Sonntag, 23. Oktober 2016

Der faschistische Putsch in Ungarn

Ungarische Pfaffen 1956 mit einem Aufruf an „die Männer“ „… es wird eine Zeit kommen, da Ihr vom Gott den Befehl empfangen werdet zu zerstören, zu zerstören und zu vernichten!“


ungarn_fahneIn den letzten fünfzwanzig Jahren haben sogenannte „Historiker“ und Journalisten immer wieder versucht, die ungarischen Ereignisse von 1956 als „spontane Protestaktionen der Volksmassen“, als „Volksaufstand“ gegen das „blutige pro-sowjetische Regime“ von Mátyás Rákosi und seinem Nachfolger Ernő Gerő umzulügen. In Wirklichkeit jedoch war das Drehbuch dieser Mordorgie von Anfang bis Ende durch die CIA geschrieben worden, und wenn es nicht bezeiten [1] eine Einmischung der Roten Armee gegeben hätte, wäre Ungarn das Opfer der ersten „orangenen Revolution“ geworden. Wie die Westler diese „Revolution“ dann genannt hätten, ist nicht bekannt, aber die Operation trug bei ihrer Verwirklichung den Code-Namen „FOCUS“ (Brennpunkt). Der angebliche „Volksaufstand“ war nichts anderes als ein faschistischer Putsch!

 

1.Die Vorbereitungen

Die Operation „FOCUS“ begann mit einem informativen Angriff – mit Hilfe von Luftballons wurden über Ungarn Flugblätter abgeworfen. In der ersten Hälfte von 1956 wurden 293 Fälle ihres Erscheinens im Luftraum Ungarns festgestellt, und sie waren am 19. Juli der Grund für die Katastrophe eines Passagierflugzeuges. Am 23. Oktober 1956 begann der faschistische ungarische Aufruhr, der von den westlichen Geheimdiensten vorbereitet und geleitet wurde.

Flugblattaktionen westlicher Geheimdienste

Am Abend des 1. Oktober 1954 waren aus dem Gebiet um München Tausende von Luftballons abeschickt worden. Die Ballons flogen in Wellen von jeweils 200-300 Stück, wobei jeder von ihnen 300 bis zu 1.000 Flugblättern beförderte. Die Flugblätter fielen indes auf fruchtbaren Boden. Dabei handelte es sich darum, daß während des Krieges, als Ungarn an der Seite Hitlers gegen die Sowjetunion kämpfte, viele Ungarn gefallen waren oder in sowjetische Kriegsgefangenschaft gerieten. Und so hatten deren Angehörige oft Gründe, die Russen nicht zu mögen. Viele haßten die Russen sogar noch auf Grund der Ereignisse der Jahre 1848-49.

Die ungarischen Konterrevolutionäre

Die Amerikaner setzten ihre Hoffnungen jedoch nicht so sehr auf die Volksmassen, sondern auf die überlebenden ungarischen Faschisten – ein Teil von ihnen war mit den Deutschen nach Österreich geflohen, und diejenigen, denen die Flucht nicht mehr gelungen war, gründeten dann innerhalb Ungarns konspirative Organisationen. Deren größte war „Schwert und Kreuz“ (Kard és Kereszt), „Weiße Garde“ (Fehér Gárda), „Division Botond“ (Botond Hadosztály), der „Kadettenbund“ (Hadapródok Szervezete), „Weiße Partisanen“ (Fehér Partizánok), „Blutsvertrag“ (Vérszerződés), die „Ungarische Widerstandsbewegung“ (Magyar Ellenállási Mozgalom) und die „Bewegung des nationalen Widerstands“ (Nemzeti Ellenállási Mozgalom).

Welche Rolle spielte die katholische Kirche?

Auch die ungarische katholische Kirche leistete eine enorme subversive Arbeit, die von Kardinal József Mindszenty (1892-1975) geleitet wurde. Eine besonders gefährliche Rolle unter den illegalen politischen Gruppen spielte dabei die 1950 gegründete sogenannte „Christliche Partei“ (Keresztény Nemzeti Párt). Für ihre Hauptaufgabe hielt diese „Christliche Partei“ die Bearbeitung der Jugend. Unter der unmittelbaren Führung der Parteispitze wirkte eine illegale klerikale Jugendorganisation, mit deren Bildung sich schon in den Jahren 1949–1951 einige Priester und ehemalige Mönche befaßt hatten.

