Donnerstag, 2. August 2012
Mexiko nach den Wahlen - Tagesseminar, Samstag 15.september 2012 Köln
Mexiko nach den Wahlen - Perspektiven für
demokratische und soziale Bewegungen
Rosa-Luxemburg-Stiftung Nordrhein-westfalen in Kooperation mit
Alerta! Lateinamerika-Gruppe und ILA Informationsstelle Lateinamerika.
samstag, 15. september 2012 von 10 Uhr bis 18 Uhr
in der Alten Feuerwache, Melchiorstr. 3, 50670 Köln
Kontakt
Rosa-Luxemburg-Stiftung NRW
HedwigstraSSe 30-32, 47058 Duisburg
Tel. 0203 31773-92, fax 0203 31773-93
Anmeldung
Um Anmeldung wird gebeten:
Formlos per Email an post@rls-nrw.de.
Die Teilnahme ist kostenfrei,
In den Pausen werden getränke und Imbiss gereicht.
Anfahrt
Es gibt keine Parkplätze in der Alten Feuerwache und ihrer Umgebung. Deshalb empfiehlt sich die
Anfahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Ebertplatz, Krefelder Wall oder Hansaring - von dort
jeweils 5 Min FuSSweg).
Programm
Samstag, 15. september 2012 von 10 Uhr bis 18 UHR
10:00–10:15 Eröffnung
10:15–12.30 Wahlkampf, Demokratie und Ausnahmezustand
Törge Löding (Büroleiter Rosa-Luxemburg-Stiftung Mexiko)
Anne Huffschmid (Kulturwissenschaftlerin und Autorin)
12:30–13:00 Pause
13:00–15:00 Gewalteskalation, Menschenrechte und Straflosigkeit
Alejandro und Antonio Cerezo (Comité Cerezo, Träger des Aachener Friedenspreises)
Christiane Schulz (Menschenrechtsreferat Brot für die Welt)
15.00-16.00 Pause
16:00–18:00 Kämpfe und Perspektiven sozialer Bewegungen
Luz Kerkeling (Dozent, Journalist und Filmemacher; Gruppe B.A.S.T.A.)
Ein_e Vertreter_in der Bewegung Yo soy #132
Tagesseminar, Samstag 15.september 2012 von 10 Uhr bis 18 Uhr
Mexiko nach den WAHLEN:
Perspektiven für
demokratische und
soziale Bewegungen
THEMEN:
Was der Wahlsieg des Kandidaten der PRI über den Zustand der Demokratie verrät
Torge Löding (Büroleiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Mexiko)
Enrique Peña Nieto von der Partei der institutionalisierten Revolution (PRI) ist als Sieger aus den Präsidentschaftswahlen hervor gegangen.
Zahlreiche Berichte über unsaubere Praktiken überschatten auch dieses Mal den Wahlprozess in Mexiko. Die PRI hat in den
sieben Jahrzehnten ihrer Herrschaft eine Demokratur geschaffen, ein System welches sich zwar mit Wahlen legitimiert, aber geprägt
ist von Stimmenkauf, Bestechung, Klientelismus und im Zweifel blutiger Repression. Zwar stellt sich die PRI heute als gewandelt dar,
der neugewählte Präsident Peña Nieto gibt vor, ein neues Gesicht der alten Staatspartei zu verkörpern. Doch genau das kann in Frage
gestellt werden.
Die Gewöhnung an den Ausnahmezustand?
Dr. Anne Huffschmid (Kult urwissenschaftlerin am LAt einamerika Institut Berlin, Journalistin und Buchautorin)
Der Ausnahmezustand – die Gewalteskalation im Zusammenhang mit organisiertem Verbrechen und dem so genannten Drogenkrieg
– droht in Mexiko zum Normalzustand zu werden. Vor den Präsidentschaftswahlen haben die Parteien, einschließlich der Linken,
Wahlkampf as usual betrieben. Die Rückkehr der PRI besiegelt nun auch die nominelle (Re-)Normalisierung von Korruption und Straflosigkeit,
es droht die gesellschaftliche Gewöhnung an Terror und konkurrierende Gewaltregime – sowie die überbordende Sehnsucht
nach einer pax mafiosa. Welche Gruppen, Kräfte und Strategien könnten diese fatale Gewöhnung an Gefolterte, Massakrierte und
Verschwundene im öffentlichen Leben Mexikos unterlaufen?
