Donnerstag, 2. August 2012

Mexiko: Wälder im Aufbau

Von Emilio Godoy-​Amanalco– Mexiko | IPS | Mario Guzmán hat sich vor­ge­nommen, erst dann wieder Bäume zu fällen, wenn sich die Regen­zeit langsam ihrem Ende zuneigt. Das wird frü­hes­tens ab August der Fall sein. »Jetzt sind die Wege noch viel zu mat­schig, die Laster kämen nicht durch«, sagt der mexi­ka­ni­sche Bauer aus der Ort­schaft Ama­nalco, die ihre Gemein­de­wälder nach­haltig bewirt­schaftet. Guzmán meint den 150 Kilo­meter süd­lich von Mexiko-​Stadt gele­genen Gemein­de­forst El Potrero, der zusammen mit wei­teren zehn Wald­ge­bieten von der 1981 gegrün­deten Gemein­de­land­ver­ei­ni­gung Emi­liano Zapata ver­waltet wird. Dem Ver­band aus 2.400 Agrarei­gen­tü­mern ist es gelungen, 11.600 Hektar Wald zu schützen und gleich­zeitig Ein­nahmen aus dem Ver­kauf von Pinien-​, Eichen– und Tan­nen­holz zu erzielen. Im 22.872 Ein­wohner zäh­lenden Ama­nalco – der Name bedeutet in der Sprache der Náhuatl-​Indigenen ‘am Fisch­teich’ oder ‘Ort in der Nähe des Sees’ – haben die Eigen­tümer des Gemein­de­landes gelernt, natür­liche Schutz­wälle zu errichten sowie Obst– und andere Bäume zu pflanzen, um den Ver­lust der Böden zu ver­hin­dern. Wenn sie in den Wald­ge­bieten mit der Ket­ten­säge anrü­cken, fällen sie nur die ältesten und kranken Exem­plare, um dem Ökosystem die Chance zu geben, sich zu regenerieren. »Es ist schon eine gute Sache, dass wir von den Wäl­dern pro­fi­tieren können«, meint Guzmán, der in seinem Dorf auf einer 7,5 Hektar großen Par­zelle Mais, Hafer und Kar­tof­feln für den Eigen­be­darf anbaut. »Jah­re­lang mussten wir mit­an­sehen, wie unser Wald von einer Firma aus­ge­beutet wurde, von der wie nicht wussten, wie lange sie noch bleiben würde«, berichtet der 51-​jährige Bauer und Vater von sechs Kin­dern, der es inzwi­schen zum Vor­sit­zenden des Gemein­de­land­kon­troll­rats gebracht hat. Ein REDD+-Pilotprojekt Die Gemein­de­land­ver­ei­ni­gung Emi­liano Zapata gilt als gelun­genes Bei­spiel für eine nach­hal­tige Wald­be­wirt­schaf­tung. Es ist eines von sechs in Mexiko durch­ge­führten REDD+Projekten. REDD+ ist eine Initia­tive zur Ver­rin­ge­rung der Emis­sionen aus Ent­wal­dung und Schä­di­gung von Wäl­dern, die von den Ver­einten Nationen unter­stützt wird. Mexikos Wald­decke erstreckt sich über eine Fläche von 65 Mil­lionen Hektar. Den amt­li­chen Angaben zufolge ver­liert das latein­ame­ri­ka­ni­sche Land jähr­lich 150.000 Hektar. Umwelt­or­ga­ni­sa­tionen zufolge sind die Ver­luste dop­pelt so hoch. Die Wälder sind Teil der kom­mu­nalen Län­de­reien. 