„… es wird eine Zeit kommen!“

Die propagandistische Tätigkeit der Klerikalen wurde in verschiedenen Formen verwirklicht, dazu gehörten Vorträge, Vorlesungen und der Vertrieb von Broschüren und Flugblättern. In einem dieser Fluglätter unter dem Titel „Aufruf an die Männern“ erhielt die Jugend beispielsweise solche Vorschriften: „… es wird eine Zeit kommen, da Ihr vom Gott den Befehl empfangen werdet zu zerstören, zu zerstören und zu vernichten!“

Finanzierung und Bewaffnung durch westliche Geheimdienste

Die Tätigkeit der illegalen klerikalen Organisationen wäre ohne die bedeutende materielle „Unterstützung“ von außen nicht möglich gewesen. So erhielt die „Christliche Front“ (Keresztény Front) von der ausländischen Beschützern 130.000 Forint, die „Kongregation Maria“ (Maria Congregatio) 1951 – 75.000, 1954 – 75.000, 1955 – 30.000 und 1955 sogar 90.000 Forint. In November 1956 wurden im Stabsquartier von „Regnum Marianum“ in dem Moment, als die Sicherheitsorgane der Ungarischen Volksrepublik ihrer verbrecherischen Tätigkeit ein Ende gesetzt hatten, 258.230 Forint, 45 Napoléon d’Or, 67 Schreibmaschinen, 12 Tonbandgeräte, sowie Schnitt-und Vervielfältigungstechnik gefunden. [3] Berichten zufolge waren in Ferencváros und Józsefváros geheime Waffenlager angelegt worden. [4]

Subversive Einmischung durch „Radio Freies Europa“

Die Rolle des Koordinators des angeblichen „Volkswiderstands“ übten das „Komitee Freies Europa“ und seine spezialisierten Institutionen aus – über Diplomaten, Spione, verschiedene Emissäre und durch geheime Botschaften , die über die Rundfunkkanäle des Senders „Radio Freies Europa“ übertragen wurden.

2.Der Beginn des Putsches

Die ungarischen Ereignisse nahmen am 23. Oktober 1956 ihren Anfang. Am Nachmittag um 3 Uhr fingen die Demonstration an, an denen sich etwa Tausend Menschen beteiligten — darunter waren Studenten und Vertreter der Intelligenz. Die Demonstranten trugen rote Fahnen und Transparente, auf denen Losungen über die sowjetisch-ungarische Freundschaft geschrieben waren. Jedoch schlossen sich den Demonstranten auf ihrem Marsch radikal eingestellte Gruppen an, die provozierende Losungen mit anderen Inhalten trugen. Sie forderten beispielsweise die Wiedereinführung des alten ungarischen Nationalemblems, des alten ungarischen nationalen Feiertages anstelle des Tages der Befreiung vom Faschismus, die Aufhebung der militärischen Ausbildung und des Unterrichts in der russischen Sprache. Die anfängliche Demonstration begann sich allmählich in einen Putsch zu verwandeln.

Die ersten Toten und Verwundeten

Gegen 19 Uhr abends bemächtigten sich die Putschisten einiger Fuhrparks und brachten danach die „Demonstranten“ mit Lastkraftwagen und Bussen zu verschiedenen Objekten. Um 20 Uhr hielt der erste Sekretär des ZK der Ungarischen Arbeiterpartei Ernő Gerő eine Rundfunkansprache, in der er die Demonstranten scharf kritisierte. Als Antwort darauf versuchte ein größere Gruppe von „Demonstranten“ das Sendestudio im Haus des Rundfunks zu stürmen, um die programmatischen Forderung der „Demonstranten“ über den Sender zu übertragen. Dieser Versuch führte zu einem Zusammenstoß zwischen Mitarbeitern der ungarischen Staatssicherheit (Államvédelmi Hatóság – ÁVH), die das Haus des Rundfunks verteidigten, wobei es in dessen Verlauf nach 21 Uhr die ersten Toten und Verwundeten gab.

Die ungarischen Kollaborateure und Verräter

Gleichzeitig besetzte eine bewaffnete Gruppe von Putschisten die Kilián-Kasernen, wo sich drei militärische Bau-Bataillone befanden, und bemächtigte sich deren Waffen. Viele Soldaten schlossen sich den Randalierern an. Den Putschisten schloß sich auch der Oberst der Panzertruppen Pál Maléter an, der zur Beruhigung der Putschisten in die Kaserne geschickt worden war. Bald wurde er einer der militärischen Anführer des Putsches. Der Leiter der Hauptverwaltung der Budapester Polizei, Oberstleutnant Sándor Kopácsi gab die Anweisung, nicht auf die Putschisten zu schießen und sich nicht in ihre Handlungen einzumischen. Ohne Widerspruch erfüllte er die Forderungen der Menge, die sich vor der Verwaltung der Polizei versammelt hatte, zur Befreiung der Gefangenen und zur Beseitigung des roten Sterns von der Fassade des Gebäudes.

