Dienstag, 12. September 2017
Europäischer Tarifbericht des WSI: Löhne in Europa steigen real nur sehr langsam – 2017 droht in etlichen Ländern wieder Stagnation oder sogar Rückgang
Der europäische Lohnskandal
"Die Lohnentwicklung in der Eurozone ist weiter extrem schwach. Es ist
ein Skandal, dass die europäischen Gewerkschaften zwar„pay-rise“
Kampagnen machen, über die konkreten Ergebnisse ihrer eigenen
Verhandlungen aber praktisch nicht reden. (...) Das wäre ein tolles
Thema für die Wahlkämpfer und die deutschen Gazetten, die ja nicht
müde werden, die Ungleichheit zu beklagen. Da sie sich aber wie der
Teufel vor dem Weihwasser davor fürchten, Maßnahmen zu nennen, mit
denen man die Ungleichheit wieder verringern kann, verschweigen sie es
lieber. An vorderster Stelle müssten auch diejenigen mit diesem
empirischen Befund arbeiten, die Angst um das Wohl des deutschen
Sparer haben, weil der ja keine Zinsen mehr bekommt. Ja, warum bekommt
er keine Zinsen? Weil die Preise nicht steigen! Und warum steigen die
Preise nicht? Weil die Löhne nicht steigen! Wo ist die politische
Aktion der Gewerkschaften? (...) Warum nutzen die Gewerkschaften in
ganz Europa nicht die Gunst der Stunde (dass nämlich selbst
konservative Institutionen wie die Kommission, die EZB und die
Deutsche Bundesbank begriffen haben, wie wichtig höhere Nominallöhne
sind), um zu fordern, dass in der gesamten EWU politisch durchgesetzt
wird, dass zukünftig die Lohnverhandlungen immer bei genau zwei
Prozent beginnen und die Frage nur sein kann, wie viel da oben drauf
kommt? (...) Außer einer schwachen Forderung, die Tarifbindung zu
stärken, findet sich im gesamten Forderungskatalog nichts, was
wirklich zur Beseitigung des europäischen Lohn-Skandals beitragen
könnte. Von wirklichen Umverteilungsforderungen im Licht des deutschen
Leistungsbilanzüberschusses ganz zu schweigen..." Beitrag von Heiner
Flassbeck vom 7. September 2017 bei Makroskop
https://makroskop.eu/2017/09/der-europaeische-lohnskandal/
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