehe dazu auch eine Mitteilung der CGT Ibiza und ein Interview mit der Sprecherin der „Kellys“ auf den Inseln sowie erneutes Kampf-Wochenende:
  • Wochenend-Streik auf Ibiza und Formentera, landesweite Demos am Sonntag, 25. August New
    Die Betten werden nicht gemacht, die Bäder nicht geputzt: Tausende Putzkräfte in Spaniens Hotels wollen am Wochenende die Arbeit niederlegen. Myriam Barros, eine Organisatorin der Proteste, erklärt, warum sie streikt. 48 Stunden soll in Spaniens Touristen-Hochburgen der Ausnahmezustand gelten: “Las Kellys”, eine Vereinigung der Zimmermädchen, hat für das ganze Wochenende Streiks und Proteste angekündigt – mitten in der Urlaubssaison. Der Tourismus in Spanien boomt, die Zahl der Urlauber stieg von 68 Millionen im Jahr 2015 auf knapp 83 Millionen im vergangenen Jahr. Rund 200.000 “Camareras de piso” machen ihre Betten, putzen die Bäder, machen den Dreck weg. Der Begriff lässt sich auf Deutsch am ehesten mit Zimmermädchen übersetzen. 99 Prozent der Beschäftigen sind Frauen. Viele wollen nun am Sonntag in zahlreichen Städten des Landes abends auf die Straßen gehen, um auf ihre prekären Arbeitsbedingungen und eine aus ihrer Sicht “zunehmend brutale Ausbeutung” in Hotels und anderen Touristenunterkünften aufmerksam zu machen. Auf den Balearen-Inseln Ibiza und Formentera soll die Arbeit das ganze Wochenende über komplett ruhen. Regionalverbände der “Las Kellys”, 2016 als Interessenvertretung gegründet, organisieren die Aktionen. Myriam Barros, Präsidentin des Vereins, will sich auf Versprechungen von Spaniens Tourismusministerin, Reyes Maroto, wonach sich die Lage bessern soll, lieber nicht verlassen…” Interview von Lucia Heisterkamp vom 23.08.2019 beim Spiegel online externer Link: Zimmermädchen-Streik in Spanien “Bei uns sorgt der Tourismus nur für Ausbeutung”
  • Putzfraun in Barcelona gegen den UGT Tarifvertrag mit Outsourcing„Es sind zu viele Zimmer in zu wenig Zeit“ am 02. August 2019 in der jungen welt externer Link ist ein Gespräch von Carmela Negrete mit Milagros Carreño Poley von den Kelly Ibiza/Formentera, in dem sie unter anderem ausführt: „… Man verdient rund 1.300 Euro netto für eine Vollzeitstelle. Vor kurzem hat es Lohnerhöhungen gegeben. Davor hatten wir protestiert, das hat Wirkung gezeigt. Wir wissen, dass die Geschäfte der Hotels generell sehr gut laufen und einige damit viel Profit machen. Die Reichen kommen hier her, um ihre Freizeit zu genießen. Wir dagegen sind die Armen, die für sie arbeiten – aber auch wir haben unsere Würde. Eine wichtige Forderung von uns ist die Einführung einer Frührente ab 60 Jahren für Zimmermädchen. Ich selbst arbeite seit 30 Jahren als Putzfrau in Hotels, bin 54 Jahre alt und habe schon starke Probleme mit meiner Halswirbelsäule. [Gibt es Unterstützung für den Streik?] Nun, die Gewerkschaften scheinen an unserem Kampf nicht interessiert zu sein. Aber Kolleginnen in andere Regionen Spaniens, etwa auf La Palma, wollen ebenfalls streiken. Allerdings fehlt es auch ihnen an Unterstützung. Wir haben uns zudem mit den Unternehmern getroffen – aber das hat nichts gebracht. [Den Verein »Las Kellys« gibt es auch in anderen Regionen. Koordinieren Sie Ihre Aktionen untereinander?] Im Winter hatten wir Versammlungen, bei denen wir uns ausgetauscht haben. Aber im Grunde funktioniert jeder Verein innerhalb seiner Region. Unsere Hoffnung ist, dass sich unser Kampf wie hier auf Ibiza ausweitet. Wenn man seine Arbeit gerne macht – und das ist bei mir der Fall –, man aber bei der Ausübung so viele Schwierigkeiten hat, dann müssen wir gegen diese Bedingungen protestieren…“

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