Donnerstag, 9. April 2015

WARUM IST DER KAMPF GEGEN DEN OPPORTUNISMUS HEUTE SO WICHTIG?

Von Ljubow Pribytkowa Übersetzung: Florian Geißler In Rußland gibt es eine Vielzahl kommunistischer Parteien, darunter auch die KPRF. Sie ist die bekannteste Partei im Land und hat zahlreiche Mitglieder und ist offiziell anerkannt. Allerdings ist sie nur dem Namen nach kommunistisch, eigentlich aber ist sie eine ganz gewöhnliche sozialdemokratische Partei im bürgerlichen Sinne. Ihr Programm und ihre Politik haben keinerlei Beziehung zum Kommunismus. Auch in den westlichen Ländern sind mittlerweile viele solche Parteien entstanden. Die KPRF hat eine ziemlich große Fraktion im bürgerlichen Parlament von Rußland, und sie versucht, ihr Scherflein zur Entwicklung kapitalistischen Rußland beizutragen. Welche Rolle spielt die angeblich „linksorientierte“ KPRF? Über das Wesen dieser Linkspartei wurde schon viel geschrieben, doch offenbar reicht auch das nicht aus, da die ständige pseudo-kommunistische Demagogie ihrer Parteiführer, mit der für den Spießbürger attraktiven Phrase über einen „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“, eine geschickte Revision des Marxismus-Leninismus darstellt. Sie ist eine subtile Fälschung der Erfahrungen des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR und ist ein politischer Opportunismus, der in der internationalen kommunistischer und Arbeiterbewegung kolossalen Schaden anrichtet. Unter dem Vorwand der Weiterentwicklung der Lehre von Marx und in Anbetracht der grundlegend veränderten ökonomischen und politischen Lage auf der Welt, gehen die Ideologen der KPRF, geführt von Sjuganow, immer mehr vom Materialismus zum Idealismus über, von der Wissenschaft zum kleinbürgerlichen Utopismus, vom Klassenkampf zum Klassenversöhnlertum. Sjuganow: Der Klassenkampf ist nun erledigt! Sofort nach Gründung der KPRF verkündete Sjuganow, das Limit für eine Revolution sei nun erschöpft, und man müsse sich nun mehr um eine aktive Beteiligung an den Parlamentswahlen kümmern. Bald darauf begann seine Partei, die internationalistische Losung „Proletarier aller Länder – vereinigt euch!“ zu verunglimpfen, indem sie die sogenannte „Russische Art“ organisierten und sich für eine Verbrüderung aller Russen, die Vereinigung der satten und der hungrigen einzusetzen, anstatt den Kampf gegen die Ausbeutung zu organisieren. Sogenannte „Kommunisten“ schwören auf den heiligen Bogoslow Und plötzlich begannen sie zu beweisen, daß der „Atheismus kein notwendiger Bestandteil des Kommunismus“ sei. Ein Professor A.F. Nikolski, Mitglied des Büros Irkutsker Komitees der KPRF, hat sogar ein dickes Buch darüber geschrieben, und hat den Lesern nicht etwa empfohlen, die Schriften von Charles Darwin und Karl Marx zu lesen, nicht etwa geraten, die Gesetze der Natur und der Gesellschaft zu studieren, sondern sich auf die „Offenbarungen Heiligen Johann Bogoslow“ zu konzentrieren. Für den Professor ist die dialektisch-materialistische Erklärung der gesellschaftlichen Entwicklung schon veraltet, und der Übergang auf die Positionen des mittelalterlichen objektiven Idealismus ist das neueste Wort der Gesellschaftswissenschaft. Wie sollte man sich da auch nicht an dem Irkutsker Professor ein Beispiel nehmen! KPRF: Staat und Kirche sind nun „Verbündete“ Eine aktuelle Abkehr von Marx hat Herr Sjuganow mit seinem Buch „Die Richtigkeit“ vollzogen. Er hat buchstäblich eine Hymne auf die Religion und die Kirche gesungen, die einzigen Wohltäter und Erlöser des russischen Volkes in seiner tausendjährigen Geschichte. Und in seinem neuen Buch „Die Kommunisten 21“ hat er