Die Putschisten überfallen zwei Waffenfabriken

In der Nacht zum 24. Oktober besetzten die Putschisten die Waffenfabriken „Lámpagyár“ (Lampart) und „Danuvia“ (Danuvia Gépgyár). Dann begannen sie, die Waffen mit den Lastkraftwagen in ganz Budapest zu verteilen. Man muß auch hinzufügen, daß nach der Niederschlagung des faschistischen Putsches bei den Putschisten viele Waffen aus westlicher Nachkriegsproduktion gefunden wurden.

3.Einmarsch der sowjetischen Truppen

Noch am Vorabend gegen 23 Uhr hatte der Chef des Generalstabes der Streitkräfte der UdSSR Marschall Wassilij Danilowitsch Sokolowski, aufgrund eines Beschlusses des Präsidiums des ZK der KPdSU, dem Kommandeur einer Sondereinheit den Befehl gegeben, zur Hilfeleistung für das ungarische Militär mit dem Einmarsch in Budapest zu beginnen, um die „Ordnung wiederherzustellen und Bedingungen für friedliche und schöpferische Arbeit zu schaffen“. Noch in der Nacht zum 24. Oktober setzten sich etwa sechstausend Militärangehörige der Sowjetischen Armee mit 290 Panzern T-44, Т-54 und IS-3, sowie 120 Schützenpanzerwagen SPW-152 in Bewegung und vereinigten sich mit dem ungarischen Militär, bereit, den Kampf gegen die Putschisten aufzunehmen. Die bewaffneten Kräfte der Putschisten in Budapest konzentrierten sich vor allem im VIII. und IX. Bezirk, sowie im Bereich des Heuplatzes (Széna-tér).

Kampfhandlungen gegen die Sowjetarmee

Am Morgen erreichte dann auch die 33. mechanisierte Gardedivision die Stadt, und am Abend kam auch die 128. Gardeschützendivision in Budapest an und schloß sich den Sondereinheiten an. Dann gab es während einer Kundgebung beim Gebäude des Parlaments einen Zwischenfall: Von einem der oberen Stockwerke wurde das Feuer eröffnet, im Ergebnis dessen kam ein sowjetischer Offizier ums Leben und es brannte ein Panzer. Als Antwort darauf eröffneten nun auch die sowjetischen Truppen das Feuer auf die Putschisten, wobei es auf beiden Seiten 61 Tote und 284 Verletzte gab.

Bewaffnete Schwerverbrecher

Die organisierten konterrevolutionären Kräfte fanden sofort die Unterstützung von deklassierten Elementen und Verbrechern. Aus allen vorhandenen Dokumenten ist ersichtlich, welche große Rolle diese verbrecherischen Elemente bei der Tätigkeit der konterrevolutionären Banden spielten. Die Unterabteilungen des Kis/Kun-Schützenregiments hatten am 26. Oktober bei Budapest eine bewaffnete Auseinandersetzung mit einer Abteilung der Konterrevolutionäre und sie konnten 23 Banditen festnehmen. Die überwiegende Mehrzahl der Festgenommenen waren Verbrecher, die aus dem zerstörten Gefängnis entkommen waren. Insgesamt waren im Zeitraum vom 25. bis zum 31. Oktober 9.962 Kriminelle und 3.324 politische Straftäter entkommen oder freigelassen worden, wobei ein großer Teil der ersteren bewaffnet war. Der überwiegende Teil der politischen Straftäter schloß sich unmittrelbar der Konterrevolution an.

