Im folgenden dokumentieren wir einen Artikel der im Klassenstandpunkt veröffentlicht wurde und den wir auf dem Blog von maoistdazibao gesehen haben:
Volkskrieg – Der einzige Weg zu Befreiung
„Die Emanzipation des Proletariats wird auch einen besonderen militärischen
Ausdruck haben, wird eine aparte, neue Kriegsmethode erzeugen.“
– F. Engels
Das vorliegende Dokument ist ein Beitrag
zur Debatte um die korrekte Militärlinie der zu rekonstituierenden
Kommunistischen Partei Deutschlands. Zu Beginn werden wir den Text des
Kommunistischen Aufbaus betrachten, der Anstoß dieser Debatte war.
Anschließend werden wir, ausgehend von der Praxis und der Ideologie des
internationalen Proletariats, einige Aspekte zur Frage der Militärlinie
der Revolution in Deutschland grob umreißen.
Teil 1: Zur Kritik des Kommunistischen Aufbaus
Die Freunde vom
Kommunistischen Aufbau haben anlässlich des 100. Jubiläums der Großen
Sozialistischen Oktoberrevolution den Text „1917-2017: Einhundert Jahre revolutionäre Strategie“ mit dem Untertitel „Aufstand, Stadtguerilla, Volkskrieg – oder dialektische Weiterentwicklung?“ veröffentlicht. Da der Kommunistische Aufbau die „Aufgabe der KommunistInnen in Deutschland in unserer historischen Periode in diesem Land“ in der „Schaffung einer Kommunistischen Partei Leninschen Typs“ sieht,
halten wir die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihnen für einen
wichtigen Beitrag im Prozess des Kampfes um die Rekonstitution der
Kommunistischen Partei Deutschlands.
Die Rolle des Guerillakriegs im Volkskrieg
Das Kapitel zum Volkskrieg wird mit einem Zitat der Herausgeber der deutschsprachigen Übersetzung des Dokuments „Urban Perspectives der Communist Party of India (Maoist)“ eingeleitet. Das da lautet:
„Der langandauernde Volkskrieg
besteht aus einer Analyse der Gesellschaft, aus einem
revolutionärenProgramm und einer politisch-militärischen Strategie, die
sich aus Guerillakrieg, Bewegungskrieg und Stellungskrieg zusammensetzt.
Strategisches Ziel ist der Aufbau von Stützpunktgebieten, die sich in
einem langandauernden Kampf immer weiter ausdehnen und schließlich die
metropolitanen Zentren umzingeln.“
Der Marxismus-Leninismus-Maoismus wurde
vom Vorsitzenden Gonzalo systematisiert. Das weiß man beim
Kommunistischen Aufbau. Es ist unsere Verantwortung, den
Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus als einzige
Wegleitung und Befehl der Internationalen Kommunistischen Bewegung auf
dem Weg der proletarischen Weltrevolution durchzusetzen. Dass hier
nicht-maoistische Schriften stellvertretend zitiert werden, zeigt, wie
viel wir noch zu leisten haben. Trotzdem wäre es dem Kommunistischen
Aufbau sicher möglich gewesen, eine entsprechende Passage auch in
unseren Schriften zu finden. Doch obwohl selbst der Revolutionäre Aufbau
Schweiz versteht, dass der Volkskrieg mehr ist als Guerillakrieg, sieht
die Erläuterung des Kommunistischen Aufbaus wie folgt aus:
„Der von Mao Tse-Tung als Führer der
KP Chinas entwickelte „langandauernde Volkskrieg“ stellt eine
Revolutionstrategie dar. Er kann nicht, wie das einige bürgerliche
Autoren tun, auf eine Strategie des Guerillakriegs verkürzt werden, auch
wenn das Militärische beim Volkskrieg zentralen Raum einnimmt.
Er stützt sich militärisch auf den Guerillakrieg und arbeitet ihn in all seinen Aspekten umfassend aus.
Die Guerilla war keine Erfindung von
Mao. Historisch gesehen sind Guerillakriege in Europa erstmals im
Partisanenkrieg der Spanier gegen Napoléon Bonaparte Ende des 18.
Jahrhunderts aufgetaucht. Das Neue und Originelle bei Mao ist also nicht
die Erfindung der Guerilla, sondern das er diese Kampfform (praktisch
und theoretisch) vollständig erfasst, sie entwickelt und so die
Potenziale der Guerilla erst mals voll ausschöpft. Der Volkskrieg bei
Mao basiert auf einer Landguerilla. Das strategische Ziel und eine der
wesentlichen Neuerungen des Guerillakriegs im Volkskrieg besteht in den
Stützpunktgebieten.“
Im Bezug auf das Zitat weist der
Kommunistische Aufbau sogar darauf hin, dass bürgerliche Angriffe die
Strategie des Volkskriegs auf den Guerillakrieg reduzieren. Doch selbst
erwähnen sie von der Militärtheorie des internationalen Proletariats
nichts, außer die Rolle des Guerillakriegs in ihr und die
Stützpunktgebiete. Die Rolle der Stützpunktgebiete haben sie, wie sich
zeigen wird, unzureichend verstanden. Es geht um die Ergreifung der
Macht. Auch begreift der Kommunistische Aufbau die Rolle des
Guerillakriegs im Volkskrieg nicht. Der Guerillakrieg hat im Volkskrieg
einen strategischen Charakter. Das bedeutet, er ist das Fundament auf
dem der Aufbau der Streitkräfte und die Entwicklung von Bewegungs- und
Stellungskrieg basiert. Vorher war der Guerillakrieg innerhalb der
regulären Kriegsführung immer nur eine Ergänzung zum Bewegungs- und
Stellungskrieg. Dann wird durch den Kommunistischen Aufbau der Zweck des
Volkskriegs falsch bestimmt:
„Die Kriegsführung dient dem übergeordneten Ziel, die politische Macht im Staat zu erobern.“
Wie schon Marx in seiner Schrift „Über den Bürgerkrieg in Frankreich“ festgestellt
hat, kann das Proletariat den alten Staat nicht einfach übernehmen,
sondern muss ihn zerschlagen und einen neuen Staat aufbauen. Die
Formulierung „Macht im Staat“ ist in dieser Hinsicht
irreführend und suggeriert, dass der Marxismus-Leninismus-Maoismus von
diesem marxistischen Prinzip abweichen würde. Nun erwarten wir nicht von
allen Revolutionären „Über den Bürgerkrieg in Frankreich“ gelesen
zu haben, aber das Vorwort vom Manifest der Kommunistischen Partei aus
dem Jahr 1872, in dem diese Sache geklärt wird, sollte doch bekannt
sein. Zwar hat Lenin diese Formulierung durchaus in den „Briefen aus der Ferne“ gebraucht, jedoch ist es kein Zufall, dass er sie in „Staat und Revolution“ nicht mehr gebraucht. Weiter schreibt der Kommunistische Aufbau:
„Dies geschieht, indem zunächst in
entlegenen und geografisch geeigneten Gebieten (Gebirge, Flussmündungen,
Urwälder) ein Territorium erobert und dauerhaft gegen den Feind
gehalten wird.“
Im Volkskrieg geht es zunächst
einmal nicht um das Halten von Gebieten, sondern die Volksmassen sind
das Entscheidende, worauf wir später noch weiter eingehen werden. Das
Grundprinzip des Krieges ist, die eigenen Kräfte zu erhalten und die
gegnerischen Kräfte zu vernichten. Dies geschieht jedoch nicht, in dem
die revolutionären Kräfte in einem Gebiet verharren, sich umzingeln und
vernichten lassen. Dies propagiert lediglich jede Initiative und
Flexibilität an den Feind abzugeben und in Passivität zu verfallen.
Genau das Gegenteil hat sich als erfolgreich gezeigt: Versucht der Feind
Truppenteile für den konzentrischen Angriff auf ein Stützpunktgebiet in
Stellung zu bringen, sind mit Initiative seine einzelnen Abteilungen
bereits beim Zusammenziehen zu umzingeln und zu vernichten. Es handelt
sich also um ein grobes Missverständnis in Bezug auf den Gegenstand
ihrer Kritik.
„Das Prinzip der Zusammenziehung der Streitkräfte zur Einzelvernichtung der feindlichen Truppen zielt in der Hauptsache darauf ab, die lebende Kraft des Feindes zu vernichten, und nicht
darauf, Gebiete zu halten oder einzunehmen. Unter gewissen Umständen
ist es zulässig, gewisse Orte aufzugeben, damit wir unsere Kräfte zur
Vernichtung der feindlichen Truppen konzentrieren, oder damit unsere
Feldtruppen den schweren Schlägen der feindlichen Armee ausweichen
können und es ihnen somit erleichtert wird, Ruhepausen, Konsolidierung
und Ausbildung für weitere Kämpfe zu erlangen. Solange wir in großem
Ausmaß die lebende Kraft des Feindes vernichten können, wird es uns
möglich sein, verlorene Gebiete zurückzuerobern und neue Gebiete
einzunehmen. Darum sollen alle jene ausgezeichnet werden, denen es gelingt, die lebende Kraft des Feindes zu vernichten.“[1]
Die Militärlinie des internationalen Proletariats
Die Freunde schreiben:
„Als Militär- und
Revolutionsstrategie erfolgreich war der Volkskrieg auch in einer Reihe
von antikolonialen und antiimperialistischen Kriegen unter Führung der
nationalen Bourgeoisie.“
Der Volkskrieg ist die Militärtheorie
des internationalen Proletariats für die neudemokratische,
sozialistische und Kulturrevolution. Wenn das Proletariat nicht führt,
ist es kein Volkskrieg. Darum kann die nationale Bourgeoisie auch keinen
Volkskrieg führen. Die Bourgeoisie kann in bestimmten Situationen
einzelne Aspekte anwenden, die in der Strategie des Volkskrieges
enthalten sind, aber sie kann keinen Volkskrieg führen. Wenn die
Bourgeoisie diese Aspekte erfolgreich anwendet, bestätigt das lediglich
ihre Richtigkeit als Bestandteil unserer Militärtheorie.
„Ausgehend von dem Verständnis des
Volkskriegs als ‚Einkreisung der Städte durch die Dörfer‘ versuchen
verschiedene maoistische Strömungen bzw. Parteien, einerseits
Stützpunkte der „Roten Macht“ aufzubauen und andererseits den Städten
eine mehr oder weniger ausgedehnte Hilfsfunktion als
„Nebenkriegsschauplatz“ zu geben. Das reicht von rein legaler
politischer Unterstützungsarbeit, über logistische Unterstützung des
Volkskriegs bis hin zu Elementen einer maoistischen Stadtguerilla in
Verbindung mit lokalen Milizen, wie sie z.B. von der KP Perus unter
ihrem Vorsitzenden Gonzalo entwickelt wurden.“
Dieser Absatz ist eine völlig falsche
Darstellung der Massen- und Militärlinie der Kommunistischen Partei
Perus, d.h. des Marxismus in dieser Frage, wie sie in ihrer
Parteieinheitsbasis auch auf Deutsch zugänglich ist. Des Weiteren ist er
auch ignorant gegenüber verschiedenen Dokumenten, die die Durchsetzung
dieser korrekten Linie in der Praxis darstellen, in denen unter anderem
auch die Rolle der Stadt im Rahmen des einheitlichen Volkskrieges in
Peru als notwendiges Komplement dargelegt wird. Dieser Absatz setzt den
Marxismus- Leninismus-Maoismus mit seinem Gegenteil, der Fokustheorie gleich. Dieser Absatz ersetzt die inhaltliche Auseinandersetzung mit rhetorischen Kniffen. Die Formulierungen „Nebenkriegsschauplatz“ und „Hilfsfunktion“ suggerieren
rhetorisch, dass die Stadt für nicht so wichtig genommen wird, wie sie
genommen werden sollte. Ein Argument dafür bleibt aus. So wird der
Eindruck erweckt, dass der Kommunistische Aufbau nicht daran
interessiert ist mit seinem Dokument für mehr Klarheit zu sorgen,
sondern Verwirrung stiften will. Die Gleichsetzung des Volkskriegs mit
dem Stadtguerillakonzept der Fokustheorie ist wahrlich eine grobe
Verwirrung.
Weiter schreibt der Kommunistische Aufbau:
„Alle maoistischen Bewegungen stehen
jedoch letztlich vor dem strategischen Problem der Eroberung der
Städte. Die nepalesische maoistische Partei konnte nach der
erfolgreichen Umzingelung der Hauptstadt durch einen zehnjährigen
Volkskrieg zwischen 1996 und 2006 deshalb nicht von der Phase des
strategischen Gleichgewichts in die Phase der strategischen Offensive
und des bewaffneten Aufstands in den Städten übergehen. Das Endresultat
war der offene Verrat durch den maoistischen Guerilla-Führer Prachanda,
der dem Sozialismus abschwor und Premier der neu gebildeten
bürgerlich-demokratischen Republik wurde.“
Der erste Satz ist zweideutig.
Selbstverständlich stehen Kommunisten in unterdrückten Nationen, die
vom Land her die Städte einkreisen, praktisch vor dem Problem, die
Städte zu erobern, wenngleich sie auch in den Städten die Arbeit
entwickeln. Vor einem grundsätzlichen theoretischen Problem steht
hierbei allerdings kein Kommunist. Denn grundsätzlich wurde diese Frage
vom Vorsitzenden Mao Tse-Tung und dem Vorsitzenden Gonzalo geklärt. Die
Aufgabe der Kommunisten besteht in der schöpferischen Anwendung der
Prinzipien des Marxismus-Leninismus-Maoismus und des Gonzalodenken auf
die spezifischen Bedingungen ihrer konkreten Realität. Das Problem der
Genossen in Nepal war, dass die revisionistische Führung ihrer Partei
die Arbeiterklasse und das Volk verraten hat. Die Absurdität des
„Mehrparteienwettbewerbs“ und der Inkorporation des Feindes in die
Strukturen der Neuen Macht zieht sich durch den ganzen, auf
Friedensverhandlungen mit dem alten Staat abzielenden, Prozess unter der
Forderung des Endes der Monarchie. Ausschlaggebend war am Ende die
Kapitulation vor der drohenden Intervention des US-Imperialismus mittels
seines indischen Vasallen. All das sind Schlaglichter eines umfassenden
und systematischen Revisionismus, der sich – ganz Revisionismus auf der
Höhe der Zeit – als Maoismus verkleidet. Eine Tatsache, die hinlänglich
von vielen Seiten denunziert wurde. Der „Prachandaismus“ ist entlarvt
und bankrott.
Solche Revisionisten dann Maoisten zu
nennen, heißt diese Verkleidung unterstützen, heißt Schmutz auf den
Marxismus-Leninismus-Maoismus zu werfen. Weiterhin muss hier klar
gestellt werden, dass der Grund für Revisionismus nicht darin besteht,
dass nepalesische Parteiführer in der Selben Unkenntnis bezüglich der
Antworten des Marxismus-Leninismus-Maoismus auf die Fragen der
revolutionären Praxis wie unsere Freunde wären. Der Revisionismus ist
die Bourgeoisie in unseren eigenen Reihen. Der Grund für den
Revisionismus ist, dass auch Kommunisten in der bürgerlichen
Gesellschaft formierte Subjekte sind. Als solche tragen sie die
bürgerliche Gesellschaft in sich (und in den unterdrückten Nationen auch
die feudale). Sie leben in ihr und man bekommt sie aus den Menschen
auch nicht heraus, ohne die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören.
Folglich kann und wird es immer wieder passieren, dass Kommunisten sich
und ihr Ego über die Klasse und das Volk stellen und Revisionisten
werden – was nichts daran ändert, dass sie in diesem Falle unversöhnlich
zu bekämpfen sind. Um diese Frage, die verschiedentlich verwirrt wurde,
zu klären: der Revisionismus ist für uns die Hauptgefahr.
Die Situation in Nepal ist nur eine
temporäre Niederlage, eine Krümmung des Weges. Wir sind fest davon
überzeugt, dass die Genossen in Nepal auf Grundlage der gemachten
Erfahrungen, mit ihrem bereits bewiesenen Heldenmut und der Ideologie
des internationalen Proletariats den Sieg erringen werden! Nicht nur,
weil die Geschichte diesen Weg gehen muss, sondern auch weil der
Volkskrieg prägender Teil der nepalesischen Realität ist und sich dort
immer wieder Genossen erheben. Zuletzt wurden bei den Wahlen im
vergangenen November im ganzen Land Aktionen mit Sprengstoffen
durchgeführt.
Die Universalität des Volkskriegs
Weiter schreibt der Kommunistische Aufbau:
„Der Mangel an Konzepten für diese
Frage hängt in revolutionsstrategischer Hinsicht auch mit den
geschichtlichen Besonderheiten des chinesischen Bürgerkriegs und seiner
letzten Phase von 1945 bis 1949 zusammen. Militärisch eroberte Mao die
Macht, indem er die Guerilla in eine reguläre Rote Armee verwandelte,
die ganz klassisch einen konventionellen Krieg führte und gewonnen hat.
Politisch konnte er 1948/49 die „Städte“ wie reife Früchte pflücken, da
sein Gegner, die Kuomintang, politisch und moralisch völlig zersetzt
war.“
In diesem Abschnitt greift der
Kommunistische Aufbau die Universalität des Volkskriegs an, indem sie
behaupten, dass er nur unter sehr bestimmten „geschichtlichen Besonderheiten“ Chinas
erfolgreich sein konnte. Diese konstruieren sie so absurd, dass niemand
ernstlich glauben kann, dies könne sich so wiederholen. Genauso wenig
wie irgendjemand ernstlich glauben kann, es hätte sich tatsächlich so
zugetragen.
Das Gerede von „reifen Früchten“ und der implizite Vorwurf, Mao Tse-Tung hätte eine bürgerliche Militärlinie angewandt, indem gesagt wird, er hätte „ganz klassisch einen konventionellen Krieg“ geführt, ist eine Verleumdung[2]
der Leistung der chinesischen Massen, die ihr Blut vergossen haben im
Klassenkampf, auf dessen Grundlage Vorsitzender Mao Tse-Tung die
Ideologie des Proletariats weiter entwickeln konnte.
Im folgenden Abschnitt weist der
Kommunistische Aufbau uns auf die vermeintlich entscheidende Schwäche
des Marxismus-Leninismus-Maoismus hin:
„Auch die Frage der weltweiten
Revolutionstheorie, das heißt wie die Hauptschlacht zu führen sei,
nämlich die Eroberung der „Städte“ im Weltmaßstab und damit der
imperialistischen Zentren, bleibt offen. Dies bleibt die entscheidende
Schwäche der Revolutionstheorie des Maoismus!“
Hier stiftet der Kommunistische Aufbau
erneut Verwirrung. Die Formulierung stammt von Lin Biao, der den
Volkskrieg nicht so schnell wie möglich einleiten will und nicht den
Weltvolkskrieg wie er von der Kommunistischen Partei Perus definiert
wurde, vertritt. Deshalb ist Lin Biao ein Rechtsopportunist und kein
Marxist-Leninist-Maoist. Dass der Marxismus-Leninismus-Maoismus,
Gonzalodenken, noch nicht auf die spezifischen Bedingungen in den
imperialistischen Ländern angewandt wurde, ist die Verantwortung der
Kommunisten in eben diesen Ländern. Denn die Theorie wird auf Grundlage
der Praxis entwickelt, alles andere wäre Idealismus. Folglich kann auch
nur ein Idealist Vorsitzendem Mao Tse-Tung und Vorsitzendem Gonzalo
vorwerfen, dies nicht getan zu haben. Da sie selbst noch immer kein
Argument gegen die Universalität des Volkskrieges zu Papier gebracht
haben, kommen unsere Freunde auf die gute Idee Mao Tse-Tung für sich
sprechen zu lassen. Sie leiten ein längeres Zitat von Mao Tse-Tung wie
folgt ein:
„Damit [der Behauptung der
Universalität des Volkskriegs] gingen sie weit über die eigenen
Auffassungen Maos hinaus. Er ging davon aus, dass Ursachen für Entstehen
und Existenz von Stützpunktgebieten („Rote Macht“) den eigentümlichen
Bedingungen in China entsprangen.“
Danach folgt ein längeres Zitat von Mao
Tse-Tung aus dem Jahre 1928, in dem Mao Tse-Tung tatsächlich darstellt,
die Gebiete der Roten Macht seien ein chinesisches Spezifikum, das sonst
überall unmöglich wäre. 1928 tobt in China der erste Bürgerkrieg. Das
ist vor dem antijapanischen Krieg und vor dem zweiten Bürgerkrieg. Von
diesem Zeitpunkt aus sind es noch 21 Jahre bewaffneter Kampf bis zum
Sieg der Revolution. Mao Tse-Tung war vieles, aber sicher nicht „Gott“.
