Sonntag, 15. September 2013

HEUTE GRIECHENLAND, MORGEN DIE EU

übersetzt von Jens-Torsten Bohlke Havanna, 26. August 2013, Cubadebate. – Während Griechenland ein drittes Paket an Finanzhilfe von 10 Milliarden Dollars nötig hat, erklären die Fachleute, dass die Zukunft der Europäischen Union ebenfalls unsicher bleibt und kein optimistischer Ausblick möglich ist. Der Wirtschaftswissenschaftler Michail Chasin. warnt in seiner Kolumne in der russischen Zeitschrift „Odnako“, dass alles, was heute in der EU geschieht, von Anfang an vorhersehbar war, und dass beim Überprüfen des Hilfsprogramms für Griechenland die grundsätzlichen Probleme zutage treten. „Das gesamte EU-Wirtschaftssystem ist seit Jahrzehnten auf ein wachsendes Brutto-Inlandsprodukt (BIP) der EU-Mitgliedsländer mittels wachsender Binnenmarktnachfrage bzw. wachsendem Lebensniveau der Bevölkerung aufgebaut, was aktiv durch die Haushaltsausgaben stimuliert wurde und wiederum den Anstieg der öffentlichen Verschuldung erforderlich machte“, erklärte er. Der Wirtschaftswissenschaftler äußerte weiter, dass die Lage natürlich nicht in allen Ländern der EU identisch ist. So ist beispielsweise der Bundeshaushalt Deutschlands noch stabil, während in Griechenland die Dinge sehr schlecht stehen. Jasin hob hervor, dass das Unvermögen der Volkswirtschaften in der EU bezüglich eines Zurückgreifens auf die Abwertung der eigenen Währung ein Problem darstellt. „Die Länder der Eurozone erlebten, wie plötzlich ihre einheimische Industrie zu verschwinden begann, weil so ein Schutzinstrument für sie wie die Abwertung der eigenen Währung nicht mehr existiert, und es ebenfalls unmöglich ist, mit den multinationalen Konzernen zu konkurrieren. Dieselbe Lage beobachtet man in jenen Ländern, die sich der EU in den 1990er Jahren anschlossen, wobei in diesen Ländern die Ursache für die Zerstörung rentabler Unternehmen rein politisch war. Dessen ungeachtet ist das Ergebnis dasselbe: eine völlige Deindustrialisierung“, so seine Worte. Die Lage der EU wird immer verzweifelter. Und schon jetzt besteht die Realität darin, dass diese Länder nicht mehr aus der Eurozone heraus können, weil dann das Lebensniveau der Bevölkerung unter die kritische Marke fallen würde. „Sie aus der EU herauszulösen, hieße die gesamte Organisation für immer zu verlieren. Und die kleinen Länder zu verpflichten, die Schulden zu zahlen, ist eine Idiotie. Ihre Wirtschaft generiert nicht die nötigen Zuflüsse dafür. So lässt sich das Problem nur aufschieben“, so Chasin. „Allgemein können wir sagen, dass die Politik der EU an ihrem natürlichen Ende angekommen ist. Es gibt keine Möglichkeit des Auswegs, weil die Geldgabe an alle Länder (und die Probleme haben nicht nur Griechenland oder Spanien, sondern alle) einfach unmöglich ist, eines Tage muss man dies stoppen und anfangen, die Schäden zu richten, einschließlich die an der Bevölkerung der Länder der EU angerichteten Schäden, denn deren Lebensniveau wird erheblich abgesenkt werden.“ Der Wirtschaftsfachmann warnt, dass die deutschen Wahlen im September ein Schlüsselmoment für die EU sein werden, denn mit einem Wahlsieg von Angela Merkel wird sich nichts ändern. „Im Allgemeinen ist die Lage gewissermaßen hoffnungslos. Die Politiker werden niemals zugeben, dass die Politik, die sie jahrzehntelang verteidigt haben, eine schlechte Politik ist, weil sie in diesem Fall ihre Ämter niederlegen müssten. Die Absage an jegliche Diskussion über die Probleme macht deren Lösung unmöglich. Im Klartext kommen wir in eine Situation, in welcher die parlamentarische Demokratie nicht nur zu einem Hemmschuh für die Entwicklung wird, sondern sie wird zu einem Instrument der Zerstörung derselben Gesellschaft, die sie als Hauptgarant für ihr Gedeihen in Stellung gebracht hatte. Sic transit gloria mundi – So verblasst der Ruhm der Welt, oder, nobel geht die Welt zugrunde.“ (Gestützt auf RussiaToday) Quelle: http://www.cubadebate.cu/especiales/2013/08/26/la-grecia-de-hoy-la-ue-del-manana/

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