Dienstag, 17. September 2019
Die Streikbewegung an Frankreichs Notaufnahmen geht weiter: Die Versprechungen der Regierung gehen an den Forderungen (vor allem nach mehr Personal) weit vorbei
„... Dieselbe Situation mit vorzeitigen Abgängen in den Privatsektor
oder gar Berufswechseln kennt auch der diplomierte Krankenpfleger
Pierre Schwob, der im Spital Beaujon in Clichy bei Paris arbeitet. Er
leistet fast ausschliesslich Nachtdienste und sieht entsprechend
bleich und müde aus. «In meiner Notfallabteilung bin ich der Einzige,
der es acht Jahren lang ausgehalten hat», sagt er mit einem Anflug von
ironischem Stolz. Schwob gehört wie Candice Lafarge zum Kollektiv
Inter-Urgences, das den Streik koordiniert. Auch er hält es für
vorrangig, die Pflegeberufe im öffentlichen Dienst aufzuwerten. Dazu
müssten die Löhne des Pflegepersonals um 300 Euro im Monat erhöht
werden, lautet die Forderung der Streikenden. «In vielen Abteilungen
gibt es zwar offene Stellen, doch sie können mangels Bewerbungen nicht
besetzt werden», präzisiert Schwob. Trotz den Rekrutierungsproblemen
fordert das Kollektiv für ganz Frankreich 10 000 zusätzliche
Arbeitsstellen für die Notaufnahmen und ein Moratorium bei der
Verminderung der Aufnahmekapazitäten. Diese sind im Rahmen der
Kostensenkungen und Fusionen von Abteilungen im ländlichen Frankreich
in den letzten zwanzig Jahren laut den Streikenden um 100 000 Betten
reduziert worden, während sich in der gleichen Zeit die Nachfrage von
Notfallpatienten praktisch verdoppelt hat. Kamen 1996 laut einem
Bericht des Gesundheitsministeriums noch rund 10 Millionen Patienten
in die Notaufnahmen, waren es 21 Millionen im Jahr 2016...“ aus dem
Beitrag „Das Spital wird selber zum Notfall: Frankreichs
Gesundheitssektor streikt“ von Rudolf Balmer am 09. September 2019 in
der NZZ online, worin auch noch über die Skepsis gegenüber den neuen
Zugeständnissen der Ministerin berichtet wird – und darüber, dass sich
nun auch erste Ärzte der Streikbewegung angeschlossen haben... Siehe
dazu auch einen Beitrag über die Reaktionen auf die Versprechungen des
Ministeriums, sowie einen Überblick über die ministerialen Zusagen –
und ein Interview mit zwei Aktiven des Koordinationskomitees
Interurgences sowie den Hinweis auf unseren bisher letzten Beitrag zu
den Streikbewegungen in den Notaufnahmen Frankreichs
http://www.labournet.de/?p=154249
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