Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung.
Mexiko.
26. Oktober 2016.
An die eingeladenen Wissenschaftler*innen und Assistierenden des Treffens „Die Zapatistas und die ConCiencias für die Menschheit“:
An die compañeras, compañeros, compañeroas der Sexta National und International:
Schwestern und Brüder:
Empfangt unseren Gruß. Wir schreiben Ihnen um ihnen folgendes mitzuteilen:
Erstens.-
Nach Angaben des Nationalen Indígena Kongress, dass im Moment die
Konsultationen der Stadtvierteln, Tribus, Nationen und ursprünglichen
Völkern ganz Mexikos stattfinden, entsprechend des Vorschlags, der aus
der ersten Etappe des Fünften Kongresses [des CNI] hervorgegangen ist,
informieren wir Sie, dass die ständige
Versammlung des CNI sich erneut am 29. Dezember 2016, im
CIDECI-UNITIERRA in San Cristóbal de Las Casas, Chiapas, einrichten wird.
Der
CNI wird dort am 30. und 31. Dezember diesen Jahres an Arbeitsgruppen
teilnehmen. In diesen Arbeitsgruppen, oder schon früher sofern der CNI
es entscheidet, werden die Ergebnisse der Konsultation vorgestellt
werden. Am 1. Januar 2017 wird eine Plenarversammlung in Oventik,
Chiapas, Mexiko, eingerichtet werden und es werden die Entscheidungen
getroffen, wenn es sie gibt.
Die
compañeras und compañeros der Stadtviertel, Tribus, Nationen und
ursprünglichen Völkern, die den Nationalen Indígena Kongress
unterstützen, informieren uns, dass sie ökonomische Schwierigkeiten
haben, zu dieser Versammlung zu kommen, weshalb sie solidarische
Unterstützung der Sexta National und International, und aller ehrlichen
Personen, die in dieser Hinsicht unterstützen wollen, erbitten. Dafür
bitten die compas des CNI, dass direkt mit ihnen kommuniziert wird über
folgende Mailadresse: info@congresonacionalindigena.org
Darüber wird ihnen mitgeteilt, wo und wie sie unterstützen können.
Natürlich,
wenn Sie denken, indem sich die compas des CNI versammeln, denken und
im Kollektiv ihre Schritte und Ziel entscheiden, passen sie sich an die
Rechte an und schädigen den u-n-a-u-f-h-a-l-t-s-a-m-e-n Fortschritt der
institutionellen Linken, können Sie die Unterstützung an die Bedingung
knüpfen, dass sie Ihnen gehorchen, oder Sie fügen ihrem Beitrag etwas
hinzu wie: „hier überlasse ich Ihnen diese zwei Pesos, aber lasst euch nicht verarschen und manipulieren von dem Tuchgesicht [Anmk.: gemeint wahrscheinlich SubGaleano, ehemals SubMarcos]“.
Oder Sie geben die Unterstützung ohne weiteres, wie wir alle, und versuchen etwas von ihnen zu lernen.
Zweitens.- Wir nutzen die Gelegenheit Sie darüber zu informieren, dass das Zusammentreffen „Die Zapatistas und die ConCiencias für die Menschheit“ an dem Ort und den Tagen, wie ursprünglich angekündigt, gefeiert werden wird:
Vom
25. Dezember 2016 bis zum 4. Januar 2017 in den Einrichtungen des
CIDECI-UNITIERRA in San Cristóbal de Las Casas, Chiapas, Mexiko. Mit
einer Pause am 31. Dezember 2016 und 1. Januar 2017. Wenn Sie Interesse
haben, als Zuhörer*in oder Zuschauer*in teilzunehmen, registrieren Sie
sich unter conCIENCIAS@ezln.org.mx
So
werden die Ausstellungen über die exakten und Naturwissenschaften auf
der einen Seite und die Arbeitsversammlungen des Nationalen Indígena
Kongress auf der anderen, simultan stattfinden.
Das ist alles für jetzt.
Subcomandante Insurgente Moisés Subcomandante Insurgente Galeano
Mexiko, Oktober 2016
Aus dem Notizheft des Katze-Hund, Abschnitt „weder Geschichten noch Legenden“:
Was der Doktor John H. Watson nicht erzählen wird.
Berge
des mexikanischen Südostens. Viel Regen. Man hört kaum die Schreie die
sich, um sich Hinweise zu geben, jene geben, welche fortfahren die Wand
zu durchbohren. Es gibt welche, die sich vor dem Regenguss schlecht mit
Nylon schützen, aber die Mehrheit ist da mit durchnässten T-Shirts,
Blusen, Röcken und Hosen, erneut regnend über der Erde.