ausgesprochen, daß die „staatliche Gottesbekämpfung einer der schlimsten Fehler der sowjetischen Epoche“ gewesen sei. Und er hat seine Freunde darüber zum Ausdruck gebracht, daß „Staat und Kirche jetzt natürliche Verbündete“ sind. Er rief die bürgerlichen Machthaber Rußlands dazu auf, der Kirche alle notwendigen Voraussetzungen „für die moralische Erziehung und geistige Aufklärung der Gesellschaft“ zur Verfügung zu stellen. Kurzum, mit dem Doktor der Philosophie Sjuganow und seinen „Gelehrten“ der sogenannten Gesellschaft für „Russische Wissenschaftler mit sozialistischer Orientierung“ (RWSO), kann es einem nicht langweilig werden. Man braucht nur ihre revisionistischen Anekdoten zu lesen… Der Herr Professor Beljajew erfindet eine neue Ökonomie Und hier in Irkutsk brachte die KPRF Ende 2013 plötzlich das Buch „Skizzen zur politischen Ökonomie des Sozialismus” von P.S. Beljajew heraus, einem Doktor der technischen Wissenschaften und Professor am „Melentjew-Institut für energetische Systeme“ der Russischen Akademie der Wissenschaften. Ein großer Teil der tausendsten Auflage des Buches wurde an das ZK der KPRF, an die Bibliothek der Akademie der Wissenschaften und an führende Hochschulen des Landes und an fast alle Redaktionen linker Zeitungen gesandt. Später erschien darüber auf einigen Webseiten auch noch sein Artikel „Die Errungenschaften und Fehler der sowjetischen politischen Ökonomie“. … doch leider sind seine Erklärungen völlig illusorisch! Der Professor hat das Buch nicht einfach nur geschrieben, um das Thema zu popularisieren, sondern mit dem Anspruch, seine neue Sicht über die politische Ökonomie des Sozialismus darzulegen. Doch leider brachte er da nichts Wegweisendes zustande. Der Autor hat nur seine oberflächlichen Kenntnisse über den Marxismus offenbart. Durch das ganze Buch zieht sich der Dunst vulgärer, häufig falscher und sogar verlogener Erklärungen über viele wichtige Gegenwartsprobleme und über die Praxis des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR. Sein Versuch, einen Beitrag zur Entwicklung der sowjetischen politischen Ökonomie des Sozialismus zu leisten, hat sich als illusorisch erwiesen. Die Ausgangsposition des Professors ist: „Während der Oktoberrevolution fehlte tatsächlich eine Wirtschaftstheorie des Sozialismus“. „Die Wirtschaftstheorie des Sozialismus, einschließlich der politischen Ökonomie, begann dabei tatsächlich bei Null“, und sie verlief je nach praktischer Erfahrung oft nach der Methode „Versuch und Irrtum“… Dieser Gedanke des Autors wird im ganzen Buch bald zehnmal wiederholt. Kommunismus: Von der Utopie zur Wissenschaft Wer eine solche Behauptung aufstellt, der beweist nur, daß er die Geschichte des wissenschaftlichen Kommunismus nicht kennt, denn viele richtige Ideen in der politischen Ökonomie des Sozialismus wurden bereits Anfang des 16. Jahrhunderts ausgesprochen. In dem bemerkenswerten Buch von Thomas Morus „Über die beste Einrichtung des Staates“[1], das uns als „Utopia“ bekannt ist, ist von einer gerechten Gesellschaft die Rede, wo das Privateigentum fehlt, wo es keine Ausbeutung gibt, wo es keine Menschen gibt, die eine parasitäre Lebensweise führen, wo nicht nur alle natürlichen Reichtümer, sondern auch die gesamte Produktion des gesellschaftlichen Reichtums gemeinschaftlich erfolgt. Im „Kapital“ verweist Karl Marx zweimal auf dieses Buch, wenn er über den Prozeß der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals schreibt. Professor Beljajew weiß nicht, wovon er spricht… Nicht ohne Grund hat die Akademie der Wissenschaften der UdSSR die Bücher der Vorgänger des wissenschaftlichen