Mittwoch, 5. August 2020

[Hoppetosse] Heißer Herbst am Dannenröder Forst

Hallo,
fast ein Jahr ist der Dannenröder Forst jetzt besetzt - Baumhäuser auf der geplanten Trasse der Autobahn A49 und eine ständige  Mahnwache am Rand des Waldes Richtung Dannenrod. Bislang war es weitgehend ruhig, nachdem die Asphaltfraktion erschrocken die Rodungen im letzten Herbst erstmal aussetzte. Jetzt näher sich die nächste Rodungssaison - und damit ein heißer Herbst, der - ähnlich dem Ringen um den Hambacherforst - wieder ein politisches Thema mit Wucht auf die Agenda der Republik setzen soll. Diesmal geht es um den Ausstieg aus weiterem Flächenverbrauch und dem motorisierten Individualverkehr.
Unser Ziel: Die Auseinandersetzung um die Wälder zwischen Stadtallendorf und Gemünden als Schlusspunkt des verkehrten Verkehrs, einem Weg von Straßen und Autos, einer Wende zu Fuß, Rad und ÖPNV zu machen.
Dafür brauchen wir einen breiten, phantasievollen Widerstand. Und: Es ist einiges in Gang - große Aktionen, kleine Aktionen, dort vor Ort und überall. Mit dieser Mail will ich einiges benennen, wo und wie Ihr mitmischen könnt. Die Liste ist sicherlich nicht vollständig - und ohnehin könnt Ihr Euch überlegen, auch bei Euch regional was zu planen und dann zu machen. Denn vermutlich werden Räumung und Rodungsbeginn das Thema massiv in die Medien tragen. "Danni bleibt" soll wie "Hambi bleibt" die politische Landschaft verändern!!!
Der vermutliche Zeitplan:
  • 11.9. bundesweite Großdemo in Wiesbaden
    (Warum in Wiesbaden: weil dort das im Moment noch zuständige Verkehrsministerium unter grüner Leitung sitzt - demnächst ist allerdings der Bund mit dem Politkasper und Autolobbyisten Andy Scheuer direkt zuständig ... der will für die Koordinierung des weiteren Asphaltierens vier Baubehörden einrichten - eine davon in Gießen, also in direkter Nähe zur A49-Baustelle!)
  • Für den 18.9. wird das erste große Camp als Skillsharing-Camp angemeldet - direkt am Wald. Hier könnt Ihr also spätestens dazu stoßen, um vor Ort mit dabei zu sein.
  • In den Folgetagen werden vermutlich weitere Camps und Protestmahnwachen rund um den Wald aufgebaut werden. Es gibt wohl knapp 10 Wege in den Wald - überall wollen wir präsent sein.
  • Letzte Septembertage: Vermutlich findet dann die Räumung statt.
  • Ab 1.10.: Baumfällen ist wieder erlaubt und wohl auch geplant.
  • Irgendwann Ende Oktober: Wir gewinnen, der Straßenbau in Deutschland wird beendet, VW rüstet seine Firmen auf Straßenbau-Waggonsbau um ... (das ist noch etwas unsicher ;-)
Überlegt doch, an welchen Punkten Ihr mitmischt (neben den Aktionen, die Ihr selbst am Danni oder bei Euch vor Ort plant).


Die Waldbesetzung selbst

Es gibt inzwischen etliche Baumhäuser und Infrastruktur am Boden. Dort leben viele Menschen - und sicherlich ist auch noch Platz für Euch. Es gibt verschiedene Aktionsgruppen, die sich auf die Räumung vorbereiten. Alles nähere erfahrt Ihr auf deren Seite https://waldstattasphalt.blackblogs.org/
Wer da direkt mitmischen will, sollte aber einfach mal vorbeikommen. Ihr seid stets willkommen.
Auf der genannten Internetseite gibt es auch Hinweise fürs Eintragen in SMS-Verteiler, Unterstützungsbitten usw.


