Dienstag, 2. Januar 2018

Mit Anwesenheitsboni gegen den Krankenstand: Unternehmerischer Einsatz für einen gerechten Lohn für ein gerechtes Tagewerk



"... Seit Anfang des Jahres können Arbeitskräfte bei Daimler und 
Amazon ihren Lohn aufbessern, wenn sie sich selten bzw. überhaupt 
nicht krankmelden; wer nur wenige Krankheitstage über das Jahr 
zusammenbringt, dem stellen die Arbeitgeber Bonuszahlungen in 
Aussicht. Die progressive Geschäftsmaßnahme der Unternehmen nimmt die 
Öffentlichkeit hinsichtlich ihrer (zu erwartenden) Wirkungen mit 
fachkundigen Bedenken zur Kenntnis und findet sie mehrheitlich etwas 
anrüchig, kennt aber einen respektablen Grund, weshalb sie dann doch 
in Ordnung geht: „‚Wer Angst um seinen Job hat, schleppt sich 
gelegentlich auch mal mit einer Erkältung ins Büro‘, sagt Dennis 
Nowak, Arbeitsmediziner an der Ludwig-Maximilians-Universität München. 
Präsentismus nennen es die Ärzte, wenn Arbeitnehmer trotz Krankheit 
ins Büro gehen. Dass der Stuttgarter Autobauer Daimler kürzlich 
ankündigte, seinen Mitarbeitern einen Bonus zu bezahlen, wenn sie gar 
nicht oder nur selten krank sind, sei ein fatales Signal, sagt Nowak. 
Insgesamt ist der volkswirtschaftliche Schaden durch kranke 
Angestellte aber erheblich. (...) Wenn sie den Krankenstand an ihrem 
Ideal einer nimmerkranken Arbeiterschaft misst, auf die Deutschlands 
Unternehmerschaft Anspruch hat, kommt ihr die fiktive 
volkswirtschaftliche Verlustrechnung der Bundesanstalt mit ihren 
großen Zahlen gerade recht – sie bebildert damit sich und ihrer 
Leserschaft die Dimension ‚unseres Problems‘ mit kränklichen 
Arbeitnehmern, an dem sich zuvor zitierte Bedenken gegen fragwürdige 
Geschäftsmaßnahmen gründlich relativieren. Der unternehmerische 
Standpunkt, der so zum Gemeinwohl der deutschen Volkswirtschaft 
geadelt wird, steht ganz in der Tradition jenes ehernen Grundsatzes 
der Lohnarbeit, wonach Unternehmer Geld für Arbeit bezahlen und damit 
das Recht auf ihre geldwerten Leistungen erwerben; ein 
Rechtsverhältnis, dem alle persönlichen und sachlichen Notwendigkeiten 
der Arbeitskraft, über die so verfügt wird, äußerlich sind; ein 
Verhältnis also, kraft dessen Unternehmer gegen die Notwendigkeiten 
und Bedürfnisse der Arbeitskräfte, die darin ihre Einkommensquelle 
haben, ihren Anspruch auf deren ausgiebige Betätigung geltend machen, 
sie also großzügig für ihren Gewinn verschleißen..." Beitrag aus der 
Zeitschrift Gegenstandpunkt 4-17
https://de.gegenstandpunkt.com/artikel/anwesenheitsboni-gegen-den-krankenstand

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