Dossier

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Nachdem die MAHLE Geschäftsführung am 13. Mai in einer Presseverlautbarung einen Stellenabbau in erheblichem Maße an den Stuttgarter MAHLE Standorten angekündigt hat, wurden zudem Pläne zur Schließung des MAHLE-Werks Öhringen bekannt gegeben. Parallel zur Aufsichtsratssitzung am 12.07. haben die MAHLE Betriebsräte zusammen mit der IG Metall zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Bei dieser ersten Protestaktion haben 650 Beschäftigte ihren Unmut kundgetan. Statt die Zukunft zu gestalten, hält die MAHLE Geschäftsführung ihre Beschäftigten in ständiger Angst um die Arbeitsplätze. Für die IG Metall und die Beschäftigten ist dies ein untragbarer Zustand. Deshalb wurde heute vor dem MAHLE Parkhaus ein starkes Zeichen in Richtung Aufsichtsratssitzung gesetzt.”
Mitteilung der IG Metall Stuttgart vom 12.7.2019 samt Bildergalerie 
zur Protestaktion bei MAHLE am 12.7.19, siehe Infos zum Hintergrund:
- Mahle-Solidarität Nr.5: Stratmann anbetteln? Nein! Weiter Widerstand organisieren!

“Über 2000 Kolleginnen und Kollegen haben am 25.7.2019 in Cannstatt gegen die Angriffe der Geschäftsleitung (GF) protestiert. Sie haben gezeigt, dass sie die Schließung von Öhringen ablehnen, ebenso die massiven Stellenstreichungen und Verlagerungen. Sie haben gezeigt, dass sie zum Widerstand gegen die Pläne der GF bereit sind. Alle RednerInnen überboten sich in kämpferischer Pose, aber keiner formulierte auch nur eine Andeutung darüber, was denn jetzt die nächsten Schritte im Kampf sein sollten. Nur allgemeine Äußerungen, gegen die Schließungen und den Abbau kämpfen zu wollen. Dampf ablassen als Perspektive – Nein! Der nächste Schritt des Gesamtbetriebsrates geht sogar wieder rückwärts: In einem Flyer/ Intranet Eintrag wird zum x-ten Male erklärt, dass das Vorgehen der GF nicht „fair“ sei. Ach ja? Dann wird erneut gefordert, dass die Ar-beitsplätze sicher sein müssten, dass Öhrin-gen nicht geschlossen werden dürfe und der Abbau gestoppt werden müsse. Aber wie soll das erreicht werden? Kein Aufruf zum Kampf an die Beschäftigten, sondern nur Appelle an die GF. Ja sogar die Zusage: „Wir stehen dem Wandel nicht im Wege, sondern wollen ihn aktiv gestalten.“ Hat der Betriebsrat mal was von einem Interessensgegensatz zwischen der Arbeit und Kapital gehört. Dies klingt verdächtig nach Ruhigstellung der Belegschaft. Diese Methoden sind bekannt. (…) Alle Belegschaften müssen gemeinsam und solidarisch handeln ! Um solche Schritte anzugehen, sind die IG Metall, die Betriebsräte und die Vertrauensleute gefordert. Sie müssen ein Widerstandskonzept mit und für alle Werke erarbeiten! (Doch auch jeder Einzelne ist gefordert. Und wir rufen alle auf, die das auch wollen, mit uns Kontakt aufzunehmen: Was ist los in den verschiedenen Betrieben und Abteilungen? Wie können wir selbst den Druck verstärken?…” Mahle-Solidarität Nr.5 – Flugblatt von Mahle-Soli vom 8.9.2019 
- MAHLE-SOLIDARITÄT: Werksschließungen sind nie „sozialverträglich“! Hände weg von Öhringen und Telford!“Die Geschäftsführung hat das geschickt eingefädelt: Im April wurde die Krise verkündet: 20 Prozent Kosteneinsparung überall. Im Mai hat die Geschäftsführung die Beschäftigten in den Zentralen in Stuttgart informiert, dass 380 Stellen (9%) abgebaut werden sollen. Dies soll bis Ende 2020 möglichst mit „weichen“ Maßnahmen geschehen (Altersteilzeit und Aufhebungsverträge). Jetzt kommen die Hämmer: Telford und Öhringen sollen dicht gemacht werden! (…) alle konnten wissen, dass 20% Einsparungen ganz harte Einschnitte bedeuten! Insbesondere die Betriebsräte und die IG Metall mussten wissen, was das bedeutet. Aber fast 3 Monate lang ist nichts passiert! Kein Wunder, dass die Geschäftsleitung frecher wird und einen Hammer nach dem anderen auspackt! Manche Kolleginnen und Kollegen aus der Produktion dachten, dass die Produktion verschont wird, dass es nur „die Angestellten“ trifft. Auch etliche Betriebsräte hoffen, dass „ihr Werk“ verschont wird. Das ist eine Illusion: Die Geschäftsleitung will überall Kosten senken, aber sie greift nicht überall zugleich an. (…) Die einzig richtige Reaktion wäre gewesen: Sofort Widerstand auf allen Ebenen, keine Zustimmung zu gar nichts, bis die Pläne zurückgenommen werden! Endlich hat der Gesamtbetriebsrat Schwarte Widerstand angekündigt. Was er vorhat, sagt er bisher nicht. (…) Wir lehnen das Vorgehen der Mahle Bosse strikt ab! Es gibt überhaupt keine Berechtigung für diesen Stellenabbau! Keiner soll gehen müssen! Keine Verhandlungen der Betriebsräte, solange die Geschäftsführung diese Ziele nicht zurücknimmt! Offenlegung aller Pläne und Zahlen, wir glauben denen kein Wort mehr! Wir sind Beschäftigte aus 5 verschiedenen Werken. Wir haben seit Mai gemeinsam Flugblätter erstellt, weil wir nicht warten wollen, bis die Maßnahmen scheibchenweise umgesetzt werden und alle paar Wochen neue Horrormeldungen kommen. Wir freuen uns über Kommentare und Informationen und weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter.” Flugblatt von Mahle-Soli vom 26.6.2019