Spezielle Formen von Unterstützung gesucht

Ich habe zugesagt, mal bundesweite Verteiler anzufragen, weil für die Proteste noch einige konkrete Unterstützungsformen gesucht sind, bei denen vor allem Menschen gefragt sind, die damit schon ein bisschen Erfahrung haben.
  • Versammlungsleitung bei Camps und Mahnwachen an Waldzugängen:
    Es werden verschiedene Versammlungen angemeldet, die jeweils mehrere Wochen dauern können. Das braucht viele Menschen, die sich in der Versammlungsleitung dann abwechseln. Ein bisschen Versammlungserfahrung kann nicht schaden. Wer würde hier für eine gewisse Zeit (oder immer mal wieder - rotierend) mitmischen? In der Projektwerkstatt werden wir eine Unterstützungsstruktur (Beratung, Sammeln der Anmeldungen, Vorbereitung von Verwaltungsklagen gegen Demoeinschränkungen und -verbote usw. - siehe unten und wer da mitmachen will, gerne direkt hier melden).
  • Rechtshilfe:
    Es gibt bereits eine Rechtshilfegruppe, die innerhalb von Waldbesetzung und Umfeld entstanden ist. Die freuen sich über Unterstützung - vor Ort, bei der Gefangenensammelstelle (wahrscheinlich in Gießen) oder auch als Mitwirkung (Telefonbereitschaft, Unterstützung von Gefangenen ...) von irgendwo. Besonders nett: Menschen, die im Rahmen ihrer Mitwirkung auch eini ihnen bekannti Anwalti* mit einbinden.
  • In Gießen:
    Support für dort vermutlich befindliche Gefangenensammelstelle ... z.B. einen Raum für Anlaufstelle in der Nähe der Ferniestraße oder zumindest in Gießen klarmachen; Vorbereitungen für Mahnwache vor Polizeipräsidium in Ferniestraße.


