
Der neue ökoliberale Mainstream wird allmählich deutlich. Er formiert sich unter Führung der Grünen als »alternativloser Block der Mitte« mit einem fast schon esoterisch anmutenden Primat der Klimapolitik und der Bagatellisierung sozialer und ökonomischer Fragen. Bei Teilen der Grünen und ihren mittelständisch geprägten Vorfeldorganisationen (Fridays for Future u.a.) gelten zum Beispiel Diskussionen über eine Grundrente als »rückwärtsgewandt« oder »Klientelpolitik«. Leitschnur für Verteilungskämpfe ist die sogenannte Generationengerechtigkeit, die aber Fragen wie Kinderarmut oder den Pflegenotstand weitgehend ignoriert. Einkommens- und Vermögensverteilung sowie die Fiskalpolitik werden als Randaspekte dem apodiktischen Gebot der Einhaltung eines virtuellen »CO2-Gesamtbudgets« untergeordnet. Wie der weniger betuchte Teil der Bevölkerung beispielsweise weitere energetische Modernisierungen in Mietwohnungen, teurere Lebensmittel, CO2-Abgaben auf privaten Energieverbrauch und Mobilität bezahlen soll, wird nicht thematisiert.
Allen diesen Parteien ist gemein, dass sie dem Vormarsch der Grünen anscheinend nichts entgegen zu setzen haben. Zumal selbst zarte Versuche der Anbiederung an den neuen ökoliberalen Mainstream erhebliche Fliehkräfte in der eigenen Basis auslösen. Das zeigen die Wählerwanderungen, die sich in jeweils unterschiedlicher Gewichtung in Richtung Grüne und AfD entwickelt haben. Letztere bindet eben nicht nur unverbesserliche Rassisten und Neonazis, sondern dient vor allem als Projektionsfläche für all diejenigen, bei denen das Agieren der »Altparteien«, ein Gefühl des »Abgehängtseins« und die Abkehr von tradierten Gesellschaftsmodellen, Denkmustern und Konsumgewohnheiten zu Verunsicherung und Wut führt.
Während sich in Deutschland – wie in fast allen europäischen Ländern – eine rechtspopulistische Partei und Bewegung als Opposition sowohl zur Großen Koalition als auch zur ökoliberalen »Mitte« etabliert hat, herrscht im linken, kommunitaristisch orientierten Spektrum gähnende Leere, zumal mit Sahra Wagenknecht die einzige populäre Vertreterin dieses Politikansatzes von ihrer eigenen Partei systematisch demontiert wurde. Ihr Personaltableau ist besonders bei jüngeren Wähler nicht präsentabel, während der ökoliberale Mainstream einen »nonkonformistischen« Strahlemann mit Kultstatus wie Robert Habeck als Galionsfigur vorzuweisen hat.
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