Ein zynischer Mißbrauch menschlicher Einfalt…

An den Kämpfen nahmen auch einfache, irrende Menschen teil (und starben auch). Sie hatten sich einfangen lassen von den konterrevolutionären Aufrufen und waren, vor allem auch aufgrund der aufkommenden Losungen von einem „nationalen Kommunismus“, bewaffnet auf die Straße gegangen. Die Verantwortung für ihre Irrtümer und ihren Tod liegt allein bei der „Parteiopposition“ und deren demagogischer Ideologie und Propaganda. Unter denen, die sich ebenfalls auf die Seite der Konterrevolution gestellt hatten, obwohl sie deren Ziele nicht teilten, befand sich auch ein bedeutender Teil die Jugend. Die Hintermänner des Putsches, die Agitatoren des Senders „Freies Europa“ bedienten sich bei ihren Zielen mit auffallendem Zynismus der politischen Unreife, der patriotischen Gefühle und Träume der Kinder, Jugendlichen und jungen Männer von den heldenhaften Taten. Auch in dieser Hinsicht kann man einige Beispiele anführen.
Im Verlaufe der bewaffneten Auseinandersetzungen gab es etwa 3.000 Tote; 20 % der Toten waren unter 20 Jahre, 28 % im Alter zwischen 20 und 29 Jahren. Bei den Verwundeten war etwa ein Viertel jünger als 18 Jahre, und sogar mehr als die Hälfte im Alter von 19 bis 30 Jahren.

Der USA-Sender „Freies Europa“ leitet den Putsch

Der Putsch wurde von München aus über den Sender „Radio Freies Europa“ (RFE) angeleitet. Mit einer direkten Funkverbindung unterstützte RFE einige große bewaffnete Gruppen. So wurde zu der Bande in der Corvin utca täglich zweimal Verbindungen aufgenommen: um 23 Uhr gab der Sender „Freies Europa“ Direktiven und Hinweise, und um 1 Uhr nachts erhielt er die Informationen der Banditen.
Entsprechend einer Forderung Moskaus wurde der Kommunist Ernő Gerő auf dem Posten des Ersten Sekretärs des ZK UKP durch den Revisionisten János Kádár abgelöst und wurde durch die Südgruppe der sowjetischen Truppen nach Szolnok gebracht. Ministerpräsident Imre Nagy hielt eine Rundfunkansprache, in der er den sich bekämpfenden Seiten vorschlug, das Feuer einzustellen.

4.Der Rückzug der sowjetischen Truppen

Am 29. Oktober hörten die Kämpfe in den Straßen auf, und zum ersten Mal kehrte für fünf Tage in den Straßen Budapests Ruhe ein. Die sowjetischen Truppen begannen, Budapest zu verlassen. Kaum jedoch hatten kaum die sowjetischen Truppen die Stadt verlassen, gingen die Putschisten erneut zum Angriff über.
Der aus dem Gefängnis befreite ehemalige Offizier der Horthy-Armee, Béla Király, der in der Ungarischen Volksarmee Generalmajor geworden war, aber der Spionage überführt und zur lebenslänglichen Haft verurteilt worden war, organisierte zusammen mit dem schon erwähnten Maléter ein sogenanntes „Komitee der revolutionären Streitkräfte“. Die bewaffneten Gruppen dieses Komitees begannen damit, die Kommunisten und die von Imre Nagy aus ihrer Tätigkeit entlassenen Mitarbeiter der Staatssicherheit zu ermorden. Es gab auch Fälle, wo als Posten in verschiedenen Städten Ungarns zurückgelassene sowjetische Militärangehörige ermordet wurden.

5.Die Greueltaten der ungarischen Putschisten

Bald darauf wurde von den Putschisten das Budapester Stadtkomitee der Ungarischen Partei der Werktätigen besetzt und dabei wurden über 20 Kommunisten von der Menge aufgehängt. Die Fotografien der erhängten Kommunisten mit Spuren von Folterungen, deren Gesichter mit Säure übergossen worden waren, gingen um die ganze Welt.
Der Putsch griff nun auch auf andere Städte über. Sehr bald fiel das ganze Land ins Chaos. Die Bahnverbindungen wurden unterbrochen, die Arbeit auf den Flughäfen eingestellt, die Läden, Geschäfte und Banken wurden geschlossen. Die Putschisten zogen durch die Straßen, um Mitarbeiter der Staatssicherheit zu fangen. Sie rissen sie in Stücke, begossen sie mit Säure, hängten sie an den Beinen auf, und manchmal wurden sie auch kastriert. Gefangene Parteiführer wurden mit großen Nägeln am Boden festgenagelt, nachdem man ihnen Bilder von Lenin in die Hände gelegt hatte.

6.Die außenpolitische Lage

Die Ereignisse in Ungarn fielen zeitlich zusammen mit der Suezkrise. Nachdem der ägyptische Präsident Al-Nasser nach Abzug der britischen Truppen die Nationalisierung des Suezkanals verkündet hatte, sahen sich Israel und die NATO-Staaten Großbritannien und Frankreich am 29. Oktober veranlaßt, das durch die UdSSR unterstützte Ägypten zu überfallen. Dieser Überfall jedoch scheiterte.