Die
Mauer erstreckt sich soweit das Auge reicht. Trotz ihrer scheinbaren
Stärke, biegt sie sich immer wieder in einem Teil ihres langen Vorhangs.
Man sagt, jene die diese Ländereien bewohnen, halten damit die Mauer
fähig ist, sich selbst zu regenerieren, und deshalb müssen sie nicht
zögern in ihren Bemühen einen Spalt offen zu halten. Befragt man
Geschichten und Legenden die unter der Bevölkerung zirkulieren, kommt
man zu dem Schluss, dass der Zweck der Wand nicht nur ist, zu vermeiden,
dass man sich kennt oder auf die andere Seite wechselt; sie überzeugt
auch jene die sie sich anschauen, dass da nichts weiter ist, dass die
Mauer dort aufhört, am Fuße ihrer soliden Basis und angesichts der
unendlichen Ausdehnung, in Länge und Höhe, ihrer Oberfläche.
Außerhalb
einer der Hütten nahe der Mauer, sitzt, mit dem Kinn ruhend auf einem
ihrer Händchen, ein Mädchen und schaut. Aber ihre Augen richten sich
nicht auf die stolze Mauer, sonder auf die Füße jener, die an der Wand
schlagen und kratzen. Oder besser gesagt auf den Boden übersät von
Schlamm und Pfützen.
Ein
wenig hinter ihr schützt sich, ein merkwürdiges Wesen, ähnlich einem
Hund, oder einer Katze, im Rahmen der Tür. Das Mädchen dreht sich zu ihm
und fragt: „Hör
mal du, Katze-Hund, fürchtest du dich etwa vor dem Regen? Ich nicht.
Würdest du mich ängstlich sehen, vergeblich ich heiße „Defensa
Zapatista“ [dt. Zapatistische Verteidigung].
Glaubst du, dass wenn wir im Spiel sind und es regnet wir sagen „oh
nein, ich gehe besser, weil ich nass werde“? Nichts da. Du richtest dir
mit der bloßen Hand das Haar, und da es nass ist, glatt, bleibt es so
und auf dass Krähen herbei fliegen, die dir die Augen herauspicken.
Aber es ist nicht so, dass ich das mache um mit den verdammten Männern
zu flirten. Nein, sondern damit ich den Ball sehen kann, wenn er kommt
oder geht. Wenn nicht, dann nicht. Und du bist vergeblich in der Hütte,
seist du nun Katze oder Hund, du wirst genauso nass werden. Schau, mir
kam schon eine Idee in den Kopf“.
Das
Mädchen geht in das Haus und sogleich kommt sie mit einigen Töpfen,
Eimern und leeren Blechdosen wieder heraus. Die bindet sie an die
Wasserlappen, die vom Rand des Wellblechdachs herunterhängen. Es
scheint, dass sie sie zufällig aufhängt, aber nein. Immer wieder
wechselt sie die Stelle. Das Wesen, dass das Mädchen „Katze-Hund“ nennt,
bellt und miaut. Das Mädchen schaut es an und sagt: „Warte, du wirst schon sehen was ich hier mache“.
Das
Mädchen fährt fort die Töpfe und Büchsen zu wechseln, und mit jedem
Wechsel, ändert sich der Klang der Tropfen die auf den Boden schlagen.
Das Mädchen lauscht einen Moment und beginnt wieder die Stelle und den
Ton der seltsamen Symphonie zu ändern.
Dabei
ist sie, als ein paar Männer kommen. Einer ist groß und schlaksig, der
andere von geringerer Statur und mittelgroß. Beide tragen feine
Regenschirme und der größere trägt einen eleganten Mantel, eine Art
Kappe und eine gebogene Pfeife zwischen den Lippen. Sie sagen nichts,
sie betrachten nur das kommende und gehende Mädchen. In einem bestimmten
Moment räuspert sich der schlaksige mit dem eleganten Mantel und sagt: „Entschuldigen
Sie Fräulein, erlauben Sie mir Sie mit meinem Regenschirm zu bedecken!
So werden Sie nicht nass während Sie … während Sie machen was auch immer
sein mag, was Sie machen“. Das Mädchen starrt sie feindselig an und antwortet „Ich heiße nicht „Fräulein“, ich heiße „Defensa Zapatista“ (das Mädchen macht sein bestes Gesicht à la „verschwinde von meinen Töpfen und Büchsen oder stirb“). Und das, was ich mache, ist ein Lied.“ Der Mann kommentiert wie für sich selbst: „Mmh, ein Lied, wie interessant mein lieber Watson, wie interessant“.