Sozialismus, die „Utopia“ von Thomas Morus, die „Sonnenstadt“ von Campanella, das „Gesetzbuch der Natur oder der wahre Sinn ihrer Gesetze“ von Morelli und die „Auserwählten“ von Robert Owen verlegt, weil in ihnen der Ursprung aller Weisheit zu finden ist, der die Quelle des wissenschaftlichen Kommunismus wurde. Und die Floskel des Autors der „Skizzen zur Politischen Ökonomie…“, daß heute „neben der vertieften Entwicklung der politischen Ökonomie des Sozialismus auch eine Weiterentwicklung der marxistischen politischen Ökonomie des Kapitalismus notwendig ist”, beweist nur, daß der Autor nicht weiß, wovon er spricht. Eine solche Wortverbindung ist sinnlos, da es eine „marxistische politische Ökonomie des Kapitalismus“ nicht gab, und vom Prinzip her auch nicht geben konnte. Die populären Irrtümer der bürgerlichen Nationalökonomen Die bürgerliche Ideologie, einschließlich der politischen Ökonomie des Kapitalismus, wurde ununterbrochen seit dreihundert Jahren bis heute von verschiedenen bürgerlichen Gelehrten entwickelt. Und Karl Marx, der Gründer des „Bundes der Kommunisten“, mußte den utopischen Sozialismus seiner Vorgänger, die Theorie der Merkantilisten, akribisch und kritisch durchdenken, er mußte die klassische bürgerliche politische Ökonomie von Adam Smith und David Ricardo studieren. Er unterzog die Arbeiten der vulgären bürgerlichen politischen Ökonomie, die er in die Hände bekam, einer scharfen Kritik. Danach riefen auch die Theoretiker der kleinbürgerlichen politischen Ökonomie S.Sismondi[2] und P.Proudon, in deren Theorien immer weniger an Wissenschaftlichkeit aufzufinden ist, seinen Widerspruch hervor, weil der Kapitalismus nach seiner progressiven antifeudalen Phase immer regressiver wurde. Und die bürgerlichen Ideologen fuhren fort, den Kapitalismus als ein ewiges und natürliches Gesellschaftssystem anzusehen, sie sahen die Wege zur Lösung seiner Widersprüche nicht. Sie waren bestrebt, das Rad der Geschichte zurückzudrehen und zur Kleinproduktion zurückzukehren, wobei sie sich auf utopische Positionen stellten. Es läutete die Totenglocke der bürgerlichen Ökonomie! Das Anwachsen des Klassenkampfes des Proletariats in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ermöglichte es Marx, mit Genugtuung festzustellen: „Er läutete die Totenglocke der wissenschaftlichen bürgerlichen Ökonomie.“[3] Im 20. Jahrhundert, mit dem Übergang des Kapitalismus in sein höchstes Stadium, den Imperialismus, und seinen sich bis zum Äußersten verschärfenden Widersprüchen, sahen sich die bürgerlichen Ideologen schon gezwungen, bewußt von der wissenschaftlichen Analyse der gegenwärtigen kapitalistischen Wirklichkeit abzugehen, und Konzeptionen zu verfassen, die der Verteidigung des Kapitalismus dienten, seiner Rettung vor Krisen und Arbeitslosigkeit, vor der schreienden Polarisierung der Gesellschaft, vor Massenprotesten und vor möglichen Revolutionen. Die soziale Hauptaufgabe der politischen Ökonomie seit jener Zeit ist die Apologetik der bürgerlichen Ordnung. Die unwissenschaftlichen Theorien von Keynes, Aron, Galbraith und Bell Der englische Ökonom J.M.Keynes[4] kaprizierte sich auf die Idee einer staatlichen Regulierung der kapitalistischen Wirtschaft. W.Rostow[5] erfand die Theorie der „Stadien des Wirtschaftswachstums“, R. Aron[6] erfand die Theorie der „einheitlichen Industriegesellschaft”, J.K. Galbraith[7] erfand die „neue Industriegesellschaft”, D.Bell[8] kreierte die Konzeption der „postindustriellen Gesellschaft”. Und in den letzten Jahren wurde auch noch die „Konvergenztheorie“ verbreitet. Karl Marx räumt auf… Die vierbändige Ausgabe des „Kapitals“ von Karl Marx, der Artikel „Zur Kritik der politischen Ökonomie“ und das Manuskript „Kritik der politischen Ökonomie“ ist nicht eine „marxistische“ politische Ökonomie des Kapitalismus, sondern Marx hat in diesen Arbeiten die kapitalistische Produktionsweise einer wissenschaftlichen Analyse unterzogen, ihre objektiven Gesetze entdeckt, die bürgerliche politische Ökonomie kritisch durchdacht und eine präzise Einschätzung aller ihren Formen gegeben. Im Ergebnis dieser buchstäblich titanischen Bemühungen kam er zu Schlußfolgerungen, die das Fundament des wissenschaftlichen Kommunismus wurden. Sie wurden zur Grundlage der proletarischen Ideologie, die wir gewöhnlich mit einem Wort als MARXISMUS bezeichnen. Die genialen Entdeckungen von Marx, Engels und Lenin Einen Beginn des revolutionären Umsturzes in der Gesellschaftswissenschaft sehen wir schon in der Arbeit von Karl Marx „Zur Kritik der politischen Ökonomie“, der er einige Jahre gewidmet hat, und die nicht zufällig als hervorragend zu bezeichnen ist. In ihr sind in genialer Weise die wesentlichen Grundgedanken des historischen Materialismus: die allgemeinen Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung, die Gesetze der Entstehung, Wirkungsweise und Entwicklung sozial-ökonomischen Formationen sowie ihrer Ablösung dargelegt. „Die materialistische Anschauung der Geschichte geht von dem Satz aus, daß die Produktion, und nächst der Produktion der Austausch ihrer Produkte, die Grundlage aller Gesellschaftsordnung ist; … Hiernach sind die letzten Ursachen aller gesellschaftlichen Veränderungen und politischen Umwälzungen zu suchen nicht in den Köpfen der Menschen, in ihrer zunehmenden Einsicht in die ewige Wahrheit und Gerechtigkeit, sondern in Veränderungen der Produktions- und Austauschweise; sie sind zu suchen nicht in der Philosophie, sondern in der Ökonomie der betreffenden Epoche.“ schrieb Engels im „Anti-Dühring“[9] Das von Marx entdeckte Gesetz über die Art und Weise der Herstellung materieller Güter als bestimmender Faktor der gesellschaftlichen Entwicklung führte ihn zu der Schlußfolgerung, daß niemand anderes als das Proletariat die schöpferische Hauptkraft der Gesellschaft ist und über sein Schicksal selbst entscheiden muß. Der Marxismus erklärt die Ursachen für Ausbeutung und Unterdrückung Das materialistische Geschichtsverständnis, das konkret-historische Herangehen an das Studium der Geschichte und die Absage an alle diejenigen, die den Kapitalismus für eine ewige und natürliche Produktionsform halten, wurden zu einer Methodologie der akribischen dialektisch-materialistischen Analyse der kapitalistischen Produktionsweise, zum Beweise dessen, daß der Kapitalismus seinem Wesen nach ein System der sozialen Ungleichheit, der Ausbeutung und Unterdrückung ist, und sich nur entwickeln kann, dank dem inneren, antagonistischen Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Und das machte es auch möglich, Schlußfolgerungen über die Notwendigkeit einer revolutionären Umgestaltung der Gesellschaft zu ziehen. Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewußtsein Im Vorwort „Zur Kritik der politischen Ökonomie“ schreibt Marx: „In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt, und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt. Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um. Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Uberbau langsamer oder rascher um.