Die USA verzichteten auf eine Einmischung

In Bezug auf mögliche sowjetische Handlungen in Ungarn versuchte die Regierung der USA nun über verschiedene diplomatische Kanäle, den Kreml dazu zu bringen, völlige Neutralität zu wahren. In Rücksicht auf die Vereinbarungen von Jalta und Potsdam und um einen offenen Konflikt mit der UdSSR zu vermeiden, erklärte die Washingtoner Adminstration am 27. Oktober ihre Nichteinmischung in die Vorgänge von Ungarn, was der Botschafter der USA in Moskau, Charles Bohlen, dann auch am 29. Oktober der sowjetischen Führung mitteilte.
Vorbereitung zum erneuten Eingriff der UdSSR
Am 31. Oktober erklärte Chruschtschow auf der Sitzung des Präsidiums des ZK der KPdSU heuchlerisch: „Die Einschätzung ist zu revidieren, wir führen die Truppen nicht aus Ungarn und Budapest heraus, wir werden die Ordnung in Ungarn wiederherstellen. Wenn wir aus Ungarn weggehen, wird das die amerikanischen, englischen und französichen Imperialisten aufmuntern. Sie werden es als unsere Schwäche verstehen und einmarschieren.“ Es wurde der Beschluß gefaßt, „eine revolutionäre Arbeiter- und Bauern-Regierung“ unter János Kádár zu schaffen und eine militärische Operation zum Sturz der Regierung des Imre Nagy durchzuführen. Unter Führung des Verteidigungsministers der UdSSR G.K.Shukow wurde ein Einsatzplan entwickelt, der die Bezeichnung „Wirbel“ erhielt.

Wie war die Lage in Ungarn?

Mit jedem Tag hatte sich Imre Nagy immer mehr von seinen früheren „Überzeugungen“ entfernt. Von den sowjetischen Truppen hatte Nagy gefordert, daß sie Ungarn zu verlassen hätten, während gleichzeitig an der ungarisch-österreichischen Grenze die Truppen des neutralen Österreich aufmarschierten, um den Putschisten zu Hilfe zu kommen. Da den sowjetischen Truppen befohlen worden war, Ungarn nicht zu verlassen, erklärte Nagy am 1. November den Austritt Ungarns aus dem Warschauer Vertrag und übergab der sowjetischen Botschaft eine entsprechende Note. Gleichzeitig wandten sich die Putschisten mit der Bitte an die UNO, die „Souveränität Ungarns“ zu verteidigen, und es wurden Maßnahmen zur Verteidigung Budapests gegen einen „möglichen Angriff von außen“ getroffen. Jener Maléter, dem man einen Generalstitel verliehen hatte, war zum „Verteidigungsminister“ ernannt worden. In die Regierung hatte man auch den aus dem Gefängnis befreiten Kardinal Mindszenty aufgenommen. Und am 3. November war Király zum Befehlshaber der Nationalgarde ernannt worden.

Absprachen im Warschauer Vertrag

Zur Unterstützung der militärischen Operation in Ungarn trafen sich vom 1. bis 3. November Vertreter der Regierungen der DDR, der ČSSR, der VR Bulgarien und eine Delegation der Chinesischen KP. Am 1. November sprach die sowjetische Führung in Polen mit den Vertretern der VR Polen und der DDR und in Rumänien mit der rumänischen, tschechoslowakischen und bulgarischen Führung. In Moskau befand sich der Sonderbeauftragte aus China. Am 2. November flog dann die sowjetische Delegation nach Jugoslawien. Hier teilte Chruschtschow Tito mit, daß Kádár und Ferenc Münnich Verbindung mit der Sowjetunion aufgenommen hatten. Die Vertreter dieser Staaten, einschließlich Polens, Jugoslawiens und Chinas kamen übereinstimmend zu der Auffassung, daß man die Ordnung in Ungarn nur mittels eines bewaffneten Einschreitens retten kann.

7.Eine militärische List

Die sowjetische Seite griff nun zu einer militärischen List: Um die Bedingungen für den vollständigen Abzug der sowjetischen Truppen zu erörtern, wurde der frischgebackene Generalmajor Pál Maléter in den Stab der sowjetischen Sondereinheit eingeladen. Am Abend des 3. November kam er mit einer offiziellen Delegation in den Militärstützpunkt Tököl auf der Csepel-Insel der Donau unweit von Budapest. Der Delegation gehörten auch der Minister Ferenc Erdei, der Generalstabschef, General István Kovács, und der Anführer der Operativen Abteilung des Generalstabs, Oberst Miklós Szűcs an. Um Mitternacht kam überraschend der Vorsitzende des Komitees für Staatssicherheit der UdSSR Iwan Serow in den Saal, in dem die Verhandlungen geführt wurden und erklärte die ganze ungarische Delegation für verhaftet. Ungarn war nun ohne militärische Führung.

8.Die Operation „Wirbel“

Am Morgen des 4. November 1956 begann dann der planmäßige Einmarsch neuer sowjetischer Einheiten nach Ungarn. Sie unterstanden dem Befehlshaber des Warschauer Vertrages, Marschall der Sowjetunion, Iwan Stepanowitsch Konew. Daran nahmen 15 sowjetische Divisionen teil, darunter Panzereinheiten, Mot.-Schützen, Infanterie, die 128. Gardeschützendivision, die 7. und 31. Garde-Luftlandedivision, mit insgesamt 31.500 sowjetischen Soldaten und Offizieren. Sie wurden unterstützt durch die ungarische Arbeiterwehr (25.000 Mann) und die ungarischen Organe der Staatssicherheit (1.500 Mann). Am Abend schlossen sich ihnen die Abteilungen des 3. Schützeneinheit der Ungarischen Volksarmee an. Sie wurde verstärkt durch Panzer, Artillerie und Luftlandeeinheiten. Die Hauptaufgabe der Sondereinheit sollte die Zerschlagung der gegnerischen Kräfte sein.

9.Die Niederschlagung des Putsches

Die Mitglieder der verräterischen Nagy-Regierung hatten sich in die jugoslawische Botschaft geflüchtet. Zwar waren die strategisch wichtigsten Objekte in Budapest besetzt worden, doch die Abteilungen der ungarischen Nationalgarde und einzelne Armeegliederungen hörten nicht auf, den sowjetischen Truppen Widerstand zu leisten. Die sowjetischen Truppen setzten daraufhin ihre Artillerie gegen die Zentren des Widerstands ein und begannen mit ihrer Forcierung durch die Infanterie mit der Unterstützung der Panzer. Seite an Seite mit den sowjetischen Truppen kämpften die Husaren Kádárs und Mitglieder des Bundes der Arbeiterjugend Ungarns. Gegen 8.30 Uhr nahmen dann die Fallschirmjäger des 108. Garde-Luftlanderegiments im Zusammenwirken mit dem 37. Panzerregiment der 2. mechanisierten Gardedivision 13 Generäle und etwa 300 Offiziere des Verteidigungsministeriums fest und übergaben sie dem Armeegeneral Malinin. Die Führung der ungarischen Streitkräfte war endgültig lahmgelegt.

Die letzten Zuckungen der Konterrevolution

Ungeachtet der völligen Überlegenheit der sowjetischen Streitkräfte und Waffen, behinderten die ungarischen Putschisten nach wie vor den Vormarsch. Kurz nach 8 Uhr morgens sendete der Budapest Rundfunk das letzte Mal und wandte sich mit dem Aufruf an die Schriftsteller und Wissenschaftler der Welt, „dem ungarischen Volk zu helfen“. Doch zu jener Zeit hatten die sowjetischen Panzerabteilungen ihren Durchbruch der Verteidigung Budapests schon beendet und die Donaubrücken, das Parlament und das Fernmeldeamt eingenommen. Besonders heftige Kämpfe hatte es um die Objekte „Corvin“, den Moskauplatz, das Parlaments, den Königspalast gegeben.
Die Kämpfe dauerten noch bis zum Abend des 6. November. Am 10. November waren dann die Kämpfe beendet. Endlich, am 22. November gelang es, Imre Nagy und seine Komplizen, die sich in der jugoslawischen Botschaft versteckt hielten, von dort herauszulocken und zu verhaften. Am 16. Juni 1958 wurden er, Maléter und einige aktive Putschisten aufgehängt.