Defekte Demokratie oder Staatsterrorismus? Mexikos dramatische Menschenrechtsbilanz
Christiane Schulz (Menschenrechtsreferat Brot für die Welt )
In den letzten Jahren hat sich die Menschenrechtslage in Mexiko deutlich verschlechtert. Deutlichstes Beispiel dafür sind die seit 2007
sprunghaft angestiegenen Mordraten. Die quantitative wie qualitative Eskalation der Gewalt findet im Kontext struktureller Rechtsstaatsdefizite
statt. Das Justizwesen ist weder unabhängig noch wird es demokratisch kontrolliert. Während Täter von Verbrechen
kaum eine Aufklärung befürchten müssen, werden die Rechte der Opfer auf Wahrheit und Gerechtigkeit verhöhnt. Besonders drastisch
zeigt sich dies im Fall von Migrant_innen, die keinerlei gesellschaftliche Lobby genießen.
Militarisierung, Menschenrechtsverletzungen und Machtmissbrauch
Alejandro und Antonio Cerezo (Comité Cerezo, Träger des Aachener Friedenspreises)
Auch die Situation von Menschenrechtsverteidiger_innen hat sich enorm verschlechtert. Ende des Jahres 2006, kurz nach der wegen
massiven Fälschungsvorwürfen äußerst umstrittenen Präsidentschaftswahl, hatte der neue Amtsinhaber Felipe Calderón einen „Krieg
gegen die Drogen“ ausgerufen. Es folgte eine Militarisierung der Gesellschaft und der Versuch, die Drogenkartelle militärisch zu besiegen.
Opfer dieser Politik sind auch soziale und politische Organisationen wie das Comité Cerezo, die die Militarisierung, Menschenrechtsverletzungen,
Machtmissbrauch und Korruption öffentlich machen und sich gewaltfrei gegen die Kriegslogik von Kartellen und
Regierung engagieren.
Landkonflikte und Widerstand sozialer Bewegungen in Südmexiko
Luz Kerkeling (Dozent, Journalist und Filmemacher; Gruppe B.A.S.T.A.)
Viele der kleinbäuerlichen indigenen Dorfgemeinschaften in Südmexiko funktionieren auf der Basis von traditioneller Versammlungskultur,
Gemeinschaftsarbeit und Subsistenzwirtschaft zur Grundversorgung mit Nahrungsmitteln. Das Land gerät jedoch immer stärker
ins Visier von politischen und wirtschaftlichen Privatinteressen. Gemeindeländereien werden zunehmend in Ware konvertiert. Doch die
sozialen Bewegungen in Chiapas, Guerrero, Michoacán und Oaxaca nehmen dies nicht schweigend hin. Sie leisten Widerstand gegen
lokale Machthaber, Regierungsfunktionäre, Konzerne und Organisierte Kriminalität und bauen alternative autonome Strukturen auf -
mit beachtlichen Erfolgen.
Die Bewegung Yo soy #132: Ya no seremos más una voz silenciada.
Ein_e Vertreter_in der Bewegung Yo soy #132
Die Bewegung YoSoy#132 (übersetzt: Ich bin der 132ste) entstand in der Hochphase des Wahlkampfs aus Protest gegen das Bündnis
des mächtigen mexikanischen Medienkartells mit dem Präsidentschafts-Kandidaten der PRI Enrique Peña Nieto und die Kriminalisierung
studentischer Proteste. Als pluralistische Basisbewegung entwickelte sie eine besondere Dynamik, erhielt starken Zulauf und
prägte den Wahlkampf durch Protestaktionen im ganzen Land. Auch nach der Wahl setzen die Aktivist_innen auf eine Fortführung des
Protests: Sie rufen alle Menschen in Mexiko dazu auf, sich an der Realisierung eines gesamtgesellschaftlichen Transformationsprojekts
zu beteiligen. Ihre Forderungen umfassen neben der Demokratisierung der Massenmedien, grundlegende Veränderungen im Bildungssystem,
der Sicherheitspolitik, des Wirtschaftssystems und der demokratischen Kultur im Land.
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