Mittwoch, 8. Februar 2017
Wenn die Nacht am tiefsten ist: Warum nur radikale linke Forderungen gegen den rechtsautoritären Kapitalismus eine Chance haben
"Volksverräter« ist das Unwort des Jahres 2016, nach »Gutmensch« und
»Lügenpresse« in den beiden Vorjahren – und allein in dieser
Aufzählung hallt der dramatische Rechtsruck wider, der die Republik in
den vergangenen Jahren heimgesucht hat. (...) Eine adäquate Antwort
auf den Rechtsruck kann in dieser Situation kaum in kurzfristigem
Appeasement liegen, nicht in Verständnis für die »Sorgen« der
»Besorgten«, sie könnte aber darin bestehen, für eigene Aufreger im
Diskurs zu sorgen: Was wäre eigentlich so verwerflich daran, die Frage
nach der Rechtmäßigkeit von Privateigentum jenseits bestimmter Grenzen
aufzuwerfen? Warum sollte man nicht über einen Mindestlohn von 20 oder
30 Euro in der Stunde, über ein Grundeinkommen von 1500 Euro, vor
allem aber über Maximalentgelte und -boni diskutieren? Warum sollte
eine Rückvergemeinschaftung von Betrieben, die der öffentlichen
Daseinsvorsorge dienen, ein Tabu sein? Ebenso wie die
Zwangsverstaatlichung von Konzernen, die sich nicht an bestimmte
Regeln halten? Was sollte, angesichts der Vergemeinschaftung von
Milliardenverlusten, deren Zeuge wir heute alle paar Monate sind,
eigentlich utopisch sein an einem Grundrecht auf kostenfreies Wohnen,
kostenfreie Bildung und kostenfreie kulturelle Teilhabe inklusive
öffentlichem Internetzugang? An kostenlosem Nah- und Fernverkehr, auch
im ICE? An grenzenlosem Verkehr für Menschen und strengen Kontrollen
für Kapitalverkehr? Was ist so falsch an mehr Ausgleich und weniger
Dynamik? Warum nicht arbeiten, um zu leben, statt andersherum..."
Beitrag von Lukas Franke vom 4. Februar 2017 bei neues Deutschland
online
https://www.neues-deutschland.de/artikel/1040720.wenn-die-nacht-am-tiefsten-ist.html
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