Nachträgliche Ehrung der faschistischen Banditen

Man muß noch hinzufügen: Die Volksverräter Nagy und Maléter wurden postum nach 1990 vom reaktionären ungarischen Regime als Helden gefeiert. Király gelang die Flucht nach Österreich, er wurde bald darauf in Straßburg „Stellvertretender Vorsitzender des Ungarischen Revolutionsrates“. Später reiste er in den USA, wo er ein „Ungarisches Komitee“ und eine „Assoziation der Freiheitskämpfer“ gründete. 1990 kehrte dieser Ganove nach Ungarn zurück, wurde mit dem Titel eines Generalobersten dekoriert und avancierte zum Abgeordneten des Parlaments. Er starb am 4. Juli 2009.
Anmerkungen: [1]
beizeiten heißt natürlich nicht rechtzeitig. Die Gründe dieser Verzögerung leigen im revisionistischen Kurs der KPdSU nach deren XX.Parteitag 1956. Siehe Kurt Gossweiler: Die Konterrevolution in Ungarn.
[2] Mindszenty (1892-1975) war einer der fanatischsten Antikommunisten mit engen Verbidungen zur CIA, zum reaktionären Adelsgeschlecht des Otto von Habsburg und zu ungarischen Exil-Faschisten in den USA.
[3] Siehe: János Berecz: Die Konterrevolution in Ungarn 1956, Akadémiai Kiadó, Budapest, 1986., S.57. (engl.)
[4] Sólyom József – Zele Ferenc: Harcban az ellenforradalommal. Bp. 1957. 27., Hollós Ervin: Kik voltak, mit akartak? Bp. 1976. 29., 31-32. (ung.)
Anhang:
 
