Montag, 4. Februar 2019

Katar ist Asienmeister! Ein doppelter Triumph für den WM-Gastgeber

Shisha für alle


Von Glenn Jäger
RTS2D9GD.jpg
Schönen Gruß an die Emiratis – die Katarer freu’n sich dusselig
Nach einem 3:1-Sieg gegen Japan ist Katar erstmals Asienmeister. In einem Spiel auf Augenhöhe nutzte das Emirat seine Chancen in der zwölften, 27. und 83. Minute effizienter. Der viermalige Asienmeister Japan, der in der 69. Minute in Abu Dhabi zum Anschlusstreffer kam, verlor erstmals ein Endspiel. Wenige Stunden zuvor hatte der Asiatische Fußballverband (AFC) den Protest der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gegen die Finalteilnahme Katars abgewiesen. Bei allen Restzweifeln, ob die Mütter zweier Spieler gemäß Artikel 7d der FIFA-Statuten im Emirat geboren wurden: Die Klage erwies sich als politisch motiviert und – erst kurz nach dem verlorenen Halbfinalspiel eingereicht – als die eines schlechten Verlierers.
Es hatte sich abgezeichnet, ich musste wieder nach Bad Godesberg. »Salafistenhochburg« heißt zwar saudischer Einfluss. Aber Golf ist Golf, es ist Fußball. Die Shisha-Bar war wieder gut gefüllt, das Ambiente bekannt: großer Bildschirm, bequemer Sessel, verqualmte Luft. Ich treffe erst in Halbzeit zwo ein, doch der Fallrückzieher von Torschützenkönig Almoez Ali (neun Treffer) zum 1:0 wird ebensooft wiederholt wie das 2:0 von Hatim Abdelaziz: Distanzschuss links oben in den Knick.
Mit etwas mehr Zeit hätte ich mich gerne mit Martin Böttger getroffen, der das engagierte Portal »Beueler Extra-Dienst« betreibt und den Asien-Cup schon begleitete, als die großen Medien ihn noch weitgehend ignorierten. Mit Blick auf die Vorrundenbegegnung Katar gegen Saudi-Arabien war bei ihm von »angeblichen Zufällen der Gruppenauslosungen« die Rede. Ich hob eine Augenbraue, interessante These. Das Motiv war da – dem AFC und der FIFA muss, auch zur WM 2022 hin, an einer Verständigung der Länder gelegen sein. Allein: Eine mutmaßlich geschobene Auslosung, das passt gut in den Blog, für die Zeitung will das wasserdicht belegt sein. Doch selbst wenn, was hat es ihnen genutzt? Den VAE als Gastgeber war an Völkerverständigung nicht gelegen. Gegen Katar fuhren sie großes Besteck auf: Einreiseverbote für Sportfunktionäre, angedrohte Haftstrafen für Fans, Zulassen von Schuhwürfen und am Ende ein verzweifelter Einspruch, um selber nachzurücken. So wurde der Finalsieg zum doppelten Triumph: sportlich verdient, zudem ein politischer Punktsieg gegen die Boykotteure des Landes – und das auf deren Boden. Schlimmer hätte es für die saudisch-emiratische Phalanx nur kommen können, hätte sich Iran statt Japan für das Finale qualifiziert.
In der zweiten Halbzeit konnten die Samurai Blue durch Yuya Osako verdient auf 2:1 verkürzen. Einer der katarischen Gegenstöße führte in der 83. Minute zu einem Handelfer, den Akram Afif kaltschnäuzig verwandelte. Wer glaubte, Wasserpfeifen würden beruhigen, sah sich getäuscht: Kollektiver Jubel, der mit dem Schlusspfiff noch einmal aufbrandete. Kurz danach kommt die Bedienung auf mich zu, die Rechnung sei schon bezahlt. Einer der Gäste kam aus Katar und lud spontan das gesamte Café ein. Ich setze nach: Neulich waren doch hier die meisten für Saudi-Arabien, ob da kein Riss durchgehe. »Ach was, das ist nur Politik.« Die meisten sind schon wieder draußen, als die Spieler auf dem Weg zu Medaillen und Pokal an FIFA-Präsident Infantino und Co. vorbeiziehen.
Wer im Herbst die Testspielerfolge Katars gegen Ecuador (4:3), die Schweiz (1:0) und Island (2:2) nicht ernst nahm, weiß spätestens jetzt: Mit dem Gastgeber der WM 2022 ist sehr wohl zu rechnen. In Godesberg muss man bis dahin nur noch das Hupen üben.
https://www.jungewelt.de/artikel/348473.fu%C3%9Fball-shisha-f%C3%BCr-alle.html

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen