Bevölkerung in Argentinien leidet unter neoliberaler Politik des Präsidenten. Sie reagiert mit Massendemonstrationen gegen Verarmung
Von Volker Hermsdorf
Gegen Preiserhöhungen: Demonstration vor dem Parlament in Buenos Aires (31.1.2019)
Foto: Agustin Marcarian/REUTERS
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Seit der Unternehmer Macri im November 2015 mit einem nur knappen Vorsprung vor dem Kandidaten der linken Wahlallianz »Frente para la Victoria« zum Präsidenten gewählt wurde, haben neoliberale Maßnahmen eine Spur der sozialen Verwüstung hinterlassen. Während die Inflation nach Angabe des Nationalen Instituts für Statistik und Zensus (INDEC) in den vergangenen zwölf Monaten auf 48,5 Prozent anwuchs, stiegen die Einkommen lediglich um durchschnittlich 26,5 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten nimmt jedoch dramatisch ab. Staatliche Betriebe, Verwaltungen und private Unternehmen setzten Zigtausende Mitarbeiter vor die Tür. Gleichzeitig stiegen die Preise für Nahrungsmittel, Energieversorgung und Transport um 30 bis 35 Prozent.
Ende 2018 kündigte die Regierung eine weitere Erhöhung der Tarife an. Der Preis für Strom soll um 43 Prozent, für Wasser um 17 und für Gas um 43 Prozent steigen. »Das ist ein Raubüberfall auf die Bevölkerung, der nicht ungestraft bleiben darf«, zitierte das Onlineportal Resumen Latinoamericano einen Demonstranten vom letzten Freitag. Macris Politik hat die Inflation auf ein Rekordniveau getrieben. Argentiniens Währung brach in nur einem halben Jahr um 50 Prozent ein. Das Geld droht bald nicht einmal mehr das Papier wert zu sein, auf dem es gedruckt wurde.
»Viele von uns haben Macri gewählt«, zitierte Resumen Latinoamericano am Sonnabend die Blumenverkäuferin María Estela. »Doch jetzt bleibt mir nichts anderes, als jeden Freitag auf die Straße zu gehen, bis er wieder verschwindet.« Macris neoliberale Politik führte zu einem Popularitätsgewinn für Expräsidentin Fernández, die ihre achtjährige Amtszeit 2015 mit einer beachtlichen Sympathiequote von knapp 50 Prozent der Wähler beendet hatte. Jetzt werden ihr, trotz der Verfolgung durch einige mit Macri sympathisierende Juristen, gute Chancen bei der Präsidentschaftswahl am 27. Oktober 2019 attestiert. Sollte sie dazu antreten und es zu einer Stichwahl zwischen ihr und Macri kommen, könnte sie nach derzeitigen Umfragen mit 53 Prozent rechnen, während Macri bei nur 31 Prozent landen würde. Das lässt in Buenos Aires und Washington die Alarmglocken läuten. Ähnlich wie in Brasilien, wo Lula da Silva, der aussichtsreichste Kandidat für den Präsidentenposten, vor der Wahl inhaftiert und als politischer Gefangener kaltgestellt wurde, könnte auch in Argentinien die Macht Macris gesichert werden.
https://www.jungewelt.de/artikel/348436.proteste-in-argentinien-widerstand-gegen-macri.html
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