Wie erlebte und beurteilte der Historiker Dr. Kurt Gossweiler die konterrevolutionären Ereignisse in Ungarn?
In seiner „Taubenfuß-Chronik“ vermerkte Kurt Gossweiler:
–      Rákosi sah, welche Gefahr hier heraufzog. Er wußte, welche Kräfte im Petőfi-Kreis wirkten, er kannte Imre Nagy. Er kannte das alles, denn er wußte, wie es damals, 1948, von Rajk organisiert worden war. Und er kämpfte, er kämpfte verbissen, zäh, mit aller Kraft, deren ein Räkosi fähig war. Er kämpfte um die Partei. Er wußte, wohin die Beschuldigungen, das Lamentieren über „Fehler“ zielten. Den ersten Angriff, der 1953 mit der Wendung zum neuen Kurs erfolgte, hatte er nach zwei Jahren wieder zurückgeschlagen: Als in der SU im Februar 1955 der Schlag gegen Malenkow geführt wurde und die Abkehr vom neuen Kurs zurück zur forcierten Entwicklung der Schwerindustrie erfolgte, führte Rákosi den Schlag gegen Imre Nagy und trieb die bereits frech gewordenen Parteifeinde für einige Zeit wieder in die Mäuselöcher. Aber dann kam die „Versöhnung“ mit Tito, und damit hatte es Rákosi nicht mehr allein mit den Imre Nagys zu tun. Mit ihnen allein fertig zu werden, war die Partei stark genug. In dem Moment, wo sie, die Nagys, in der KPdSU Unterstützung fanden, kämpften Rákosi und Gerő und all die guten Genossen der ungarischen Partei einen verzweifelten, aber hoffnungslosen Kampf.
–      Rákosi, das ist die tragischste Gestalt der revolutionären Kommunistischen Bewegung. Es wird sich einmal ein sozialistischer Shakespeare finden, um die Menschen zu erschüttern mit der Darstellung der Tragödie dieses Mannes, den eine 16-jährige Haft in den Kerkern des Horthy-Faschismus nicht zu zerbrechen vermochte und der am Ende seines Lebens gefällt wurde nicht im offenen Kampf, sondern von einer Verschwörung, die er selbst sah, ohne von ihr sprechen zu können; der sich selbst beschuldigen mußte, obwohl er die wahren Schuldigen kannte; der bereit war, als Revolutionär, der er immer war, selbst seine revolutionäre Ehre zu opfern, in der Hoffnung, dadurch das Verhängnis aufhalten zu können. Das ungarische Volk wird ihm noch einmal Denkmale setzen als einem seiner Größten. – Auf dem Plenum wird Ernő Gerő zum I. Sekretär gewählt – der letzte Versuch, die Partei vor der Zersetzung durch die Nagy-Leute zu bewahren. Aber auf dem gleichen Plenum wird Kádár ins ZK kooptiert.
–      14. Juli 1956: Neues Deutschland. Bericht über die ZK-Tagung der ungarischen Partei vom 18.-21. Juli (Ergänzung). Das ZK wurde erweitert, in das Politbüro die Rehabilitierten Kiss, Kadar, Marosan und Revai gewählt. Mitgeteilt, daß bisher 474 rehabilitiert wurden, darunter: Ferenc Donáth, János Kádár, György Marosan, László Rajk, Tíbor Szönyi, Zoltán Horváth, Gyula Kallai, György Pálffi, Pál Schiffer, Imre Vajda. Als eine der wichtigsten Maßnahmen der letzten Zeit die Beseitigung der technischen Sperren an der ungarisch-österreichischen Grenze erwähnt! Am letzten Tag des Plenums noch einmal Gerő: Unter den Arbeitern bedauern viele, daß Genosse Rákosi aus dem Politbüro ausschied und nicht mehr Erster Sekretär des ZK ist. – Rákosi bleibt Mitglied des ZK und wird im Präsidialrat der Nationalversammlung arbeiten.
–      22. Juli 1956: Veröffentlichung des Beschlusses der ungarischen Partei, Mihály Farkas aus dem ZK auszuschließen. Begründung: Farkas war zur Zeit des Rajk-Prozesses im ZK für die Arbeit der Staatssicherheitsorgane verantwortlich. Aller Parteifunktionen enthoben. Vorschlag an den Präsidialrat der Nationalversammlung, Farkas seine militärischen Ränge abzuerkennen. Bedeutung: Gerő und seine Genossen kämpfen auch nach Rákosis Rücktritt als Erster Sekretär weiter. Wir erinnern uns, daß Farkas bereits im April aus dem Politbüro und dem Sekretariat des ZK abberufen wurde, weil er die Auffassungen Nagys teilte! …
–      9. Oktober 1956: „Neues Deutschland. Aussprache beim ZK der KPdSU (Mikojan und Suslow) mit Gerő, Kádár, Hidas…“
–      13. Oktober 1956: „Politbüro der unagrischen Partei beshcließt Wiederaufnaheme Imre Nagys in die Partei. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dieser Maßnahmeund den Besprechungen Gerős, Kádárs, Hidas mit Mikojan und Suslow? Am gleichen Tage Mihály Farkas, ehemaliger Verteidigungsminister, wegen Verletzung der sozialistischen Gesetzlichkeit, verhaftet. (Die ungarischen Genossen kämpfen mit unglaublicher Zähigkeit und begleiten jedes Zugeständnis nach rechts, das ihnen empfohlen wird, mit einem schlag nach rechts, daeraus erklärt sich zum Teil der anderen Verlauf der Entwicklung in Ungarn im Vergleich zu Polen. In Polen bahnte sich frühzeitig ein Kompromiß zwischen den beiden Richtungen an, so daß die Rechten wohl die „alte“ Politik angriffen, aber mit persönlichen Angriffen auf Vertreter dieser „alten“ Politkk sehr vorsichtig waren. In Ungarnwurde seit langem zuerst gegen Rákosi , dann gegen Gerő ein wahrer Hetzfeldzug geführt, eben weil sie dem Vordringen der Nagy-Leute Widerstand bis zum letzten entgegensetzten. (Siehe auch oben 22. Juli 1956).
–      13. Oktober 1956: Neues Deutschland. 100-Millionen-Rubel-Kredit an Ungarn von SU, davon 40 Millionennin freier Valuta.
–      16. Oktober 1956: Neues Deutschland. Imre Nagy wieder Mitglied der Partei….
–      23. Oktober 1956: Studentendemonstration in Budapest, Auslösung der konterrevolutionären Bewegung. …
–      25. Oktober 1956: Kádár 1.Sekretär des ZK. Damit die gleichen Ziele wie in Polen erreicht. Aber die offene Konterrevolution will auf schnellstem Wege von der ersten zur zweiten Etappe gelangen. Mehrfache Neubildung der Regierung Imre Nagy, Freilassung Mindszentys, seine Rundfunkansprache, Zurückziehung der sowjetischen Truppen, weißer Terror, Austritt aus dem Warschauer Pakt, Zulassung bürgerlicher konterrevolutionärer Parteien, Auflösung der Partei der Ungarischen Werktätigen durch Kadar, Gründung der USAP, Eingreifen der Sowjettruppen, Hilferuf Nagys an die Westmächte gegen Sowjettruppen, Bildung der Revolutionären Arbeiter- und Bauernregierung durch Kádár, der die Sowjettruppen zu Hilfe ruft.
Quelle:
Kurt Gossweiler „Die  Taubenfuß-Chronik oder Die Chruschtschowiade 1953 bis 1956, Verlag zur Förderung der wissenschaftlichenWeltanschauung, München 2002, S.106-151 (gekürzt)

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