Donnerstag, 13. Oktober 2016

Armut kann tödlich sein. Wer wenig Geld hat, lebt viele Jahre kürzer als andere Menschen. Wieso nimmt die Gesellschaft das hin?




"Die Diskussion über Armut und Reichtum wird in Deutschland endlich 
wieder geführt. Dabei erstaunt jedoch ein blinder Fleck in der 
politischen Debatte: Die enormen sozialen Unterschiede in der 
Lebenserwartung spielen kaum eine Rolle. Dabei liegen die 
wissenschaftlichen Fakten schon lange auf dem Tisch. Die 
Gesundheitswissenschaften, neudeutsch Public Health genannt, weisen 
seit Jahrzehnten darauf hin, dass auch in reichen 
Industriegesellschaften sozial Benachteiligte bei Gesundheit und 
Lebenserwartung deutlich schlechter abschneiden als sozial besser 
Gestellte und dass diese Unterschiede in den letzten Jahren zugenommen 
haben. (...) Soziale Ungleichheit wird hier so deutlich wie an kaum 
einer anderen Stelle. Es geht nicht darum, ob jemand sich einen 
Neuwagen leisten kann, sondern darum, wann der Leichenwagen vor der 
Tür steht. Es ist paradox: Wir sind uns einig, dass die Notfallmedizin 
nicht nach der sozialen Herkunft eines Hilfsbedürftigen fragen darf, 
nehmen aber einen frühen Tod von Ärmeren hin, als sei er einem 
unabänderlichen Karma geschuldet. (...) Anstatt kurzlebiger 
Modellprojekte ist ein nationaler Präventionsplan zur Reduzierung 
gesundheitlicher Ungleichheit nötig. Eine „sprechende“ Medizin mit 
mehr Kommunikation zwischen Ärztin und Patient muss über neue 
Vergütungsregelungen für Ärzte gestärkt werden. Ebenso sollten über 
Kassenfinanzierung Gruppenpraxen ermöglicht werden, in denen Ärzte und 
Sozialarbeiter kooperieren..." Artikel von Fred-Jürgen Beier vom 
10.10.2016 bei Freitag online
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/armut-kann-toedlich-sein

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