Klassenfahrten-Erlass von Commerçon als „beschämend“: Gerade arme Kinder
werden von der Bildung ausgegrenzt
07.10.2016
DIE LINKE
hinterfragt die strengen Regeln, die Minister Commerçon für Klassenfahrten an
Schulen eingeführt hat. Benachteiligt würden ausgerechnet arme Kinder, deren
Familien sich privat keine Ausflüge und Fahrten leisten könnten. „Bei Kindern
aus einkommensarmen Familien übernimmt nämlich das Bildungs- und Teilhabepaket
die Kosten der Schüler. Commerçon grenze gerade diese Kinder jetzt durch seine
landespolitische Regelung aus. Das ist einfach nur beschämend, “ kritisiert
Dagmar Trenz, jugendpolitische Sprecherin der LINKEN im Schloss.
Schulen hätten einen Erziehungsauftrag. Klassenfahrten gehörten unbedingt
dazu. Sie stärkten nicht nur das Gemeinschaftsgefühl, sondern ermöglichten den
Schülerinnen und Schülern auch erlebnispädagogische Erfahrungen sowie die
Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Schulausflüge und pädagogisch
wichtige Fahrten gehörten zudem zum Lehrplan etwa der Besuch des KZs
Struthof-Nassweiler, eine Ausstellung im Weltkulturerbe Völklingen, ein Besuch
des Gondwana-Parks oder des Römermuseums in Homburg. Für solche Ausflüge seien
im Schulfahrtenerlass gerade mal sechs Euro vorgesehen. Wie man davon Zugfahrt
und Eintritt bezahlen könne, müsse der Minister erst
erklären.
Unverständlich sei die Argumentation, dass arme Familien sich
die Kosten für Klassenfahrten und Ausflüge nicht leisten könnten, denn das
Bildungs- und Teilhabepaket übernehme diese Kosten in „tatsächlicher Höhe“. Das
Sozialgesetzbuch kenne hier auch keine Obergrenze. Diese habe jetzt
unnötigerweise der Minister eingeführt und deckle damit die Möglichkeiten des
Bundesgesetzes.
Damit könne das Bildungs- und Teilhabepaket nicht mehr in
der vollen Höhe im Saarland greifen, denn es muss die landesrechtlichen
Bestimmungen berücksichtigen. Betroffen seien davon ausgerechnet Schülerinnen
und Schüler, deren Eltern im Hartz-IV-Bezug sind. Der Klassenfahrten-Erlass
müsse zurückgenommen werden, denn er sei ein schlechter Scherz im Kampf gegen
die hohe Kinderarmut im Regionalverband und auch im Saarland, fordert DIE LINKE
mit Nachdruck.
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