Und der Marxismus-Leninismus-Maoismus ist vieles, aber kein Idealismus.
Also konnte Mao Tse-Tung nicht vor der revolutionären Praxis, also ohne
sie, diese zur Theorie synthetisieren. Folglich sind wir auch nicht
erschüttert darüber, dass er, bevor er die notwendige Praxis hatte, noch
nicht die Theorie vom Volkskrieg entwickelt hat. Solche hegelschen
Hoffnungen sind der Kommunisten Sache nicht, folglich sind wir von ihrer
Widerlegung auch nicht enttäuscht. Denn als dialektische Materialisten
wissen wir, dass die Theorie ausgehend von der Praxis entwickelt wird,
und mithilfe der Theorie die Praxis auf ein höheres Niveau gehoben
werden kann, von dem aus wieder die Theorie weiterentwickelt wird. Die
Theorie entsteht nicht losgelöst von der Praxis, auch nicht die vom
Volkskrieg. Wenn unsere Freunde an ihrem Argument festhalten wollen,
müssen sie also einen idealistischen Standpunkt einnehmen.
Im Übrigen sind selbst in den Werken des
Vorsitzenden Mao Korrekturen auf Basis der gemachten Erfahrungen im
Zweiten Weltkrieg zu finden. Ein Beispiel dafür liefert uns das Dokument
„Strategische Probleme des Partisanenkrieges“. Dort wird in Kapitel VI, Unterkapitel 3, auf Seite 109 in der ersten Auflage der Ausgewählten Werke Band II festgestellt: „[…]
in kleinen Ländern wie z.B. Belgien, wo diese Bedingung fehlt, ist eine
solche Möglichkeit sehr gering oder gar ausgeschlossen.“ In der englischsprachigen Ausgabe gibt es an dieser Stelle die achte Endnote, in welcher es u.a. heißt: „In other words, guerilla war can be victoriously waged in a country which is not large in territory […]“ (zu dt.: „Mit anderen Worten, der Guerillakrieg kann in einem Land das über kein großes Territorium verfügt siegreich geführt werden […]“)
Danach springt der Kommunistische Aufbau wieder zur Internationalen Linie:
„Für die Frage der Strategie der
proletarischen Weltrevolution bedeutet diese Antwort: Einkreisung der
Welt-„Städte“ durch das Welt-„Dorf“. Die Perspektiven für die Revolution
werden in den unterdrückten Ländern in Asien, Afrika und Lateinamerika
gesehen: Erst wenn diese „gefallen“ seien, könne die Revolution in
imperialistischen Zentren gelingen – auch weil somit die Möglichkeit der
Bestechung der Arbeiterklasse durch Extraprofite wegfalle.“
Mit dem Marxismus-Leninismus-Maoismus hat das überhaupt nichts zu tun. Denn Mao Tse-Tung hält in seiner Schrift „Über den Widerspruch“ fest, dass der innere Widerspruch das Entscheidende ist:
„Im Gegensatz zur metaphysischen
Weltanschauung vertritt die dialektisch materialistische Weltanschauung
die Meinung, daß wir beim Studium der Entwicklung der Dinge von ihrem
inneren Gehalt, von dem Zusammenhang des einen Dinges mit anderen
ausgehen sollen, das heißt, daß wir die Entwicklung der Dinge als ihre
innere, notwendige Selbstbewegung betrachten, wobei sich jedes Ding in
seiner Bewegung mit den anderen, es umgebenden Dingen in Zusammenhang
und Wechselwirkung befindet. Die Grundursache der Entwicklung eines
Dinges liegt nicht außerhalb, sondern innerhalb desselben; sie liegt in
seiner inneren Widersprüchlichkeit. Allen Dingen wohnt diese
Widersprüchlichkeit inne,und sie ist es, die die Bewegung und
Entwicklung dieser Dinge verursacht. Diese innere Widersprüchlichkeit
der Dinge ist die Grundursache ihrer Entwicklung, während der
Zusammenhang und die Wechselwirkung eines Dinges mit anderen Dingen
sekundäre Ursachen darstellen.“
Zur Konkretisierung in der
Internationalen Linie sei nur angemerkt, dass der Marxismus-Leninismus-
Maoismus den Widerspruch zwischen Imperialismus und unterdrückten
Nationen als den aktuellen Hauptwiderspruch auf Weltebene bestimmt –
womit dieser die wichtigste äußere Bedingung für den inneren Widerspruch
jeder Nation darstellt. Seine zunehmende Verschärfung führt dazu, dass
die Völker der unterdrückten Nationen immer mehr zur Rebellion getrieben
werden. Die Kommunistischen Parteien der unterdrückten Nationen müssen
auf Grundlage des Marxismus-Leninismus-Maoismus diese Rebellionen
führen, und den Volkskrieg überall so schnell wie möglich einleiten.
Weil der relative „soziale Frieden“ in den imperialistischen Nationen
insbesondere auch von den Kapitalexporten in die (und damit einhergehend
die Ausplünderung der) unterdrückten Nationen abhängt, verschärfen
solche Volkskriege den Widerspruch von Proletariat und Bourgeoisie in
den imperialistischen Nationen. Folglich sind sie der Entwicklung des
Volkskrieges in den imperialistischen Nationen zuträglich. Das heißt
nicht, dass die Kommunisten in den imperialistischen Nationen die Hände
in den Schoß legen und sich bis zum Tag X auf eine indifferente
„internationale Solidarität“ beschränken.
Es gibt nur einen wirklichen
Internationalismus: „die hingebungsvolle Arbeit an der Entwicklung der
revolutionären Bewegung und des revolutionären Kampfes im eigenen Lande, die Unterstützung (durch Propaganda, durch moralische und materielle Hilfe) eben eines solchen Kampfes, eben einer solchen Linie und nur einer solchen allein in ausnahmslos allen Ländern. Alles andere ist Betrug […].“[3]
Der Volkskrieg hat universelle
Gültigkeit. Vor der Einleitung des Volkskrieges dient alles dazu, ihn
einzuleiten, und ist er eingeleitet, dient alles dazu, ihn zu
entwickeln. Auch in den imperialistischen Nationen. Die
Marxisten-Leninisten-Maoisten in den imperialistischen Nationen warten
nicht auf den Volkskrieg in den unterdrückten Nationen, wie die Juden
auf den Messias. Die Marxisten-Leninisten- Maoisten entwickeln die
revolutionäre Praxis in Perspektive auf den Volkskrieg in ihrem Land,
den proletarischen Internationalismus immer an erster Stelle, um der
Weltrevolution zu dienen.
Der Volkskrieg in einem Land
„Selbst wenn nach diesen, sich im
Detail durchaus unterscheidenden Revolutionsstrategien die unterdrückten
Länder befreit werden könnten, was wir aus verschiedenen Gründen
anzweifeln, könnte daraus kein Sozialismus im Weltmaßstab erwachsen.
Schlicht und einfach, weil der Imperialismus nicht zuschaut, wie die
(revolutionären) Dörfer seine Zentren (der Macht) einkreisen. Solange
der Imperialismus aber in den Zentren die Macht innehat, hat er zugleich
auch die Macht, die „Dörfer“ notfalls dem Erdboden gleich zu machen.
Die letzten Jahrzehnte der Menschheitsgeschichte haben eindrücklich
bewiesen, dass der Imperialismus keine Sekunde zögert, diese Option zu
ziehen, wenn er ernsthaft auf irgendeinem Flecken dieses Planeten in die
Enge getrieben wird. Die unverhohlene Drohung des US-Imperialismus
durch Trumps Rede vor der UN-Generalversammlung, das
nordkoreanische Volk mittels Atomkrieg zu vernichten, ruft dies
eindringlich in Erinnerung!“
Ausgehend von der falschen Annahme, dass
der Marxismus-Leninismus-Maoismus den Volkskrieg einseitig in den
unterdrückten Nationen entwickeln wolle, schließt der Kommunistische
Aufbau darauf, dass daraus kein Sozialismus im Weltmaßstab erwachsen
könne. Wohl wahr, wenn man nicht weltweit um die Macht kämpft, kann man
sie nicht weltweit gewinnen. Mit dieser tautologischen Feststellung
rennen die Freunde bei uns offene Türen ein.
Allerdings bringen unsere Freunde so
einiges durcheinander, wenn sie es so darstellen, als sei der
Sozialismus in einem Land nicht möglich, angesichts des überlegenen
Waffenarsenals der Imperialisten. Hat die Geschichte nicht etwas anderes
gezeigt? Nämlich das der Sozialismus nicht gescheitert ist, weil er vom
Ausland militärisch Angegriffen wurde? Was an dieser Stelle getan wird,
ist die Frage der Restauration und Gegenrestauration mit einer rein
militärische Sache zu verwechseln. Doch der Kampf zwischen Restauration
und Gegenrestauration lässt sich nur mit einem äußerst verkürztem
Verständnis allein auf militärische (und darüber hinaus externe)
Faktoren reduzieren. Die Praxis des chinesischen Volkes unter der
Führung des Vorsitzenden Mao in der Großen Proletarischen
Kulturrevolution hat doch recht deutlich das Gegenteil bewiesen. Gegen
den Sozialismus in einem Land im allgemeinen argumentieren in der Regel
nur Trotzkisten[4].
Doch auch im besonderen ist dieser Standpunkt falsch. Hier offenbart
sich ein metaphysisches Verständnis vom Widerspruch zwischen
Imperialismus und unterdrückten Nationen. Zwar ist der Imperialismus
noch die dominierende Seite des Widerspruchs, aber seine Macht hängt von
der halbkolonialen Ausplünderung ab und zerfällt ohne diese. Der
Imperialismus kann nicht sein, ohne die nationale Unterdrückung. Seine
militärische Macht sichert zwar seine ökonomische Macht ab, aber beruht
auch auf ihr. Wenn ihm Halbkolonien durch den Volkskrieg entzogen
werden, dann schwächt das den Imperialismus. Doch auch wenn man den
militärischen Aspekt isoliert betrachtet, liegt der Kommunistische
Aufbau falsch. Die Geschichte hat zwar wirklich gezeigt, dass die
Imperialisten zu jeder Grausamkeit bereit sind, um ihre Macht zu
sichern, aber das heißt noch lange nicht, dass es ihnen gelingt. Die
jüngere Geschichte von Vietnam, über Tschetschenien und Afghanistan,
Somalia bis hin zum Irak, der Ukraine, Syrien und Mali zeigt deutlich,
dass sie nicht in der Lage sind das Volk dauerhaft in „Ruhe und Ordnung“
zu halten. Im Gegenteil, sie erleiden eine Niederlage nach der anderen.
Das Schüren der Angst vor einem
Atomkrieg blendet aus, dass der Imperialismus etwas mit den Halbkolonien
vorhat. Er will sie nicht einfach bloß vernichten, er will sie
benutzen. Etwas was man benutzen will, kann man nicht vernichten. Die
Taktik des „dem Erdboden gleich machen“ kann vom Imperialismus
höchstens vereinzelt eingesetzt werden, um ein Exempel zu statuieren,
nicht aber als umfassende Taktik, weil es im Widerspruch zu ihrem
strategischen Ziel steht. Außerdem stellen sich die Autoren ignorant
dazu, was die Benutzung von Atombomben für die Verschärfung der
Widersprüche bedeutet, so wie dem zwischen Proletariat und Bourgeoisie
in den imperialistischen Nationen, als auch den interimperialistischen,
und dem zwischen Imperialismus und unterdrückten Nationen. Wenn der
Gebrauch von Atombomben gemäß diesem Zweck eingesetzt wird, dann wird
der Kampf schwieriger, für das Land und in der Region, in der die
Atombomben eingesetzt werden. Aber es ist kein Zufall, dass Atombomben
nach ihrem Einsatz gegen den japanischen Imperialismus nie wieder
eingesetzt wurden. Die Verschärfung der Widersprüche durch ihren Einsatz
macht ihn sehr problematisch für die Imperialisten. Selbst der Einsatz
von biologischen und chemischen Kampfstoffen ist nur unter sehr extremen
Bedingungen möglich. Das Foto von der Erschießung Nguyễn Văn Léms
sorgte für weltweite Empörung, und schon vor dem Foto von der durch
Napalm verbrannten neunjährigen Phan Thị Kim Phúc wurden in den USA
Demonstranten von der Nationalgarde erschossen[5]. Danach war der Krieg nicht nur moralisch verloren. Letztlich hat der Vorsitzende Mao Tse-Tung recht, wenn er sagt:
„Die Atombombe ist ein
Papiertiger, mit dem die amerikanischen Reaktionäre die Menschen
einschüchtern wollen. Sie sieht fürchterlich aus, aber in Wirklichkeit
ist sie es nicht. Natürlich ist die Atombombe eine
Massenvernichtungswaffe. Aber über den Ausgang eines Krieges entscheidet
das Volk, nicht eine oder zwei neue Arten von Waffen.“[6]
Wir befürchten, dass ein gepflegtes
Unverständnis über diese Wahrheit und die durch die bürgerlichen Medien
in den vergangenen Jahrzehnten verbreitete Hysterie über den „Overkill“
beim Kommunistischen Aufbau ihren Niederschlag findet und wollen
ausdrücklich davor warnen diesen Standpunkt zu entwickeln. In
entwickelter Form ist das Teil des Chruschtschow-Revisionismus, indem er
dazu dient, Angst zu schüren, die Revolutionäre von der Revolution
abzuhalten und von friedlichem Übergang und friedlicher Koexistenz zu
überzeugen. Indem unsere Freunde diese Angst annehmen, stehen sie am
Abgrund, und wenn sie hier weiter gehen, stürzen sie unweigerlich hinab.
Die Haltung der Revolutionäre muss stets sein, Mut zu haben zu kämpfen
und Mut zu haben zu siegen.
Konsequent weiter gedacht würde das
metaphysische Verständnis des Widerspruchs von Imperialismus und
unterdrückten Nationen zu einer revolutionstheoretischen Variante der
„white man‘s burden“. Im metaphysischen Verständnis des Widerspruchs von
Imperialismus und unterdrückten Nationen ist ein metaphysischer
Standpunkt zur Revolution, der letztlich imperialistischer Chauvinismus
ist, angelegt. Denn den unterdrückten Völkern wird das Unvermögen
ausgesprochen sich selbst zu befreien, weshalb sie auf den weißen
Messias in den imperialistischen Zentren hoffen müssten. Wir hoffen
sehr, dass der Kommunistische Aufbau diese falsche Idee nicht
weiterentwickelt, sondern von ihr ablässt.
Foquismus oder Volkskrieg
Es ist nicht im geringsten unser
Anliegen die Fokustheorie zu verteidigen. Denn auch wir haben eine
Kritik an dieser Strategie. Der Fokus und das dazugehörige Abenteurertum
sind auch Ausdruck einer Geringschätzung der Massen, eine
kleinbürgerliche Militärlinie und nicht die Sache des Proletariats.
Obgleich viele Revolutionäre, die gemäß dieser Linie gekämpft haben, zu
den besten Kindern unserer Klasse und der Völker der Welt gehören.
Doch die Kritik des Kommunistischen
Aufbaus an der Fokustheorie, insbesondere die Vermengung der
Fokustheorie mit dem Volkskrieg, muss zurückgewiesen werden.
„Aufbauend auf lokalen Traditionen
revolutionärer Volksführer und Aufstände vereinigt die Stadtguerilla
Elemente des Foquismus (deutsch: Fokustheorie), wie er durch das Leben
und den Kampf des Revolutionärs Che Guevara repräsentiert wird, mit dem
maoistischen Volkskrieg. Militärisch werden bei der Stadtguerilla die
Partisanen des langandauernden Volkskriegs in die Städte verpflanzt.
Politisch wird die entschiedene Tat eines revolutionären Kerns (des
Fokus), der losgelöst von den Massen durch sein Vorbild als „Funke einen
Steppenbrand“ entfacht, in den Mittelpunkt der Strategie gerückt.“
Also erstens ist die Fokustheorie eine
Theorie und nicht einfach nur das Beispiel Che Guevaras. Man sollte den
Revisionismus ernst nehmen und sich nicht ignorant verhalten. Wiederum
zu behaupten, es hätte etwas mit Volkskrieg zu tun, wenn
kleinbürgerliche Revolutionaristen losgelöst von den Massen den
bewaffneten Kampf einleiten, ist auch sehr ignorant. Zwar gab es in der
Rhetorik mancher Stadtguerillagruppen Bezüge auf den Volkskrieg, doch
eine Armee, die nicht durch die Kommunistische Partei geführt wird, kann
überhaupt keinen Volkskrieg führen.
„Unser Prinzip lautet: Die
Partei kommandiert die Gewehre, und niemals darf zugelassen werden, daß
die Gewehre die Partei kommandieren.“[7]
Das ist einer der wichtigsten Grundsätze
des Volkskriegs. Wie kann man also Volkskrieg führen ohne
Kommunistische Partei? Weiterhin ist der Kernpunkt am Volkskrieg, dass
er sich auf die Volksmassen stützt. Das ist das Gegenteil der
Fokustheorie, diese stützt sich auf den Fokus, auf die Wenigen. Die
Behauptung, dass das Stadtguerillakonzept der Versuch wäre, den
Volkskrieg auf die imperialistischen Länder anzuwenden, bekommt der
Kommunistische Aufbau zu Stande, indem der Volkskrieg erneut auf den
Guerillakrieg reduziert wird, obwohl sie eingangs meinten, dass dies nur
bürgerliche Autoren tun:
„Letztlich überträgt die
Stadtguerilla nur die Militärstrategie Maos (Guerillakrieg) auf die
imperialistischen Zentren, ohne eine umfassende Revolutionsstrategie zu
entwickeln. Wie die Massen erobert und organisiert werden sollen, die
für die Eroberung der politischen Macht im Bürgerkrieg unerlässlich
sind, wird entweder falsch – im anarchistisch-idealistischen Sinne des
Foquismus – oder gar nicht beantwortet.“
Es ist sehr schade, dass der Kommunistische Aufbau die marxistisch-leninistisch-maoistische Massenlinie,
deren Ansätze sich bei Marx und Lenin
finden, die von Mao Tse-Tung weiter entwickelt und vom Vorsitzenden
Gonzalo systematisch in der Parteieinheitsbasis der Kommunistischen
Partei Perus dargestellt wurde, nicht zur Kenntnis genommen hat. Denn
ansonsten müssten sie sich nicht damit begnügen, zu behaupten, es gebe
keine Antwort auf die Frage danach, wie man die Massen „erobert und organisiert“, sondern könnten uns ihre kritischen Gedanken dazu darlegen.
Weiter schreiben die Freunde:
„Die DHKP-C in der Türkei ist heute
eine Vertreterin des in den letzten Jahren wieder vermehrt diskutierten
Konzepts der Stadtguerilla, an der sich auch einige neu entstehende
Gruppen und Zirkel in den imperialistischen Zentren vor allem in Europa
orientieren.“
Es bleibt unklar, wie es zu verstehen
ist, dass der Kommunistische Aufbau das Stadtguerillakonzept für eine
Vermischung von Fokustheorie und Volkskrieg hält, die auf die
imperialistischen Länder angewandt wird, und gleichzeitig behaupten, die
DHKP-C wende diese Militärlinie an, die in der Türkei, einem
halbkolonialen und halbfeudalen Land, kämpft. Wir gehen davon aus, dass
das nur daran liegen kann, dass der Kommunistische Aufbau die Türkei
nicht für ein halbkoloniales und halbfeudales Land hält. Zu dieser
Debatte haben wir bereits vor einiger Zeit einen Artikel von „Partizan“
zur Kritik am dritten Parteitag der MKP übersetzt. Der Kern dieser Frage
ist, ob der Imperialismus gesellschaftliche Entwicklung hervorbringt
oder die Prinzipien des Marxismus[8]
korrekt sind und bleiben. Wir sind davon überzeugt, dass es sich
hierbei um einen Lapsus handelt und die Freunde nicht die Reihen mit
Stefan Engels MLPD schließen[9].
Außerdem ist es zwar korrekt, die
Fehler, die gemacht wurden, zu kritisieren und die Erfahrungen unserer
Klasse zeigen, dass der Kampf gegen Anhänger der Fokustheorie, die ihren
Kampf (als Revisionisten konsequenterweise) gegen die Kommunistische
Partei richten, durchaus antagonistische Formen annimmt und
(beispielsweise bei der MRTA) mit deren Vernichtung endete. Wir wollen
aber an dieser Stelle hervorheben, dass viele Genossen und Teile der
Massen mit ihren Taten (die Ausdruck des Dranges zum bewaffneten Kampf
und seiner Notwendigkeit waren) Einzug gehalten haben in das ewige
Heldenepos der proletarischen Revolution, obwohl sie diese Fehler
begangen haben. Niemals können wir diese Genossen dem Feind überlassen.