“[10] Ist das nun das theoretische Fundament der politischen Ökonomie in der neuen kommunistischen Gesellschaftsformation? Veraltet denn nicht auch hier ein Gedanke? Professor Beljajew bleibt stur Ich habe nicht versucht, mit Professor Lew Spiridonowitsch Beljajew, das Manuskript seines Buches zu besprechen. Aber seine Idee, daß die Bolschewiki nach der Revolution 1917, den Sozialismus aufbauen und bei der politischen Ökonomie des Sozialismus von Null anfangen mußten, war unerschütterlich: „Also, zeigen Sie mir das, in welcher Arbeit, wo ist bei Marx etwas über die Preisbildung im Sozialismus gesagt! … Aha, Sie können mir das nicht zeigen, was wollen Sie eigentlich von mir!“ Er wollte nicht einmal hören, daß der Marxismus niemals den Anspruch hatte, alles zu erklären. Er lieferte die philosophische Methodologie, die wissenschaftliche Voraussetzung für die Erklärung und für die Lösung der konkret-historischen Aufgaben. Konkrete Fragen müssen konkret gelöst werden Natürlich sind die Preisbildung, die Leitung der Betriebe und Wirtschaftszweige, Kredite und Löhne in der sozialistischen Gesellschaft sehr wichtige Probleme, doch es sind konkrete ökonomische Probleme. Und ihre Lösung hängt von in vielerlei Hinsicht von den theoretischen politisch-ökonomischen Gegegebenheiten der Gesellschaft ab. Würde sich der Herr Professor fürs erste besser mit den dialektischen Wechselbeziehungen zwischen dem Gesellschaftlichen und dem Privaten, dem Abstrakten und dem Konkreten, zwischen Theorie und Praxis zurechtfinden, dann wären ihm auch die Wechselwirkungen zwischen politischer Ökonomie und Wirtschaft klarer. In der Sowjetunion sind die Lehrbücher und Wörterbücher für politische Ökonomie nicht gegen Lehrbücher und Wörterbücher für die Wirtschaft ausgetauscht worden. Es könnte dem Autor nicht schaden zu wissen, daß das Theoretische immer das Instrumentarium für die Lösung konkret-praktischer Aufgaben ist. Doch für die allwissenden Gelehrten sind das alles veraltete „Dogmen“. Ist der Marxismus veraltet? Wenn sich heute diese Intellektuellen der RWSO zur marxistischen Wissenschaft verhalten, wie zu einer Sammlung längst überlebter „Dogmen“, so erkannten schon die Bolschewiki in Rußland lange vor der Oktoberrevolution 1917 die Grundlagen der wissenschaftlichen proletarischen politischen Ökonomie, die von den großen deutschen Denkern Karl Marx und Friedrich Engels geschaffen wurde, als ihr philosophisches Fundament. Die schlesischen Weber (1844) – Beginn des proletarischen Klassenkampfs Der Aufstand der schlesischen Weber, der sich im Jahre 1844 in Deutschland ereignete, war der erste große Klassenkampf zwischen dem Proletariat und der Bourgeoisie. In der Zeitung „Vorwärts“ schrieb damals Marx: „Die Revolution überhaupt – der Umsturz der bestehenden Gewalt und die Auflösung der alten Verhältnisse – ist ein politischer Akt. Ohne Revolution kann sich aber der Sozialismus nicht ausführen. Er bedarf dieses politischen Aktes, soweit er der Zerstörung und der Auflösung bedarf.“ [11] Das Manifest der Kommunistischen Partei Und 1848 wurde im “Manifest der kommunistischen Partei” gesagt: „Die Kommunisten verschmähen es, ihre Ansichten und Absichten zu verheimlichen. Sie erklären es offen, daß ihre Zwecke nur erreicht werden können durch den gewaltsamen Umsturz aller bisherigen Gesellschaftsordnung.” [12] Und weiter: „Von allen Klassen, welche heutzutage der Bourgeoisie gegenüberstehen, ist nur das Proletariat eine wirklich revolutionäre Klasse.