Dienstag, 6. September 2016
Flüchtlingsversorgung in Ungarn: So schlecht wie möglich
"Ungarns Regierung will Flüchtlinge gezielt abschrecken. 20.000
Menschen kamen seit Jahresanfang über die Balkanroute in das Land. Die
Behörden schikanieren sie mit Transitzonen und gerichtlichen
Schnellverfahren…" Artikel von Keno Verseck im Amnesty Journal August
2016
https://www.amnesty.de/journal/2016/august/so-schlecht-wie-moeglich?linkId=27598986
Aus dem Text: "… Die ungarisch-serbische Grenze bei Röszke und Horgos:
Zweihundert Meter neben dem offiziellen Grenzübergang campieren
Flüchtlinge in Zelten und Unterständen aus Stöcken und Decken, direkt
am ungarischen Stacheldrahtzaun, vor einer langen Reihe weißer
Containerbaracken. "Transitzone Röszke" nennt sich der Komplex. Hier
können Flüchtlinge Asyl beantragen. Sie müssen dazu eine Schleuse aus
zwei eisernen Drehkreuzen zwischen Stacheldrahtzäunen passieren und
können in einer der Containerbaracken ihr Asylgesuch abgeben - wenn
die Schleuse denn geöffnet wird. Doch das geschieht nicht oft. Nur 15
bis 20 Menschen lässt die ungarische Grenzpolizei täglich hinein. Und
deshalb stauen sich hier, neben dem Grenzübergang, die Menschen.
Mehrere hundert Flüchtlinge sind es inzwischen, ebenso wie an der
baugleichen Transitzone Tompa, vierzig Kilometer weiter westlich. Und
es kommen immer mehr. Denn nach der Schließung der Balkanroute im
Januar steigt die Zahl der Flüchtlinge, die sich irregulär von der
Türkei nach Mitteleuropa durchschlagen, wieder deutlich an. (…) Seit
März fahren "MigSzol"-Aktivisten regelmäßig zu den Camps vor den
Transitzonen in Röszke und Tompa, verteilen Getränke, Lebensmittel,
Pflaster und Verbände - soviel wie sie gerade in Rucksäcken tragen
können. "MigSzol"-Mitbegründer Márk Kékesi sagt: "Wir haben schon
mehrmals versucht, mit den ungarischen Behörden darüber zu verhandeln,
ob wir in größerem Maße Hilfe leisten können, mit Zelten, Decken,
Kleidung, mobilen Toiletten. Aber die Grenzpolizei lässt das nicht
zu." Dabei bewahrt "MigSzol" in einem leerstehenden Schulgebäude nahe
Szeged noch riesige Mengen an Hilfsgütern auf. "Die Behörden wollen
jedoch alles vermeiden, was ihrer Meinung nach dazu führen könnte,
Flüchtlinge anzulocken", sagt Kékesi, "deshalb sollen die Bedingungen
so schlecht wie möglich sein." …"
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