Der angesprochene nickt nur mit dem Kopf während er sich im Türrahmen
einmummelt, misstrauisch betrachtend das Hündchen … also, das Kätzchen …
also, was auch immer es ist, was da neben ihm in der Türangel ist.
Der
Mann mir der seltsamen Kappe beobachtet aufmerksam das Kommen und Gehen
des Mädchens. Plötzlich erhellt sich sein Gesicht und er ruft „Natürlich! Elementar. Ein Lied. Es könnte nicht anders sein“.
Er richtet sich zu jenem, der sich mit der Katze-Hund den kleinen Platz teilt, wo der Regen nicht durchnässt, und sagt „Achtung
Watson, hier haben wir etwas, was Sie niemals in einer dieser
romanhaften Verallgemeinerungen der Detektivwissenschaft, mit denen Sie
ihre dürftigen Leser belästigen, wenn sie die haben, berichten können.
Beobachten sie aufmerksam. Was das Fräulein macht … hust … hust … ich
meine, was „Defensa Zapatista“ macht, ist Prinzipien der Mathematik,
Physik, Biologie, Anatomie und Neurologie zu kombinieren. Mit dem
Wechsel des Platzes dieser seltsamen Metallbehälter und dem Aufhängen
unter verschiedenen Wasserfäden, werden verschiedene individuelle Töne
erzeugt, welche zusammen unterschiedliche Kombinationen von Noten
hervorbringen, welche schließlich zu einer Melodie werden. Dann, durch
wechselnde Rhythmen, wird es Musik und von da, elementar mein lieber
Watson, ein Lied. Bravo!“ Der Mann hat seinen Schirm jenem im Türrahmen gegeben und applaudiert begeistert.
Das
Mädchen hat ihre Aufgaben einen Moment unterbrochen, hat inne gehalten
und dem Mann zugehört. Nach dem Applaus fragt das Mädchen „du sagtest eine Tonne, nicht?“
„Eine Tonne?“, wiederholt der Mann und ruft, nach kurzem Nachdenken: „Natürlich!“ Tonne, Melodie [im Spanischen tonelada und tonada]. Ja Fräulein, eine Melodie und nicht eine Tonne, aber es stimmt, es gibt Melodien die sehr schwer sind“.
Das Mädchen runzelt die Stirn und erklärt „ich habe dir schon gesagt, dass ich nicht „Fräulein“ heiße, meine Name ist „Defensa Zapatista“. Wie heißt du?“
Der Mann antwortet „Sie haben Recht, es war ein Mangel an Anstand, dass ich mich nicht vorgestellt habe“ und stellt sich, mit einer kleinen Verbeugung vor: „Mein
Name ist Sherlock Holmes, Detektivberater. Und mein Begleiter, der
gerade vor Regen und Kälte zittert, ist der Doktor John H. Watson,
Verallgemeinerer der Wissenschaft“, und, dem Mädchen die Hand reichend, fügt er hinzu „und
Sie sind … natürlich, das haben Sie mir schon vorher gesagt, „Defensa
Zapatista“. Merkwürdiger Name für ein Mädchen. Nun, offenbar ist alles
merkwürdig in dieser Gegend.“
Das Mädchen ignoriert die gereichte Hand, zeigt sich aber interessiert. „Detektivberater … und was ist das?“, fragt sie. „Ich bekämpfe Verbrechen, Fräulein, ich untersuche, beobachte, analysiere und wende die Wissenschaften an“, antwortet der Mann mit schlecht gespielter Bescheidenheit.
„Ah, wie der Elias Contreras, der zapatistische Untersuchungskommission ist“, unterbricht das Mädchen.