- Abzocke statt Zukunft. Belegschaft des Autozulieferers Mahle wehrt sich gegen Stellenkahlschlag. Demonstration vor Konzernzentrale. Aufgerufen hatte IG Metall“… Der Automobilzulieferer, der zuletzt einen Jahresumsatz von 12,6 Milliarden Euro verbucht hat und weltweit knapp 80.000 Menschen beschäftigt, kündigte im Frühjahr einen Sparkurs an, der einen drastischen Stellenabbau beinhaltet. Besonders davon betroffen sind verschiedene Standorte in Stuttgart selbst, wo Mahle bis Ende 2020 von den 4.300 Stellen 387 abbauen will. Die Belegschaft hatte von den Plänen aus der Zeitung erfahren. Darüber hinaus will die Geschäftsführung bis 2020 den Standort in Öhringen schließen, einer Kleinstadt im Nordosten des Landes. 240 Angestellte wären dort betroffen, sollte Mahle die Pläne umsetzen. Mahle-Geschäftsführer Jörg Stratmann hatte im Mai angekündigt, den Konzern verschlanken und alle Standorte auf den Prüfstand stellen zu wollen. In Deutschland gibt es 26 Standorte, weltweit 160. Vor allem in Öhringen ist die Wut auf die Verantwortlichen groß. (…) Aufsichtsratsmitglied und Gewerkschafter Uwe Meinhardt sagte, Mahle nehme den Transformationsprozess hin zur Digitalwirtschaft als Vorwand für einen massiven Stellenabbau. Diesen hätte der Konzern am liebsten bereits vor zehn Jahren im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise vollzogen, so Meinhardt, doch habe man das damals verhindern können. Diese aus Unternehmersicht »verpasste Chance« wolle Mahle nun nutzen. Das gelte es nun abermals zu verhindern, so der Gewerkschafter. Es sei zwar richtig, dass der Wandel in der Metallindustrie tiefgreifend sei und nichts so bleiben werde, wie es ist. Arbeitsplätze zu opfern sei indes keine Option. Das Motto laute statt dessen »Mit allen durch die Krise«. Meinhardt warb außerdem für die Einführung des Transformationskurzarbeitergeldes. Die IG Metall will damit Beschäftigte in Betrieben unterstützen, die vom technologischen Strukturwandel besonders betroffen sind. In Phasen von Umbaumaßnahmen soll das Geld dabei helfen, Entlassungen zu verhindern, Einkommensverluste während eines Arbeitsausfalls zu minimieren und Weiterbildungsmaßnahmen zu finanzieren. »Die Arbeitgeberverbände blockieren den Vorschlag, obwohl sie selbst etwas davon haben könnten«, kritisierte Meinhardt.” Bericht von Tilman Baur in der jungen Welt vom 13.07.2019

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