Mittwoch, 15. August 2012
[Hoppetosse] Nach Buntes Gegenprogramm zur Libertären Medienmesse geplant
Hallo,
mit dieser Mail möchte ich über eine erneute Zensur berichten - wieder in anarchistischen Kontexten. Es gibt die Überlegung, sich dem nicht einfach zu beugen, sondern etwas Eigenes zu machen und so zu signalisieren: Anarchie ist bunt - und die Quadratdenker der Szenen sollen sich nicht als Alleinherrscher fühlen (oder besser: sich verpissen).
Denn, wer sich noch Illusionen machte, es könnte irgendwo in der doitschen politischen Bewegung hierarchiefreie Zonen geben, mag überrascht sein: Die Lesung "Freie Menschen in freien Vereinbarungen" ist aus dem Programm der Libertären Medienmesse (24.-26.8. in Bochum) gestrichen, sprich zensiert worden. Solche Zensur ist leider allgegenwärtig. Sie ist für die deutschsprachige, anarchistische Landschaft ziemlich peinlich, denn das Buch "Freie Menschen in freien Vereinbarungen" ist einer der ganz wenigen deutschsprachigen Beiträge zur Theorie der Herrschaftsfreiheit der letzten Jahren (der Rest sind meist Übersetzungen oder Nostalgie). Auch das Begleitprogramm der LiMesse besticht nicht gerade durch Theorie- oder auch nur Strategiedebatten (was nicht heißen soll, dass alle Workshops doof sind – aber es ist eben, mal wieder, ein Zeichen, dass der deutschsprachige Anarchismus gestrig, ziemlich langweilig und „normal“ bis demokratisch ist).
So … und nun gibt es Überlegungen, zum einen den zensierten Workshop vor der Tür der Messe zu machen – aber dann auch gleich mehr, u.a. weitere Themenangebote. Wer hat Lust, eine unzensierte Ecke vor der "libertären" (hahaha) Messe zu machen? Und das mit bunten Aktionen, Werben für eine radikal-herrschaftskritische Anarchie statt Wohlfühlromantik mit Basisdemokratie und versteckten Hierarchien?
Wir (bislang einige Leute aus dem Umfeld der Projektwerkstatt und des SeitenHieb-Verlages) laden ein zu zwei inhaltsreichen und offensiven Tagen im Ringen gegen anarchistische Verkrustung und konsequente Herrschaftskritik: Am 25. Und 26.8. vor dem Kulturbahnhof Bochum-Langendreer – angemeldet als Demonstration J!
Zum bisherigen Ablauf der Auseinandersetzung:
Ich meldete mich bei der Libertären Medienmesse und schlug vor, eine Lesung mit Diskussion zum neuen Buch „Freie Menschen in freien Vereinbarungen“ zu machen. Dieses wurde zunächst begrüßt, dann aber mit Verweis auf die Intervention nicht näher benannter Personen wieder abgesagt. Die Bitte, das näher zu erläutern, führte zu kaum genaueren Auskünften – offensichtlich war die Person, mit der ich mailte, nicht selbst der Auffassung, musste diese aber auf Druck wichtigerer Personen im Hintergrund vertreten. Die eigentlichen ZensorInnen blieben unerkannt – das ist das, was ich Heckenschützenrhetorik nenne und seit einiger Zeit üblich ist (weder bei meinem Ausschluss vom „Rebellischen Zusammenleben“ noch beim Ausschluss von Hanna Poddig und mir beim Z.U.G.A.Be-Treffen wurde ersichtlich, wer eigentlich aus welchen Gründen dort handelte – die Orga-Menschen, mit denen Kontakt bestand, waren es jedenfalls nicht).