“ [13] Karl Marx: Die Diktatur des Proletariats ist notwendig! Im März 1852 hat sich Marx im Brief Joseph Weydemeyer noch konkreter ausgesprochen, nämlich, „daß der Klassenkampf des Proletariats notwendig zur Diktatur des Proletariats führt“ [14], die für die grundlegende qualitative Umgestaltung in der Wirtschaft – die „Abschaffung des Privateigentums“ notwendig ist. Ist denn nicht die Idee von der historischen Mission des Proletariats, über die Notwendigkeit eines revolutionären Weges, um den antagonistischen Hauptwiderspruch des Kapitalismus zwischen Kapital und Arbeit zu überwinden, eine geniale Erklärung des Marxismus? Bilden denn diese Ideen von Marx nicht die Grundlage für eine neue politische Ökonomie der Zukunft? Wäre denn die Lösung der zahlreichen konkreten Wirtschaftsaufgaben des sozialistischen Aufbaues ohne dieses theoretische wissenschaftliche Fundament überhaupt möglich? Das Wesen des Kapitalismus hat sich nicht geändert Die wissenschaftliche Analyse des modernen globalen Kapitalismus beweist, daß sich das Wesen des Kapitalismus auch nach 150 Jahren nicht geändert hat. Zudem ist die heutige Politik des Imperialismus nicht nur einfach menschenfeindlich, sondern auch bedrohlich für die Existenz der Menschheit. Ihre offene Hinwendung zum Faschismus wurde offensichtlich. Mit dem Sturz des sozialistischen Weltsystems, mit dem Verschwinden eines restriktiven Faktors, hat das internationale Kapital in einer ausgeprägten unipolaren Welt die Möglichkeit, den Druck auf die Arbeiterklasse zu verstärken, die neokolonialistische Politik zu aktivieren und den Einfluß nicht nur auf die dritte Welt, sondern auch auf schwächere Partner zu verstärken. Die Bourgeoisie unternimmt schon keine Anstrengungen mehr, ihr gieriges Wesen zu verbergen. Die Polarisierung der Gesellschaft hat sich enorm verschärft Die Erhöhung der Ausbeutung der Lohnarbeiter, die Verschlechterung der Lebensumstände der Werktätigen, nicht nur in den unentwickelten Ländern, sondern auch in den entwickelten kapitalistischen Ländern führen zu einer ungeheuren Polarisierung der menschlichen Gesellschaft, und die Höhe der Arbeitslosigkeit auf der Welt führt einerseits zur Protesten und andererseits zu einem verstärkten Druck der herrschenden Klassen auf die Protestierenden. Die Kommunisten müssen alles tun, um den Marxismus zu verbreiten! Gerade deshalb sind die Ideen von Karl Marx heute mehr denn je aktuell. Und deshalb ist es auch für die Kommunisten um so notwendiger geworden, sie unter dem Proletariat zu verbreiten, das heute an einer unpolitischen Einstellung und an kleinbürgerlichen Illusionen krankt. Ebenso notwendig ist auch der Kampf um die Reinheit des Marxismus, gegen die aktivierten Revisionisten, die der Bourgeoisie als eine angeblich wissenschaftliche Intelligenz zu Diensten stehen. Wird es einen „Neuen Sozialismus“ à la KPRF geben? Unweigerlich wirkte sich, wie viele Beobachter feststellen, die immer komplizierter werdende Lage auch auf internationale kommunistische und Arbeiterbewegung aus, in der es heute Uneinigkeit, Zersetzung und Unentschlossenheit gibt. Eine der Erscheinungsformen dieses Zustandes ist die bei den „Linken“ überall herumgeisternde Theorie vom „Sozialismus des 21. Jahrhunderts”, die von sich behauptet, eine neue Theorie des Sozialismus zu sein, die den angeblich veralteten „Sozialismus des 20. Jahrhunderts” ablösen soll. Einer der aktivsten Propagandisten dieser Theorie ist die KPRF. Und wenn es nun schon zwei verschiedene „Sozialismen“ gibt, so muß sich die kommunistische Bewegung damit natürlich auch auseinandersetzen, deren ideologischen Gehalt und soziale Praxis analysieren. Vieles davon ist schon offensichtlich. Davon zeugt auch die Diskussion auf 15. Internationalen Treffen der kommunistischen und Arbeiterparteien in Lissabon in November 2013. Wie Klein-Sjuganow sich den „Marktsozialismus“ vorstellt… Auf dem XV. Parteitag der KPRF im Februar 2013 ließ sich