Über das Vorbild des Kommunistischen Aufbaus
Am Ende des Textes zieht der Kommunistische Aufbau einige allgemeine Schlüsse. So zum Beispiel diesen:
„Uns geht es hierbei vielmehr um
eine selten verstandene objektive gesellschaftliche Dialektik, die von
den KommunistInnen aufgrund ihrer subjektiv stark wahrgenommenen
Schwäche oft nicht erkannt wird. Dass die Konterrevolution so stark ist
und ihre Herrschaftsmethoden immer weiter perfektioniert, bedeutet
dialektisch zugleich, dass die kommunistische und revolutionäre Bewegung
im politischen Kampf zur theoretischen wie praktischen Überwindung
ihrer Schwäche, nämlich der fehlenden Revolutionsstrategie für die
imperialistischen Zentren, gedrängt wird.“
Die Überschrift des Abschnitts lautet,
dass die Praxis der Theorie vorauseile, doch das klingt eher als hinke
die Theorie der Praxis hinterher. Es bleibt völlig unklar, warum der
Kommunistische Aufbau es für eine ermutigende Botschaft hält, dass er
offenbar keine Antworten auf die Fragen der Praxis hat.
Danach kommt der Kommunistische Aufbau nochmal auf den Volkskrieg zu sprechen und schreibt:
„Alle maoistischen Parteien, die
heute noch kämpfen, müssen sich mit dem strategischen Dilemma des
„blockierten Wachstums“ auseinandersetzen. Der Volkskrieg ist eine
Revolutionsstrategie, in der der Partisanenkrieg der Bauernmassen darauf
abzielt, die feindliche Macht taktisch zu vernichten, um so langfristig
die eigene Macht zu akkumulieren. Das alles folgt der strategischen
Maßgabe „Überleben, um zu wachsen“. Was aber, wenn die Guerilla ihre
strategische Initiative verliert und der ganze Krieg zum
„Stellungskrieg“ im strategischen Patt wird, den keine der beiden Seiten
auf absehbare Zeit gewinnen kann? Was eine imperialistische Armee, vor
allem wenn die Verluste und Kosten einen erträglichen Rahmen nicht
übersteigen, auf Jahrzehnte durchhalten kann, ist für den Volkskrieg
eine strategische Falle allerersten Ranges.“
Erstens gibt es keine maoistischen
Parteien, die nicht kämpfen. Denn wenn sie nicht kämpfen, dann sind sie
nicht maoistisch, sondern nennen sich höchstens so.
Zweitens ist der Volkskrieg die
Militärtheorie, um die Macht des Proletariats (in der neudemokratischen
Revolution die Macht unter der absoluten Führung des Proletariats,
konkretisiert durch seine Kommunistische Partei, in der Diktatur der
revolutionären Klassen des Volkes, die sich auf das Arbeiter- und
Bauernbündnis stützt) zu erobern und zu verteidigen – bis zum
Kommunismus.
Drittens vernichten im Volkskrieg die
revolutionären Streitkräfte die lebendige Kraft des Feindes, dort wo der
Feind entschieden geschlagen wurde, wird die Neue Macht mit der
revolutionären Armee als ihrem Rückgrat aufgebaut, um die alte Macht zu
zerstören. Die Zusammenfassung als „Überleben, um zu wachsen“ geht
völlig an der Dialektik von Aufbau und Zerstörung vorbei. Das
Grundprinzip des Krieges ist, dass wir immer alles tun müssen, um die
eigenen Kräfte zu erhalten und auszubauen, sowie den Feind zu
vernichten. Um unsere eigenen Kräfte zu erhalten, müssen wir die des
Feindes vernichten. Aber um die des Feindes zu vernichten, müssen wir
einen Preis bezahlen. Der Vorsitzende Gonzalo lehrt uns, dass man bereit
sein muss, den höchsten Preis zu bezahlen, aber immer danach streben
muss, ihn so gering wie möglich zu halten. Diesem Widerspruch muss die
Führung in der Planung Rechnung tragen. Man kann den Feind nicht
vernichten, ohne aus der Unterlegenheit heraus die eigenen Kräfte
aufzubauen und die Neue Macht zu errichten. Im Widerspruch von Aufbau
(mit seinem Kern, der Neuen Macht) und Zerstörung (des alten Staates)
ist der Aufbau das Hauptsächliche! Der Aufbau der Neuen Macht ist also
das Herz des Volkskrieges. Wenn man diesen Widerspruch korrekt handhabt,
dann ist der Volkskrieg unbesiegbar, denn die objektiven Gegebenheiten
sind auf der Seite des Volkes.
Die Strategie heißt langwieriger
Volkskrieg, weil es genau darum geht, aus der Unterlegenheit heraus
gegen einen überlegenen Feind, wenn nötig über Jahrzehnte zu kämpfen und
letztlich zu siegen. Dass das Wort langwierig in der Regel das zentrale
Prädikat ist, das dem Wort Volkskrieg beigelegt wird, ist dem
Kommunistischen Aufbau sicherlich nicht entgangen. Dass die
Langwierigkeit des Volkskriegs in den meisten Dokumenten über ihn einen
prominenten Platz einnimmt sicherlich auch nicht. Schade ist nur, dass
der Kommunistische Aufbau dieses Problem als ungelöst behauptet, statt
sich mit den theoretischen und praktischen Antworten des
Marxismus-Leninismus-Maoismus darauf auseinanderzusetzen. Daraufhin
findet sich im Text ein Verweis auf einen vermeintlich positiven
Bezugspunkt in der Praxis:
„Den teilweise umgekehrten Weg –
Aufbau einer Landguerilla neben den Milizen in den Städten – geht
bemerkenswerterweise eine Partei aus der Tradition des „hoxhaistischen“
Flügels der marxistisch-leninistischen Bewegung, die nicht im Sumpf der
Etappentheorie samt Liquidation der illegalen Strukturen als Kern der
Kommunistischen Partei versunken ist. Die MLKP Türkei/Kurdistan baut,
neben ihren eigenen Parteimilizen, zusammen mit der kurdischen
Befreiungsbewegung, mit der sie seit vielen Jahren in einem
strategischen Bündnis verbunden ist, einen militärischen Arm auf.
Zunächst in Rojava und seit 2016 mit der HBDH (Halklarin Birlesik Devrim
Hareketi, dtsch: Vereinigte Revolutionsbewegung der Völker) in der
Türkei selbst.
Last but not least muss der
„kommunistische Flügel“ im Spektrum der Stadtguerillaströmung erwähnt
werden. Die ‚Roten Brigaden‘ in Italien sind das vielleicht bekannteste
Beispiel für den Versuch, die militärische Strategie der Stadtguerilla
mit den Massenkämpfen und der ArbeiterInnenbewegung zu verknüpfen.“
Interessant wäre zu wissen, was der
Kommunistische Aufbau glaubt, wer in dem Bündnis von PKK und MLKP führt –
die stärkere PKK oder die schwächere MLKP; oder der
Yankee-Imperialismus, der Rojava in sein Militärlager verwandelt hat und
die Syrian Democratic Forces als seine Bodentruppen benutzt?[10], [11]
Für uns stellt sich das „strategische Bündnis“ als Auflösung der Partei
in der Front dar. Das ist, was wir rechtes Liquidatorentum[12] nennen. Vielleicht verstehen wir aber auch nicht richtig, was uns die Freunde sagen wollen.
Wir verstehen auch nicht und wüssten
gerne, wie eine Kommunistische Partei für sich in Anspruch nehmen kann,
die Aufgaben des Proletariats zweier Länder zu übernehmen. Immerhin ist
die Kommunistische Partei nicht die Partei eines Volkes, sondern eben
die Partei des Proletariats. Und dessen Kampf wird in unserem
programmatischen Grunddokument – dem Manifest der Kommunistischen Partei
– an durchaus prominenter Stelle sehr klar beschrieben:
„Obgleich nicht dem Inhalt, ist
der Form nach der Kampf des Proletariats gegen die Bourgeoisie zunächst
ein nationaler. Das Proletariat eines jeden Landes muß natürlich zuerst
mit seiner eigenen Bourgeoisie fertig werden.“[13]
„Indem das Proletariat zunächst sich die politische Herrschaft erobern, sich zur nationalen
Klasse erheben, sich selbst als
Nation konstituieren muß, ist es selbst noch national, wenn auch
keineswegs im Sinne der Bourgeoisie.“[14]
Aber mit der gleichen
Problematik mussten sich auch schon Lenin und Stalin herumschlagen und
zwar mit dem „Allgemeinen Jüdischen Arbeiterverband in Litauen, Polen
und Rußland“ (in der Regel als „Bund“ bezeichnet). Dieser beanspruchte
in den Ländern Litauen, Polen und Russland die alleinige Vertretung des
jüdischen Proletariats, statt diese Aufgabe z. B. in Russland der Partei
Lenins zu überlassen, damit das jüdische Proletariat für die Revolution
in Russland mobilisiert werden kann. Der „Bund“ stellte sich damit als
eine Partei ohne regionale Grenzen dar und stellte sich auf den
Standpunkt des bürgerlichen Nationalismus. Stalin rechnete damit
folgendermaßen ab:
„Der„Bund“ befindet sich auf dem
Wege zum Separatismus. Es bleibt ihm auch eigentlich gar kein anderer
Weg. Allein schon seine Existenz als exterritoriale Organisation treibt
ihn auf die Bahn des Separatismus. Der „Bund“ hat kein bestimmtes
geschlossenes Territorium, er betätigt sich auf „fremden“ Territorien,
während die mit ihm in Fühlung stehenden sozialdemokratischen Parteien,
die polnische, die lettische und die Sozialdemokratie Rußlands,
internationale Territorialkollektive sind. Das aber führt dazu, dass
jede Erweiterung dieser Kollektive eine „Einbuße“ für den „Bund“, eine
Einengung seines Tätigkeitsfeldes bedeutet.“[15]
Lenin führte zu den separatistischen Bestrebungen des „Bunds“ weiter aus:
„Diese Losung (die in Rußland von allen bürgerlichen Parteien des jüdischen Nationalismus unterstützt wird) widerspricht dem Internationalismus der
Sozialdemokratie. Als Demokraten sind wir unbedingt gegen jegliche,
selbst die geringste Unterdrückung irgendeiner Nationalität, gegen
jegliche Privilegien der einen oder anderen Nationalität. Wir fordern
als Demokraten die freie Selbstbestimmung der Nationen in der
politischen Bedeutung dieses Wortes (siehe das Programm der SDAPR), d.
h. die Freiheit der Lostrennung. Wir fordern unbedingte
Gleichberechtigung aller Nationen im Staat und unbedingten Schutz der
Rechte jeder nationalen Minderheit. Wir fordern weitgehende
Selbstverwaltung und Autonomie der einzelnen Gebiete, die unter anderem
auch nach nationalen Merkmalen abzugrenzen sind. Alle diese Forderungen
sind für jeden konsequenten Demokraten und umso mehr für jeden
Sozialisten obligatorisch. Doch die Sozialisten beschränken sich nicht
auf allgemein-demokratische Forderungen. Die Sozialisten kämpfen gegen
alle und jedwede Erscheinungsformen des bürgerlichen Nationalismus,
gegen die plumpen wie gegen die raffinierten. Gerade eine solche
Erscheinungsform ist eben die Losung der „national-kulturellen
Autonomie“, die das Proletariat und die Bourgeoisie einer Nation, vereinigt und die Proletarier der verschiedenen Nationen voneinander trennt.
Die Sozialdemokraten standen stets und stehen auf dem Standpunkt des
Internationalismus. Wenn wir die Gleichberechtigung aller Nationalitäten
gegen die Fronherren und den Polizeistaat schützen, so treten wir nicht
für die „nationale Kultur“, sondern für die internationale Kultur
ein, in die von jeder nationalen Kultur nur ein Teil, eingeht, nämlich
nur das, was konsequent demokratisch und sozialistisch in einer jeden
nationalen Kultur ist. Die Losung der „national-kulturellen Autonomie“
täuscht die Arbeiter mit dem Trugbild der kulturellen Einheit der
einzelnen Nationen, während in Wirklichkeit in jeder Nation gegenwärtig
die gutsherrliche, bürgerliche oder kleinbürgerliche „Kultur“ überwiegt.
Wir sind gegen die nationale Kultur als eine der Losungen des
bürgerlichen Nationalismus. Wir sind für die internationale Kultur des konsequent demokratischen und sozialistischen Proletariats. Die
Einheit der Arbeiter aller Nationalitäten bei vollständiger
Gleichberechtigung der Nationalitäten und konsequentestem Demokratismus
des Staates – das ist unsere Losung, wie es auch die Losung der gesamten
internationalen revolutionären Sozialdemokratie ist. Diese wahrhaft
proletarische Losung erzeugt kein verlogenes Trugbild und keine Illusion
über die „nationale“ Einheit des Proletariats und der Bourgeoisie,
während die Losung der „national-kulturellen Autonomie“ unvermeidlich
ein solches Trugbild erzeugt und unter den Werktätigen eine solche
Illusion weckt.“[16]
Die separatistischen Bestrebungen, die
die MLKP heute voran bringt, sind der gleichen Natur wie die des „Bunds“
vor über hundert Jahren. Statt den kurdischen Teil des Volkes in der
Türkei zum Kampf gegen den türkischen Staat für die demokratische
Revolution zu mobilisieren, erklärt sie sich zur Partei des kurdischen
Volkes und stellt sich damit auf den Standpunkt des kleinbürgerlichen
Nationalismus.
Interessant wäre auch zu wissen, ob die
Roten Brigaden jetzt das Vorbild für die Revolution in imperialistischen
Ländern sein sollen oder ob sie einfach nur pro forma erwähnt werden,
weil man sich später nicht vorhalten lassen will, man hätte diesen
Aspekt „vergessen“?
Dann folgt ein Zitat, das verwirrend
ist, weil es weiter oben im Text so wirkte, als hätten die Freunde die
Langwierigkeit des Volkskrieges nicht begriffen:
„Die Rolle der Partisanen im 2.
Weltkrieg und vor allem der Sieg der KP Chinas 1949 nach 25 Jahren
Bürgerkrieg waren strategisch gesehen dagegen der Super-GAU. Hier war
etwas Undenkbares geschehen, nämlich dass der Schwächere den vielfach
überlegenen Gegner besiegt hatte. Das Gesetz der Zahl im Krieg, auf das
sich die Imperialisten mit ihrer überlegenen Feuerkraft regulärer Armeen
samt modernster Kriegstechnologie stützen, schien durch Maos
Revolutionsstrategie des langandauernden Volkskriegs außer Kraft gesetzt
zu sein.“
In diesem Verweis auf die Praxis der
Internationalen Kommunistischen Bewegung scheint es so, als hätte der
Kommunistische Aufbau ein gewisses Verständnis davon, dass das Volk den
Feind aus der Unterlegenheit heraus in einem langwierigen Volkskrieg
vernichtet. Wenn sie über die Praxis des Marxismus-Leninismus-Maoismus
sprechen, dann gestehen sie zu, was sie an der Theorie nicht gelten
lassen wollen.
Allerdings offenbart der Kommunistische
Aufbau hier auch einen Mangel. Dass sie sich so beeindruckt zeigen von
bürgerlichen Armeen und ihrem schicken technischen Schnickschnack und
meinen, dass die Irrelevanz technischer Überlegenheit nur scheinbar
widerlegt worden wäre, ist ihr mangelndes Vertrauen in die Massen, letztlich Militarismus. Nicht
die Gewehre machen die Geschichte, sondern die Massen. Wenn wir die
Massen erst mobilisiert haben, dann sind die Gewehre das geringste
Problem.
Dann meint der Kommunistische Aufbau, eine neue Dialektik von Politik und Krieg entdeckt zu haben:
„Der „hybride Krieg“ ist ein totaler
Krieg, bei dem der Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten
verschwindet und alle Mittel und Ressourcen eingesetzt werden zur
Erreichung der militärischen Ziele und der politischen Zwecke des
Krieges. Das gilt im Kampf gegen die revolutionäre Seite ebenso wie in
der innerimperialistischen Konkurrenz mit gegnerischen Staaten.“
Das ist so neu nicht. So schrieb Clausewitz in „Vom Kriege“ im Jahre 1832:
„Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln.“
Der Dialektik von Politik und Krieg ist
sich der Klassenfeind also seit gut 200 Jahren bewusst. Der
„revolutionären Seite“ ist darüber hinaus noch mehr bewusst:
„Mit dem Satz „Der Krieg ist
eine Fortsetzung der Politik“ wird gesagt, daß der Krieg Politik ist,
daß der Krieg selbst eine Aktion von politischem Charakter darstellt;
seit alters gab es nie einen Krieg, der nicht politischen Charakter
getragen hätte . . . Doch der Krieg hat seine Besonderheiten, und das
will sagen, daß er nicht mit der Politik schlechthin gleichgesetzt
werden kann. „Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit
anderen Mitteln.“ Wenn sich die Politik bis zu einer bestimmten Stufe
entwickelt hat, wo sie nicht mehr auf die alte Weise fortgeführt werden
kann, dann bricht der Krieg aus, mit dessen Hilfe die der Politik im
Wege liegenden Hindernisse hinweggefegt werden . . . Sobald die
Hindernisse aus dem Weg geschafft sind und die Politik ihr Ziel erreicht
hat, ging der Krieg zu Ende. Sind aber die Hindernisse nicht gänzlich
beiseite geräumt, dann muß der Krieg fortgesetzt werden, bis das Ziel
völlig erreicht ist . . . Man kann deshalb sagen: Die Politik ist Krieg
ohne Blutvergießen, der Krieg ist Politik mit Blutvergießen.“[17]
Zu den Schlussfolgerungen
Im letzten Abschnitt des Textes wird der
Kommunistische Aufbau noch einmal eine Stufe abstrakter, und zieht
philosophische Schlüsse.
„Vor allem aber muss die Antwort
lauten, dass es keine in Stein gemeißelte Antwort gibt. Die Zukunft ist
offen. Die gesellschaftlichen Widersprüche treiben die Entwicklung immer
wieder in neue Richtungen voran, die keiner geschichtlichen Analogie
folgen und sich keinen starren Schemata aufeinander folgender Etappen
unterwerfen.“
Wir wollen dieser geschichtsphilosophischen These entschieden widersprechen. Die Zukunft ist überhaupt nicht offen, sie ist notwendig. Oder wie Marx und Engels sagen:
„Sie [die Bourgeoisie]
produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der
Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich.“[18]
Genauso wie die Geschichte festgelegt ist, gibt es auch eine festgelegte „in Stein gemeißelte Antwort“ nämlich
den Marxismus-Leninismus-Maoismus, dessen Prinzipien universelle
Gültigkeit haben. Es ist offensichtlich unser Mangel, dass wir die
Unvermeidlichkeit der Revolution im Kampf um die Durchsetzung des
Maoismus als neue, dritte und höchste Stufe der Ideologie des
internationalen Proletariats noch nicht ausreichend behandelt haben. Die
universelle Gültigkeit der Prinzipien der Ideologie des Proletariats
stellen die Freunde in den Absätzen danach noch schärfer in Frage:
„Wir können weder ‚Was tun?!‘ noch
den ‚Kurzen Lehrgang der Geschichte der KPDSU (B)‘ noch das Lehrbuch der
KI zum Aufstand noch die militärischen Schriften Maos oder die
Erfahrungen einzelner Volkskriege als „Kochrezepte“ begreifen, die wir
einfach nur auf heute anwenden müssten.
Was wir aus der Oktoberrevolution im
Besonderen und dem Marxismus-Leninismus im Allgemeinen lernen müssen,
ist die dem bürgerlichen Denken schwer zugängliche abstrakte Wahrheit zu
begreifen, dass die Revolutionsstrategie ein einheitliches
Gesamtkunstwerk darstellt. Wir dürfen die politische „Kunst, Macht zu
schaffen“ nicht in einzelne Etappen und getrennte Bereiche zerlegen.
Wir haben hier einige Grundzüge der
Revolutionsstrategie auf abstrakter, teils fast schon philosophische
Ebene, erörtert. Die praktisch orientierten GenossInnen werden jetzt
vielleicht fragen: Was bedeutet das konkret? Wie sieht unsere Strategie
für die sozialistische Revolution in Deutschland aus? Die Antwort darauf
werden wir in keinem Buch der Weltgeschichte finden. Bücher, die die
praktischen Erfahrungen unserer VorgängerInnen theoretisch
verallgemeinern, liefern uns nur das Handwerkszeug, die allgemeinen
Grundsätze der Strategie.
Wie der Weg zum Ziel unter den
heutigen Bedingungen aussieht, das müssen wir – so wie Lenin und die
Bolschewiki es vormachten – in der Praxis selbst herausfinden.
