Donnerstag, 7. Februar 2019
Ein Aufruf und die Folgen: Der Kampf der Leiharbeiter
"Im Mai 2017 widmete sich die Sendung dem medial wenig beachteten
Thema der Leiharbeit. Anlass war eine Reform des sogenannten
Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes, in die die DGB-Gewerkschaften große
Hoffnung gesetzt hatten, weil sie Leiharbeit neu regulieren sollte.
(...) In der Sendung vom 16. Mai 2017 brachte dann die Anstalt in
satirischer Form das auf den Begriff, was man geahnt und bisweilen
schon in der Praxis erfahren hatte: Das Gesetz markiert im
wortwörtlichen Sinne einen neuen Tiefpunkt. Wie Arbeitnehmer vom neuen
Leiharbeitsgesetz »profitieren«, will Boss Zwetschge alias Max Uthoff
seinem Mitarbeiter an einem Modell demonstrieren. Dort stehen
Stammbelegschaft und Leiharbeiter, dargestellt durch rote und graue
Playmobil-Männchen, einträchtig und symbolisch nebeneinander – auf
einer Ebene, denn dank der neuen Regeln würden ja die Leiharbeitnehmer
den Stammbeschäftigten praktisch gleichgestellt, vor allem bei der
Bezahlung. Doch das Gesetz kennt Ausnahmen. (...) Das Gesetz wird also
auch hier – in diesem Fall durch Tarifverträge – »geöffnet«, und zwar
mit Falltüren, nach unten (...) Für Kritiker der bisherigen Politik
der DGB-Gewerkschaften ist dieses Gesetz eine Luftnummer. Doch dass
sich unter den betroffenen Leiharbeitern dagegen Widerstand regen
würde, war unwahrscheinlich. (...) Die Gefahr droht, so gesteht der
fiktive Leiharbeitgeber seinem Mitarbeiter von Wagner, nur von einer
Seite: vom Europäischen Gerichtshof. Wenn Leiharbeiter tatsächlich
Klage erheben und bis dorthin kommen, könne am Ende gleiche Bezahlung
von Leiharbeitern und Stammbeschäftigten (Equal Pay) stehen. Zum Glück
kenne niemand der Betroffenen den Rechtsexperten, der sie beraten
könne … sagt’s und schon klappt Claus von Wagner unter dem Beifall des
Publikums den Aktendeckel hoch, auf dem die e-Mail-Adresse des
betreffenden Professors zu lesen war: LabourNet Germany hatte die
Internet-Adresse »prof.daeubler@labournet.de« als Anlaufstelle für
klagewillige Leiharbeiter eingerichtet. Bis dato hatte es an
klagewilligen Leiharbeitern gefehlt. Niemand hatte ihnen einen solchen
Tipp gegeben und so war ihnen diese juristische Möglichkeit nicht
bekannt. Und die juristischen Experten wiederum hatten keine passenden
Fälle zur Verfügung, mit denen man den Weg durch die Instanzen hätte
gehen können. Die Anstalt fungierte hier quasi als Kontaktbörse von
Leiharbeitern und Arbeitsrechtlern. Und tatsächlich funkte es bei
vielen heftig. (...) Offensichtlich hat unser Argument verfangen:
Equal Pay vom ersten Tag an war offiziell schon immer eine
gewerkschaftliche Forderung. Bisher hat man sie weder durch
Verhandlungen über Leiharbeitstarife noch durch Appelle an den
Gesetzgeber erreicht. Warum sollte man es nicht auf dem Weg über die
Gerichte versuchen? (...) Ohne die Anstalt wäre auch dieser Weg nie
beschritten worden, es wäre nichts passiert. Oder um im Bild der
Sendung zu bleiben: Von den vielen Playmobilmännchen sind vier
aufgestanden und haben sich mit ihrem Schicksal nicht abgefunden. Sie
wollen keine Arbeiter zweiter oder dritter Klasse mehr sein. Wir
machen weiter – die Anstalt hoffentlich auch!" Beitrag von Wolfgang
Däubler und Mag Wompel (pdf) im gerade erschienen Buch "Die Rache des
Mainstreams an sich selbst. 5 Jahre »Die Anstalt«"
http://www.labournet.de/wp-content/uploads/2019/02/leiharbeitsklage_anstalt-buch.pdf
Siehe zum von Dietrich Krauss herausgegebenen Buch (ISBN
978-3-86489-247-9, 20,00 €) - mit weiteren Beiträgen von Max Uthoff,
Claus von Wagner, Mely Kiyak, Norbert Blüm, HG Butzko, Gabriele
Krone-Schmalz und vielen anderen - Informationen und Bestellung beim
Westend-Verlag, dem wir für die Freigabe danken und viel Erfolg mit
dem Buch wünschen!
https://www.westendverlag.de/buch/die-rache-des-mainstreams-an-sich-selbst/
Im Vorwort (pdf)(samt Inhaltsverzeichnis) des Buchs heisst es: "...
Satire kann nichts bewirken? Das gilt nicht für die Anstalt vom Mai
2017, die eine brisante Frage stellte: Verstößt die schlechte
Behandlung deutscher Leiharbeiter gegen EU-Recht? Der Arbeitsrechtler
Professor Wolfgang Däubler und die Industriesoziologin Mag Wompel von
Labournet beschreiben, was passierte, nachdem die Anstalt klagewillige
Leiharbeiter aufgerufen hatte, sich juristisch zu wehren. Inzwischen
laufen mehrere Prozesse. Ziel: ein Urteil vom dem EuGH..."
https://www.westendverlag.de/wp-content/uploads/booksample/9783864892479.pdf
Siehe weitere Informationen zur Klage-Kampagne im Dossier
http://www.labournet.de/?p=116170
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