Dienstag, 17. September 2019

Freitag, der 13. auch in Frankreich: Streikbewegung gegen die erneute Gegenreform der Rentenversicherung - zum Auftakt im Pariser Nahverkehr, ab Montag Anwälte, Pflegekräfte, Stromwerker und Finanzbeamte...



„... Der Grund für das Transportchaos: Die Angestellten der Pariser 
Verkehrsbetriebe (RATP) streikten gegen Emmanuel Macrons Rentenreform. 
Der Präsident will damit das wichtigste Sozialprojekt seiner bis 2022 
laufenden Amtszeit umsetzen. Der Ruhestand der 65 Millionen Franzosen 
ist von 2028 an nicht mehr voll finanziert. „Wir müssen mehr 
arbeiten“, bekräftigte Premierminister Edouard Philippe am Donnerstag. 
Das Rentenalter von derzeit 62 Jahren zu erhöhen, wagt Macron nicht. 
Dafür schraubt er an der Zahl der Beitragsjahre, die es für eine 
Vollrente braucht. Dem Präsidenten schwebt ein Punktesystem vor, 
danach soll ein einbezahlter Euro später genau einen Euro an 
Pensionsgeld ergeben. Anlass für den massivsten Streik seit mehr als 
zehn Jahren in Paris war allerdings noch ein anderer, nicht minder 
gewichtiger Reformpunkt: Macron will die 42 Sonderstatute einzelner 
Berufe abschaffen. Die Angestellten der RATP gehen zum Beispiel heute 
mit durchschnittlich 55,7 Jahren in Ruhestand, die Schaffner sogar 
schon ab 52. Ihre Pensionen werden zudem großzügiger berechnet als im 
Privatsektor. Die Gewerkschaften sehen darin eine Kompensation für die 
harte Arbeit mit Frühschichten und Feiertagsdiensten. Sie kritisieren 
auch, dass die Macron-Reform die Bezieher mehrere Hundert Euro im 
Monat kosten würde. Und das gelte nicht nur bei Beamten, sondern für 
alle Berufe. Deshalb wollen in den nächsten zehn Tagen noch andere 
Berufsgruppen in den Ausstand treten. Am Montag beginnen die Anwälte, 
dann folgen Pflegekräfte, Stromwerker und Finanzbeamte. Die Regierung 
versucht, einen Schulterschluss aller potenziellen Gegner – also einen 
Generalstreik – mit allen Mitteln zu verhindern, indem sie einzelnen 
Gewerkschaften Konzessionen macht. Indem Macron auf die Erhöhung des 
nominellen Rentenalters verzichtet, hält er die gemäßigte CFDT 
vorläufig im Reformlager...“ – aus dem Bericht „Arbeitskampf in 
Frankreich: massiver Streik legt Paris lahm - immer mehr machen mit“ 
von Stefan Brändle am 13. September 2019 in der FR online über den 
ersten Streiktag im Kampf gegen die nunmehr 6. „Rentenreform“ der 
letzten 30 Jahre, die einmal mehr Unterstützung sogenannter gemäßigter 
Gewerkschafter findet, zumindest in deren Führungsetage... Zum ersten 
Streiktag gegen die Rentenreform vier weitere aktuelle Beiträge, 
darunter eine gewerkschaftliche Auswertung, ein Videobericht von der 
Besetzungsaktion bei der RATP-Verwaltung und eine Meldung über 
politische Reaktionen, die aus neuen Drohungen gegen das Streikrecht 
bestehen
http://www.labournet.de/?p=154442

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