Orientierung dafür mag uns ein dialektischer Merksatz bieten, mit dem
wir den Kreis schließen möchten: ‚Revolutionäre Politik heißt Krieg
führen, immer und überall – auch wenn wir in unserem ganzen Leben keinen
einzigen Schuss abfeuern!‘“
In Anbetracht der Großen Sozialistischen
Oktoberrevolution und ihres 100. Jahrestages halten wir es für geboten,
an dieser Stelle folgenden „dialektischen Merksatz“ des großen Lenin aus dem Jahre 1905 zu zitieren:
„Die Wahrheit ist immer konkret.“[19]
Die abfällige Formulierung „Kochrezepte“ für
die Grundsätze der Ideologie des Proletariats, die von den Titanen des
Denkens und des Handelns – Marx, Lenin und der Vorsitzende Mao Tse-Tung –
aus der Praxis der Arbeiterbewegung entwickelt wurde, ist eine
bodenlose Frechheit, die eines Kommunisten unwürdig ist. Die Anwendung
dieser Grundsätze auf die konkreten Bedingungen aus der Praxis ist genau
das, was Kommunisten zu tun haben! Fraglich ist, was der Kommunistische
Aufbau ansonsten zu tun gedenkt? Die Ideologie des Proletariats auf
einen ästhetischen Genuss zu reduzieren, indem man sie Gesamtkunstwerk
schimpft, dies als abstrakte Wahrheit zu adeln, während man von der
konkreten Wahrheit, der Anwendung dieser Ideologie, nichts wissen will,
setzt dem Ganzen die Krone auf. Immerhin fällt ihnen selbst auf, dass
ihr ganzes Papier für „an der Praxis interessierte Genossen“ (uns
sind keine Genossen bekannt, die nicht an der Praxis interessiert sind
und wir hoffen und sind auf Basis unserer Erfahrungen auch davon
überzeugt, dass sich das auch bei den Freunden vom Kommunistischen
Aufbau nicht anders verhält) untauglich ist, da es bloße Negation ist. Wir wollen hinzufügen: Obendrein
noch schlechte Negation. Damit berauben sie ihre Kritik ihres ganzen
kritischen Gehalts. Denn eine Kritik, die nicht mehr auf die Praxis
abzielt, keine Anleitung zum Handeln ist, ist bloße intellektuelle
Spielerei. Der Bezug zur Praxis in den letzten zwei Absätzen wirkt daher
auch eher alibihaft, und der Merksatz satirisch. Darüber hinaus, und
das erkennen die Freunde auch an, gibt es keinen Weg an der Praxis
vorbei. Aber wie Lenin sagte:
„Ohne revolutionäre Theorie kann
es auch keine revolutionäre Bewegung geben. Dieser Gedanke kann nicht
genügend betont werden in einer Zeit, in der die zur Mode gewordene
Predigt des Opportunismus sich mit der Begeisterung für die engsten
Formen der praktischen Tätigkeit paart. Für die russische
Sozialdemokratie aber wird die Bedeutung der Theorie noch durch drei
Umstände erhöht, die man oft vergißt, nämlich: Erstens dadurch, daß sich
unsere Partei eben erst herausbildet, erst ihr eigenes Gesicht
herausarbeitet und die Auseinandersetzung mit den anderen Richtungen des
revolutionären Denkens, die die Bewegung vom richtigen Wege abzulenken
drohen, noch lange nicht abgeschlossen hat. In Gegenteil, gerade die
allerletzte Zeit war durch eine Belebung der nichtsozialdemokratischen
revolutionären Richtungen gekennzeichnet (wie das Axelrod den
„Ökonomisten“ seit langem prophezeit hatte). Unter solchen Umständen
kann ein auf den ersten Blick „belangloser“ Fehler die traurigsten
Folgen haben, und nur Kurzsichtige können die fraktionellen
Streitigkeiten und das strenge Auseinanderhalten von Schattierungen für
unzeitgemäß oder überflüssig halten. Von der Konsolidierung dieser oder
jener „Schattierung“ kann die Zukunft der russischen Sozialdemokratie
für viele, viele Jahre abhängen.“[20]
Teil 2: Über den revolutionären Krieg
„Die Gesetze des Krieges sind
Probleme, die jeder, der einen Krieg leitet, studieren und lösen muß.
Die Gesetze des revolutionären Krieges sind Probleme, die jeder, der
einen revolutionären Krieg leitet, studieren und lösen muß. […] Wenn
man, womit immer man sich beschäftigt, die näheren Umstände der
betreffenden Sache, ihren Charakter, ihren Zusammenhang mit anderen
Dingen nicht begriffen hat, dann kennt man, wie jedermann weiß, auch
nicht die Gesetze dieser Sache, weiß nicht, wie an sie heranzugehen,
kann sie nicht erfolgreich bewältigen.“[21]
Wir müssen also die allgemeinen Gesetze
des Krieges und die spezifischen Gesetze des revolutionären Krieges
studieren und wir müssen darüber hinaus die besonderen Eigenheiten des
revolutionären Krieges in einem imperialistischen Land und noch genauer
des revolutionären Krieges in der imperialistischen BRD studieren und
alle daraus resultierenden Probleme lösen. Dabei verbietet es sich –
entsprechend der Lehren über den Widerspruch – dogmatisch Kopien zu
erstellen und zu versuchen schablonenhaft an die konkrete Realität
unseres Landes heran zu gehen; so würden wir unweigerlich scheitern.
Die Notwendigkeit revolutionärer Gewalt
Wir sind Anhänger der Allmacht des revolutionären Krieges, wie alle Kommunisten seit Marx:
„Die Gewalt ist der Geburtshelfer jeder alten Gesellschaft, die mit einer neuen schwanger geht.“[22]
„Die Emanzipation des
Proletariats wird auch einen besonderen militärischen Ausdruck haben,
wird eine aparte, neue Kriegsmethode erzeugen. Cela est clair. “[23]
Für uns gilt, was der große peruanische Kommunist José Carlos Mariátegui festgehalten hat:
„Wenn die Revolution Gewalt,
Autorität und Disziplin verlangt, dann bin ich für Gewalt, Autorität und
Disziplin. Ich akzeptiere sie mit all ihren Schrecken ohne feige
Vorbehalte.“[24]
Zu den allgemeinen Gesetzen des Krieges
möchten wir an dieser Stelle den Vorsitzenden Mao zitieren und setzen,
zwecks Vermeidung von Wiederholungen, das weiter vorn ausgeführte Zitat
aus „Über den langwierigen Krieg“ bezüglich der Relation zwischen
Politik und Kritik als gelesen voraus:
„Kriege,
die es seit dem Entstehen des Privateigentums und der Klassen gibt,
sind die höchste Kampfform, die bei der Lösung der Widersprüche zwischen
einzelnen Klassen, Nationen, Staaten und politischen Gruppen angewendet
wird, sobald diese Widersprüche eine bestimmte Entwicklungsstufe
erreicht haben.“[25]
„In der Klassengesellschaft sind
Revolutionen und revolutionäre Kriege unvermeidlich; es ist sonst
unmöglich, in der Entwicklung der Gesellschaft einen Sprung zu
vollziehen und die reaktionären herrschenden Klassen zu stürzen, damit
das Volk die Macht ergreifen kann.“[26]
„Ein revolutionärer Krieg ist
ein Gegengift, das nicht nur das Gift des Feindes vernichtet, sondern
auch unseren eigenen Schmutz hinwegsäubert.“[27]
„Jeder Kommunist muß diese Wahrheit begreifen: „Die politische Macht kommt aus den
Gewehrläufen.““[28]
„Die zentrale Aufgabe und die
höchste Form der Revolution ist die bewaffnete Machtergreifung, ist die
Lösung des Problems durch den Krieg. Dieses revolutionäre Prinzip des
Marxismus-Leninismus hat allgemeine Gültigkeit, es gilt überall …“[29]
Marx und Engels haben sehr deutlich die
revolutionäre Gewalt als unbedingte Notwendigkeit für die soziale
Revolution des Proletariats unterstrichen:
„Die arbeitenden Klassen müßten sich das Recht auf ihre Emanzipation auf dem Schlachtfeld erkämpfen.“[30]
Aus der Praxis lernen: Die Entwicklung der Militärtheorie
Marx und Engels haben sich darüber
hinaus auch mit der Ausarbeitung des Militärtheorie des Proletariats
beschäftigt. Sie haben sich auch mit ihrer Ausarbeitung beschäftigt. Sie
haben den Prozess ihrer Zeit und seine Aufstände analysiert. Sie haben
das beste Geschaffene ihrer Zeit angenommen und es weiterentwickelt. Es
ist der Aufstand innerhalb der Städte und die Taktik ist richtigerweise
der Barrikadenkampf. Es wird Straße für Straße gekämpft. Wie
beispielsweise in der Pariser Commune 1871. So ist die Hauptform des
bewaffneten Kampfes bei Marx und Engels der Barrikadenkampf. Aber die
Entwicklung der Militärtheorie ist damit nicht abgeschlossen.
Engels, im Vorwort zu Marx‘
„Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“, hielt in seinem letzten
Lebensjahr 1895 selbst fest, dass die „alte Kampfweise“, die „Rebellion
alten Stils“ hoffnungslos veraltet ist. Anstelle aber daraus die
Konsequenz zu ziehen, den bewaffneten Kampf an sich für gescheitert zu
erklären, geht es Engels darum, neue Methoden des Kampfes unter den sich
geänderten Bedingungen zu finden:
„Die Geschichte hat aber auch
uns unrecht gegeben, hat unsere damalige Ansicht als eine Illusion
enthüllt. Sie ist noch weiter gegangen: Sie hat nicht nur unseren
damaligen Irrtum zerstört, sie hat auch die Bedingungen total umgewälzt,
unter denen das Proletariat zu kämpfen hat. Die
Kampfweise von 1848 ist heute in jeder Beziehung veraltet, und das ist
ein Punkt, der bei dieser Gelegenheit näher untersucht zu werden
verdient.“[31]
„Heißt das, daß in Zukunft der
Straßenkampf keine Rolle mehr spielen wird? Durchaus nicht. Es heißt
nur, daß die Bedingungen seit 1848 weit ungünstiger für die Zivilkämpfer, weit günstiger für das Militär geworden sind. Ein künftiger Straßenkampf kann also nur siegen, wenn diese Ungunst der Lage durch andere Momente aufgewogen wird.
Er wird daher seltener im Anfang einer großen Revolution vorkommen als
im weiteren Verlauf einer solchen und wird mit größeren Kräften
unternommen werden müssen. Diese aber werden dann wohl, wie in der
ganzen großen französischen Revolution, am 4. September und 31. Oktober
1870 in Paris den offenen Angriff der passiven Barrikadentaktik vorziehen.“[32]
Im Gegensatz dazu versuchten die
Revisionisten schon damals, jeder Anwendung und dafür notwendigen
Weiterentwicklung der Militärtheorie einenRiegel vorzuschieben.
Revisionisten wie Bernstein versuchten den bewaffneten Kampf durch
parlamentarischen Kretinismus zu ersetzen und so wurde etwa der soeben
zitierte Absatz wegen den „‘umsturzvorlagenfurchtsamlichen Bedenken‘ des
Berliner Parteivorstandes“ (Engels) zunächst gestrichen. Lenin aber
griff die Notwendigkeit der Entwicklung der Militärtheorie erneut auf
und leistete hierzu zwei entscheidende Beiträge:
Erstens, die Kampfabteilungen:
„1. Selbständige militärische
Aktionen. 2. Leitung der Menge. Die Abteilungen können beliebig stark
sein, von zwei bis drei Mann an. Die Abteilungen müssen sich selbst
bewaffnen, jeder womit er kann (Gewehr, Revolver, Bombe, Messer,
Schlagring, Knüppel, mit Petroleum getränkte Lappen, um Feuer anzulegen,
Stricke oder Strickleitern, Schaufeln für den Bau von Barrikaden,
Sprengpatronen, Stacheldraht, Nägel (gegen Kavallerie) usw. usf.). Unter
keinen Umständen darf man von anderer Seite, von oben oder von außen
Hilfe erwarten, sondern muß alles selbst beschaffen. Die Abteilungen
müssen möglichst aus Personen gebildet werden, die nahe beieinander
wohnen oder häufig, regelmäßig, zu bestimmten Stunden zusammentreffen
(am besten beides, denn das regelmäßige Zusammentreffen kann durch den
Aufstand unterbrochen werden). Ihre Aufgabe ist, es so einzurichten, daß
sie in den kritischsten Augenblicken, in den unvorhergesehensten
Situationen zusammenkommen können. Jede Abteilung muß daher im voraus
Mittel und „Wege festlegen, um ein gemeinsames Vorgehen zu sichern:
Zeichen an den Fenstern usw., um einander leichter zu finden;
verabredete Rufe oder Pfiffe, um den Genossen in der Menge zu erkennen;
vereinbarte Zeichen für den Fall eines nächtlichen Zusammentreffens usw.
usf. Jeder energische Mann kann mit zwei bis drei Genossen eine ganze
Reihe solcher Regeln und Methoden ausarbeiten, die zusammengestellt,
auswendig gelernt und praktisch geübt werden müssen. Man darf nicht
vergessen, daß die Ereignisse mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit
überraschend eintreten werden und daß es nötig sein wird, unter
außerordentlich schwierigen Verhältnissen zusammenzukommen. Sogar
unbewaffnete Abteilungen können eine sehr wichtige Rolle spielen, wenn
sie 1. die Menge leiten; 2. bei günstiger Gelegenheit einen Polizisten
oder einen zufällig von seinen Kameraden getrennten Kosaken überfallen
(ein Fall in Moskau) usw. und entwaffnen; 3. Verhaftete oder Verwundete retten,
wenn die Polizeikräfte schwach sind; 4. auf Hausdächer, in obere
Stockwerke usw. steigen und die Truppen mit Steinen bewerfen, mit
kochendem Wasser begießen usw. Eine organisierte, geschlossen und
energisch vorgehende Abteilung ist eine ungeheure Kraft. Unter keinen
Umständen darf die Bildung einer Abteilung unter dem Vorwand des
Waffenmangels verweigert oder aufgeschoben werden. Die Abteilungen
müssen die Funktionen möglichst im voraus verteilen und den Leiter, den
Abteilungsführer, manchmal im voraus wählen. Es wäre natürlich
unvernünftig, in eine Spielerei mit Rangbezeichnungen zu verfallen, man
darf aber die kolossale Bedeutung einer einheitlichen Führung, eines
raschen und entschlossenen Vorgehens nicht vergessen. Entschlossenheit
und kühner Angriff sind drei Viertel des Erfolgs. Die Abteilungen müssen
sich sofort nach ihrer Bildung, also schon jetzt, an eine vielseitige
Arbeit machen, und zwar keineswegs nur theoretische, sondern unbedingt
auch praktische. Zur theoretischen Arbeit rechnen wir das Studium der
Kriegswissenschaften, die Beschäftigung mit militärischen Fragen,
Referate über militärische Fragen, Aussprachen mit Militärs (mit
Offizieren, Unteroffizieren usw. usf., nicht zuletzt auch mit ehemaligen
Soldaten aus der Arbeiterschaft); die Lektüre, Besprechung und
Verarbeitung illegaler Broschüren und Zeitungsartikel über den
Straßenkampf usw. usf. Wir wiederholen, mit den praktischen Arbeiten muß
sofort begonnen werden. Sie zerfallen in vorbereitende und in
militärische Operationen. Zu den vorbereitenden gehört die Beschaffung
jeder Art von Waffen und Munition, die Auswahl günstig gelegener
Wohnungen für den Straßenkampf (die geeignet sind für den Kampf von
oben, für die Lagerung von Bomben, Steinen usw. oder von Säuren zum
Begießen der Polizisten usw. usf., sowie für das Stabsquartier, für den
Nachrichtendienst, als Zufluchtsort für Verfolgte, Unterkünfte für
Verwundete usw. usf.). Zu den vorbereitenden Arbeiten gehört ferner
rechtzeitige Aufklärung und Erkundung: Beschaffung von Plänen der
Gefängnisse, Polizeireviere, Ministerien usw., Auskundschaftung der
Arbeitseinteilung in den staatlichen Institutionen,in den Banken usw.,
sowie ihrer Bewachung; Anknüpfung von Beziehungen, die nützlich sein
können (mit Polizei-, Bank-, Gerichts-, Gefängnis-, Post- und
Telegrafenbeamten usw.), Feststellung von Waffenlagern, von sämtlichen
Waffenläden der Stadt usw. Es gibt hier massenhaft Arbeit, und zwar
solche, bei der jeder größten Nutzen bringen kann, sogar der zum
Straßenkampf völlig Untaugliche, sogar körperlich ganz schwächliche
Menschen, Frauen, Jugendliche, Greise u.a. Man muß bestrebt sein, schon
jetzt unbedingt und ausnahmslos alle in den Abteilungen
zusammenzuschließen, die sich am Aufstand beteiligen wollen, denn es
gibt keinen Menschen und kann keinen geben, der nicht den größten Nutzen
brächte, wenn er arbeiten will, auch wenn er keine Waffe hat, auch wenn
er persönlich zum Kampf untauglich ist. Sodann dürfen sich die
Abteilungen der revolutionären Armee keinesfalls nur auf vorbereitende
Arbeiten beschränken, sie müssen sobald wie möglich auch zu
militärischen Aktionen übergehen, um: 1. ihre Kampfkraft zu üben; 2. die
schwachen Stellen des Feindes zu erkunden; 3. dem Feind Teilniederlagen
beizubringen; 4. Gefangene (Verhaftete) zu befreien; 5. Waffen zu
erobern; 6. Geldmittel für den Aufstand zu gewinnen (Regierungsgelder zu
konfiszieren) usw. usf. Die
Abteilungen können und müssen
unverzüglich jede Gelegenheit zu lebendiger Arbeit ergreifen, sie dürfen
das keineswegs bis zum allgemeinen Aufstand verschieben, denn steht man
nicht schon vorher im Feuer, so erwirbt man die Tauglichkeit auch zum
Aufstand nicht.“[33]
Zweitens, die proletarische Miliz:
„[…] eine Miliz, die erstens
wirklich aus der gesamten Bevölkerung, aus allen erwachsenen Bürgern
beiderlei Geschlechts besteht und die zweitens die Funktion einer
Volksarmee mit polizeilichen Funktionen, mit den Funktionen des
wichtigsten und hauptsächlichen Organs der staatlichen Ordnung und der
staatlichen Verwaltung verbindet.“ und weiter „[…] ohne
die Frauen zum öffentlichen Dienst, zur Miliz, zum politischen Leben
heranzuziehen, ohne die Frauen aus ihrer abstumpfenden Haus- und
Küchenatmosphäre herauszureißen, kann keine wirkliche Freiheit
gewährleistet werden, kann nicht einmal die Demokratie, vom Sozialismus
ganz zu schweigen, aufgebaut werden.“[34]
Innerhalb der Kommunistischen
Internationale gelangte man über dies nicht hinaus, auch wenn es,
insbesondere im Partisanenkampf während des Zweiten Weltkrieges, Ansätze
dazu gab. Diese entwickelt sich mit der chinesischen Revolution unter
der Führung des Vorsitzenden Mao. Allgemein lässt sich konstatieren,
dass häufig eine rassistische, sozialchauvinistische, eine
imperialistisch-chauvinistische Haltung gegenüber der chinesischen
Revolution besteht, die besagt, dass es sich um einen simplen
Bauernkrieg in China gehandelt habe, der – weit weg – nichts mit uns und
unserer Realität zu tun habe.
Zur chinesischen Revolution: Der Kampf
gegen die Kriegsherren (die Feudalherren) im Norden und für den Aufbau
der nationalen Einheit dauerte drei Jahre, von 1924 bis 1927. Die KPCh
versuchte dabei die Theorie des bewaffneten Aufstandes umzusetzen
(Schanghai (3x) und Kanton(1x)). Alle vier Aufstandsversuche wurden
niedergeschlagen. So erwies sich die Umsetzung der Theorie in der Praxis
als unmöglich, obwohl es große proletarische Städte gab. Tschiang
Kai-schek übernahm die Führung der Kuomintang und beendet das Bündnis
mit der Sowjetunion und der KPCh. Er errichtete einen Faschismus unter
seiner Führung und es wurden Massaker in den großen Städten
durchgeführt. Mit der Herbsternte begann 1927 der Guerillakrieg in
China. Das von der Partei vorgegebene Zentrum dafür waren die Städte.
Vorsitzender Mao aber ging gemeinsam mit Minenarbeitern zu den Bauern
aufs Land und erreichte dort eine Verbindung der Arbeiter- mit der
Bauernbewegung. Der Vorsitzende Mao war zu dieser Zeit nicht der
anerkannte Führer der KPCh, aber in diesen Gebieten war er die Führung.
