Sonntag, 8. Dezember 2013

Sowjetischer Rubel anstatt Dollar?

In den 50er Jahren hätte die Sowjetunion beinahe das USA-Finanzimperium zerstört Im Jahre 1964 erzählte der französische Finanzminister dem französischen Präsidenten General de Gaulle eine Geschichte, wie sich das Vorkriegs-, und später das internationale Nachkriegsfinanzsystem gebildet hat. Er nannte folgendes Beispiel: „Stellen Sie sich vor, auf einer Auktion wird ein Bild Raffaels verkauft, und der Streit geht zwischen dem Deutschen Friedrich, dem Araber Abdullah, dem Russen Iwan und Yankee John. Jeder von ihnen bietet für das Bild seine Waren an: der Araber Erdöl, der Deutsche Technik, der Russe Gold, und mit dem lustigen Lächeln bot der Yankee John bot den doppelten Preis, nahm aus seinem Geldbeutel ein Paket neuer 100-Dollar-Noten heraus, zählte sie ab, nahm das Bild und verschwand.“ „Und worin besteht der Trick?“ – fragte de Gaulle. „Der Trick besteht darin,“ antwortete sein Finanzminister, „daß der Yankee mit hundert Dollarnoten bezahlt hat, tatsächlich hat er aber nur drei Dollar bezahlt, weil der Wert des Papiers für eine Banknote von 100 Dollar 3 Cents beträgt…“ Das heißt, der ganze Reichtum der Welt, des ganzen Goldes floß statt dessen in die grünen Papierchen! Früher, vor dem Krieg spielte das englische Pfund Sterling eine solche Rolle. Anfang der fünfziger Jahre war die UdSSR nahe dran, die amerikanische Wirtschaft zu ruinieren und die Wirtschafts- und Finanzhegemonie in der ganzen Welt zu übernehmen. Fürs erste muß man bemerken, daß nach dem Großen Vaterländischen Krieg die Sowjetunion nicht nur in unglaublich kurzer Frist wieder hergestellt werden konnte, sondern daß sie auch begann, eine schnelle wirtschaftliche Entwicklung zu nehmen. Die kolossale Wirtschaftsmacht und die riesigen Rohstoffvorräte erlaubten es der UdSSR sich im Wirtschaftskampf gegen die „Hegemoniemächte“ des Westens – den USA und Großbritannien – durchzusetzen. Der erste Schlag versteckte sich in den Zeilen eines langweiligen Dokuments Die am 1. März 1950 erschienene „Verordnung der Regierung der UdSSR über die Aufhebung der Feststellung des Rubelkurses“ in Bezug auf ausländische Währungen, die auf der Basis des Dollars beruhen, und seine Übertragung auf die stabilere Goldgrundlage, entsprechend dem Goldwert des Rubels, wurde zu einem Präzedenzfall, der das „Blasen“-System bedrohte, das auf dem Druck von wertlosen Dollarscheinen beruhte: „Der Ministerrat der UdSSR hat beschlossen: (1) Ab 1. März 1950 ist die Festlegung des Rubelkurses zu ausländischen Währungen auf der Basis des Dollars einzustellen und auf die standfestere Goldgrundlage, entsprechend dem Goldwert des Rubels, zu übertragen. (2) Der Goldwert des Rubels wird auf 0,222168 Gramm Reingold festgelegt. (3) Ab 1. März 1950 wird der Kaufpreis der Staatsbank für 1 Gramm Reingold auf 4 Rubeln 45 Kopeken festgelegt. (4) Ab 1. März 1950 ist der Kurs für ausländische Währungen ausgehend vom Goldwert des Rubels, wie in Punkt (2) festgelegt, wie folgt zu bestimmen: 4 Rubel für einen amerikanischen Dollar anstelle bisheriger 5 Rubel 30 Kopeken, und 11 Rubel 20 Kopeken für ein Pfund Sterling anstelle bisheriger 14 Rubel 84 Kopeken. Die Staatsbank der UdSSR wird beauftragt, den Kurs des Rubels zu anderen ausländischen Währungen entsprechend zu ändern. Im Falle weiterer Veränderungen des Goldwertes der ausländischen Währungen oder der Veränderungen ihrer Kurse, legt die Staatsbank der UdSSR den Kurs des Rubels zu den ausländischen Währungen unter Berücksichtigung dieser Veränderungen fest.“ Wenn andere Länder dem Beispiel der UdSSR gefolgt wären, wäre die Lage der USA – der weltgrößten „Gelddruckerei“ – äußerst gefährlich geworden. Der zweite Schlag war noch ernster Im Herbst 1951 erklärten die Mitgliedsländer des RGW (Rat der Gegenseitigen Wirtschaftshilfe) und China gemeinsam die Unvermeidlichkeit einer engen Zusammenarbeit aller der Länder, die nicht geneigt sind, sich der Dollarisierung und dem Diktat der proamerikanischen Handels- und Finanzstrukturen zu unterwerfen. Entsprechend dieser Erklärung würden „die neuen Kolonisatoren andernfalls alle, die damit nicht einverstanden sind, erstens gegeneinander aufhetzen, und zweitens beliebigen Formen der Aggression und Diskriminierung unterwerfen…“. Im Dokument wurde auch über die Notwendigkeit der Einberufung eines internationalen Forums zu diesen Fragen gesprochen. Vom 3.