Donnerstag, 14. Februar 2019
Kampfmethode Ultimatum. Von disziplinierender Kollegialität zu widerständiger Solidarität – Fallbeispiele aus dem Gesundheitswesen
"Was ist Solidarität im Krankenhaus? Im Alltag äußert sie sich darin,
dass Pflegekräfte die eigenen Schutzrechte ignorieren, um Patientinnen
und Patienten, aber auch ihre Kolleginnen und Kollegen „nicht hängen
zu lassen“. Der Beitrag handelt von dem Versuch, aus dieser
disziplinierenden Form der Kollegialität eine „Kampf-Solidarität“ zu
entwickeln: Teams fordern ultimativ Maßnahmen zur Entlastung und
drohen damit, andernfalls freiwillige Leistungen wie das Einspringen
außerhalb des Dienstplans zu verweigern. Sie nutzen ihre gestiegene
Produktionsmacht, da die Abläufe im Krankenhaus regelhaft darauf
basieren, dass sich Pflegekräfte über ihre arbeitsvertraglichen
Pflichten hinaus engagieren. Der Beitrag untersucht diese neue
Kampfform der Ultimaten anhand von sechs Fallstudien, basierend unter
anderem auf Experteninterviews mit Pflegekräften,
Gewerkschaftssekretär/innen und betrieblichen
Interessenvertreter/innen. Theoretisch knüpft er an
Solidaritätskonzeptionen von Bayertz (1998) und den
Machtressourcenansatz an. Er kommt zu dem Schluss, dass die Ultimaten
dazu führen können, die – wie es ein Krankenpfleger und
ver.di-Aktivist ausdrückt – im Klinikalltag „auf den Kopf gestellte“
Solidarität „wieder auf die Füße“ (SWB04, 30-32)1 zu stellen. Es
entwickelt sich eine Kampf-Solidarität, die die
Durchsetzungsfähigkeit in Arbeitskämpfen, aber auch die Bereitschaft
zu widerständigem Alltagsverhalten stärkt..." Zusammenfassung des
Artikels von Daniel Behruzi (pdf) aus dem Sonderheft der Zeitschrift
"Industrielle Beziehungen" (Jg. 25, Heft 4): "Solidarität in der
Arbeitswelt" - wir danken dem Verlag!
http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2019/02/Behruzi_IndBez0418.pdf
Siehe weitere Informationen zum (empfehlenswerten) Schwerpunktheft
der Zeitschrift "Industrielle Beziehungen": "Solidarität in der
Arbeitswelt"
http://www.labournet.de/?p=143944
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