Finanzprofessor Marc Chesney: «Die Demokratie steht unter Druck des Finanzsektors»
“Eine
starke Finanzlobby manipuliere Parlamentarier und schalte die
Öffentlichkeit aus, erklärt Finanzprofessor Marc Chesney. «Die Macht der
Märkte» höhle die Demokratie aus, bilanziert Chesney in seinem stark
überarbeiteten Buch «Die permanente Krise – Der Aufstieg der
Finanzoligarchie und das Versagen der Demokratie»*. Er klärt gleich auf,
wer «die Märkte» sind, von denen nicht nur in Börsensendungen, sondern
auch in der Tagesschau häufig die Rede ist: Es sind «Investmentbanken
und spekulative Fonds, welche ebendiese Märkte [allen voran die grossen
Börsen in New York und Chicago] manipulieren oder es zumindest
versuchen, um aus ihren Einsätzen Gewinn zu schlagen». Sie würden ein
Wettcasino betreiben, wo finanzielle Transaktionen in immer höherer
Frequenz als Mikrosekundenhandel abgewickelt werden. Die Macht dieser
«Märkte» widerspräche den Grundprinzipien der Demokratie: «Fortan sind
es die elektronischen Finanzmärkte, welche die wirtschaftliche,
finanzielle und soziale Ausrichtung der Länder bestimmen.» Sowohl linke
wie auch rechte Politik müssten sich den Finanzmärkten unterordnen: «Es
läuft auf eine Form von Diktatur hinaus», erklärt Marc Chesney. Deshalb
gehe es heute «um die Wahl zwischen der Diktatur des Finanzsektors und
einer Demokratie, in der die Bürgerinnen und Bürger ihre Zukunft selber
in die Hand nehmen.»…” Beitrag von Urs P. Gasche vom 20. August 2019 bei Infosperber
- “Die permanente Krise: Der Aufstieg der Finanzoligarchie und das
Versagen der Demokratie” von Marc Chesney erschien 2019 in zweiter
erweiterter Auflage im Versus Verlag Zürich zum Preis von 22 Euro (149
Seiten)
- Anm.: Hier wird (umgekehrt) der Systemaspekt ausgeblendet die
demokratische Herrschaftsform des Kapitalismus idealisiert. Ich halte es
eher mit Wolfgang Abendroth, der das Grundgesetz als
“Klassenkompromiss” bezeichnete, was unbedingt eine Weiterentwicklung
erfordert, soll daraus das werden, was Chesney vermisst. Bestenfalls
könnte man es begrüßen, dass auch Chesney als Finanzprofessor den
Widerspruch Markt contra Demokratie sieht …
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