Projektwerkstatt als Aktionsplattform

Die Projektwerkstatt in Saasen liegt ca. 25km Luftlinie vom Dannenröder Wald entfernt. Mit dem Zug lässt sich auf der Vogelsbergbahn bis auf 10km rankommen (Bahnhof Ehringshausen, Fahrradmitnahme im Zug ist in Hessen gratis), per Umweg über Gießen auf 7km (Bahnhof Stadtallendorf). Zudem liegt Saasen zwischen Gießen und dem Dannenröder Forst - und in Gießen ist das zuständige Polizieipräsidium, das Verwaltungsgericht usw. - da wird es ohnehin ständig hin- und hergehen.
Was also liegt näher, als das Haus für vieles zu nutzen, was von hier aus gut gehen würde? Überlegt werden bisher:
  • Backup-Struktur (Arbeitsmöglichkeiten, angelegte Verteiler usw.) für Rechtshilfegruppe und Presseteam:
    Die würde einfach ständig bereitgehalten, falls eine der beiden Gruppen direkt vor Ort nicht mehr arbeiten kann.
  • Versammlungsunterstützung:
    Sammlung aller Versammlungsanmeldungen, fertige Textbausteine für Eil-Verwaltungsklagen bei Einschränkungen der Versammlungen, Beratung für Versammlungsleitis, Kontakt zu Anwaltis
  • Werkstätten: Kernelemente der Projektwerkstatt sind die Holz-, Metall- und Fahrradwerkstatt, das Filmstudio, die Layoutrechner (mit einer kleinen Druckerei, deren Risographen aber erstmal wieder inganggebracht werden müssten), eine Theater- und eine Aktionsmaterialsammlung usw. Die können uns sollen natürlich genutzt werden können.
  • Out of Action: Viele Menschen werden irgendwann erschöpft sein, traumatisiert oder einfach mal für ein paar Stunden oder Tage einen ruhigen Ort brauchen, um Erlebnisse zu verarbeiten, zu dokumentieren, Neues zu planen usw. Wir wollen in einem Teil der Projektwerkstatt (teilweise abgetrennt von den Orten, wo gewerkelt wird) Aufenthaltsräume und Schlafplätze schaffen.
    Hierzu gleich eine Klarstellung (wegen schlechter Erfahrungen bei vergangenen Aktionen): Die Projektwerkstatt ist kein Wohnort. Sich entspannen, neu sortieren, weitere Aktivitäten vorbereiten - das ist alles genau gut hier. Nach ein paar Stunden oder Tagen sollte es aber wieder zurück gehen in die Aktion (welche auch immer) - oder halt nach Hause (wer nicht mehr kann - das ist auch gut, aber dann ehrlicher, nicht weiter in der Projektwerkstatt hängen zu bleiben).
Damit das alles funktioniert, brauchen wir eine Crew, die sich um das Haus kümmert. In solch heißen Protestphasen werden viele die Infrastruktur nutzen, aber sich um die nicht kümmern können. Das ist ja auch sinnvoll, in dieser Zeit die volle Zeit in politische Aktion zu setzen. Allerdings soll das Haus nicht hinterher eine Ruine sein - und auch während der Zeit voll nutzbar bleiben. Ich meine: Dafür braucht es eine Extrarunde von Menschen, die sich darauf konzentriert, also z.B. auf:
  • Material ranschaffen (Verbrauchsmaterial, Lebensmittel ...)
  • Organisierung der internen Prozesse: Einführung neue Leute ins Haus, Koordinierung der Repro-Arbeiten ...
  • Repressionsabwehr, falls das Haus selbst auch Probleme bekommt
  • Ansprechpartnis für die das Haus nutzenden oder es als Out-of-Action-Ort aufsuchenden Menschen
  • Je nach Bedarf auch Workshops z.B. zur Einführung in Aktionsformen, Rechtsfragen usw.
  • Und wahrscheinlich immer wieder viel Repro-Scheiß: Putzen, Wäsche waschen, Hygienekonzept umsetzen (wegen Corona und - wahrscheinlich wichtiger - Krätzegefahr!), Reparaturen ...
Am schönsten wäre es, wenn es soviele Menschen wären (5-10?), die abwechselnd da sind, dass wir uns abwechseln können, also alle auch mal Zeit haben, im Danni zu sein bzw. dort mitzuwirken. Vorschlag: Mindestens drei sollten immer in der Projektwerkstatt sein. Vor der heißen Phase braucht es 1-2 Tage für den Aufbau z.B. von Zelten und den Umbau im Haus. Materialbeschaffung wäre eine weitere Vorbereitungssache (Essensspenden und dauerhafte Zuflüsse, Verbrauchsmaterial wie A3- und A4-Papier zum Drucken).


Also ... loslegen. Dem motorisierten Individualverkehr ein Ende bereiten ... wer noch Argumente braucht: www.verkehrswende.siehe.website und www.keine-a49.siehe.website.
Jörg



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(Bitte lange Zitate beim Antworten abschneiden - spart Daten und Unübersichtlichkeit :-)
*Die Endungen -i und -is sowie Artikel/Pronomen wie dier, sier und andere sind ein Versuch,
eine geschlechterfreie Sprache zu verwenden. Nicht irritieren lassen - lieber selbst machen!

Projektwerkstatt Saasen, 06401-90328-3, Fax -5
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
www.projektwerkstatt.de/saasen 
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Die Projektwerkstatt lebt davon, dass woanders Sachen übrig sind: Eine Liste, was gebraucht wird, ist unter www.projektwerkstatt.de?p=10323 zu finden, z.B. Riesen-Straßenkreide, Obstpresse, 2x DDR3-RAM (PC1600=12800U) ab 2 GB, SD-Karten ab 32GB, Ansteckmikrofone (mit Kabel oder per Funk), CanonEF- oder M-Objektive und viele Verbrauchsmaterialien.
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