Die Entwicklung verlief folgendermaßen: Niederlagen in den Städten und
Siege auf dem Land. Daraufhin beschloss das ZK aufs Land zu gehen.
Tschiang Kai-schek wollte die dort entwickelten Stützpunkte zerschlagen.
Dies sollte in Form von Einkreisungs- und Vernichtungsfeldzügen
geschehen. Vier Feldzüge gegen die südlichen Stützpunktgebiete wurden
zurück geschlagen. Es wurden von der Kommunistischen Internationale
Ratgeber nach China geschickt. Die Arbeit der Ratgeber bedeutete wieder
Stellungskrieg statt Bewegungskrieg und Unterschätzung des
Guerillakrieges, diesmal in Anwendung auf die Stützpunktgebiete. Die KI
war der Meinung, dass die KPCh nicht proletarisch genug sei. Daher
wurden 28 chinesische Genossen in der Sowjetunion ausgebildet, die „28
Bolschewiki“. Sie übernahmen die Führung der KPCh und setzten das
gelernte „systematisch“, d.h. als mechanische Kopie, um. Dann kam der
fünfte Feldzug gegen die Stützpunktgebiete und dieser ist erfolgreich,
weil die Entwicklungen durch den Vorsitzenden Mao nicht befolgt wurden.
Das Resultat war, dass 100.000 Kommunisten, Kämpfer und Massen auf den
langen Marsch nach Yenan mussten. Sie marschierten 12.000 km unter
konstantem Kampf. Dazu kam die Desertierung von Tschang Kao Tscho,
dieser nahm zunächst den Hauptteil der Armee mit sich.
Später überfiel das imperialistische
Japan China. Sie besetzten Nordchina und installierten ein
Marionettenregime. 1936 begann der allgemeine Krieg gegen China. Die
KPCh schlug eine Einheitsfront vor und Tschiang Kai-schek wurde von
seinen eigenen Generälen dazu gezwungen (er wurde gefangen genommen und
mit dem Tode bedroht) zu unterschreiben. Die revolutionären Streitkräfte
teilten sich in die 8. Route Armee als Hauptstreitmacht und die Neue 4.
Armee – die Guerillaeinheiten – auf. Die KPCh führte auch einen Kampf
gegen den systematischen Bruch der Einheitsfront. Nach dem Sieg über
Japan entwickelte die KPCh 1945 den Vorschlag für eine
national-demokratische Regierung und machte ein Friedensangebot an die
Kuomintang. Tschiang, eine Marionette der USA und der
Bürokratkapitalisten, lehnte dieses Angebot ab und der Bürgerkrieg
begann. Das revolutionäre chinesische Volk errang 1949 den Sieg im
Bürgerkrieg. Es folgt der Korea-Krieg, mit einer großen Anzahl
Freiwilliger aus der VR China. So gelang es, dass die USA und ihre
Handlanger zurückgedrängt werden konnten, obwohl diese B- und C-Waffen
einsetzten. Des weiteren gab es 1962 einen Grenzkrieg mit Indien, der
vom Nehru-Regime angezettelt wurde und Konflikte an der Grenze mit der
inzwischen sozialimperialistischen Sowjetunion.
Es gab Kriegshandlungen in kleinen (z.B.
in der Umgebung Changshas), mittleren und großen (z.B. in der
Liaoshen-Kampagne), sowie Millionenstädten (z.B. in der
Pingjin-Kampagne), Kämpfe im Dschungel, in den Bergen und in den Ebenen,
Aufstände (z.B. in Nanchang), Guerillakrieg, Bewegungskrieg und
Stellungskrieg (z.B. in der Huaihai-Kampagne), Krieg gegen Gegner, die
moderne Massenvernichtungswaffen (B- und C-Waffen) einsetzten (z.B. in
Korea), Krieg gegen die nationalen Reaktionäre (z.B. Kriegsherren und
Kuomintang) und imperialistische Angriffe (z.B. USA und Japan) – kurz,
fast alle erdenklichen Formen des modernen Krieges gehören zu den
Erfahrungen der chinesischen Revolution. Es ist wichtig, diese groben
allgemeinen Hintergründe zu kennen, um zu verstehen, warum es diese
Entwicklung gab, mit welchen Voraussetzungen und auf welcher Basis.
„Der Volkskrieg ist die
militärische Theorie des internationalen Proletariats. Darin sind zum
ersten Mal in systematischer und vollständiger Form die theoretische und
praktische Erfahrung der Kämpfe, militärischen Aktionen und Kriege die
das Proletariat geführt hat und die lange Erfahrung des bewaffneten
Volkskampfes und vor allem der Bauernkriege in China zusammengefasst.
Die Klasse erhält durch den Vorsitzenden Mao ihre militärische Theorie.
Trotzdem gibt es viel Verwirrung und Unverständnis in dieser Sache. Das
rührt daher, wie der Volkskrieg in China betrachtet wird. Im allgemeinen
wird er herabsetzend und verächtlich als einfacher Partisanenkrieg
gesehen. Das beweist bereits das mangelnde Verständnis dafür, dass der
Partisanenkrieg durch den Vorsitzenden Mao einen strategischen Charakter
erhält. Aber dazu wird die Entwicklung des Partisanenkrieges nicht
verstanden, wie er von seiner wesentlichen Fluidität Mobilität
entwickelt, Bewegungskrieg, Stellungskrieg, wie er große Pläne zur
strategischen Offensive und zur Eroberung kleiner, mittlerer und großer
Städte mit Millionen von Einwohnern entfaltet, indem er den Angriff von
außen mit dem Aufstand von innen verbindet. So zeigen als Schlussfolge
die vier Perioden der chinesischen Revolution und hauptsächlich von dem Agrarkrieg bis zum Volksbefreiungskrieg, unter
Berücksichtigung des Widerstandskrieges gegen Japan dazwischen, die
unterschiedlichen Facetten und Komplexitäten des mehr als zwanzig Jahre
geführten revolutionären Krieges, inmitten einer riesigen Bevölkerung
und einer immensen Mobilisierung und Teilnahme der Massen. In diesem
Krieg gibt es Beispiele aller Art. Und was die Hauptsache ist: der
Vorsitzende Mao hat auf hervorragende Weise seine Prinzipien, seine
Gesetze, seine Strategie, Taktik, Normen usw. studiert, herausgearbeitet
und meisterhaft dargelegt. In diesem sagenhaften Schmelztiegel und auf
dem etablierten Marxismus-Leninismus entwickelte der Vorsitzende Mao
also die militärische Theorie des Proletariats, den Volkskrieg. Wir
müssen uns besonders vergegenwärtigen, dass der Vorsitzende Mao selbst
später, in Kenntnis der Existenz von Atombomben, Raketen und in ihrem
Besitz, den Volkskrieg aufrechterhielt und ihn entwickelte, um ihn unter
den neuen Bedingungen, des Besitzes von Atomwaffen und des Krieges mit
Mächten und Supermächten weiterzuführen. In Synthese: der Volkskrieg ist
die Waffe des Proletariats und des Volkes, um sich auch Atomkriegen zu
stellen.
Eine entscheidende Frage ist das
Verständnis der Allgemeingültigkeit des Volkskrieges und seiner
konsequenten Anwendung, Berücksichtigung der unterschiedlichen Typen der
Revolution und die besonderen Bedingungen jeder Revolution. Es wird
einem besseren Verständnis dieses Problems dienen, wenn folgendes
berücksichtigt wird: nämlich, dass sich ein Aufstand wie der in
Petrograd nicht wiederholt hat, den antifaschistische Widerstand und die
europäischen Partisanenkämpfe im zweiten Weltkrieg, sowie die
bewaffneten Kämpfe die jetzt in Europa geführt werden. Aber dabei muss
schließlich und endlich auch gesehen werden, dass die Oktoberrevolution
nicht nur ein Aufstand, sondern ein revolutionärer Krieg war, der
mehrere Jahre andauerte. Daraus folgt, dass die Revolution in den
imperialistischen Ländern nur als revolutionärer Krieg zu verstehen ist
und das bedeutet heute einfach ein Volkskrieg.
Schließlich müssen wir
Kommunisten und Revolutionäre, das Proletariat und das Volk, uns heute
schmieden in: „Jawohl, wir sind Anhänger der Theorie von der
Allmächtigkeit des revolutionären Krieges. Das ist nichts Schlechtes,
das ist gut, das ist marxistisch.“ Das heißt, wir müssen Anhänger der
Unbesiegbarkeit des Volkskrieges sein.“[35]
Zur Anwendung
Das müssen wir konkretisieren, d.h.
Ansätze zu einer militärischen Linie entwickeln, was vor allem aber auch
durch die rekonstituierte Kommunistische Partei in diesem Land
vorangetriebenen werden muss. Die Militärlinie sind die Gesetze, die den
Volkskrieg für die Eroberung und die Erhaltung der Macht bestimmen. Sie
besteht aus drei Elementen:
- Der Volkskrieg, der in unserem spezifischen Fall kein einheitlicher Volkskrieg ist, weil die Neue Macht lediglich in den Städten aufgebaut werden wird, während es auf dem Land nur zu Operationspunkten kommt.
- Der Aufbau der revolutionären, bewaffneten Kräfte, die in unserem spezifischen Fall eine Rote Guerillaarmee sind, die als Besonderheit die Inkorporation der Milizen hat, um zum Meer bewaffneter Massen fortzuschreiten.
- Die Strategie und Taktik, die sich in Einkreisungs- undVernichtungsfeldzügen des Feindes und unseren Gegenoperationen von Einkreisung und Vernichtung äußern, die mit der Anwendung politischer und militärischer Pläne spezifiziert werden müssen. Diese haben politische Strategie und militärische Strategie, sie konkretisieren sich in Feldzügen mit spezifischen Inhalten.
Dazu kommt, dass der Volkskrieg
universell ist. Was aber heißt das? Nun, zunächst einmal muss definiert
sein, was das universelle am Volkskrieg ist. Was ist sein Kern, seine
Essenz? Bezüglich der grundlegenden theoretischen Aspekte, die ihn
ausmachen, hat die Kommunistiche Partei Perus vier herausgearbeitet:
„1) die Ideologie des
Proletariats, den Marxismus-Leninismus-Maoismus, welcher spezifiziert
werden muss in einem leitenden Gedanken. Deshalb stützen wir uns auf den
Marxismus- Leninismus-Maoismus, Gonzalodenken, hauptsächlich auf das
Letztere;
2) die Notwendigkeit der KommunistischenPartei Perus, die den Volkskrieg führt;
3) den Volkskrieg, der als Bauernkrieg spezifiziert ist, der dem Weg folgt die Städte vom Land einzukreisen;
4) Stützpunktgebiete oder Neue Macht, der Aufbau der Stützpunktgebiete ist die Essenz des Weges der Einkreisung der Städte vom Land.“[36]
Wir schließen uns diesen vier Punkten vollständig an. Übertragen auf die Realität in der Bundesrepublik heißt dies für uns:
- Den Maoismus anwenden! Die Notwendigkeiteiner kreativen Anwendung des Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus, (heute mit den Beiträgen des Vorsitzenden Gonzalo, d.h. Gonzalodenken) auf die konkreten Bedingungen, spezifische Ideen für ein spezifisches Land entwickelnd.
- Die Führung der Kommunistischen Partei, einer militarisierten Kommunistischen Partei.
- Der Volkskrieg ist ein Krieg der Massen.
- Errichtung der Neuen Macht. Der Hauptaspekt des revolutionären Krieges. Wir müssen den Feind zerstören, um das Neue zu schaffen, nicht weil wir Nihilisten sind. Lösungen für die Probleme generieren, die Realität verändern.
Die Frage der Ideologie steht
an erster Stelle, weil nur durch die konsequente Anwendung der
Ideologie unserer Klasse, das heißt heute Maoismus, der Weg bis zum Sieg
der proletarischen Revolution gesichert ist. Das wichtige dabei ist die
Anwendung auf die bestehenden Verhältnisse des jeweiligen Landes, das
heißt für uns die Verhältnisse in Deutschland. Nur um ein Beispiel zu
nennen (das offensichtlich sein sollte), während für die Parteien in den
unterdrückten Nationen die demokratische Revolution auf der
Tagesordnung steht, ist es für uns in einem imperialistischen Land die
sozialistische Revolution. Das bedeutet aber nicht, dass es eine
Ideologie für die unterdrückten Nationen gibt und eine für die
imperialistischen. Das Proletariat ist weltweit eine Klasse und hat
darum nur eine Ideologie. Die Frage, welcher Typ der Revolution für ein
entsprechendes Land ansteht, ist darum eine Frage der Anwendung des
Marxismus-Leninismus-Maoismus. Die Bedeutung der Ideologie besteht auch
darin, dass selbst wenn die Reaktion die Führung physisch eliminieren
kann, dann durch die Anwendung des Marxismus-Leninismus-Maoismus eine
neue Führung entstehen kann, somit ist die stetige Generierung von
Führung eines der wichtigsten Probleme der Kommunisten, besonders in den
imperialistischen Ländern, wo wir aufgrund der Arbeit in den Städten
räumlich immer sehr nah bei der Reaktion sind.
Der Vorsitzende Mao hat uns gelehrt,
dass es auf der Welt nur ein grundlegendes Gesetz gibt, das Gesetz des
Widerspruchs. Natürlich gibt es viele andere Gesetze, aber das eine ist
das grundlegende. Der Vorsitzende Gonzalo hat diese Lehre aufgenommen
und aufgezeigt, dass es bei der Analyse von Widersprüchen immer eine
hauptsächliche Seite gibt, eine Seite überwiegt immer. Und da sich
Wahrheit immer zu höheren Stufen entwickelt sprechen wir heute von
Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich Maoismus. Denn mit der
Entwicklung auf eine höhere Stufe, also heute Maoismus, macht die
Ideologie einen Sprung zu einer höheren Wahrheit. Darum gibt es auch
Widersprüche zu den niedrigeren Stufen der Wahrheit, heißt das
Hauptsächliche in diesem Widerspruch heute ist, auch wenn der Marxismus
immer ein geschlossenes System ist, der Maoismus. Engels hat zum
Beispiel zum Ausdruck gebracht, die Legalisierung und Teilhabe der
Sozialdemokratischen Partei Deutschlands am Wahlzirkus würde die „Ordnungsparteien“ zu Grunde gehen lassen, während „wir bei dieser Gesetzlichkeit pralle Muskeln und rote Backen bekommen “[37].
Lenin hat das dieses Verständnis auf
eine höhere Ebene gebracht. Sollten wir dann sagen, dass beide Aussagen
gleich wahr sind? Nein. Lenin hat eine höhere Stufe der Wahrheit
erreicht. Und genau so hat der Vorsitzende Mao gegenüber Lenin Probleme
gelöst, wie z.B. die Frage der Einheitsfront, und mit diesen
Entwicklungen eine höhere Wahrheit erreicht. Darum ist der Maoismus
heute der hauptsächliche Aspekt. Sonst würden wir in eine Situation
kommen, in der Marx gegen Lenin und Lenin gegen Mao gestellt würde.
Statt die Entwicklung des Marxismus zu sehen, würden wir ihn gegen sich
selbst richten. Weil die Ideologie des Proletariats stets von den besten
Kindern ihrer Klasse angewandt wird, wird sie stetig um neue
Erfahrungen bereichert. Jede Lösung neuer Probleme der Proletarischen
Weltrevolution bedeutet einen Beitrag zum Marxismus. Die Titanen des
Denken und Handelns haben uns den Marxismus-Leninismus-Maoismus gegeben,
der allmächtig ist, weil er unserem Kriterium von Wahrheit entspricht:
Er bewahrheitet sich jeden Tag aufs neue in der Praxis von Millionen von
Menschen. Und nur auf der Basis der Praxis können wir auch theoretisch
voranschreiten. Folglich ist klar, dass sich durch die Anwendung unserer
Ideologie auf den Klassenkampf, d.h. durch die Praxis in diesem Land,
ein leitender Gedanke, der die Gesetze des Klassenkampfes des Landes
systematisiert, entwickelt. In der Geschichte können wir sehen, dass
selbst wenn die Kommunisten ein Programm und eine allgemeine Politische
Linie und hervorragende Bedingungen für die Entwicklung der Revolution
hatten, sie daran scheiterten ihrer Verantwortung vor dem Proletariat
und den Völkern der Welt gerecht zu werden, weil sie die spezifischen
Probleme der Revolution im jeweiligen Land, über die allgemeinen Formen
hinausgehend, nicht lösten. Wir haben ein sehr bezeichnendes Beispiel in
Deutschland, wo die damalige Führung der zweitgrößten Kommunistischen
Partei der Welt mit eigenem klandestinen und hoch entwickelten
Militärapparat nicht über die allgemeinen Richtlinien der
Kommunistischen Internationale hinaus ging und den Marxismus nicht
kreativ anwandte um neue Probleme zu lösen. So scheiterte sie daran den
revolutionären bewaffneten Kampf einzuleiten und aufrechtzuerhalten.
Die Frage der Partei ist
die Frage der Organisation unserer Klasse. Sie vereint die besten
Kinder unserer Klasse. Und wie bereits gesagt: Die Partei muss immer die
Gewehre führen, niemals umkehrt, sonst gerät die Revolution auf Abwege.
Wenn von der militarisierten Partei die Rede ist, bedeutet das dann,
dass jeder Kommunist ein Rambo sein muss? Nein. Aber jedes Mitglied der
Kommunistischen Partei muss Kombattant sein und in der Lage, in Praxis
und Theorie den revolutionären Krieg führen zu können. Denn die
Militarisierung der Partei beschreibt die Summe aller Justierungen und
Anpassungen die gemacht werden müssen, um in der Lage zu sein den
Volkskrieg unter allen Bedingungen zu führen. Es ist die Militarisierung
der Partei, die es den Genossen in Peru überhaupt ermöglicht hat, den
Volkskrieg einzuleiten und zu entwickeln.
„Der konzentrische Aufbau der
drei Instrumente ist die organisatorische Erfüllung der Militarisierung
der Partei und in Synthese ist es zusammengefasst in dem was der
Vorsitzende Gonzalo lehrt: „Die Partei ist die Achse von allem, sie
führt die drei Instrumente allumfassend, ihren eigenen Aufbau, führt
absolut die Armee und den neuen Staat als eine gemeinsame Diktatur, auf
die Diktatur des Proletariats zielend.“[38]
Zur Frage des Volkskrieges als ein Krieg der Massen
Zur Frage des Volkskrieges als
ein Krieg der Massen. Der Volkskrieg ist die Konkretisierung der
revolutionären Gewalt als universelles Gesetz. Die Frage, die sich
stellt, ist die nach der Anwendung. Der Volkskrieg kann keine
mechanische Kopie aus anderen Ländern sein. Auch wenn unterschiedliche
Revisionisten es gerne versuchen so darzustellen, als sei der Volkskrieg
ein Bauernkrieg oder ein Krieg „zur Einkreisung der Städte vom Land“
(was letztendlich den gleichen Versuch der Verfälschung darstellt, nur
in anderen Worten) sind dies nicht die essentiellen Aspekte des
Volkskriegs. Der Volkskrieg ist ein Krieg der Massen und Massen gibt es
auch in den imperialistischen Ländern. In den unterdrückten Nationen
sind hauptsächlich arme Bauern, unter Führung des Proletariats, die
Hauptkraft der Revolution. In unserer Situation in Deutschland ist dies
das Proletariat und besonders dessen tiefste und breiteste Massen, auf
die wir uns stützen müssen, als Hauptkraft der Revolution. Die Frage
hier ist nicht die nach der Einkreisung der Städte vom Land, sondern der
Arbeit in den Städten, wobei der Unterschied zwischen großen, mittleren
und kleinen Städten beachtet werden muss. Die Revisionisten versuchen,
also den Volkskrieg als etwas zu verklären was er nicht ist, um ihn dann
als unmöglich für Deutschland zu erklären. Doch unsere Frage ist nicht
die einer „dialektischen Weiterentwicklung“, sondern einer dialektischen
Anwendung der Prinzipien zur Führung des Volkskrieges, eine Anwendung
entsprechend der Bedingungen des Landes, in dem wir unsere Arbeit
entfalten. Das Hauptsächliche im Volkskrieg ist der Mensch, gibt es
Genossen die mit dem Marxismus-Leninismus-Maoismus, hauptsächlich
Maoismus bewaffnet sind, dann lässt sich das Problem der Waffen ganz
einfach lösen.[39]
„Die Massen machen die Geschichte“ ist kein leeres Mantra, im
revolutionären Krieg wird es sehr deutliche Realität. Die Frage, ob der
revolutionäre Krieg in den imperialistischen Ländern bestehen kann oder
nicht, ist eine Frage der Politisierung, Mobilisierung, Organisierung
und Bewaffnung der Massen. Nur mit der Unterstützung der Massen wird die
Armee, geführt von der Partei, in der Lage sein, den revolutionären
Krieg zu führen und durchzuhalten. Dass es möglich ist, revolutionären
Krieg in den imperialistischen Ländern und städtischen Gebieten zu
führen, dass es möglich ist, bewaffnete Aktionen über einen längeren
Zeitraum in Großstädten durchzuführen, dafür gibt es genug Beweise und
Erfahrungen des internationalen Proletariats und der Völker der Welt.