Nach dem Ausschluss von der LiMesse überlegten wir im kleinen Kreis, den Willkürhandlungen bewegungsinterner, verdeckter Eliten nicht permanent immer nachzugeben, sondern einmal die Idee zu prüfen, bei einer anarchistischen Veranstaltung eine – wie absurd – Gegenveranstaltung zu machen. Diese sollte sich nicht generell gegen die LiMesse richten, sondern gegen die Zensur, verdeckte Hierarchien und den Freiraum für unterdrückte Meinungen bieten. Es gab ein Unterstützungsangebot von Menschen aus Bochum, die zunächst aber noch einmal in Kommunikation mit den LiMessen-OrganisatorInnen treten wollten. Das zog sich lange hin – entweder herrscht bei der LiMesse Schludrigkeit bei Dingen, die unangenehm scheinen. Oder es wurde bewusst verzögert. Mit Kommunikation und Horizontalität hat all das nichts zu tun (und erinnert ebenfalls an die Ausgrenzungen der Wochen davor, wo ebenfalls aus dem Hintergrund „geschossen“ und Kommunikation konsequent verweigert wurde). Schließlich folgte vor einigen Tagen die endgültige Absage. Daraufhin beschlossen wir, den geplanten Freiraum auf der Zensur-Messe zu errichten. Da AnarchistInnen immer wieder mit Hausrecht bis Faustrecht agieren, setzen wir auf eine offensive Variante: Das Versammlungsrecht. Am 2.8. meldete ich eine Demonstration vor dem Kulturbahnhof Bochum-Langendreer an.
Wenn schon Zensur, dann auch richtig: Als auf Indymedia ein Interview erschien zur LiMesse (obwohl es Ankündigungen da ja eigentlich nicht geben sollte – aber egal, D-Indymedia ist eben deutsche Bewegung und damit auch Gegenstand von Manipulation und Hegemonialkämpfen), fügte ich den Hinweis auf die Zensur als Ergänzung an. Diese Ergänzung wurde vollständig zensiert!
Die Idee:
Vorschlag ist, sich am Samstag und Sonntag vor dem Kulturbahnhof Langendreer zu versammeln, die BesucherInnen der Messe mit Informationen über den Konflikt, Argumenten für eine konsequentere Herrschaftskritik zu versorgen und Workshops anzubieten. Das Ganze kann als bunter Protest (Transparente, Kreide, Straßentheater, Mars-TV, Stelzenlaufen mit den Flyern usw.) rüberkommen – und soll aus einem anspruchsvollen Programm von Lesungen, Workshops usw. bestehen. Daher: Wer hat Lust und Zeit für einen kreativen 40-Stunden-Marathon … Samstag früh losfahren Richtung Bochum, ab ca. 11 Uhr bis Sonntag nachmittag dort aktiv sein und dann wieder zurück …???
Unsere Bitte:
Wer hat Lust, die zwei Tage in Bochum zu verbringen?
Es wäre auch die Möglichkeit, dorthin Treffen u.ä. zu legen.
Wer hat Lust, dort noch eigene Workshops, Trainings oder Aktivitäten (Straßenmusik, Artistik …) einzubringen? Es wäre schön, wenn wir die zwei Tage mit einem schönen Programm vollkriegen. Und vorab veröffentlichen sowie auf einem Flyer, den wir dort allen Menschen in die Hand drücken.
Wer hat Lust, mit uns von Saasen aus zu fahren (z.B. auf einem Wochenendticket) und dabei das ganze Material hinzuschleppen (Soundmobil, Tisch, Pavillons, Büchertisch …)?
Wer von woanders kommt: Wer kann von dort noch was anschleppen?
Bitte meldet Euch – ich würde gern ein paar weitere Workshops und Aktivitäten sammeln, bevor in ein paar Tagen ein Aufruf in die Breite gestreut wird (dann auch an die weiteren AusstellerInnen der Messe) … Jörg
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Projektwerkstatt Saasen, 06401/90328-3, Fax 03212-1434654, Mobil 01522-8728353
Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen-Saasen (20 km östlich Giessen)
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Neue Bücher zu Herrschaftskritik und Utopien unter www.aktionsversand.de.vu!
Aktuelle Angebote für Lesungen, Workshops und Vorträge: www.vortragsangebote.de.vu
Die Projektwerkstatt lebt davon, was anderswo übrig ist, z.B.: geeichter (Kalt-)Wasserzähler, Auf-Wand-Eckspülkasten für die Toilette, 2-Liter-Wasserkocher, Kopierpapier (Gesamtliste unter www.projektwerkstatt.de/gesucht).
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