Sonntag, 15. September 2013
Syrien: geostrategische Analyse
Fuer Diejenigen, die noch nicht mit dem geostrategischen Kontext des Syrienkriegs vertraut sind, hier die entsprechende Analyse. Sie macht viele mitlitaerische Manoever und Entwicklungen der NATO sowie die diversen Schachzuege auf politischer Ebene verstaendlich und nachvollziehbar.
Das Schicksal Syriens ist in diesem Zusammenhang recht nachrangig (ausgenommen fuer die unmittelbar benachbarten Staaten).
Tatsaechlich geht es um die politische, wirtschaftliche und strategische Entwicklung des Westens insgesamt, deren Zukunft aktuell auf den syrischen Schlachfeldern zur Entscheidung steht.
Genaigenommen handelt es sich um einen halbwegs verzweifelten Versuch der westlichen Laender, "zu retten, was zu retten ist", auf dem Weg ueber eine massive militaerische Eskalation, hin zu einem großen Krieg, die im ersten Schritt ueber Syrien realisiert werden kann..
Nach den aktuellen Vorgaengen ist es unwahrscheinlich, das dies Projekt noch realisiert werden kann und seinen Geschaeftdfuehrern wird wahrscheinlicht nicht erspart bleiben, ihr Scheitern bei seiner Durchfuehrung einzugestehen.
Dieses Kriegsprojekt des Westens richtet sich nur in zweiter oder dritter Linie gegen Syrien selbst. Die eigentlichen Gegner, die es zu treffen gilt, sind andere (das mag man in der Tuerkei, in Riad oder Qatar anders sehen; die Feststellung gilt fuer "den Westen" / die NATO-Staaten).
Der Hauptgrund fuer diesen Krieg liegt darin, dass Syrien bisher als Bremsklotz wirkt gegen einen lange geplanten Krieg gegen den Iran. Da ein Irankrieg von Israel zu initiieren waere, wird Syrien zum Problem, weil von hier oder durch die Hisbollah unangenehme Gegenmassnahmen gestartet werden koennten. Syrien kann durch die Buendnispartner Iran und Russland mit effizientem militaerischen Material ausgestattet werden und damit einer angreifenden israelischen Militaermacht schwere Probleme bereiten - und die Staedte Israels befinden sich bereits im Kurzstreckenbereich syrischer Raketen. Deshalb muss Syrien fallen, bevor es gegen den Iran gehen kann.
Russen und Chinesen ist dieser Zusammenhang selbstverstaendlich klar, und sie blocken deshalb ab, wo sie koennen, weil Iran zu ihren wichtigen strategischen Verbuendeten gehoert und ein westlicher Angriff auf den Iran fuer sie unangenehme Konsequenzen hat.
Hinter der Zielscheibe Iran wiederum stehen eben China und Russland selbst, die durch einen Irankrieg - der letztlich in Syrien beginnt - zu treffen waeren.
Durch einen Angriff auf den Iran lassen sich eine Reihe fuer die USA und England nuetzliche und insbesondere fuer China schaedliche Effekte erzielen:
a) man stoppt die iranischen Oellieferungen nach China (und in andere Laender). Anschließend muessen diese ihr Oel sehr viel teurer auf dem Weltmarkt einkaufen. Das treibt den Oelpreis nach oben, laesst die in England und USA beheimateten Oelkonzerne jubeln und schwaecht insbesondere die asiatischen Laender. Auch der Dollar wuerde dadurch wieder stabiler, da man ihn wieder zwingend fuer Oelimporte braucht - Iran gehoert zu den Oellieferstaaten, die das Petrodollarimperium unterlaufen, indem sie Abrechnungen in anderen Waehrungen zulassen.
b) dieser Effekt laesst sich ausweiten, weil wahrscheinlich durch den Krieg der persische Golf blockiert wird. Das treibt den Oelpreis massiv nach oben, und die Oelmultis schwimmen dann in ihren Einnahmen. England und die USA sind nicht auf Oel aus dem Mittleren Osten angewiesen, da die hier ansaessigen Oelkonzerne weltweit Oelfelder akquiriert haben und dazu zusaetzliche Ressourcen durch Fracking erschlossen haben. Darueberhinaus koennen die explodierenden Oelpreise den Finanzzentren in London und New York exzessive Spekulationsgewinne bescheren.
Durch eine solche Entwicklung ergibt sich ein massiver Rueckschlag fuer die asiatischen Laender, die die bisherige wirtschaftliche Fuehrungsposition der westlichen Laender bedrohen.
c) als weitere Kriegsfolge koennten die Schiffahrtslinien Europa-Asien sowie Afrika - Asien blockiert werden: sie verlaufen zum großen Teil durch den Suez-Kanal, bzw. am Horn von Afrika.