-12. April 1952 fand in Moskau eine internationale Wirtschaftsberatung statt, auf der die UdSSR und der RGW vorschlugen, als Gegengewicht zur politisch-ökonomischen Expansion der USA für die sozialistischen und die Entwicklungsländer einen allgemeinen Markt für Waren, Dienstleistungen und Kapitalanlagen zu schaffen. Unter den ersten Mitorganisatoren der Moskauer Beratung waren die Volksrepublik China, Indien, Argentinien, Indonesien, Äthiopien, Mexiko, Uruguay, Iran, Jemen, Afghanistan, Syrien und Jugoslawien. Es ist bemerkenswert, daß der Vorschlag auch von einigen westlichen Länder, die den „Marschallplan“ abgelehnt hatten, wie Schweden, Österreich, Finnland, Irland, Island, unterstützt wurde – sie sandten ihre Minister für Außenhandel oder für auswärtige Angelegenheiten zu der Beratung. Insgesamt nahmen 680 Beamte und Fachleute aus 49 Ländern an der Arbeit der Moskauer Beratung teil. Charakteristisch ist auch, daß auch viele Verbündete der USA (Großbritannien, Frankreich, Italien, Dänemark, Norwegen, Kanada, die Türkei, die BRD, Japan, Brasilien, Saudi-Arabien, Australien, Liberia u.a.), die hauptsächlich von Geschäftsleuten, Analytikern und mittleren Beamten vertreten waren, an diesem Forum teilnahmen. Doch auch sie waren bevollmächtigt, Dokumente über Handel und Zusammenarbeit mit anderen Ländern zu unterschreiben. Bis Ende April 1952 wurden in Moskau über 60 Handels-, Anlage- und wissenschaftlich-technische Abkommen, über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren, abgeschlossen – darunter 19 solche Dokumente mit Beteiligung der UdSSR. Die übrigen Teilnehmer kamen „kreuz und quer“ aus Entwicklungsländern, aus sich entwickelnden, aus sozialistischen Ländern und mit Teilnahme einiger westlicher Länder, Banken u.ä. Schelikow und Mikojan, die die UdSSR vertraten, schlugen in ihren Reden auf der Beratung die stufenweise Herausbildung eines allgemeinen Marktes der sozialistischen und der Entwicklungsländer vor: zuerst bilaterale und multilaterale Abkommen mit ähnlichen Bedingungen (über Preis-, Zoll-, Kreditermäßigungen, über Warenquoten u.ä.), dann die allmähliche Vereinheitlichung der Prinzipien der außenwirtschaftlichen Politik und die Entwicklung eines blockfreien Handels. Und im abschließenden Stadium – die Schaffung einer zwischenstaatlichen Rechenwährung mit einem obligatorischen Goldwert, die zweifelsfrei der Rubel werden würde. EINIGE BEMERKENSWERTE EINSCHÄTZUNGEN: Die Vorteile gleichberechtigter weltwirtschaftlicher Beziehungen wurden auf dem Moskauer Forum als sehr positiv eingeschätzt. Hier nur einige Beispiele: Der Bundessekretär für Außenhandel Jugoslawiens Stane Dolanz: „Echte Wirtschaftsgleichberechtigung führt zu einem neuen Typ der internationalen Beziehungen und festigt die nationale Souveränität…“ Der Präsident der Argentinischen Außenhandelskammer Felipe Freire: „Der Handel und andere Zusammenarbeit mit den nicht-marschallisierten“ Ländern haben eine strategische Bedeutung für Argentinien – sie festigen unsere Positionen in der Weltwirtschaft und schwächen unsere Abhängigkeit von den amerikanischen Trusts und Banken…“ Der Minister für Außenhandel Indiens Gjan Tschand: „Eine echte Erneuerung der indischen Wirtschaft wird kaum möglich sein ohne enge Kooperation mit den sozialistischen Ländern. Das Plus dabei ist, daß ihre Hilfe und ihre Vorschläge nicht mit ungenierten politischen Forderungen oder neokolonialistischen Finanzbedingungen verbunden sind…“ Der Botschafter Jemens in der UdSSR Achmed al-Jufis: „Mein Land hält eine internationale ökonomische Gleichberechtigung, wie auch die Entwicklung der Wirtschaft, ohne eine enge Wechselwirkung aller Staaten, die die Unabhängigkeit verteidigen, für unmöglich…“ Der Außenminister und Minister für Außenhandel Schwedens Esten Unden: „Die Entwicklung einer gleichberechtigten wirtschaftlichen Zusammenarbeit verhindert die Beherrschung der Weltwirtschaft und des Handels durch einige supergroße Gesellschaften, die beabsichtigen, ihre Regeln zu diktieren und sogar die potentiellen Konkurrenten zu unterdrücken…“ Doch nach dem Tode Stalins im Jahre 1953 gingen die Behörden der UdSSR und somit auch die Mehrheit der anderen Länder des RGW allmählich von der außenwirtschaftlichen Idee von 1952 ab, und zogen eine bilaterale politische und ökonomische Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern vor. Außerdem verschlechterten sich die Beziehungen zwischen der UdSSR und der Volksrepublik China heftig, was im Endeffekt sogar zu offenen militärischen Konfrontationen führte. Im übrigen meinen viele Forscher, daß hinter dem Tod Stalins und den anderen Ereignissen, die schließlich die Initiative der UdSSR zunichte machten, die westlichen Länder stehen, für die mit einem neuen Wirtschaftssystem der Bankrott gedroht hätte. Es wurden Materialien der Historiker A.Martirossjan, A.Tschitschkin, J.Muchin verwendet. Zeitschrift „Moderne Finanzen“ Juni 2010 http://www.smartthings.kz

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