Alle bewaffneten Befreiungskämpfe in den
imperialistischen Ländern, ob im spanischen Staat, in Irland, durch die
Partisanen im Zweiten Weltkrieg, haben gezeigt, dass sie dort und dann
bestehen können, wenn sie die Unterstützung der Massen genießen.[40]
Es zeigte sich zum Beispiel, dass die IRA in der Lage war einen
bewaffneten Kampf über 30 Jahre lang zu führen ohne militärisch besiegt
zu werden. In einem Land kleiner als ein deutscher Bundesstaat und einer
Bevölkerung von unter zwei Millionen, gegen eine der stärksten
imperialistischen Armeen der Welt, weil sie die Unterstützung der Massen
hatten und eigene Machtstrukturen aufgebaut haben. Auch in Frankreich
war es im Widerstand gegen die deutsche Besatzung im Zweiten Weltkrieg
möglich mitten in Paris bewaffnete Aktionen durchzuführen:
„Am 23. August 1941 tötete der der
legendäre französische Patriot Pierre Georges [der Mann war Kommunist]
der unter dem Namen Oberst Fabien bekannt wurde, mitten in Paris, auf
der U-Bahn- Station Barbes, einen Nazioffizier. 21 offiziell
registrierte Aktionen wurden im Juli gegen die Eisenbahnlinien
durchgeführt. Von Juni bis Dezember 1941 konnten die FTPF 107
Sabotageakte, 41 Sprengstoffanschläge und 8 Zugentgleisungen auf ihr
Erfolgskonto buchen. In einem faschistischen Bericht werden allein für
Dezember 221 ‚Attentate‘ im Pariser Gebiet angeführt.“ Und weiter:
„Selbst in Paris kämpften Partisanen so daß sich die deutschen Soldaten
in den Pariser Außenbezirken nachts kaum mehr auf die Straßen trauten.“[41]
Bei den Aufständen in den französischen
Vororten 2005 wurden Polizisten in Hinterhalte gelockt, heftig mit
Steinen beworfen und teilweise sogar mit Schrotflinten beschossen.
Das ist Frankreich im Oktober 2016: „An
einer Straßenkreuzung nahe der berüchtigten Vorstadt La Grande Borne im
Süden von Paris waren am Wochenende zwei Polizeifahrzeuge in einen
Hinterhalt gelockt worden. Die Straßenkreuzung ist als Umschlagsplatz
für Rauschgift- und Waffengeschäfte bekannt und wird von Videokameras
überwacht. Kriminelle haben wiederholt versucht, die Videokameras zu
beschädigen. Um dies zu verhindern, werden regelmäßig Polizeistreifen an
die Kreuzung beordert. Die Patrouille wurde auf diese Weise am
Samstagabend zur Zielscheibe von Kriminellen. Die Täter warfen
Brandsätze in die Polizeiautos und hinderten die Insassen – jeweils zwei
Beamte – zunächst am Aussteigen aus ihren brennenden Fahrzeugen. Die
vier Polizisten, darunter zwei Frauen, erlitten schwere
Brandverletzungen. Ein Beamter schwebt noch immer in Lebensgefahr. ‚Sie
wollten uns töten‘, sagte einer der leichter verletzten Polizisten am
Dienstag im Radiosender RTL. Er schilderte, wie die Angreifer ‚in
wenigen Sekunden‘ die Autos umstellt hatten, die Scheiben zertrümmerten
und Molotowcocktails ins Innere warfen. ‚Mein Kollege aus dem Wagen
hinter mir stand in Flammen. Ich habe mich auf ihn gestürzt und ihm das
Hemd vom Leib gerissen‘, berichtete der Polizist. Er hätte nie gedacht,
dass es eines Tages so weit kommen könnte.“[42]
Das Beispiel Belgiens, dessen sich auch
der Vorsitzende Mao bedient, haben wir bereits weiter oben angesprochen.
Wir wollen hier darstellen, welche konkreten Erfahrungen es in Belgien,
dessen reguläre Truppen von der faschistischen Wehrmacht, ebenso wie in
den Niederlanden, einfach überrannt wurden, gab:
„In Belgien war auf Initiative der Kommunistischen Partei bereits Ende 1940 die belgische Partisanenarmee gebildet worden. Belgien
widerlegt die von vielen bürgerlichen Autoren über die
Partisanenbewegung vertretenen Meinungen, daß die Ursachen für die
Entwicklung des Partisanenkrieges hauptsächlich in geographischen
Bedingungen und in rassischen und nationalen Eigenarten zu suchen seien.
Die geographischen Bedingungen waren in Belgien sicherlich bedeutend
ungünstiger als beispielsweise in Jugoslawien oder Albanien. Das Land
ist zumeist flach und wenig bewaldet. Es gibt kein ausgeprägtes
Hochgebirge. Die Bevölkerungsdichte ist groß, so daß man annehmen
könnte, die Bildung von Partisanenabteilungen und -gruppen wäre
unmöglich. Die belgische Widerstandsbewegung hat jedoch sehr wohl
bewiesen, daß sie auch unter so ungünstigen Umständen in der Lage war,
eine starke Partisanenbewegung zu entwickeln. Den Verhältnissen
entsprechend, wurde für die Organisation der belgischen Partisanenarmee
ein illegales System geschaffen, das sich wie folgt aufbaute:
Dreiergruppen, die Zusammenfassung mehrerer Dreiergruppen zu Kompanien,
dreier Kompanien zu Bataillonen und der Bataillone zu Partisanenkorps,
an deren Spitze ein Kommandeur mit seinem Stab stand. Außerdem gab es
noch Mobilgruppen, die mit Kraftwagen so beweglich wie möglich gehalten
wurden. Mit einer so aufgebauten Organisation des Partisanenkampfes war
es möglich, eine Untergrundarmee zu schaffen. Die Partisanen blieben,
wenn sie nicht illegal lebten, gewöhnlich an ihrem Wohnort. Das gesamte
Land war in 5 Sektoren eingeteilt, in denen 16 Partisanenkorps
operierten.“[43]
„Sie [der belgische Widerstand]
brachten Züge zum Entgleisen, führten Zugzusammenstöße herbei,
unterbrachen die Gleisanlagen, störten die Produktion kriegswichtiger
Betriebe, überfielen Okkupanten und ihre belgischen Vasallen, sprengten
Brücken und Schleusen, zerstörten Telefon- und Telegrafenkabel. Im Jahre
1941/1942 führten die belgischen Partisanen 1757 Aktionen durch,
darunter 246 Sprengungen und Zugentgleisungen. Allein in der
Wintermonaten 1941 wurden 125 Züge zum Entgleisen gebracht.“[44]
„Bei den Endkämpfen um die Befreiung
Belgiens besetzten die Partisanen einige Gebiete noch vor dem
Eintreffen der alliierten Truppen und nahmen Tausende von Okkupanten
gefangen. Vom 3. bis 12.
September 1944 nahm die belgische Partisanenarmee allein im Gebiet der
Borinage 23 000 Soldaten und Offiziere der Naziwehrmacht
gefangen,erbeutete 6 Geschütze, mehr als 100 Kraftwagen, Hunderte von
Schützenwaffen und verlor dabei selbst nur 85 Kämpfer.“[45]
In den Jahren 1943 bis 1945 entwickelten
bewaffnete Einheiten der Kommunistischen Partei enorme Schlagkraft
gegen die faschistischen Kräfte. Auf dem Land kämpfte die
Garibaldi-Brigade, in der Stadt die GAP[46]
– beide unter direkter Führung der Kommunistischen Partei. Letzterer
kamen dabei nicht nur logistische Unterstützungsaufgabe wie
Meldetätigkeiten u.dgl.m. zu, um dem Partisanenkampf auf dem Land zu
unterstützen. In Rom, Florenz, Bologna, Genua, Turin und Mailand gab es
jeweils eigene Sektionen der GAP mit mehreren Zellen, die dem
faschistischen Regime enormen Schaden zufügten, durch Hinterhalte auf
Truppen, Sprengung von Bahnschienen und Militärinstallationen,
Bestrafungsaktionen von Folterern und Offizieren und Aktionen des
Proletariats, wie etwa Streiks, militärisch unterstützt. Die GAP, deren
Mitglieder fast ausschließlich Mitglieder der Kommunistischen Partei
waren, wurde später durch die SAP[47]
komplementiert, deren Aufgabe breitere Unterstützungstätigkeiten für
die GAP bis hin zur direkten Teilnahme an bewaffneten Aktionen bestand
und eine größere Inkorporation des Massen in den bewaffneten Kampf in
den Städten erlaubte.
„In der Provinz Cuneo und im
Lanzotal, wo der Partisanenkampf eine besondere Intensität angenommen
hat, leisteten Partisanenformationen und die Abteilungen der
Garibaldi-Brigade „Cuneo“ ihren vollen Beitrag zur Unterstützung sowohl
der Streikenden der Stadt und Provinz Turin als auch in den von ihnen
direkt kontrollierten Gebieten. Alle Züge, die aus den Alpentälern nach
Turin fuhren, wurden angehalten, besonders in der Umgebung von Pinerolo.
Die Züge, die mit evakuierten Arbeitern besetzt waren, wurden an der
Weiterfahrt gehindert. Auf den Stationen improvisierten die
Militärkommandeure der Partisanen Versammlungen und entfachten eine
große Anteilnahme für den Streik. Man verhaftete „republikanische“
Milizangehörige, die als Geiseln festgehalten wurden.
Im Lanzotal hielten
Partisanengruppen die Züge an, kontrollierten die Reisenden, verteilten
und verklebten Flugblätter, während die Funktionäre der Formationen mit
der Bevölkerung über die Ziele des Streiks sprachen und Zustimmung und
Begeisterung erweckten.“[48]
„Um die Straßenbahner zu
unterstützen, griffen die Garibaldi-Kämpfer mit Sabotageaktionen ein und
sprengten die Weichen der wichtigsten Depots (Leonvacallo, Vittoria
usw.).“[49]
„Die Partisanen benutzten den
Sonntag, an dem die Werke geschlossen sind, um die Straßenbahnlinien
erneut zu unterbrechen. Tatsächlich können nur einige Linien befahren
werden, während die Direktion fieberhaft um die Reparatur der Schäden
bemüht ist. Es erfolgen Sabotageversuche auf den Überlandlinien; eine
Gruppe Jugendlicher geht daran, die elektrischen Straßenbahnleitungen zu
zerschneiden, während eine kleine Gruppe von den Faschisten bei der
Entfernung eines Gleises überrascht wird. Am Sonnabend und Sonntagabend
greifen Partisanen „republikanische“ Milizpatrouillen an; es gibt Tote
und Verwundete, worüber die Presse strengstes Stillschweigen bewahrt.“[50]
„Die Bergleute von Pieve und die
Zementfabrik treten in den Streik. Die Partisanen legten die
Seilschwebebahn still, um die Rohstoffzuführung aus den Bergen für die
Zementfabrik zu verhindern.“[51]
„Wir haben über die Aktionen der GAP
in Norditalien berichtet. In allen anderen Regionen waren diese
Aktionen intensiv und wirksam. Haupt- und Nebenlinien der Eisenbahnen
wurden in Venetien, in der Emilia und in Toskana unterbrochen. In Patro
wurde ein mit Sprengstoff beladener Zug in die Luft gejagt. Drei Masten
der elektrischen Hochspannungsleitung in den Provinzen Vicenza und
Verona sowie zahlreiche elektrische Leitungen in Belluno und in der
Provinz erlitten das gleiche Schicksal. Das deutsche Kommando setzte für
Denunzianten der Partisanen eine Summe von 100.000 Lire aus.“[52]
Diese Form der Auseinandersetzung, der
bewaffnete Streik, d.h. Streik plus die anderen Aktionsformen der
Guerilla, sind ein wichtiger Aspekt der Arbeit im Volkskrieg, der auch
den Volkskriegen in Indien und Peru entwickelt wird.
Es wurden aber in den Städten auch
unabhängig von Massenprotesten bewaffnete Aktionen durchgeführt, die
unter anderem auch auf die Vernichtung der lebendigen Kräfte der
deutschen und italienischen Faschisten zielten.
„Der Schlag der Gruppen der
Patriotischen Aktion erfolgte nicht weniger prompt. Eine deutsche
Artillerieabteilung wurde im Zentrum der Stadt selbst (in der Straße des
20. September) angegriffen, und zwei berittene Offiziere wurden durch
Bomben getötet; vor dem Hafen wurden die deutschen Patrouillen
angegriffen, die Tote und Verwundete hatten. Zwei Schwarzhemden wurden
in Sestri gerichtet, und als Vergeltung für die Tötung eines Arbeiters
wurde eine Bombe in die Kaserne der Stadtmiliz geworfen.
Aber nicht nur das Eingreifen der
Gruppen der Patriotischen Aktion verlieh dem Kampf offensiven Charakter.
In den Proletariervierteln griffen Arbeitertrupps ein, die in einigen
Fällen Gruppen von unorganisierten Arbeitern zur offensiven Aktion
mitrissen. An mehreren Stellen wurden die Straßenbahnanlagen beschädigt,
verschiedene Straßenbahnwagen wurden durch Bombenwürfe beschädigt,
andere zum Halten gezwungen und unbrauchbar gemacht; in zwei Fällen
handelte es ich um Wagen, die von Polizeibeamten bewacht waren. Die
Arbeitertrupps entwaffneten die Polizisten und sperrten sie in den
Hausfluren ein.“[53]
„Am Abend des 23. Dezember
veranstalteten die Faschisten mit den Deutschen ein Bankett: sie hatten
ihr Brot. Aber sie bekamen auch Blei: eine Bombe beendete das Bankett
mit 7 Toten und 15 Verwundeten.“[54]
„Gleichzeitig organisierte die
Partei in den verschiedenen Städten Italiens die Gruppen der
patriotischen Aktion, die Sturmsoldaten des nationalen
Befreiungskrieges. Diese Gruppen, die sich aus den besten Genossen und
Sympathisierenden, aus den Kühnsten, aus den Ergebensten, aus denjenigen
zusammensetzten, die bereit waren, alles für die Zukunft des
Vaterlandes zu geben, begannen sofort mit der Jagd auf die Deutschen und
die faschistischen Verräter. Bereits am 26. September des vergangenen
Jahres wurde auf der Strecke Florenz-Bologna ein deutscher Militärzug
zum Entgleisen gebracht, am 27. steckten die GAP von Arezzo einen mit
Benzin beladenen Zug in Brand, am 29. sprengten sie in Mailand eine
Flakbatterie und ein Munitionsdepot der Deutschen in die Luft, dann
wurden am 15. Oktober deutsche Soldaten auf den Straßen Livornos
angegriffen, am 20. Oktober wurde eine faschistische Kaserne in
Sampierdarena angegriffen, und so folgte während des ganzen laufenden
Jahres ein Schlag auf den anderen. In Mailand, Turin, Genua, Bologna,
Florenz, Padua und Triest wurden deutsche Kommandos am Tage angegriffen,
Polizeipräsidenten erschossen, deutsche Offiziere liquidiert, Verräter
gerichtet und Genossen, wie unser teurer Giovanni Roveda, aus den
Kerkern befreit.“[55]
Doch die Kommunistische Partei Italiens
schlug nicht nur immer wieder die Faschisten nieder, sondern versuchte
auch – selbst wenn sie es nicht explizit so nannte – dort wo die
Faschisten geschlagen wurden eigene Macht aufzubauen. Macht auf Basis
von Strukturen, die keine prinzipienlosen Bündnisse verschiedener
Parteien sind, sondern auf den breitesten Massen basieren und unter
Führung der Kommunistischen Partei stehen.
„Diese Organe sind die Nationalen
Befreiungskomitees, Bauernkomitees, Dorfkomitees, Partisanen- und
patriotische Formationen usw. Wir haben gezeigt, daß diese Organe die
Nationalen Befreiungskomitees sind, aber zweifellos nicht die
gegenwärtig bestehenden, die in den meisten Fällen bloße Komitees der
Parteikoalition sind, sondern Massenkomitees, die die Massen direkt in
den Betrieben, in den Bezirken, in den Dörfern und in den Städten
organisieren, ihre Bestrebungen und ihren Willen direkt und unmittelbar
zum Ausdruck bringen und deshalb nicht Instrumente einer Regierung sind,
die ihren willen von oben durchsetzt, sondern Organe der Regierung des
Volkes, die Organisation der breitesten und direkte Demokratie. In
diesen Nationalen Befreiungskomitees werden die verschiedenen Parteien
und die verschiedenen Antifaschistischen Strömungen zusammen mit den
parteilosen Massen vertreten sein und in dem gleichen Geist der Einheit
und des Kampfes handeln, in dem sie bereits jetzt handeln.“[56]
„Während dieser ganzen Aktion wird
der Kampf von den Kampfkomitees, dem Gewerkschaftskomitee und der
kommunistischen Bezirksleitung überwacht, organisiert und geleitet. […]
Die Erfahrungen der Streikwoche haben gezeigt, daß die Massen wollen und
zu kämpfen verstehen und das sie im Bewußtsein ihrer Kraft erneut
bereit sind, in den Kampf zu gehen, sobald das Gewerkschaftskomitee, die
Kommunistische Partei und das Befreiungskomitee es beschließen werden“[57]
Aber nicht nur in Norditalien wurde der
bewaffnete Kampf in den Städten geführt, auch in Rom wurden durch die
bewaffneten Formationen der Kommunistischen Partei bewaffnete Aktionen
entfaltet.[58]
Auf diese Erfahrungen konnten in der
jüngeren Geschichte Italiens auch die Roten Brigaden zurück greifen. Die
Erfahrungen der Roten Brigaden sind reich an Lehren, die wir zu
studieren und uns anzueignen haben. Eine Sache, die wir in Zukunft
weiter entwickeln müssen. Es umfasst Kämpfe wie zum Beispiel in Mailand
in den frühen 1980er Jahren. Im Alfa Romeo Werk war neben anderen auch
eine Abteilung der Roten Brigaden („Kolonne Walter Alasia“) aktiv. Diese
konnte sich innerhalb des Betriebs relativ frei bewegen und genoss
offenbar die Unterstützung vieler Arbeiter, so überstand die
Organisation auch die große Repressionswelle 1979/80. Die Struktur
setzte sich zu 80% aus jungen Fabrikarbeitern zusammen und lebte
mehrheitlich legal. Im März 1981 beginnt ein Arbeitskampf in den die
Brigate Rosse (kurz BR) eingreifen:
„Im Juni 1981 entführten die BR den
Generaldirektor für Arbeitsorganisation des Konzerns, Sandrucci.