Der Mann versucht zu erklären, aber das Mädchen fährt fort:
„Nun
schau, ich habe schon mit Elias gesprochen, damit er sich dem Team
anschließt, aber es ist so, dass er schon dahingeschieden ist,
beziehungsweise beschäftigt er sich mit dem Schlechten, das heißt er
untersucht das verdammte kapitalistische System. Ich sagte ihm, dass er
doch beitreten kann, auch wenn er schon verstorben ist, aber er sagt,
dass der supmarcos ihn dann zur Untersuchung schickt, und er nicht zu
den Trainings erscheint. Das seltsame ist, dass der supmarcos auch schon
dahingeschieden ist. Ich glaube es ist so, dass sie sich als
Verstorbene verstehen, die beiden. Klar, gerade kann man nicht viel
trainieren, da die Weide voller Schlamm ist und der Ball nicht rollt, so
bleibt er nur platt durch viele Tritte, nichts das sich bewegt, gerade
ein klein wenig und wieder wird er träge. Dann bist du voller Schlamm
und später kommen die mamaces [Mamas] mit
ihrem „du musst baden“, und auf zum Fluss. Badest du gerne? Ich mag es
nicht. Nur wenn es Tanz gibt, dann ja, denn es geht überhaupt nicht
voller Schlamm zu sein, wenn sie „die der farbigen Schleife“ spielen.
Kennst du „die der farbigen Schleife“? Es ist ein gutes Lied, denn man
tanzt nur so (das Mädchen wippt dabei, von einen Fuß auf den anderen während sie summt),
kein reines Rumgehopse wie die Jugendlichen von heute denen diese Musik
gefällt und enden noch schlammiger, als hätten sie nicht gebadet. Aber
die mamaces kümmert es wohl nicht, wenn kein Tanz ist? Nichts da, bade dich, wenn nicht auf dass Krähen herbei fliegen, die dir die Augen herauspicken. Hast du mamaces? Nun, schau, denkst du, dass es so ist, dass die mamaceswissen.
Sie wissen, natürlich. Ich weiß noch nicht, warum es ist so, dass sie
wissen, aber sie wissen. Du solltest das untersuchen, wie es sein kann,
dass sie wissen. Das habe ich dem Elias gesagt, dass er es untersucht,
aber er hat nur gelacht dieser Verdammte. Und noch schlimmer der SupMoy,
hilft er etwa? Wenn er vorbeigeht und die mamaces geben den Befehl zum baden, glaubst du er wird dich verteidigen? Nichts da, er sagt, dass man den mamaces gehorchen
muss. Ich rief ihn eines Tages, warum man das macht, wenn der Kampf
gehorchend befehlen sagt, wäre es so, dass die Mädchen befehlen und die mamaces gehorchen.
Aber nichts da, er lachte nur dieser Verdammte. Nun schau, pass auf,
denn ich werde es dir erklären: es ergab sich, dass wir das Team nicht
vervollständigt haben. Warum? Nun, also weil es keine Disziplin gibt,
das heißt sie verstehen die Organisation des Kampfes nicht. Einmal sagen
sie dir ja, dass sie beitreten, und ein Andermal, hauen sie ab, haben
sie schon einen Weg in die andere Richtung genommen. Warum das, warum
die andere Seite. Das sind reine Vorwände, die sie anbringen. Oder wegen
der Arbeiten für den Kampf sagen sie. Und spielen ist wohl keine Arbeit
für den Kampf? Der geschiedene supmarcos pflegte zu sagen, dass die
Arbeit der Kinder das Spielen ist. Nun, auch das Studieren pflegte er zu
sagen, aber das wirst du nicht veröffentlichen, eh? So kann man das
Team nicht vervollständigen, keine Zuverlässigkeit, wie man so schön
sagt. Aber du sorge dich nicht, du wirst nicht verzweifeln, dass das
Team nicht schnell komplett wird, wir wissen ohnehin, dass es sich
ausbreitet, und wir werden schon mehr. Ich, da gerade nicht trainiert
werden kann und sie mich nicht gehen lassen die Wand zu treten, weil es
regnet und ich nass werde … Kannst du glauben, dass sie das sagen? Ich
werde ohnehin nass, wenn ich mich bade. Neulich wollte ich das
politische Gespräch mit den mamaces beginnen
und sagte ihnen, dass es nicht gut ist, dass ich mich bade weil ich
dann nass werde, und in der autonomen Schule sagen sie, dass es nicht
gut ist, wenn die Mädchen nass werden, weil sie dann vielleicht krank
vom Husten werden, ah nicht wahr?
Dann lachten meine mamaces nur,
ich glaube sie haben das politische Gespräch nicht verstanden, denn sie
schickten mich zum Fluss, dass ich mich hinter den Ohren wasche. Gut,
lenke dich nicht ab, wie auch immer du heißt, es ist so, da ich weder
trainieren, noch die Mauer treten kann, begann ich zu denken und zu
denken. Und nun denke ich und denke. Aber keine Streiche, sondern über
den Kampf. Also dachte ich, dass wir eine Musik brauchen, für wenn wir
die Partie gewinnen.