Sjuganow detailliert über den „Sozialismus des 21. Jahrhunderte“ aus. Im neuen „Sozialismus“ gäbe es seiner Ansicht nach eine vielschichtig strukturierte Wirtschaft. Das Eigentum der verwestlichten Oligarchen werde nationalisiert, und deren ausländisches Kapital werde „der Wirtschaft des ganzen Landes untergeordnet”. Und dem Privateigentums der mittleren Bourgeoisie und dem Kleinbürgertum, das heißt den Verwandten der „einheimischen Produzenten“ werde nichts drohen. Sjuganow ist davon überzeugt, daß „der private Sektor eine gemeinnützige Orientierung“ erhalten wird. Er versprach der Wählerschaft, im Falle seiner Regierungsmacht, die „wirtschaftlichen Reformen aus der festen Grundlage der Gerechtigkeit und des Kollektivismus durchzuführen“. Er versprach, eine „Moderiniserung der Wirtschaft“ durchzuführen, die nach „Konfliktlosigkeit und Harmonie in den sozialen Beziehungen“ strebe. Kurz gesagt – es fehle nicht mehr viel, und wenn bei den Wahlen zur Duma die Mehrheit der Wähler der KPRF ihre Stimme gäben, sei gewährleistet, daß die Russen einen „Marktsozialismus“ bekämen! Es werde, genauer gesagt, wie in Schweden ein „Kapitalismus mit menschlichem Gesicht“ aufgebaut. Kritische Auseinandersetzung mit den lateinamerikanischen Versuchen Einen sehr tiefgründigen Artikel hat darüber der bekannte amerikanische Gelehrte James Petras geschrieben „Der lateinamerikanischen Sozialismus des 21 Jahrhunderte in historischer Perspektive”[15]. Er führte Tatsachen, Zahlen und Argumente an. Dieser Lügen-Sozialismus oder der Weg dahin, hält nicht einmal elementarster Kritik im Vergleich zum realen Sozialismus stand, wie er in der UdSSR und den Ländern der Volksdemokratie im 20. Jahrhundert war. Der Präsident Ecuadors, Rafael Correia, hat darüber jedoch eine andere Meinung: „Wir glauben nicht an den Klassenkampf und den dialektischen Materialismus. Wir halten es für möglich, auf demokratischem Weg radikale sozialistische Veränderungen in den existierenden Strukturen durchzuführen”. Eine solche Position vertrat Ende des 19. Jahrhundert auch schon der Renegat Eduard Bernstein, aber das Leben hat die Lächerlichkeit seiner utopischen Ideen bewiesen. Der rechte Opportunismus ist schädlich und gefährlich! Die Sjuganowismus in Rußland und andere Formen des rechten Opportunismus sind in der linken Bewegung leider sehr verbreitet. Die Ideologen der KPRF singen ein Loblied auf den „Sozialismus mit chinesischen Besonderheiten“, obwohl die Entwicklung Chinas schon ganz offenbar auf dem kapitalistischen Weg verläuft. Es ist unbestreitbar, daß die rechten Opportunisten objektiv die Funktion von Verbündeten des weltweiten Kapitals erfüllen. Und deshalb sind schädlich und gefährlich. Es gibt jedoch keinen Grund zum Pessimismus! Die kommunistischen Parteien, welche einen klaren marxistisch-leninistischen Standpunkt einnehmen, werden immer stärker. Sie erklären öffentlich, daß heute der Sozialismus im Interesse der Mehrheit des werktätigen Volkes nicht auf dem sogenannten „demokratischen Weg“ erfolgen kann, sondern nur durch eine tiefe und radikale Umgestaltung, durch die Zerstörung des bürgerlichen Staatsapparates, durch die Liquidierung des Privateigentums und die Errichtung der Diktatur des Proletariats. Es steht ein schwerer Weg bevor, aber einen anderen Weg gibt es nicht! Gerade deshalb ist die Lehre von Karl Marx und Friedrich Engels, und das Werk ihres Fortsetzers Wladimir Iljitsch Lenin heute aktuell wie niemals zuvor! 4. März 2015 Quelle: http://work-way.com/kakoj-socializm-propoveduet-kprf/ (Übersetzung: Florian Geißler)

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