Gleichzeitig halten die BR drei andere Geiseln. … Es handelt sich um
einen oberen Kader des Petrochemiewerks von Proto Marghera, um einen
wichtigen Mann der DC [Christdemokratische Partei; Anmerkung der
Autoren] in Neapel und um den Bruder des Verräters Peci.“[59]
Zu den Ergebnissen dieser Aktion: „Sehr
verbreitet war aber auch die Ansicht, daß sich die Kolonne Walter
Alasia mit dieser Aktion als Gegenkraft zur Gewerkschaft qualifiziert
habe. Man sprach von einer bewaffneten Gewerkschaftsbewegung … Bestätigt
wurde diese Einstellung durch das Ergebnis der Entführung: im September
wurde die Cassa Integrati [eine Form der Kurzarbeit; Anm. d. Aut.]
wieder voll eingestellt.“[60]
Aber das Proletariat in Deutschland muss
nicht nur auf andere Länder schauen für Erfahrungen des bewaffneten
Kampfes. Es hat auch viele eigene Erfahrungen gesammelt. So zum Beispiel
die Rote Ruhr Armee und den Hamburger Aufstand von 1923.[61]
Organisationen wie die RAF, hatten zwar (zumindest zeitweilig) die Sympathien eines nicht unerheblichen Teils der Massen, aber sie konnten vernichtet werden, weil
sie die Massen nicht organisierten. Es stellt sich also die Frage, wie
die Massen gewinnen, wie die Massen organisieren? Dies führt uns zum
Problem der „drei Mit“. Das heißt, dass die Kommunisten mit den tiefsten
und breitesten Massen leben, arbeiten und kämpfen müssen. Jeder
Kommunist muss an seinem Wohnort die Möglichkeit haben, sich mit den
Massen zu verbinden, an ihren Kämpfen teilzuhaben und besonders ihren
Kämpfen Orientierung zu geben, die Richtung zu weisen. Überall müssen
sie die Initiative der Massen fördern. Die „drei Mit“ zu verwirklichen,
heißt den Grundsatz das ganze Leben der Revolution zu widmen, wirklich
anzuwenden. Wer wirklich die „drei Mit“ umsetzt, der weiß, dass die
tiefsten und breitesten Massen viel eher die alleinerziehenden Mütter am
Stadtrand sind, als die Jungmänner mit Pitbull im Kiez. Wer wirklich
die „drei Mit“ umsetzt, der weiß, dass der Aufbau einer proletarisch
feministischen Massenorganisation viel wichtiger ist, als ein Rapvideo
mit maskulinen Posen. Wer wirklich die „drei Mit“ umsetzt, baut keine
Jugendbande auf, sondern die Partei, die Armee und die Front. Für die
Massen müssen die Kommunisten normal sein. Für die Massen muss es normal
sein, die rote Fahne wehen und Hammer und Sichel prangen zu sehen. In
dieser Normalisierung besteht der strategische Aspekt kommunistischer
Propaganda. Denn wenn die Massen kämpfen, dann kämpfen die Kommunisten
mit ihnen – mit roter Fahne und Hammer und Sichel und es ist normal. Das
geht nur, wenn die „drei Mit“ verwirklicht sind. Die „drei Mit“
verwirklichen heißt auch seine kleinbürgerlichen Genossen zu
proletarisieren. Nicht als kurzweiliger Abenteuerurlaub, nicht als
Praktikum für die Kaderakte, sondern als Lebensweg, den man einschlägt.
Das heißt, das Leben der tiefsten und breitesten Massen zu leben, mit
all ihren Problemen und Nöten. Das heißt, dass am Ende des Monats das
Geld nicht reicht, die Arbeit krank macht, der Arzt sich nicht darum
kümmert, und die Kinder auf einer schlechten Schule sind. Das heißt,
sein Leben der Revolution zu widmen. Nicht weniger heißt es, dass die
Genossen in der Praxis den richtigen Klassenstandpunkt einnehmen. Das
ist für die Revolution unentbehrlich, damit gewährleistet ist, dass die
Avantgarde wirklich zu allem bereit ist, und jede Wahrheit des
Marxismus-Leninismus-Maoismus wirklich annehmen kann – so bitter sie für
das bürgerliche Ego auch sein mag. Und die fundamentale Wahrheit für
die Praxis der proletarischen Revolution ist folgende:
„In Synthese, die ganze
Massenarbeit der Partei in der Rekonstitution war für die Vorbereitung
der Einleitung des Volkskrieges, weil wie Vorsitzender Mao uns lehrt,
vor der Einleitung des Krieges ist alles da um ihn vorzubereiten und ist
er eingeleitet ist alles da um ihn zu entwickeln. Der Vorsitzende
Gonzalo hat mit Festigkeit dieses Prinzip angewendet und entwickelt.“[62]
Zur Frage der Prinzipien der Kommunisten in der Kriegsführung sagte der Vorsitzende Gonzalo:
„Jede Klasse hat immer seine
eigene Form der Kriegsführung und seine eigene Strategie hervor
gebracht. Und immer hat die überlegene Strategie die unterlegene
Strategie besiegt, und die neue Klasse hat immer die überlegene
Strategie, und genau das ist Volkskrieg. Es gibt Beweise, die das
belegen. Es gibt militärische Analysten die es so ausdrücken:
Kommunisten, die ihre Prinzipien anwendeten, haben niemals einen Krieg
verloren, sie haben nur Kriege verloren wenn sie nicht ihre Prinzipien
anwendeten.“[63]
Besonders hervorzuheben sind jedoch die
Erfahrungen in Peru. Dort zeigt sich zum einen die Möglichkeit, zum
anderen widerlegt die KPP dort den Irrglauben, dass der Volkskrieg ein
Krieg sei, der ausschließlich die Städte vom Land aus einkreise.
Der Aufbau der Neuen Macht
Damit haben wir die Frage des Kriegs der Massen zumindest soweit behandelt, als das wir zum nächsten Punkt, der Frage der Neuen Macht bzw.
der Stützpunktgebiete übergehen können. Neue Macht ist im Sinne
staatlicher Macht, d.h. eines neuen Staates, zu verstehen. Im Falle der
BRD heißt das, die Errichtung der Diktatur des Proletariats. Dabei ist
es vorrangig, zu zeigen, dass der Aufbau der Neuen Macht in den Städten
der imperialistischen Länder tatsächlich möglich ist. Wir bedienen uns
erneut der verschiedenen Erfahrungen, welche in der Weltrevolution
bislang gemacht wurden. Einige Erfahrungen wurden auch ohne die Führung
des Proletariats gemacht, wie z. B. in Nordirland. Marx sagt über die
Diktatur des Proletariats, sie „sollte nicht eine parlamentarische, sondern eine arbeitende Körperschaft sein, vollziehend und gesetzgebend zur gleichen Zeit.“[64] Die
Volkskomitees in Peru sind zwar ein Regierungssystem des
neudemokratischen Staats in Entwicklung, also der gemeinsamen Diktatur
der revolutionären Klassen des Volkes in den unterdrückten Nationen,
aber können auch auf den sozialistischen Staat, also die Diktatur des
Proletariats, angewendet werden. Das Staatssystem bestimmt sich nach der
Frage, welche Klasse herrscht? Es ist der Inhalt der Politik. Das
Regierungssystem bestimmt sich an der Frage, wie die Klasse herrscht? Es
ist die Form der Politik.
„Er etabliert, dass die
Volkskomitees Materialisierungen des neuen Staates sind, sie sind
Komitees der Einheitsfront; geführt von Kommissaren, die ihre
Staatsfunktionen als Aufgabe übernehmen, gewählt von den
Repräsentantenversammlungen und der Entlassung [Kritik und Selbstkritik
voraussetzend, Anm. d. Aut.] unterworfen. Sie sind, bis jetzt,
klandestin, sie marschieren mit Kommissionen, geführt von der Partei,
die Regel der „drei Drittel“ anwendend: ein Drittel von ihnen sind
Kommunisten, ein Drittel sind Bauern und ein Drittel sind
Fortschrittliche und sind gestützt von der Armee. Sie wenden die
Diktatur des Volkes, Zwang und Sicherheit an, üben fest und entschlossen
revolutionäre Gewalt aus, zur Verteidigung der Neuen Macht gegen ihre
Feinde und zum Schutz der Rechte des Volkes.“[65]
Zur Frage, wie die Neue Macht sich
konkretisiert oder in einer Form konkretisieren kann, betrachten wir die
Erfahrungen aus Peru:
„Diese Komitees bestehen aus fünf
Mitgliedern, die Kommissare genannt werden, denn sie sind von den Massen
bemächtigt und unterworfen jederzeit abberufen zu werden. Sie werden
von Repräsentativen Versammlungen ausgewählt, welche wiederum, wenn
möglich, durch Volksversammlungen von allen Massen eines bestimmten
Dorfes gewählt werden. Sie werden von der Partei geführt und bestehen
aus Kommunisten, gewöhnlichen Bauern und anderen lokalen
fortschrittlichen Kräften. Ihre Tätigkeit ist es damit zu beginnen eine
neue Politik, neue Ökonomie und neue Kultur auf dem Land zu schaffen,
als Teil der Vorbereitung dazu in der Lage zu sein dies im ganzen Land
zu tun. Der Sekretär unter den fünf Kommissaren repräsentiert die Partei
und das Proletariat (welches auf dem Land hauptsächlich durch die
Partei vorhanden ist). Der Kommissar für Sicherheit, ebenso ein
KPP-Mitglied, ist verantwortlich für die Verteidigung dieser neuen
politischen Macht, durch die lokale Bevölkerung im Ganzen, organisiert
als Milizen, zusammen mit den lokalen Guerillakräften und den
Hauptkräften der Volksguerillaarmee. Dies bedeutet auch die Vorbereitung
des organisierten Rückzugs der Dorfbewohner aus dem Gebiet, falls das
notwendig wird. Der Sicherheitskommissar ist auch verantwortlich für
Polizeifunktionen, Maßnahmen gegen Konterrevolutionäre zu treffen, die
die neue politische Macht angreifen, oder gewöhnliche Kriminelle, die
den Massen schaden zufügen. Raub, Drogen, dauernde Trunkenheit,
Prostitution, Glücksspiel,Verprügeln von Ehefrauen und Kindern,
Vergewaltigung und andere Geißeln, die lange unter dem Schutz der alten
bestehenden Herrschaft gediehen, werden nun unterdrückt. Der Kommissar
für die Produktion und Ökonomie leitet die Entwicklung einer neuen
Ökonomie, basierend auf einer neuen Art von Beziehungen zwischen den
Menschen.“[66]
„Der Kommissar für öffentliche
Angelegenheiten ist verantwortlich für die Handhabung des Rechts. Das
bedeutet die Organisation von Volksgerichten: ein Ankläger präsentiert
den Fall des Volkskomitees, der Beschuldigte hat das Recht sich selbst
zu verteidigen und Beweise zu präsentieren, während die Massen des
Volkes zuhören und entscheiden. Ein weiteres Beispiel ist die Schaffung
eines Schadenskomitees […]. Dieser Kommissar hat auch den Vorsitz über
Hochzeiten. Die beiden Menschen die sich wünschen zu heiraten müssen
zwei Zeugen bringen, um zu bezeugen, dass keiner der beiden mit jemand
anderem verheiratet ist – das ist die einzige Voraussetzung. Öffentliche
Angelegenheiten beinhaltenauch die Registrierung von Geburten, die
Ausstattung der Volksapotheke (mit Medikamenten die vom Feind
konfisziert wurden und mit pflanzlicher Medizin) und
Gesundheitsuntersuchungen von frisch Verheirateten und anderen. Die
Bildung wird geleitet von der kommunistischen Anschauung und verbunden
mit Arbeit. […] Der Kommissar organisiert auch die Rekreation,
einschließlich Sport und Kultur[…]. Es gibt auch einen Kommissar, der
dafür verantwortlich ist Treffen der von der Partei geführten
Massenorganisationen zusammenzurufen und zu planen.“[67]
Gebiete der Neuen Macht bzw.
Stützpunktgebiete ist nicht gleichbedeutend mit einem „befreiten
Gebiet“, in der Frage, dass die Reaktion nicht mehr in der Lage ist in
diese Gebiete reinzukommen. Das ist die Frage der Fluidität des
Volkskrieges, es geht nicht darum, Gebiete zu erobern und zu halten,
sondern darum, Formen der Neuen Macht zu etablieren, also das Leben der
Menschen zu regeln. In der BRD ist davon auszugehen, dass sich diese
Arbeit vor allem in den proletarischen Vierteln der Städte konzentrieren
muss. Hat man in so einem Viertel die Arbeit so weit entwickelt, dass
man anfängt das Leben im Viertel zu regeln und das Leben der Massen so
gut wie möglich zu gestalten, heißt das aber noch lange nicht, dass der
alte Staat zerschlagen wurde. Hier ist es notwendig die Massen zu
mobilisieren und eine Bewegung zu schaffen. Sonst besteht die Gefahr
sich als Komplement zum alten Staat zu entwickeln und Sozialarbeit zu
entwickeln.
Im antifaschistischen Kampf in Italien
im 2. Weltkrieg wurden hier auch wertvolle Erfahrungen gesammelt, so
organisierte die Kommunistische Partei neben den Betriebszellen auch
Straßenzellen in den Städten[68] und es wurden Gruppen gebildet um leere Häuser an Bombengeschädigte zu verteilen[69] und um Brennholz zu beschaffen und zu verteilen.
„Von den Kampfkomitees organisiert,
gingen Arbeitergruppen von Breda, Falk und anderen Betriebe daran, die
Bäume der Alleen zu fällen, und sie verteilten das gefällte Holz
systematisch an die Bevölkerung, die die Operation unterstützte und sich
aktiv an ihr beteiligte. SAP- und GAP Gruppen wachten, um die
Arbeitergruppen gegen das Eingreifen der deutschen und faschistischen
Schergen zu verteidigen.
Die Kampfkomitees und die
Befreiungskomitees ergriffen nicht nur beim Holzfällen die Initiative,
sondern sie versuchten auch, die Lebensmittelfrage direkt zu lösen. Die
Losung lautete „die Lebensmittel, das Holz und die Kohle dort holen, wo
sie sich befinden“, nämlich in den deutschen und faschistischen Lagern,
und den „den direkten Austausch zwischen Stadt und Land organisieren“.
Durch diese praktischen Maßnahmen entwickelten sich die örtlichen
Befreiungskomitees und setzten sich als Einheitsorgane des Kampfes und
der Volksmacht durch.“[70]
Und das alles inmitten der
faschistischen Besatzung. Die Möglichkeiten für die Schaffung der Neuen
Macht sind also auch in den Städten gegeben. Neben diesen gewaltigen
Erfolgen gibt es aber auch sehr mahnende negative Erfahrungen und Mängel
aus Italien in der gleichen Periode. So heißt es unter anderem: „…
wir können nicht verlangen, daß überall nur wir und immer wir die ersten
sind. … Es ist besser ein Zugeständnis zu machen, um zur Vereinigung zu
gelangen …“
Und weiter wird explizit kritisiert: „In
vielen Partisaneneinheiten, in vielen befreiten Ortschaften ist der
Gruß mit der geballten Faust üblich, gibt es Hammer und Sichel und eine
ganze Reihe kommunistischer Symbole an Stelle der Symbole der CLN
[Nationale Befreiungskomitees; Anm. d. Aut.].“
Und das obwohl in den Streiks von Mailand analysiert wurde: „Es
genügt, „die Partei“ zu sagen, denn es ist klar, daß nur eine Partei
wirklich auf dem Plan ist: die Kommunistisch Partei, die Partei der
Werktätigen.“[71]
Hier zeigt sich die Gefahr im Kampf
alles der Front unterzuordnen und am Ende nicht die Diktatur des
Proletariats aufzubauen. So wurde durch den Kampf der zu einem großen
Teil durch die Kommunistische Partei geführt wurde und vielen guten
Genossen das Leben kostete eine bürgerliche Republik erreichtet und kein Staat der Diktatur des Proletariats.
Auch die Arbeit von verschiedenen
Organisationen in der Türkei, beispielsweise in einigen Vierteln
Istanbuls, heute, beweist die Möglichkeit des Aufbaus der Neuen Macht in
den Städten.
Die größten Erfahrungen über den Aufbau
der Neuen Macht in großen Städten kommen von der Kommunistischen Partei
Perus. In Lima, wo fast ein Drittel der Bevölkerung des Landes leben,
hatte sie ursprünglich vorgesehen keine Neue Macht aufzubauen, sondern
bloß Widerstandszentren mithilfe der Revolutionären
Verteidigungsbewegung des Volkes (MRDP), in denen die Partei agiert.
Doch diese Arbeit entwickelte sich so gut, dass die Partei in der Lage
war auch hier neue Macht aufzubauen. Diese Erfahrungen fasst die KPP
folgendermaßen zusammen:
„Vor etwa drei Jahren
diskutierten wir auf dem Treffen von Limas MRDP die Namen der
Organisationsformen, die die neuen Formen des Kampfes leiten werden, die
den Kampf der Arbeiter mit dem Kampf in den Armenvierteln verbinden:
Volkskomitees, Volkskampfkomitees oder einfach Kampfkomitee. Wir haben
gesehen, dass Volkskomitee unpassend war, da es mit dem Volkskomitee,
das wir aufgrund des Charakters der demokratischen Revolution nur auf
dem Land bilden verwechselt werden könnte. Später diskutierten wir, wie
wir Formen der Macht in der Stadt finden werden, weil wenn wir die Macht
im ganzen Land erobern werden, müssen wir die Städte organisieren, um
sie aus dem Untergrund zu kontrollieren und alles leiten bis die Zeit
für den finalen Aufstand kommt. Wir schlussfolgerten, dass ein
Kampfkomitee passend war. Wie auch immer, dies geschieht um den alten
Staat zu untergraben und die Massen einer organisierten Richtung folgen
zu lassen. Es ist die Keimzelle, die die Ausübung der Macht ermöglicht.
Die Angelegenheit dient der Erstellung von Mitteln der vereinten Aktion
unter der Führung der Partei oder gemeinsamen Aktionen organisch vereint
mit der Ausübung von Autorität. Wir können es daher als eine andere
Form der Volksmacht verstehen, zusammen mit den fünf Formen, als noch
eine Form der Macht, aber in der Stadt, das Kampfkomitee wäre eine
sechste Form der Macht und die Keimform in der Stadt. Es würde 3
Meilensteine haben. Das Treffen 1988 des MRDP ist dazu da die Zweite
Sitzung des Kongresses anzuwenden: Kampfkomitee um die Arbeiter und
Massen in den Vierteln und Armenvierteln zu koordinieren, Funktionen
ausüben; Vorbereitungssitzung des zweiten Plenums des Zentralkomitees
Oktober-November 1990: Kampfkomitee, um Einheit, Organisierung und
Autorität herzustellen; und heute 1991 das Kampfkomitee, die sechste
Form und erste Keimzelle in der Stadt. Warum ist das heute so? Wegen der
Entwicklung der materiellen Realität. Das sind die Fakten, die
Tatsachen selbst, die Entwicklung unserer Massenarbeit im und für den
Volkskrieg hat es so generiert. Die Frage ist es die Prinzipien anzuwenden und nicht den Kurs
zu verlieren. Ideen kommen aus der Praxis. Wir würden nicht so viel
erreicht haben, wenn wir 1988 über Hirngespinste diskutiert hätten, noch
würden wir es erreicht haben, wie wir es heute haben. Zu der Zeit war
es korrekt es zu diskutieren und das ist wie wir den allgemeinen Weg
entworfen haben. Jetzt ist der Moment gekommen und die Realität zeigt
uns wie wir es aufbauen müssen. Es ist die sechste und die erste Form
der Macht in der Stadt, eine Form der Keimzellen der Neuen Macht in den
Städten zu organisieren. Besteht darauf, dass es nicht die Form der
Macht ist, die wir auf dem Land aufgebaut haben. Beachtet ihren
Entwicklungsprozess:
ERSTES KAMPFKOMITEE: UM ARBEITER UND ARMENVIERTELMASSEN ZU KOORDINIEREN.
ZWEITES KAMPFKOMITEE: EINHEIT-ORGANISATION-AUTORITÄT
DRITTES KAMPFKOMITEE: SECHSTE
FORM UND ERSTE KEIMZELLENFORM IN DER STADT. ES IST NICHT DIE NEUE MACHT
WIE AUF DEM LAND. UM ZU VERHINDERN UND DEM ENTGEGENZUSTELLEN, DASS ES IN
DER GLEICHEN ART WIE AUF DEM LAND AUSGEÜBT WIRD. UM ES ALS
KEIMZELLENFORM, EINE NEUE UND SECHSTE FORM, DIE IN DER STADT ENTSTEHT,
VERBUNDEN MIT DER VORBEREITUNG DES AUFSTANDES UND IM DIENST DER
EROBERUNG DER MACHT IM GANZEN LAND, ZU BETRACHTEN. EINE ERRUNGENSCHAFT
DES AUFBAUS DER MACHTEROBERUNG IN DER STADT, ES IST KEIN GEGENSTÜCK ZU
DER AKTION DES ALTEN STAATES. GANZ IM GEGENTEIL, ES ZIELT DARAUF IHN ZU
NEGIEREN, ZU UNTERGRABEN UND IHN IN PERSPEKTIVE ZU ZERSTÖREN, UM DIE DIE
NEUE MACHT ZU FORMIEREN.“[72]
Das erste Kampfkomitee koordiniert also
die Massen in den Vierteln. Das zweite Kampfkomitee organisiert
einheitliche Aktionen der verschiedenen Massenorganisationen in einem
Viertel, beginnt damit, das Leben der Massen in den Vierteln zu
organisieren und beginnt damit Autorität auszuüben, also Staatsmacht
aufzubauen. Das dritte Kampfkomitee ist dann die erste Form der
ausgeübten Neuen Macht in den Städten, deren Ziel es ist, den alten
Staat und seine Herrschaft zu beseitigen. So wird vom Kleinen zum Großen
aufgebaut und die Neue Macht aus dem Untergrund ausgeübt. Diese Arbeit
entwickelte sich in manchen Vierteln von Lima sogar so gut, dass die
Partei offen die Kontrolle ausübte, doch sie kam später zu dem Schluss,
dass dies etwas zu weit gegangen war.[73]
Das ist ein ganz anderes Verständnis, eine ganz andere Praxis, als beispielsweise in Nepal:
„Die CPN(M) [Kommunistische Partei
Nepals (Maoistisch); Anm. d. Aut.] entsandte ein hochrangiges
Verhandlungsteam … Es wurde sogar bereits ein Büro in Kathmandu
eröffnet, Pressekonferenzen abgehalten, Gespräche mit den anderen
Parteien und AkteurInnen der Zivilgesellschaft geführt sowie
Massenkundgebungen organisiert. … Nach eigenem Ermessen kontrollierten
die Maobadi bereits 80% des Landes. Ziel war es, die Städte einzukreisen
und gleichzeitig in den Städten durch Aufbau einer Einheitsfront gegen
den König, einen Aufstand zu organisieren.“[74]
Volkskrieg auf dem Land und
hauptsächlich legale demokratische Arbeit in der Stadt, mit dem Ziel den
König durch eine bürgerliche Republik zu ersetzen – das ist die Basis
der temporären Niederlage des Volkskrieges in Nepal.
