Kohleausstieg in der Lausitzer Braunkohleregion: »Die Kollegen reden über fast nichts anderes«
“Auch
nach dem Beschluss zum Kohleausstieg bis 2038 gibt es bei Beschäftigten
und Dienstleistern in der Lausitzer Braunkohleregion viele offene
Fragen (…) Die Lausitz und die Kohle – das ist seit Jahrzehnten nicht
ohneeinander zu denken. Gut 8000 Menschen arbeiten beim Kohleförderer
LEAG, etwa ebenso viele bei Dienstleistern. Die Geologin Claudia Niemz
führt eine Firma, deren Kerngeschäft die Untersuchung von Kohleproben
ist. Ihre zehn Mitarbeiter sind meist um die 40 Jahre alt und also »alle
betroffen«, sagt Niemz, die sich daher nach neuen Geschäftsfeldern
umsieht. Die Firma »müsste nicht aufhören«, sagt sie; ob die Kohle aber
komplett zu ersetzen ist – wer weiß. Immerhin: Es gibt Zeit zur
Umstellung. »Hauptsache, das Ende kommt nicht noch früher.« Dass die
Kohle in der Lausitz nicht ewig für Arbeit und Einkommen sorgen würde,
war lange klar. (…) Dennoch ist die Unruhe in der Region erheblich: »Die
Kollegen reden über fast nichts anderes«, sagt Koch. Viele rechnen:
Reicht es bis zur Rente? Falls nicht, wollen sie wissen, welchen
Ausgleich es gibt und welche Alternativen. Jobs außerhalb der Kohle gibt
es, aber der Verdienst ist spürbar geringer – auch wenn selbst die Leag
deutlich unter Westniveau zahlt. Vieles ist unklar, denn noch ist der
Beschluss der Kohlekommission nicht in ein Gesetz gegossen. Immerhin:
Die Unsicherheit, wie lange es mit der Kohle überhaupt noch geht, ist
weg, sagt Uwe Kratzert: »Die Diskussion ohne Ziel war das Böseste.« (…)
Wichtig sei es jetzt, darin sind sich viele Betroffene einig, den
Übergang zu organisieren. Mancher in der Region fürchtet einen zweiten
Strukturbruch wie ab 1990. Claudia Niemz hält die Sorge für unbegründet.
Die Zahl der Betroffenen sei geringer, die Alternativen größer als
damals. Zudem ist es ein Ausstieg mit Ansage: »Wir haben ganz andere
Möglichkeiten, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.« Für unklug hält
sie es, dass die Politik gerade kurz vor den Wahlen fast täglich neue
Ideen debattiert: »Viele Leute denken, da wird uns wieder nur etwas
versprochen.« Allerdings: Viele Vorschläge, die jetzt kursieren – so die
einer Außenstelle der TU Dresden am Scheibesee bei Hoyerswerda – haben
Potenzial und zeigen, dass die Region auch ohne Kohle nicht verloren
wäre. »Es ist wichtig, dass wir jetzt schon darüber reden«, sagt André
Koch. Ebenso wichtig sei es aber, »dass die Leute aus der Region
mitentscheiden können«…” Beitrag von Hendrik Lasch bei neues Deutschland vom 21. August 2019
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