Man unterstellt z.b. den Chinesen, sie haetten Waffen fuer Iran/Syrien an Bord ihrer Schiffe und haelt diese fest. Das waere ein kriegerischer Akt gegen China. China verfuegt jedoch nicht ueber die militaerischen Ressourcen, derartige Zugriffe im indischen Ozean abzuwehren.
Nicht umsonst sind erhebliche Teile der NATO-Flotten in der Region stationiert.
Es waere auch ein indirekter Schlag gegen Deutschland und andere Laender, die mit den Chinesen regen Handel betreiben, und gezwungen waeren, sich wieder verstaerkt den angelsaechsiischen Laendern zuzuwenden.
d) schließlich koennte man die Chinesen mit diesen Massnahmen direkt in militaerische Auseinandersetzungen verwickeln.
Sie waeren geschwaecht, weil ihre wichtigen Warenexporte und Rohstoffimporte (Afrika) behindert oder blockiert sind. Die wichtige Seestrasse von Malakka kann durch NATO-Einheiten muehelos blockiert werden. Passagen zwischen den indonesischen Inseln sind navigatorisch sehr problematisch und Australien ist Buendnispartner des Westens.
Unter Obama wurden laengst verschiedene Abkommen zur militaerischen Kooperation mit suedostasiatischen Laendern und Australien geschlossen.
Dass China seit Jahren der "Angstgegner" der westlichen Wirtschaftsmacht ist und im Begriff ist, ihr den Rang abzulaufen, ist ein offenes Geheimnis. Ein Krieg koennte die Moeglichkeit sein, diese Entwicklung zu stoppen.
Des Weiteren koennte ein ausgedehnter Krieg als Mittel dienen, die fortgesetzten Probleme der Finanzkrise zu ueberwinden, wie dies bereits durch den 2. Weltkrieg geschah. DIese Loesung wurde nach dem Ausbruch der Finanzkrise bereits von der RAND-Corporation empfohlen.
Wesentlich fuer einen moeglichen Erfolg dieses Vorgehens war (ist) dabei, eine rechtzeitige Initiierung. Den NATO-Staaten laeuft die Zeit davon: ihre Waehrungen: Dollar, Pfund (und Euro) stehen vor dem Kollaps. Damit sind ihre Mittel fuer die Fuehrung eines groeßeren Kriegs bedroht, da dieser auch die zuverlaessige Versorgung mit Rohstoffen bedingt. Auch die voluminoesen Ruestungsbudgets sind fuer sie nicht mehr zu halten, insbesondere im Fall eines Kollapses ihrer Waehrungen.
Die BRICS- und blockfreien Staaten machen zunehmende Anstrengungen zur Selbstorganisation unter Ausschaltung der vom Westen dominierten Instanzen: ihre bisherige Abhaengigkeit von den westlichen Industrielaendern hat sich weitgehend aufgeloest; damit sind sie nicht mehr / immer schwerer kontrollierbar. Die dominante Position des Westens wird zunehmend zur Schimaere und damit entsteht bei den strategischen Fuehrern die Neigung im Sinn einer "Torschlusspanik" das noch verfuegbare Potenzial einzusetzen, bevor die Zeit hierfuer abgelaufen ist.
So oder aehnlich sieht wahrscheinlich der Plan der neokonservativen Strategen in Washington und London aus.
Fuer die Initialzuendung dieser Entwicklung braucht man Syrien. / die Beseitigung des syrischen Staates. Darum bemueht man sich nun seit Jahren.
Als Gegner dieses Spiels sind insbesondere Putin und die chinesische Regierung ernst zu nehmen, die diese westlichen Strategien sicher durchschauen und intelligent genug sind, passende Gegenmassnahmen zurechtzulegen, die - in ihrem eigenen Interesse - jede militaerische Eskalation fruehestmoeglich stoppen.
Soweit die Analyse unter geostrategischem Aspekt.
Viele Bemuehungen in diesem Spiel "des Westens" / der NWO-Anhaenger sind jedoch bisher gescheitert oder haben sich nur aeußerst zaeh entwickeln lassen.
Und, wie bereits erwaehnt: nach den aktuellen Entwicklungen - dem Scheitern der Interventionen durch England und die USA - erscheint es aeußerst unwahrscheinlich, dass sich das beschriebene Kriegsszenario noch entwickeln laesst.
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