Denn ohne Musik werden wir nicht zufrieden sein, dass wir gewonnen
haben, verstehst du mich? Was verstehst du, wenn du nur schaust. Gut,
ich erkläre es dir. Schau, die mamaces wissen, wir wissen nicht wie sie das machen, aber sie wissen. Wenn du eine schwierige Frage hast, gehst du damit zu deinen mamaces und zack wissen sie die Antwort. Nun, es ist so, dass meine mamacesmir
eines Tages eine Geschichte erzählten. Dass der geschiedene sagte, dass
der Kampf die Wissenschaften und die Künste braucht. Ich weiß nicht,
was Wissenschaften und Künste sind, und dann haben es mir meine mamaces erklärt.
Ich denke, dass ich es dir erkläre, denn sicher weißt du es nicht.
Schau, Wissenschaften und Künste bedeutet nicht, dass du die Dinge
einfach so machst, wie du willst, sondern zuerst stellst du dir vor, wie
es sein wird, was du tun willst, danach studierst du, wie du es machen
wirst und danach machst du es, aber nicht einfach so, sondern mit
Freude, vielen Farben und Musik, verstehst du? Nun, also habe ich
gedacht und mir vorgestellt, wie unsere Musik ist, wenn wir die Partie
gewinnen. Also ja, gut fröhlich aber nicht zum tanzen, denn es ist ernst
eine Partie zu gewinnen, noch mehr, wenn ich ein reines Bündel als Team
habe, wie der Katze-Hund hier, der kaum gehorcht, sondern nur rennt und
rennt, und da er die Pfoten krumm hat, geht er seitlich. Das Lied also
muss fröhlich sein, aber ernst. Das heißt, dass es Freude macht, dass
dein Herz zufrieden macht. Nun also sitze ich hier und denke über die
Musik nach, das heißt über die Tonne [tonelada > tonada = Melodie] des
Liedes und so kam mir die Idee. Weil ich dem Klang zuhöre, den der
Regen macht, wenn er fällt, und ich sehe, dass es anders klingt je nach
Pfützchen. Dann habe ich die Töpfe meiner Mama geholt und einige Büchsen
und Eimer des Kollektivs der Frauen die wir sind, und nun höre ich wie
jedes einzelne klingt und wie sie im Kollektiv klingen. Denn es ist
nicht das Gleiche, wie man sagt, individuell oder im Kollektiv, sieh zu.
Im Kollektiv ist es fröhlicher, das hört man gut. Im Gegensatz dazu,
individuell ist es immer das Gleiche, auch wenn du die Eimer wechselst.
Aber wenn du sie zusammen tust, ist es gleich etwas anderes. Natürlich,
die Frage ist, wie du sie zusammen bekommst und es fröhlich klingt.
Verstehst du? Das heißt, so stellst du die Wissenschaften und die Künste
und es wird vollständig. Nicht wie der Pedrito, der glaubt dass er
singen kann, aber nur Lieder von Pedro Infante kennt. Weiß er etwa etwas
von der Liebe? Nein, nur von Pferden und Betrunken. Vergeblich, denn
der Pedrito trinkt nicht zweimal, dass heißt, er trinkt nicht weil er
ein Kind ist und er trinkt nicht, weil er Zapatist ist. Glaubst du, du
wirst deine marida [Ehefrau, abgeleitet von marido - Ehemann] finden,
wenn du ihr was von Pferden singst? Nein, nichts da, niemals. Und noch
schlimmer, wenn es um Betrunkene geht. Stell dir vor man singt für mich
von Pferden, umsonst, denn ich habe eins, nur, dass es einäugig ist, das
heißt, dass ein Auge sieht und das andere Auge nicht sieht. Ehrlich
gesagt, ist das Pferd nicht meines, denn es hat schon einen Besitzer.
Niemand weiß woher es kam, es tauchte plötzlich einfach auf der Weide
auf. Ich habe es schnell, wie man sagt, für das Team rekrutiert und ich
habe es ins Tor gestellt, aber da es nicht gut sieht, musste ich mich
zur Verteidigung stellen. Nun aber, wenn man mir ein Lied von
Betrunkenen singt, dann ja, einige zapes und auf dass Krähen herbei fliegen, die dir die Augen herauspicken. Die mamacessagen,
dass der Schluck nichts taugt, dass er die Männer zu Idioten macht.
Nun, zu noch größeren Idioten. Und dann schlagen sie die Frauen. Klar,
jetzt ist es anders, weil wir uns verteidigen als Frauen die wir sind.
