Mit Gott und den USA
Die von Brasiliens neuem Präsidenten Jair
Bolsonaro angekündigte Säuberungswelle zielt auf alle, die rechter
Demagogie und Autoritarismus im Weg stehen
Foto: Ricardo Moraes/REUTERS
|
Anschließend legte der 63jährige im Nationalkongress den Amtseid ab. In seiner Ansprache vor beiden Kammern dankte Bolsonaro Gott dafür, dass er weiter am Leben sei. Nach diesem, so der frühere Hauptmann, hätten ihm »Feinde des Vaterlandes, der Ordnung und der Freiheit« getrachtet. Tatsächlich war er am 6. September 2018 bei einem Auftritt in der Stadt Juiz de Fora von einem geistig Verwirrten mit einem Messer attackiert und verletzt worden. Evangelikale Kirchenführer verkauften seine Rettung als Wunder und mobilisierten zur Wahl des Extremisten. Millionen von Brasilianern, erklärte der neue Präsident, seien als Reaktion auf das Attentat auf die Straße gegangen; »eine Wahlkampagne verwandelte sich in eine Bürgerbewegung« in den Nationalfarben, »stark und unzerstörbar«. Diese habe ihn bis hierher gebracht.
Per Twitter gratulierte US-Präsident Donald Trump Bolsonaro zu einer »großartigen Antrittsrede«: »Die USA sind mit Ihnen.« Bei den Feierlichkeiten in Brasília zugegen waren US-Außenminister Michael Pompeo und Israels Premier Benjamin Netanjahu, zu dem Bolsonaro ein enges Verhältnis pflegt. Als einziger Regierungschef eines EU-Staats nahm der Ungar Viktor Orban teil. In einer seiner ersten Amtshandlungen machte Bolsonaro anstelle der Behörde Funai das Landwirtschaftsressort unter der Lobbyistin der Großagrarier Tereza Cristina für die Indigenenschutzgebiete zuständig. Am Dienstag ernannte er Sérgio Moro zum neuen Minister für Justiz und öffentliche Sicherheit. Moro hatte als Richter den früheren Präsidenten Lula da Silva von der Arbeiterpartei auf Basis konstruierter Anklagen verurteilt, der als Favorit von der Wahl ausgeschlossen war.
https://www.jungewelt.de/artikel/346433.strammer-rechtskurs-mit-gott-und-den-usa.html
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen