Montag, 10. Oktober 2016

Verbote, Verhaftungen, Einreisesperren - Anakara-Gedenken zum 1. Jahrestag passt nicht in die neue Türkei. Findet aber trotzdem statt.


Am heutigen 10. Oktober jährt sich das Blutvergießen in Ankara zum 
ersten mal: 100 Menschen starben vor einem Jahr, als zwei 
Selbstmordattentäter ihre Bomben zündeten - in einer 
Friedenskundgebung. Schon damals tat sich der türkische Staat durch 
besondere Umsicht hervor: Die Polizisten waren vor bevorstehenden 
Attentaten gewarnt und deshalb am Anschlagsort nicht zu sehen - bis 
zum Eintreffen der Katastrophe. Dann aber versperrten sie nicht nur 
den Rettungskräften den Zugang, sondern beschossen auch die 
Verwundeten, die Sterbenden, mit Tränengas. Auch heute vernebelt in 
Ankara wieder Tränengas den Tag: Gedenken am Ort des Geschehens, dem 
Hauptbahnhof in Ankara, war von der Polizei unter Verweis auf den seit 
dem Putschversuch im Juli geltenden Ausnahmezustand verboten worden. 
Alle Zugangswege sind verbarrikadiert, Ansammlungen werden von der 
Polizei überfallen, dutzende Menschen verhaftet. Schon über das 
Wochenende fanden Gedenkveranstaltungen in verschiedenen Städten in 
der Türkei statt - der Bahnhof in Ankara war ja auch deshalb als Ziel 
ausgesucht worden, weil viele Menschen von außerhalb angereist waren. 
Während die Kundgebung in Istanbul friedlich stattfinden konnte, kam 
es in Bursa und bei ersten Aktionen in Ankara auch hier bereits zu 
Polizeiübergriffe und Verhaftungen. Einer deutschen Studentin, die im 
letzten Jahr mit einem Austauschprogramm in Ankara war und 
dieTeilnahma an besagter Freidenskundgebung überlebte, ist vor wenigen 
Tagen nicht nur zum Gedenken an den Doppelanschlag die Einreise 
verweigert worden, sondern sie wurde gleich mit einem lebenslangen 
Einreiseverbot für die Türkei belegt. Siehe dazu unsere kleine 
Materialsammlung vom 10. Oktober 2016
http://www.labournet.de/?p=105460

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