Nicht nur theoretisch, sondern auch
praktisch wurden die vier genannten Punkte in der Geschichte der
internationalen kommunistischen Bewegung angewandt. Nicht nur
theoretisch, sondern auch in der Praxis der Weltrevolution ist dies in
den imperialistischen Ländern anwendbar.
Die Prinzipien des Volkskriegs
Abschließend sollen die zehn Militärprinzipien des Vorsitzenden Mao Tse-Tung, die es anzuwenden gilt, zitiert werden:
„1. Erst den zersplitterten und isolierten Feind, dann den konzentrierten und starken Feind
angreifen.
- Erst kleine Städte, mittelgroße Städte und ausgedehnte ländliche Gebiete, dann die Großstädte einnehmen.
- Das Hauptziel ist, die lebende Kraft des Feindes zu vernichten, nicht Städte und Gebiete zu halten oder einzunehmen. Die Behauptung oder Einnahme von Städten und Gebieten ist das Ergebnis der Vernichtung der lebenden Kraft des Feindes, und häufig kann eine Stadt oder ein Gebiet erst endgültig gehalten oder eingenommen werden, nachdem sie mehrere Male den Besitzer gewechselt hat.
- Für jede Kampfhandlung muß eine absolut überlegene Truppenstärke zusammengezogen werden (das Zwei-, Drei oder Vierfache, manchmal sogar das Fünf oder Sechsfache der feindlichen Stärke), die feindlichen Kräfte müssen lückenlos umzingelt werden, man muß sich bemühen, sie völlig zu vernichten und niemand aus dem Netz entschlüpfen zu lassen. Unter besonderen Umständen wird die Methode angewandt, den Feind vernichtend zu schlagen, das heißt, wir führen unter Konzentration aller unserer Kräfte einen Frontalangriff und gleichzeitig auch einen Angriff auf eine oder beide
Flanken, mit dem Ziel, den einen
Teil seiner Streitkräfte zu vernichten und den anderen in die Flucht zu
schlagen, so daß unsere Armee ihre Verbände rasch zur Zerschlagung
anderer gegnerischer Kräfte einsetzen kann. Wir müssen auf alle Fälle
Ermattungsgefechte vermeiden, bei denen wir mehr verlieren als gewinnen
oder sich Gewinn und Verlust gerade die Waage halten. Auf diese Weise
sind wir wohl im ganzen gesehen (zahlenmäßig) unterlegen, aber bei jeder
Teilaktion, in jeder konkreten Schlacht sind wir absolut überlegen,
womit uns der Sieg in der Schlacht sicher ist. Mit der Zeit werden wir
auch im ganzen gesehen die Oberhand gewinnen und schließlich den Feind gänzlich vernichten.
- Keine Schlacht darf ohne Vorbereitung geschlagen werden, und man darf sich auf keine Schlacht einlassen, ohne daß der Erfolg verbürgt ist; wir müssen alle Anstrengungen unternehmen, Vorbereitungen für jede Schlacht zu treffen und uns den Sieg bei dem gegebenen Verhältnis zwischen unseren Bedingungen und denen des Feindes zu sichern.
- Wir müssen unseren Kampfstil voll entfalten, d.h. mutig kämpfen, keine Opfer scheuen, keine Erschöpfung fürchten und unablässig Kämpfe führen (in einem kurzen Zeitraum ohne Ruhepause ein Gefecht nach dem anderen austragen).
- Alle Anstrengungen sind zu unternehmen, um den Feind, während er sich noch auf dem Marsch befindet, zu vernichten. Zugleich muß auch der Taktik der Angriffe auf befestigte Stellungen Aufmerksamkeit gewidmet, müssen feindliche Stützpunkte und Städte erobert werden.
- Was die Angriffe auf Städte betrifft, sind alle nur schwach verteidigten Stützpunkte und Städte dem Feind entschlossen zu entreißen. Stützpunkte und Städte, die vom Feind nur mit Kräften mittlerer Stärke verteidigt werden und deren Einnahme die Bedingungen erlauben, sind im gegebenen Augenblick zu erobern. Bei allen vom Feind stark verteidigten Stützpunkten und Städten soll man warten, bis die Bedingungen herangereift sind, und sie dann erobern.
- Alle Waffen, die wir dem Feind entreißen, und ein Großteil der Soldaten, die wir gefangennehmen, dienen der Ergänzung unserer eigenen Bestände. Die wichtigste Quelle von Menschen und Kriegsmaterial für unsere Armee ist die Front.
- Die Zeitspanne zwischen zwei Schlachten muß gut genutzt werden, um die Truppen ausruhen zu lassen, sie auszubilden und zu konsolidieren. Die Zeit der Ruhe, der Ausbildung und Konsolidierung darf im allgemeinen nicht zu lang bemessen sein, und dem Feind soll nach Möglichkeit keine Atempause gegeben werden.“[75]
Der Volkskrieg ist langwierig.
Deutschland ist ein imperialistisches Land, dessen Wohlstand auf der
Ausbeutung des Proletariats und den Extraprofiten aus den unterdrückten
Nationen beruht. Der deutsche Imperialismus, unser Feind, ist stark. Die
Kommunisten in Deutschland sind schwach, und werden es auch nach der
Rekonstitution der Kommunistischen Partei Deutschlands erst mal bleiben.
Die Kommunistische Partei Deutschlands wird sich auf Grundlage des
Marxismus-Leninismus-Maoismus rekonstituieren, und einen Leitgedanken
für die Revolution in Deutschland hervorbringen. Der deutsche
Imperialismus bringt sich in Widerspruch zum Volk in Deutschland, und
dieser Widerspruch verschärft sich immer mehr, und wird es im Zuge der
Volkskriege in den Halbkolonien noch viel mehr tun. Die Kommunistische
Partei Deutschlands wird Ausdruck der Ideologie des Proletariats sein,
die wahr ist und deshalb allmächtig. Daraus folgt, dass der Volkskrieg
in Deutschland siegreich sein wird. Aber noch ist der deutsche
Imperialismus stark und die Kräfte der Revolution sind schwach. Daraus
folgt, dass die proletarische Revolution nicht schnell siegen kann. Also
ist der Volkskrieg langwierig, aber unbesiegbar. Der langwierige
Volkskrieg teilt sich in drei Perioden, die strategische Defensive, das
strategische Gleichgewicht und die strategische Offensive.
„Aber der objektive Fakt ist,
dass es eine große Ungleichheit zwischen den Kräften des Feindes und
unseren Kräften gibt und es eine Zeitspanne für uns benötigt, um von
schwach zu stark zu gehen, in der die Mängel des Feindes aufgedeckt und
unsere Überlegenheiten entwickelt sind. Deshalb sagen wir, dass unsere
Armee scheinbar schwach, aber im Wesen stark ist und die Armee des
Feindes scheinbar stark, aber im Wesen schwach ist. Um von schwach zu
stark zu gehen müssen wir den langwierigen Krieg vorwärtstreiben und
dies hat drei Phasen: Die erste ist die Periode der strategischen
Offensive des Feindes und unserer strategischen Defensive. Die zweite
wird die Periode der strategischen Konsolidierung des Feindes und
unserer Vorbereitung für die Gegenoffensive. Die dritte wird die Periode
unserer strategischen Gegenoffensive und der strategische Rückzug des
Feindes sein.“[76]
Das strategische Problem, dass die
Kommunisten einer gegen zehn stehen, wird durch die Taktik gelöst, dass
man sich zu zehnt gegen einen stellt. Ein Grundsatz des
Marxismus-Leninismus-Maoismus, den Li Tso Peng[77] wie folgt zusammenfasste:
„Die Methode der Konzentration einer
Übermacht zu einzelnen Zerstörung der feindlichen Kräfte verkörpert
auch die Idee den Gegner strategisch geringzuschätzen. Denn nur durch
die strategische Geringschätzung des Feindes und durch das an den Tag
legen eines revolutionären und militanten Geistes „Einen gegen Zehn zu
stellen“ können wir im Angesicht eines mächtigen Gegners einen kühlen
Kopf bewahren und nicht durch seine Grausamkeit eingeschüchtert oder
durch eine komplexe Situation verwirrt werden; nur in dieser Art und
Weise werden wir es wagen unsere Kräfte zu konzentrieren und dem Feind
Schläge zu versetzen. Andererseits werden Siege in einer Reihe von
Feldzügen und Schlachten – unter Anwendung dieser Methode – das Volk und
seine Armee weiterbilden und sie in die Lage versetzen durch ihre
eigene Erfahrung klar zu sehen, dass der Feind besiegt werden kann und
dass es gänzlich richtig ist ihn strategisch geringzuschätzen. Dies wird
zwangsläufig das Vertrauen des Volkes und seiner Armee in ihrem Kampf
gegen den Feind stärken und sie ermutigen zu kämpfen und noch größere
Siege zu erringen.“[78]
Wir hoffen, dass wir mit dieser Arbeit
einen kleinen Beitrag dafür leisten konnten, dass sich die große und
ruhmreiche Kommunistische Partei Deutschlands auf der korrekten Basis
und mit der korrekten Perspektive rekonstituieren wird.
[1]
Mao Tse-Tung, „Eine überlegene Streitmacht konzentrieren, um die
feindlichen Truppenteile einzeln zu vernichten“ in Ausgewählte Werke
Band IV, 1946
[2]
Siehe dazu den weiter unten entwickelten Passus über die wirkliche, im
Gegensatz zur eingebildeten bzw. vom imperialistischen Chauvinismus
verblendeten, Realität der chinesischen Revolution.
[3] Lenin, „Die Aufgaben des Proletariats in unserer Revolution“ in Lenin Werke Band XXIV, 1917
[4] Wir wollen an dieser Stelle kurz unsere Ansichten mit einem Zitat des Genossen Stalin in „Über die Mängel der Parteiarbeit und die Maßnahmen zur Liquidierung der trotzkistischen und sonstigen Doppelzüngler“ darstellen: „Unsere
Parteigenossen haben nicht bemerkt, daß der Trotzkismus aufgehört hat,
eine politische Strömung in der Arbeiterklasse darzustellen, daß der
Trotzkismus sich aus einer politischen Strömung in der Arbeiterklasse,
die er vor 7-8 Jahren war, in eine hemmungslose und prinzipienlose Bande
von Schädlingen, Diversanten, Spionen und Mördern verwandelt hat, die
im Auftrage von Spionageorganen ausländischer Staaten handeln.“
[5]
u..a. Kent-State-Massaker; am 4. Mai 1970 wurden bei einer
Demonstration in Ohio vier Studenten erschossen und weitere neun
teilweise schwer verletzt
[6] Mao Tse-Tung, „Gespräch mit der amerikanischen Korrespondentin Anna Louise Strong“ in Ausgewählte Werke Band IV, 1946
[7] Mao Tse-Tung, „Probleme des Krieges und der Strategie“ in Ausgewählte Werke Band II, 1938
[8] „[…]
zu den politischen Besonderheiten des Imperialismus die Reaktion auf
der ganzen Linie sowie die Verstärkung der nationalen Unterdrückung in
Verbindung mit dem Druck der Finanzoligarchie und mit der Beseitigung
der freien Konkurrenz gehören […].“, in Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“
[9] Stefan Engel (langjähriger MLPD-Monarch), „Über die Herausbildung der neuimperialistischen Länder“
[10] Siehe „Zur Haltung der Antiimperialisten zur PKK“.
[11]
Dass in der aktuellen Situation der Yankee-Imperialismus seine
„Verbündeten“ fallen und den Massakern der türkischen Armee überlässt,
ändert nichts an der Richtigkeit dieser Ausführungen.
[12]
Nicht nur wir. Vergleiche dazu das Dokument des Zentralkomitees der
TKP/ML zur Spaltung der Partei vom Oktober diesen Jahres; veröffentlicht
unter anderem auf demvolkedienen.org
[13] Marx; Engels, „Das Manifest der Kommunistischen Partei“ in MEW Band IV, 1848
[14] Ebenda
[15] Stalin, „Marxismus und nationale Frage“ in Stalin Werke Band II, 1913
[16] Lenin, „Entwurf einer Plattform zum IV. Parteitag der Sozialdemokratie Lettlands“ in Lenin Werke Band XIX, 1913
[17] Mao Tse-tung, „Über den langwierigen Krieg“ in Ausgewählte Werke Band II, 1938
[18] Marx; Engels, „Das Manifest der Kommunistischen Partei“ in MEW Band IV, 1848
[19] Lenin, „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“ in Lenin Werke Band IX, 1905
[20] Lenin, „Was tun?“ in Lenin Werke Band V, 1902
[21] Mao Tse-Tung, „Strategische Probleme des revolutionären Krieges in China“ in Ausgewählte Werke Band I, 1939
[22] Marx: „Das Kapital“, Band I, 1867
[23]
Engels: „Bedingungen und Aussichten eines Krieges der Heiligen Allianz
gegen ein revolutionäres Frankreich im Jahre 1852“ in MEW Band VII, 1951
[24] zitiert nach „Let us retake Mariategui and reconstitute his party“ Kommunistische Partei Perus, unsere Übersetzung
[25] Mao Tse-Tung, „Strategische Probleme des revolutionären Krieges in China“ in Ausgewählte Werke Band I, 1939
[26] Mao Tse Tung, „Über den Widerspruch“ in Ausgewählte Werke Band I, 1937
[27] Mao Tse Tung, „Probleme des Krieges und der Strategie“ in Ausgewählte Werke Band II, 1938
[28] Ebenda
[29] Ebenda
[30]
Marx: „Rede auf der Feier zum siebenten Jahrestag der Internationalen
Arbeiterassoziation am 25. September 1871 in London“ in MEW Band XXVI,
1871
[31] Engels, Einleitung zu Marx` „Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“
[32] Ebenda
[33] Lenin, „Die Aufgaben der Abteilungen der revolutionären Armee“ in Lenin Werke Band XIX, 1905
[34] Lenin, „Über die proletarische Miliz“, Brief Nr.3 vom März 1917 in „Briefe aus der Ferne“; Lenin Werke Band XXIII, 1917
[35] Kommunistische Partei Perus, „Über Marxismus-Leninismus- Maoismus“, 1988
[36] Kommunistische Partei Perus, „Militärlinie“, 1988
[37] F. Engels: „Die
Ironie der Weltgeschichte stellt alles auf den Kopf. Wir, die
„Revolutionäre“, die „Umstürzler“, wir gedeihen weit besser bei den
gesetzlichen Mitteln als bei den ungesetzlichen und dem Umsturz. Die
Ordnungsparteien, wie sie sich nennen, gehen zugrunde an dem von ihnen
selbst geschaffenen gesetzlichen Zustand. Sie rufen verzweifelt mit
Odilon Barrot: la légalité nous tue, die Gesetzlichkeit ist unser Tod,
während wir bei dieser Gesetzlichkeit pralle Muskeln und rote Backen
bekommen und aussehen wie das ewige Leben.“, Einleitung zu Marx` „Klassenkämpfe in Frankreich 1848 bis 1850“
[38] Kommunistische Partei Perus, „Aufbaulinie der drei Instrumente der Revolution“, 1988
[39]
Im Volkskrieg gibt es drei Möglichkeiten an Waffen zu kommen: 1.)
Waffen vom Feind erbeuten, 2.) Waffen selber herstellen, 3.) Waffen
kaufen. Dabei ist die hauptsächliche Methode die erste. Der Vorsitzende
Mao sagte über Tschiang Kai-schek, dass er eine Medaille verdient hätte,
weil er als guter Waffenlieferant gedient hat.
[40]
Und dabei hatte die IRA größtenteils nur in der katholischen
Bevölkerung Rückhalt und wurde nur teilweise von protestantischen
Kräften unterstützt.
[41] Heinz Kühnrich, „Der Partisanenkrieg in Europa 1939-1945“, S. 142
[42] faz.net „Rechtlose Zonen in Paris“, 11.10.2016
[43] Heinz Kühnrich, „Der Partisanenkrieg in Europa 1939-1945“, S. 142
[44] Heinz Kühnrich, „Der Partisanenkrieg in Europa 1939-1945“, S. 209 f.
[45] Heinz Kühnrich, „Der Partisanenkrieg in Europa 1939-1945“, S. 330
[46] Gruppen der Patriotischen Aktion
[47] Aktionsgruppen der Patriotischen Aktion.
[48]
Luigi Longo, „Generalstreik im ganzen besetzten Italien“, in „Der Kampf
des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“
[49] Ebenda
[50] Ebenda
[51] Ebenda
[52]
Luigi Longo, „Generalstreik im ganzen besetzten Italien“, in „Der Kampf
des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“
[53]
Pietro Secchia, „Die großen Streiks von Genua und Savona“, in „Der
Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“
[54] Ebenda
[55]
Pietro Secchia, „Die Partei, der Motor des Aufstands“, in „Der Kampf
des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943- 1945“
[56] „La Nostra Lotta“ Nr. 5/6, Zitiert nach „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“, S. 107
[57]
„La Nostra Lotta“ Nr. 2, Zitiert nach „Der Kampf des italienischen
Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“, S. 48 & 58
[58]
Vgl. Fußnote Nr. 1 in Pietro Secchia, „Der Aufstand in Norditalien“, in
„Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung
1943-1945“
[59] Siehe das Buch „Rote Brigaden Fabrikguerilla in Mailand 1980-81“
[60] Ebenda
[61] Zu den Erfahrungen des Hamburger Aufstandes siehe Klassenstandpunkt #3, „Die Erfahrungen des Hamburger Aufstands leben“
[62] Kommunistische Partei Perus, „Massenlinie“, 1988
[63] Interview mit dem Vorsitzenden Gonzalo, unsere Übersetzung
[64] Marx, „Der Bürgerkrieg in Frankreich“
[65] Kommunistische Partei Perus, „Aufbaulinie der drei Instrumente der Revolution“, 1988
[66]
„Our red flag is flying in Peru“, Übersetzung entnommen aus dem
Klassenstandpunkt #12 in „Einiges zu Fragen der demokratischen
Revolution“
[67]
„Our red flag is flying in Peru“, Übersetzung entnommen aus dem
Klassenstandpunkt #12 in „Einiges zu Fragen der demokratischen
Revolution“
[68]
Vgl. Pietro Secchia, „Das Volk für den Aufstand mobilisieren“, in „Der
Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“
[69]
Vgl. Luigi Longo, „Nach einem Jahr der Kämpfe und Siege“, in „Der Kampf
des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“
[70] Pietro Secchia, „Der Aufstand in Norditalien“, in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“
[71] Luigi Longo, Pietro Secchia in „Der Kampf des italienischen Volkes für seine nationale Befreiung 1943-1945“
[72] Kommunistische Partei Perus, „Mai Direktiven für das Lima Metropolitan“, 1991, unsere Übersetzung und Hervorhebungen
[73] Einige eindrucksvolle Bilder davon zeigt die Dokumentation „You must tell the world“, zu finden auf demvolkedienen.org
[74] Cornelia Schöler, „Revolution in Nepal“
[75] Mao Tse-Tung, „Die gegenwärtige Lage und unsere Aufgaben“ in Ausgewählte Werke Band II, 1939
[76] Kommunistische Partei Perus, „Militärlinie“, 1988
[77]
Li Tso Peng war General und hoher politischer Kader der
Volksbefreiungsarmee. Später war er Teil der Verschwörung Lin Biaos
gegen die Führerschaft des Vorsitzenden Mao und wurde für seine
Verbrechen verurteilt. Was nichts ändert an der Korrektheit des hier
dargestellten Standpunktes.
[78] Li Tso Peng, „Strategie einer gegen zehn – Taktik zehn gegen einen“ in Hongqi Nr. 23-24, 1964
- Geschrieben von Klassenstandpunkt
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