600 dieser 2.300 Kom­munen führen nach Angaben des Mexi­ka­ni­schen Bür­ger­rats für nach­hal­tige Wald­be­wirt­schaf­tung (CCMSS) 600 Forstbetriebe. Mexiko mit seinen 112 Mil­lionen Ein­woh­nern erzeugt jedes Jahr rund 709 Mil­lionen Tonnen Kli­ma­gase. 16 Pro­zent der CO2-​Emissionen gehen auf das Konto von land­wirt­schaft­li­chen Akti­vi­täten und Abholzung. REDD+, das den Län­dern des Südens finan­zi­elle und tech­no­lo­gi­sche Hilfe ver­schaffen soll, um den Kahl­schlag der Wälder zu dros­seln, stößt aber auch auf Kritik. So monieren Wis­sen­schaftler und Gemeinden, dass die Initia­tive Wälder zur bloßen Han­dels­ware degradiere. »Sollen doch die Eigen­tümer der Wälder ent­scheiden, ob sie sich an REDD+ betei­ligen wollen oder nicht«, meint dazu Félix López von der unab­hän­gigen Ver­ei­ni­gung der Gemein­de­forst­wirte des süd­li­chen Bun­dessstaates Oaxaca. Dem Zusam­men­schluss stehen rund 100.000 Hektar Wald zur Verfügung. Mit REDD+ könnte es Mexiko nicht nur gelingen, seine Wälder zu schützen, son­dern auch wieder auf­zu­forsten. Dadurch ließen sich 41,8 Mil­lionen Tonnen Kli­ma­gase ein­sparen. Dar­über hinaus würde eine Ver­rin­ge­rung der Agrar– und Wei­de­flä­chen mit einer wei­teren CO2-​Einsparung von 4,7 Mil­lionen einhergehen. Der­zeit werden REDD+-Projekte in 16 Län­dern umge­setzt. Im Januar stimmte die Welt­bank einem Kredit in Höhe von 392 Mil­lionen US-​Dollar für die Durch­füh­rung des mexi­ka­ni­schen Pro­jekts für Wälder und Kli­ma­wandel zu. Der Betrag soll in erster Linie Initia­tiven ein­zelner Wald­ge­mein­schaften zugu­te­kommen. Für das lau­fende Jahr steht dem Wald­sektor ein Haus­halt von 441 Mil­lionen Dollar zur Verfügung. Die Gemein­de­land­ver­ei­ni­gung Emi­liano Zapata hat sich bei der CCMSS, der mexi­ka­ni­schen Gonzalo-​Río-​Arronte-​Stiftung und der US-​amerikanischen Ein­rich­tung ‘Inter­ame­ri­cana’ Finan­zie­rungs­mög­lich­keiten erschlossen. Von den Gel­dern kaufte sie ein Säge­werk, das 23 Per­sonen beschäf­tigt und täg­lich 170 Kubik­meter Holz produziert. Ver­mittler ausgeschaltet Inzwi­schen sind die Gemein­de­wald­ei­gen­tümer nicht mehr auf Mit­tels­männer ange­wiesen, son­dern können hier Holz direkt an das Säge­werk lie­fern oder an externe Käufer ver­äu­ßern. Dadurch lassen sich bes­sere Preise erzielen. Der­zeit ver­dienen die Pro­du­zenten an einem Kubik­meter Holz jeweils 73 Dollar. Die Wald­ei­gen­tümer haben nun vor, ihre ver­wal­tungs­tech­ni­schen, bäu­er­li­chen und forst­wirt­schaft­li­chen Kennt­nisse zu erwei­tern. Aus einem Fort­schritts­be­richt der ‘Forest Carbon Part­nership Faci­lity’ (FCPF) geht hervor, dass die Mexi­kaner nun dafür sorgen müssten, ihre auf unter­schied­liche Bun­des­staaten ver­teilten Pro­jekte zu har­mo­ni­sieren. Die FCPF, eine Allianz aus Staaten, nicht­staat­li­chen und inter­na­tio­nalen Akteuren, die Pro­jekte zur Ver­rin­ge­rung der durch Ent­wal­dung und Wald­de­gra­die­rung frei­ge­setzten Kli­ma­gase unter­stützt, hat Mexiko als eines von acht Pilot­län­dern ausgesucht. Unbe­ant­wortet ist die Frage geblieben, wie sich die REDD+-Strategie in Regionen anwenden lässt, in denen Agrar­kon­flikte schwelen. Nach Angaben des Minis­te­riums für Agrar­re­form gibt es lan­des­weit 526 sol­cher Konflikte. 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