Sonntag, 8. März 2015
Der Geruch des Todes
taz. v. 20.2.2015
Suche nach Verschwundenen in Mexiko
Die Verschleppung von 43 Studenten hat die Stadt Iguala aufgerüttelt. Auch Angehörige anderer Verschwundener suchen nun nach Gräbern.
von W.-D. Vogel.
IGUALA taz | „Positiv!“ Mario Vergara klopft den Umstehenden auf die Schulter. „Habe ich es nicht gesagt?“ Die lockere Erde, die leichte Absenkung. Hier musste etwas sein, da war sich der 40-Jährige sicher. Und jetzt der Beweis: Die Spitze der Metallstange, die sein Mitstreiter Juan Jesús Canaán gerade in den Boden gerammt hat, stinkt nach Verwesung. Wieder haben Vergara und seine Leute ein Grab gefunden. Die Suche, so scheint es, ist für den Mexikaner zur Routine geworden – und zur Berufung. Und wieder fragt er sich: Liegt hier mein Bruder?
Vergaras Suchtrupp, der aus fünf Personen besteht, hat sich drei Stunden zuvor wenige Kilometer entfernt auf dem Anwesen der Kirchengemeinde San Gerardo in der Stadt Iguala getroffen. Iguala ist die Hauptstadt des südmexikanischen Bundesstaates Guerrero und hat in den letzten Monaten wegen der vermissten 43 Studenten traurige Berühmtheit erlangt. Doch Verschwundene und Tote hat es hier schon vorher gegeben. Alle, die beim Suchtrupp mitmachen, vermissen Angehörige. Manche von ihnen wurden von Kriminellen entführt, andere von der Polizei. In der Küche der Kirchengemeinde, zwischen Regalen voller Dosen trinken sie einen ersten Kaffee.
Fast jeden Tag machen sie sich auf in die Berge, um nach ihren Kindern, Neffen oder Männern zu suchen. Auch Beamte der Generalstaatsanwaltschaft, mehrere Polizisten sowie Forensiker sind inzwischen eingetroffen.
„Am Anfang sind wir allein losgezogen, ohne Schutz und staatliche Unterstützung“, erzählt Mario Vergara und blickt zum Mangobaum, unter dem die Geländewagen der Uniformierten parken. „Die bewegen sich ja nur, wenn man ihnen ständig Druck macht.“ Vergara begann mit seinen Leuten, wenige Wochen nachdem Ende September 43 Studenten verschwanden. Sie sollen auf Befehl von Igualas Bürgermeister José Luis Abarca von Polizisten festgenommen und der Organisation Guerreros Unidos (Vereinigte Krieger) übergeben worden sein. Bislang fand man die Überreste eines Studenten in einem Massengrab.
URL: http://www.taz.de/!154961/
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