
„
Für
die Studierendenorganisationen ist die Zusage jedoch nur ein erster
Schritt. Sie kündigten für 2019 weitere Demonstrationen an. Wichtige
Punkte seien noch offen. Dazu gehört die Forderung nach zinsfreien
Studienkrediten sowie strukturelle Verbesserungen und Kontrolle, damit
Misswirtschaft und Korruption an den Universitäten keine Chance mehr
haben. Und sie fordern für die Zuknunft noch mehr Geld, denn seit 25
Jahren stagnieren die staatlichen Ausgaben für die öffentlichen
Universitäten, während die Studierendenzahlen sich nahezu vervierfacht
haben. So hat sich eine “historische Schuld” von 15 Billionen Pesos (4,2
Mrd. Euro) angehäuft. Geld, das in Infrastruktur und Qualität der
Bildung hätte investiert werden müssen, so eine der Hauptforderungen der
Studenten. Der Zustand der Universitäten ist desolat. Viele Gebäude
sind baufällig, immer wieder brechen welche zusammen. Das Budget reicht
nicht einmal mehr, um die laufenden Kosten zu decken. An der Universidad
de Antioquia in Medellín, die als erste öffentliche Uni im Land zu
streiken begann, hatten die Dozentinnen und Dozenten zur Teilnahme
aufgerufen, weil sie keine Gehälter mehr bekamen. Seit Oktober sind bei
dem nationalen Streik 27 der 32 öffentlichen Universitäten dabei…“ – aus dem
Beitrag
„Kolumbien: Studenten erkämpfen nach Monaten des Streiks Rekordsumme“
von Katharina Wojczenko am 19. Dezember 2018 bei amerika21.de 
, worin es zur Breite der Protestbewegung auch noch heißt: „
Bei
mindestens zehn landesweiten Protestmärschen gingen Hunderttausende auf
die Straßen, um für die Universitäten und ihr Recht auf Bildung zu
demonstrieren. Darunter nicht nur Studierende, Dozenten und Rektoren,
sondern auch Eltern, Gewerkschafter und andere soziale Gruppen…“
Siehe dazu auch einen weiteren aktuellen Beitrag, einen
Hintergrundartikel unter anderem zur Vorgeschichte des aktuellen Kampfes
und den Hinweis auf unseren bisher letzten Bericht zu den
Studierenden-Protesten:
- „Mehr Geld für Unis in Kolumbien“ von Katharina Wojczenko am 17. Dezember 2018 in der taz
, worin es zum Anlass der Regierungswende heißt: „Sein
Kopf liegt auf den Fliesen in einer Blutlache. Auf Höhe der Augen ist
eine rote Masse. Esteban Mosquera, Musikstudent aus Popayán, hatte für
die Rettung der chronisch unterfinanzierten öffentlichen Unis
demonstriert. Wieder einmal reagierte der Esmad, die berüchtigte
Antiaufstandseinheit der Polizei, auf friedliche Proteste mit Gewalt. Am
Donnerstag kostete das Esteban das linke Auge. Die Bilder aus Popayán
verbreiteten sich wie ein Lauffeuer. Wenige Stunden später lenkte die
Regierung ein. Am Freitag unterzeichnete Präsident Iván Duque in
Anwesenheit von Studierendenvertretern ein historisches Abkommen: 5,8
Billionen Pesos (1,62 Milliarden Euro) wird Kolumbien in den kommenden
vier Jahren in die Hochschulbildung investieren. So viel wie noch nie…“
- „Kolumbien: Der Kampf um freie Bildung“ von Jule Damaske am 22. Dezember 2018 im Lower Class Magazine
zu den Rahmenbedingungen dieses Kampfes unter anderem: „Um
eine kostenlose, qualitativ hochwertige Bildung für alle Studierenden
öffentlicher Universitäten gewährleisten zu können, fordert die
Nationale Vereinigung der Hochschulstudenten (UNEES) umgerechnet über 5
Milliarden Euro vom Staat. Rund 1 Milliarde Euro fehlen für Gehälter von
Lehrenden und Angestellten der öffentlichen Universitäten und 4,5
Milliarden Euro in der Infrastruktur. Der Haushaltsplan der Regierung
sah bisher jedoch nicht einmal die Hälfte dieses Betrages für die
Universitäten vor. Auch die Matrikelgebühren privater Universitäten
sollen gesenkt werden. Ein Semester an einer Privatuniversität kostet
umgerechnet ab 5.000 Euro. Kredite für Studierende öffentlicher
Universitäten, die in der Verantwortung des Staates liegen sollten,
werden von Beiträgen anderer Studierenden bezahlt. Nach und nach zieht
sich der Staat aus der Verantwortung die öffentliche Bildung zu
finanzieren. Mit der Bewilligung der umgerechnet 1,6 Milliarden Euro für
die nächsten vier Jahre kommt die Regierung den Streikenden einen
Schritt entgegen. Dennoch fordern die Studierenden weiterhin, dass das
Gesetz »Ley 30« aus dem Jahr 1992 geändert und den heutigen Anforderungen angepasst wird…“
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