Samstag, 10. August 2013
Mandela, der Patenonkel des Neo-Apartheid-Südafrika
Von Thomas C. Mountain
Übersetzt von Einar Schlereth
Herausgegeben von Susanne Schuster
Quelle: tlaxcala-int.org/
Während Nelson Mandela dem Tod entgegengeht, ist sein Vermächtnis als Patenonkel des Neo-Apartheid-Südafrika fest verankert.
Heute ist das Leben in Südafrika für viele, wenn nicht die meisten Menschen beinahe ebenso unsicher und unwürdig wie damals, als Mandela vor 20 Jahren zum ersten Mal als Präsident vereidigt wurde. Die beste Art und Weise, das „moderne“ Südafrika zu beschreiben, ist: unterdrückt von einer neuen Form von Apartheid.
Aber Moment mal, hat die Wahl Mandelas zum ersten schwarzen Präsidenten Südafrikas nicht zur Wiederherstellung des Eigentums von dem durch das weiße rassistische koloniale Siedler-Apartheid-Regime gestohlene Land geführt? Nein, keine wirkliche Landreform für die Massen der landlosen Afrikaner. Doch Mandela hat dafür gesorgt, dass die internationalen Bergwerksunternehmen so viel neues Land bekamen, wie sie brauchten.
Und während große Mengen des nationalen Grundnahrungsmittels, nämlich Mais, in Südafrika angebaut werden (es ist eins der führenden Mais exportierenden Länder der Welt), kämpft das Volk des Landes immer noch täglich darum, genug Mais kaufen zu können, um die Familien satt zu bekommen.
A propos Bergbauunternehmen, die die Basis des großen Reichtums des Landes darstellen, hat Mandela da nicht irgendwann einmal versprochen, sie zu nationalisieren und ihren fabelhaften Reichtum zum Wohle des südafrikanischen Volkes zu nutzen?
Ja, das hat er versprochen, aber nein, er hat sein Versprechen nicht gehalten. Sondern er hat alle Restriktionen für die Bergwerksbesitzer beseitigt, damit sie ihre Firmensitze in andere Länder verlegen konnten und keine Steuern zu zahlen brauchten.
Und das Versprechen, sauberes Trinkwasser für alle Menschen in Südafrika zu beschaffen? Nein, das Versprechen wurde auch nicht eingehalten. Aber unter Mandelas Führung wurde den Bergbauunternehmen erlaubt, weiterhin das Grundwasser in vielen Teilen des Landes zu vergiften.
Hat Mandela nicht versprochen, seinem Volk freie, universale öffentliche Bildung zu verschaffen? Die Antwort auf diese Frage findet man am besten, wenn man die Bergarbeiter fragt, die im vergangenen Jahr streikten, weil sie es sich nicht leisten konnten, die Schulgebühren für ihre Kinder zu bezahlen.
Sind die Menschen in Südafrika nicht wohlhabender geworden, haben die Leute nicht mehr Geld in ihren Taschen und einen besseren Lebensstandard? Laut Präsident Zuma liegt Südafrikas BNP heute 20 % über dem Stand vor 20 Jahren, als das ursprüngliche Apartheid-System beendet wurde.
Aber die Lebenshaltungskosten haben in den vergangenen 20 Jahren die Lohnerhöhungen aufgefressen, was zu einem tatsächlichen Sinken des Lebensstandards der Volksmassen geführt hat.
Aber wie steht es mit der Lebenserwartung und der Gesundheit im Allgemeinen im Lande – leben die Südafrikaner nicht länger denn je zuvor? Abermals nein – die Lebenserwartung ist unter Mandela und seinen Freunden scharf gesunken, wovon sich das Land erst noch erholen muss. Das war zum Teil dem Versagen von Mandela und seinen Kumpanen zu verdanken, die AIDS-Pandemie ernst zu nehmen. Und heute haben die AIDS-Kliniken des Landes keine der notwendigen Medikamente, weil die ANC-Regierung die Gelder gekürzt hat.
Es war einmal, dass die Freiheitsballade, die vom ANC unter Mandela gesungen wurde, einen Refrain enthielt, der hieß: „Ein Siedler, eine Kugel“. Heute haben manche den Verdacht, dass bei den Vorstandssitzungen der Multis, die Südafrika plündern, gesungen wird „Ein Bergarbeiter, eine Kugel!“, da die südafrikanische Polizei auf Geheiß der Minenbesitzer wieder das Feuer auf die streikenden Bergarbeiter eröffnete (siehe meine Artikel hier und hier).
Das Leben ist also kaum besser geworden für die meisten Südafrikaner und die Weißen besitzen immer noch das Land und die Bergwerke. Nahrung, Wasser, Erziehung und Medizin zur Bekämpfung von AIDS sind immer noch Mangelware oder fehlen ganz, aber an einem fehlt es nicht – Korruption, jede Menge Korruption in der gesamten ANC-geführten Regierung. Es scheint, dass ALLE Spitzenleute des ANC, egal welcher Fraktion, wegen Korruption angeklagt sind, weil sie ihre Taschen gefüllt haben auf Kosten des Volkes. Und dieser ausgetretene Pfad führt auch bis vor die Haustür von Mandela. Doch kein Journalist oder ihre Verleger haben bisher den Mut besessen, sie zu öffnen und die Wahrheit die Welt wissen zu lassen.
Vor zwanzig Jahren war Nelson Mandela der Vater dessen, was das Neo-Apartheidsystem in Südafrika wurde und heute, wo er auf dem Sterbebett liegt, hat er sich wirklich den Titel ‚godfather’ [Wortspiel: Vater und Gottvater, aber auf Deutsch sagt man ja Taufpate oder Patenonkel] der Neo-Apartheid verdient. Wie anders soll man das nennen, was offiziell das ungleichste soziale System in der heutigen Welt ist – die moderne „Post-Apartheid“ in Südafrika.
Anmerkung:
Danke Einar Schlereth
Quelle: http://www.countercurrents.org/mountain090713.htm
Erscheinungsdatum des Originalartikels: 09/07/2013
Artikel in Tlaxcala veröffentlicht: http://www.tlaxcala-int.org/article.asp?reference=10159
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