Neue Vorwürfe in Finanzaffäre um PiS-nahe Immobilienfirma. Anwalt sagt in Untersuchungsausschuss gegen Regierungspartei aus
Von Reinhard Lauterbach, Poznan
»Effektiv und ehrlich«: Werbeplakat mit dem Konterfei von PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski in Warschau
Foto: Kacper Pempel/REUTERS
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Nowaczyk ist als Zeuge sicher nicht über jeden Zweifel erhaben, aber ein Insider ist er zweifellos. Ihm droht selbst ein Prozess wegen Bestechung. Wenn er jetzt mit seinem Wissen auspackte und unter Eid aussagte, könnte dies ein Versuch der Rückversicherung für das bevorstehende Verfahren sein: Bleibt die PiS an der Macht und er wird verurteilt, fällt automatisch ein Schatten auf die Regierungspartei zurück. Gewinnt aber die oppositionelle »Bürgerplattform« (PO), hat sie allen Anlass, sich ihm gegenüber erkenntlich zu zeigen.
Unterdessen hat der Warschauer Bürgermeister Rafal Trzaskowski von der Partei Bürgerplattform erklärt, er sehe kein Problem darin, der Firma »Srebrna« eine Baugenehmigung für das Grundstück zu erteilen – allerdings nur gemäß den örtlichen Bestimmungen. Also für ein Gebäude mit maximal 30 Metern Höhe und nicht 190, wie für zwei Wolkenkratzer angestrebt sind. Dadurch ließe sich nicht annähernd soviel Geld einnehmen wie bei den geplanten Wohntürmen.
Die der PO nahestehende Zeitung Gazeta Wyborcza hatte am Wochenende dieselbe Vermutung geäußert und eine Reihe scheinbar unverbundener Entscheidungen der PiS in diesen Zusammenhang gerückt: Ein Warschauer Beamter, der den Denkmalwert des auf dem Grundstück stehenden Altbaus verneint hatte, wurde auf einen hohen Regierungsposten befördert. Und ein geplantes Gesetzes für mehr Transparenz in der Verwaltung wurde versenkt. Oder die zweitgrößte Bank des Landes, Pekao, wurde verstaatlicht, um den Immobiliendeal zu finanzieren.
Tatsächlich wirft die Beteiligung dieser Bank, die zur Finanzierung des Geschäfts vorgesehen war, in Fachkreisen Fragen auf. Erstens, weil ein Kredit von umgerechnet 300 Millionen Euro nach dem Urteil von Bankern für Geldinstitute wie die Pekao ein unverdaulich großer Brocken gewesen wäre. Zweitens, weil die unscheinbare Zweckgesellschaft »Nuneaton«, die als Bauherrin des Projekts hätte auftreten sollen, gerade erst gegründet und mit keinerlei relevanten Eigenmitteln ausgestattet worden sei, so dass von Sicherheiten keine Rede habe sein können. Trotzdem hat der Vorstandsvorsitzende der Bank offenbar mehrfach mit dem Vorsitzenden der PiS, Jaroslaw Kaczynski, über das Vorhaben gesprochen.
Deutlich wird jedenfalls, dass Kaczynski das ganze Projekt möglichst ohne große öffentliche Aufmerksamkeit durchziehen wollte. Er blies es ab, als politische Gegner und Medien davon Wind bekamen. Schon dies deutet darauf hin, dass dabei nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein kann.
https://www.jungewelt.de/artikel/348442.finanzaff%C3%A4re-in-polen-warschauer-sumpf.html
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