Dienstag, 4. Juni 2019

04.06.1955: Jupp Angenfort wird als KPD-Mitglied vom Adenauer-Regime in der BRD zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt.


Während bundesdeutsche Medien noch heute von angeblich fehlenden Grund- und Freiheitsrechten in der DDR schwadronieren, ist ihnen der Umgang mit kommunistischen Oppositionellen in Westdeutschland seit jeher bestenfalls eine Randnotiz wert. Die Opfer der gegen Kommunisten und Antifaschisten gerichteten staatlichen Verbots- und Repressionspolitik sind bis heute nicht für das ihnen angetane Unrecht entschädigt, geschweige denn gesellschaftlich rehabilitiert worden.
Um sich ein realistisches Bild zu machen, welche Kraft etablierte Politik, Justiz und Polizei nicht nur während des sogenannten Kalten Krieges in der BRD aufwandten, um gegen Kommunisten vorzugehen, lohnt sich ein Blick in die von Hannes Stütz herausgegebene Biographie »Sprung in die Freiheit – Die Geschichten des Josef A.«. In seinem Buch beschreibt Stütz das Leben und politische Wirken des vor einem Jahr verstorbenen Kommunisten Josef Angenfort, der von seinen Freunden und Genossen Jupp genannt wurde.
Der 1924 in Düsseldorf geborene Angenfort stammte aus einer katholischen Eisenbahnerfamilie. Er geriet bereits als 19jähriger Wehrmachtssoldat in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach Gesprächen, die er dort mit sowjetischen Soldaten führte und den eigenen Erfahrungen von Krieg und Faschismus, schloß er sich dem »Nationalkomitee Freies Deutschland« an.
Ab 1949, nach seiner Rückkehr nach Deutschland, engagierte sich Angenfort sodann in der kommunistischen Bewegung und wurde Vorsitzender der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschland (KPD). Schon 1951 zog er für die KPD in den nordrhein-westfälischen Landtag ein und war dort jüngster Abgeordneter.
Noch im gleichen Jahr mündeten die antikommunistischen Haßkampagnen in der BRD in Verbotsverfügungen, die die Bundesregierung gegen die FDJ sowie drei weitere kommunistische Organisationen erließ, die sich an der Vorbereitung einer Volksbefragung zum Thema Wiederbewaffnung in der Bundesrepublik beteiligt hatten.
Wie noch heutzutage nicht unüblich, wertete die damalige Bundesregierung das Engagement gegen Krieg und Militarisierung als »einen Angriff auf die verfassungsmäßige Ordnung des Bundes«.
Trotz seiner Immunität als Landtagsabgeordneter wurde der FDJ-Vorsitzende Angenfort von einer Spezialeinsatzgruppe des Bundeskriminalamtes festgenommen und wegen angeblichen Hochverrates angeklagt. In einem Schreiben an den Landtagspräsidenten protestierte Angenfort am 1. Oktober 1953, also nach bereits siebenmonatiger Haft, gegen die Umstände seine Inhaftierung. So konstatierte er, daß er zwischen seiner Festnahme »und der Methode der Schutzhaft in der Nazizeit keinen prinzipiellen Unterschied feststellen« könne.
Obwohl die Inhaftierung selbst gegen die geltenden Gesetze verstieß, rettete dies Angenfort nicht vor einer Verurteilung wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens, Geheimbündelei und Zugehörigkeit als Rädelsführer zu einer verfassungsfeindlichen Vereinigung zu insgesamt fünf Jahren Haft.
Selbst hochrangige politische Gegner waren entsetzt, daß das Engagement für Frieden und Abrüstung von den Richtern zu Hochverrat umgedeutet wurde. »Vergleicht man dieses Urteil mit den milden Urteilen gegen Kopfjäger aus den hitlerschen KZs, gegen viehische Mörder, die nachträglich noch begnadigt werden, dann ist man empört darüber, daß Menschen vor dem Richterstuhl so behandelt werden. Wir sind in Westdeutschland wieder soweit, daß alle Gegner des Bundeskanzlers als Bolschewisten oder des Hochverrats angeklagt werden«, erklärte etwa der damalige parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Walter Menzel.
Kurz nach seiner Entlassung wurde Angenfort wegen Verstoßes gegen das KPD-Verbot wieder verhaftet, jedoch gelang ihm bei einem Gefangenentransport die Flucht. Er rettete sich in die DDR und kam erst 1968 nach Gründung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) zurück nach Düsseldorf, deren Mitglied er bis zu seinem Tod im März 2010 blieb.
Die Biographie über Jupp Angenfort sollte zur Pflichtlektüre in Schulen werden. Zeichnet sie doch das Bild eines engagierten Antifaschisten und Kommunisten, der sich während seines gesamten Lebens für Frieden und Gerechtigkeit stark gemacht hat und seinen Kampfesmut selbst während seiner Haftzeit und der massiven Hetzkampagnen gegen ihn und seine Genossen nie verlor.

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