Ich, als zapatistische Verteidigung, trainiere mich auch, damit die
Männer mich nicht belästigen wenn ich schon erwachsen bin, das heißt,
wenn ich erwachsen werde und schon alleinstehend bin. Aber lenke dich
nicht ab, notiere das, was ich dir erklärt habe in deinem Heft, notiere,
dass die Wissenschaften und die Künste sehr wichtig sind ...“
In dem Moment beginnt der Katze-Hund zu bellen und zu miauen. Das Mädchen dreht sich um, sieht ihn an und fragt „schon?“
Der Katze-Hund schnurrt und knurrt. Das Mädchen tritt eilig in die
Hütte, gerade als der Regen seinen feuchten Rock zerschneidet und der
Himmel sich klärt.
Es
regnet schon nicht mehr als das Mädchen rennend die Hütte verlässt, mit
einem Ballon in ihren Händchen. Der Katze-Hund läuft hinter ihr her.
Während sie sich entfernt, ruft das Mädchen: „Wenn
du die Notiz beendet hast, kommst du. Mach dir keine Sorgen, wenn das
Team noch nicht vollständig ist. Plötzlich erweitert es sich, aber wir
werden mehr sein“.
Der
Mann, den sie „Doktor Watson“ nennen, schließt seinen Schirm und
streckt seine Hand, um sicher zu gehen, dass es tatsächlich aufgehört
hat zu regnen.
Der
Mann mit der absurden Kappe schaut weiter auf das sich entfernende
Mädchen. Dann holt er eine Lupe aus seinem Mantel und hält inne, um
jedes der, ohne Regen der ihnen ein Lied entnimmt, nun stummen
Haushaltsgeräte zu analysieren.
„Interessant,
mein lieber Watson, sehr interessant. Ich glaube es wird sich lohnen
eine Zeit lang in dieser Gegend zu sein. Die Atmosphäre ist sauber und
der Nebel erinnert mich an das London der Baker Street“, sagt der
große und schlanke Mann, während er seine Arme ausbreitet um die Luft
der Berge des mexikanischen Südostens besser einzuatmen.
„Eine Zeit hier sein, Holmes? Wofür?“ fragt der andere Mann während er sich ein paar übrig gebliebene Regentropfen abschüttelt, „ich
glaube nicht, dass wir sehr hilfreich sein werden, auch wenn jenes
Mädchen an verbalem Durchfall zu leiden scheint, ein Beruhigungsmittel
würde viel Gutes tun … jenen, die ihr zuhören“.
„Nein
Watson, wir werden niemanden helfen. Ich kam nur, um einen alten
Bekannten zu treffen. Aber ich glaube es wird schwierig sein ihn zu
finden … zumindest lebendig“, sagt der Mann, während er die Lupe einsteckt und zu gehen beginnt.
Der andere Mann beeilt sich ihn einzuholen, während er fragt „und was werden wir dann hier tun, Holmes?“
„Lernen, mein lieber Watson, lernen“, sagt der Mann während er erneut die Lupe hervorholt und inne hält um ein Insekt zu betrachten.
Während
die zwei Gestalten sich im Nebel abzeichnen, hört man in der Ferne
Bellen, Miauen und ein kindliches Lachen, ein Lachen als wäre es ein
Lied.
Dann, obwohl fast unmerklich, zittert die Mauer …
Ich bezeuge.
Guau-Miau.
Von der Baker Street zu den Bergen des mexikanischen Südostens.
[Video auf der Website]
Musik „Baker Street“, Gerry Rafferty, mit Raphael Ravenscroft am Saxophon. 1978.
Fotografien
von Sherlock Holmes und Doktor Watson aus der Serie „Sherlock“, einer
britischen TV-Serie von BBC, mit Benedict Cumberbatch (als Sherlock
Holmes) und Martin Freeman (als Doktor Watson). Koproduziert durch
Hartswood Films und WGBH, von Steven Moffat und Mark Gatiss. Begleitet
von einer Stickerei (zuerst skizziert und dann vollendet) der
Insurgent@s Zapatistas für das Festival CompArte, 2016, mit dem Thema
„Defensa Zapatista und die Hydra“. Das Bild des Püppchens in dem
Kickertisch wurde 2013 von einem 9-jährigen Jungen aufgenommen, der an
der Escuelita Zapatista teilnahm, den Kickertisch sah und das Püppchen
so platzierte wie es zu sehen ist. Die Illustrationen am Ende des Videos
sind von dem Unterstützungsteam CVI, Sektion „Tercios Compas“.
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