- Kürzen »gegen Armut« – Arbeitsmarktforscher propagieren »Erwerbszuschuss« als neue Hartz-IV-Reformidee. Hinter der vermeintlichen Wohltat steckt eine Mogelpackung
“… Unter dem Motto »Arbeit muss sich lohnen« wirbt deren Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für einen »Erwerbszuschuss«. Dieser solle »Beschäftigten im unteren Einkommensbereich« ein Plus auf dem Konto bringen. Doch was schön klingt, ist ein als Wohltat angepriesener Kürzungsvorschlag. (…) Von dem IAB-Vorschlag würden indes nur Hartz-IV-Aufstocker profitieren, die über ein monatliches Nettoeinkommen von mehr als 850 Euro verfügen. Der überwiegende Teil der Betroffenen hätte am Ende noch weniger als schon heute in der Tasche. Bisher erhalten erwerbstätige Aufstocker einen Grundfreibetrag von 100 Euro. Was darüber hinaus bis zu einer Grenze von 1.000 Euro verdient wird, rechnet die BA zu 80 Prozent auf die Leistungen an. Oberhalb der Grenze bleiben noch zehn Prozent des Einkommens frei. Arbeitet beispielsweise jemand im Minijob für 450 Euro monatlich, beträgt sein Freibetrag 170 Euro. Das heißt: Sein Regelsatz wird um 280 Euro gekürzt. Die BA-Forscher plädieren dafür, den Grundfreibetrag auf 50 Euro zu senken. Oberhalb der 50 Euro bis zur Minijobgrenze von 450 Euro sollen nur noch zehn Prozent frei bleiben. Ein Minijobber hätte dann statt wie bislang 170 nur noch 90 Euro mehr als ein nicht erwerbstätiger Hartz-IV-Bezieher. Erst oberhalb eines Nettoeinkommens von 450 Euro sollen 40 statt wie bisher 20 Prozent vom Lohn nicht angerechnet werden. Beträgt beispielsweise das Einkommen 600 Euro, wären dann nicht mehr 200, sondern nur noch 150 Euro anrechnungsfrei. Bei einem Lohn von 850 Euro würde sich der Selbstbehalt mit 250 Euro an die jetzige Lage angleichen. (…) Die Experten wollen so das Hartz-IV-System »entbürokratisieren« und »leistungsgerechter« gestalten. Dann könnten Familien mit geringem Einkommen künftig statt Kinderzuschlag und Wohngeld aufstockendes Hartz IV beantragen und damit ein paar Euro »aus einer Hand« mehr in der Tasche haben, lobte auch das Handelsblatt in dieser Woche unter Berufung auf das IAB…” Kommentar von Susan Bonath in der jungen Welt vom 25. Januar 2019
Montag, 28. Januar 2019
Reformvorschlag des IAB: “Arbeit muss sich lohnen – auch im unteren Einkommensbereich!”
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