Geschwister Schaefer in München wegen Holocaustleugnung und antisemitischer Hetze verurteilt
Von Sebastian Lipp, München![]()
Auf dem Gelände des früheren Vernichtungslagers Auschwitz (Archivbild)
Foto: Kacper Pempel/Reuters
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Mit einem Hitlergruß hatte Alfred Schaefer seine zu dem Zeitpunkt bereits seit sechs Monaten inhaftierte, breit grinsende Schwester Monika zum Auftakt des Prozesses im Gerichtssaal empfangen. Weitere vier Monate später sprach das Landgericht München am Freitag das Urteil gegen die notorischen Holocaustleugner. Nach dem Willen der Kammer muss der Deutschkanadier drei Jahre und zwei Monate hinter Gittern verbringen, seine vier Jahre jüngere Schwester bekommt zehn Monate für das Leugnen der Schoah. Da sie genauso lange schon in Untersuchungshaft saß, darf sie das Gericht nun auf freiem Fuß verlassen.
Wie typische Neonazis sieht das Geschwisterpaar, das sich seit Juli vor dem Landgericht München verantworten musste, nicht aus. Der 63jährige Sohn deutscher Eltern war schon vor Jahrzehnten nach Deutschland gekommen, um hier für einen großen Technologiekonzern zu arbeiten. Seine Schwester war in Kanada geblieben, wo sie einst mehrfach für die grüne Partei kandidiert hatte. Auch das Unterstützerumfeld der Geschichtsrevisionisten, das an den 21 Prozesstagen stets vor Ort war und teils für Tumulte sorgte, würde man eher den zum Teil bieder wirkenden »Reichsbürgern« als der organisierten Neonaziszene zuordnen.
Mehr als ein Dutzend Videos hatte Alfred Schaefer produziert und im Internet veröffentlicht, um seine perfide antisemitische Weltsicht zu verbreiten. Demnach habe »der Jude« den Holocaust nur erfunden, um »viel Geld zu ergaunern« und die »weiße Rasse zu vernichten«. Die »Hippiebewegung«, Migration, die Mondlandung, den Kalten Krieg und den Kennedy-Mord, die Anschläge am 11. September 2001 in den USA – im ganzen Weltgeschehen glaubt Schaefer paranoid ein Komplott zur Schwächung »seiner Rasse« zu erkennen. Mit Blick auf die teilweise über einstündigen Videoclips hatte die Staatsanwaltschaft Anklage wegen der Verwendung von Hakenkreuzen, der Leugnung der Schoah und des Aufstachelns zum Hass unter anderem gegen Jüdinnen und Juden erhoben.
Im Duktus des Naziregimes benutzt Schaefer in seiner Agitation immer wieder Worte wie »Parasiten«. Nun sei es an der Zeit, sich zu »wehren« – in einem »Kampf auf Leben und Tod«. Jeder müsse sich für eine »Seite« entscheiden; und wer sich nicht auf die »richtige« Seite stellt, wird zum Feind und entmenschlicht: »Ich kann die nicht mehr wahrnehmen wie einen vollwertigen Menschen«, erklärte Schaefer etwa in seinem letzten Wort im Verhandlungssaal am Donnerstag. Selbst das Gericht wollte der glühende Antisemit zu einer Erklärung nötigen, ob es »jüdischen Interessen dient«. Wenige Tage vor Prozessbeginn drohte Schaefer als Redner einer Solidaritätsdemonstration für Geschichtsrevisionisten, die Vertreter der Kammer würden »hängen am Hals bis zum Tode, wenn sie uns verurteilen«.
Monika Schaefer beschrieb sich in ihrem letzten Wort selbst als friedliebende Person, die »unsere Welt, unsere Tierfreunde und unsere Pflanzenfreunde« liebe und niemals zum Hass gegen irgendwen aufstacheln würde. Es tue ihr leid, wenn sie gegen ein Gesetz verstoßen habe, doch dieses Gesetz fühle sich an wie eines, das das Atmen verbiete. In den Videos habe sie sich nur bei ihrer deutschen Mutter entschuldigt, dass sie früher an den Holocaust geglaubt und ihr dafür Vorwürfe gemacht habe. »Ich bin stolz, deutsch zu sein«, so die Kanadierin.
»Es hat uns fast den Magen umgedreht, wenn wir diesen rassistischen und antisemitischen Äußerungen folgen mussten«, begründete der Vorsitzende Richter am Freitag das noch nicht rechtskräftige Urteil gegen die Schaefer-Geschwister, die »vom Hass zerfressen« seien. Die von den Angeklagten verbreitete Propaganda sei »rassistischer Dreck« und eine »Bedrohung für den öffentlichen Frieden«.
Am Tag nach dem Urteil erschoss ein Antisemit in einer Synagoge in Pittsburgh elf Menschen. »Alle Juden müssen sterben«, soll er dabei geschrien und zuvor die Tat in »sozialen Netzwerken« angekündigt haben. Eine jüdische Organisation zum Schutz von Geflüchteten wolle »Invasoren hereinbringen, die unsere Leute töten. Ich kann nicht länger zusehen, wie meine Leute geschlachtet werden.« Genau das hatten auch die Schaefer-Geschwister propagiert.

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